Ausstellungstipp ¦ Optical Shift. Illusion und Täuschung
Keine Kommentare » September 3rd, 2010
Das Kunst- und Kulturzentrum b-05 findet nur, wer bereits davon gehört oder gelesen hat. Es liegt inmitten eines Waldstücks bei Montabaur und ist in den Bunkern eines ehemaligen Nato-Munitionslagers untergebracht. Das reizvolle an dem Gelände ist nicht nur seine Abgeschiedenheit, sondern auch das Gelände an sich: Parkähnlich, mit gewachsenem Baumbestand und jahrelang der Natur überlassen, verströmt es einen ganz besonderen Flair.
Und so passt auch die Gruppenausstellung „Optical Shift. Illusion und Täuschung” eindrucksvoll in diese Umgebung. Gezeigt werden Arbeiten von 23 Künstler und Künstlerinnen - von Thomas Demand über Imi Knoebel bis hin zu Pietro Sanguineti - die sich dem weiten Feld der optischen Irritation verschrieben haben.
Diese optischen Irritationen oder mehrdeutigen Bilder sorgen beim Betrachter für Verwirrung. Denn Bilder von optischen Irritationen werden teils völlig anders wahrgenommen, als es die tatsächlichen Bildgegebenheiten vermuten lassen.

Bei Martin Spenglers Kathedrale 7 etwa ergeben sich illusionäre Bewegungsabläufe durch die Reliefen, die er durch aufeinander geklebte Wellpappen schnitzte. Durch diese unterschiedlichen Tiefenstrukturen erzeugte er eine illusionäre Realitätsnähe. Das zeigt, dass unser Wahrnehmungssystem ein äußerst instabiles Gebilde darstellt. Die Ausstellung verdeutlicht anschaulich, dass der menschliche Sehapparat immer nach ein und demselben Grundprinzip funktioniert: dem Streben nach dem optimalen Ergebnis bei minimalem Aufwand. Anhand einer Vielzahl optischer Irritationen, mehrdeutiger Bilder oder räumlicher Konfliktsituationen kann dieses Prinzip auf die Probe gestellt werden. Dabei erweist sich unsere Wahrnehmung als Meister des Kompromisses und immer wieder als überraschend einfallsreich. So ist bei einigen Irritationsbildern die einfachste Kompromisslösung ein zeitlicher Wechsel der Wahrnehmung zwischen den verschiedenen Alternativen. Bei anderen Bildern besteht der Kompromiss hingegen aus einer internen Korrektur, zum Beispiel der empfundenen Bildgröße wie Kantenlängen, Helligkeiten, Farben oder räumlichen Tiefen.
So verwirrend die Eindrücke auch sind: Die Ausstellung trennt zwischen Illusion und Täuschung: Mit Illusion werden die Aspekte angesprochen, die optische Irritationen unterschiedlicher Art bei den Betrachtern hervorrufen. Dieser unterliegt dabei seiner sinnlichen Einbildungskraft. Unter Täuschung verstehen die Ausstellungsmacher die bewusste Irreleitung des Betrachters. Es wird vorgegeben, dass Etwas vorhanden ist, was jedoch nicht der Realität entspricht. Bei der Illusion kann man also von einer psychogenen Ebene sprechen, während bei der Täuschung eine manipulative Einflussnahme erfolgt.
Die Ausstellung ist noch bis 17. Oktober 2010 zu sehen. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des b-05 Kunst- und Kulturzentrum.
Mehr Fotos habe ich bei Flickr eingestellt.



körperlich anstrengen muss und die Skulpturen inmitten von Wiesen aber auch so abseits platziert sind, dass sie von bestimmten Punkten aus nur sichtbar, nicht aber erreichbar sein. Der Weg ist das Ziel, könnte man auch sagen. Abseits des Großstadttrubels und des Lärms erwarten einen hier Entschleunigung, Ruhe, Stille - lediglich unterbrochen vom Geläut der Kuhglocken -, Blumenwiesen und eine unglaubliche Weite.




