NPO-Blogparade ¦ Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?

In der sechsten Runde der NPO-Blogparade bin ich dran, die Frage für den März zu stellen, die sich mit dem Thema Bewegtbild befasst.

Spätestens mit erreichen einer kritischen Masse an „videotauglichen” Internetzugängen beschäftigen sich Unternehmen, Handelshäuser, Verlage oder sonstige (Kultur-)Institutionen mit Bewegtbildkonzepten für ihre Websites oder Online-Portale. Endlich können Produkt- oder Dienstleistungsangebote audiovisuell Kunden, Geschäftspartnern oder der Presse präsentiert werden. Bewegtbild ist bezahlbar und „massentauglich” geworden. Verlage agieren heute crossmedial und werten ihre Onlineportale mit Web2.0-Funktionalitäten und Bewegtbildinhalten auf. Der Erfolg bestätigt den Trend: WebTV oder Videoclips im Internet haben teilweise eine hervorragende Akzeptanz - vorausgesetzt die Inhalte sind geeignet, das Thema interessant und die Umsetzung qualitativ gut ist. Mittlerweile sind auch einige (wenn auch wenige) Kulturinstitutionen „auf diesen Zug aufgesprungen” und diejenigen, die Bewegtbildinhalte in ihre Kommunikation integrieren, verzeichnen „traumhafte”  Zugriffszahlen.

Doch noch sind NPOs - und ich schließe hier die Kunst- und Kulturbetriebe (zumal sie mir am Vertrautesten sind) mit ein - mit dem Einsatz dieses Mediums sehr zögerlich. Daher nun meine Frage

„Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?”

Ist es das Nicht-Wissen um die Möglichkeiten, die dieses Medium bietet oder ist es der Irrglaube, dass die Produktion von gut gemachten Bewegtbildern enorme Kosten verursacht?

Ein paar Anmerkungen zu den Möglichkeiten, die Bewegtbilder mit sich bringen und warum man sich als Kulturschaffender intensiv damit auseinandersetzen sollte. Die Stärke des Mediums liegt doch u. a. darin, Emotionen zu transportieren und dadurch Interesse zu wecken. Sind es nicht gerade NPOs, die nicht nur mit ihren Leistungen sondern auch bereits als Organisation selbst Emotionen vermitteln (wollen). Hinter den NPOs stehen Menschen, Schicksale aber auch Kunstwerke, Musiker, oder einfach nur Besucher, die der Einrichtung/Organisation dadurch ein Gesicht geben und den Betrachtern ansprechen. NPOs erbringen Leistungen, die teilweise weitaus besser und erfolgreicher audiovisuell zu präsentieren sind, als das eine oder andere Consumer-Produkt, das heute in TV, auf Websites beworben wird. Die Vorteile der NPOs - ihre Leistungen - sprechen für sich, benötigen keine „werbewirksame Story” und sind authentisch.

Themen der NPOs sind „breit streubar und platzierbar”. „Zuschauer” werden nicht nur auf der eigenen Homepage oder in eigenen Blogs erreicht. Interessierte können über Social Communities, diverse Video-Portale oder Verlagsportale angesprochen werden. „Virale Effekte” unterstützen - gerade im Bereich Bewegtbild - gigantisch.

Alle, die zu diesem Thema etwas beitragen möchten, sind herzlich eingeladen, auf ihrem Blog einen entsprechenden Beitrag zu verfassen und ihn hierher zu verlinken oder einen Kommentar zu hinterlassen.

Diese Runde der NPO-Blogparade läuft bis zum 6. April. Wenn Sie wissen wollen, was eine Blogparade ist, wie sie funktioniert und wer daran als Host teilnimmt, dann finden Sie auf dem Blog der NPO-Blogparade die wichtigsten Informationen.

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24 Responses to “NPO-Blogparade ¦ Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?”

  1. Die nächste Runde der NPO-Blogparade: warum nutzen wir so selten Videos? « Das Kulturmanagement Blog Says:

    [...] für die März-Ausgabe der NPO-Blogparade kommt diesmal von Ulrike Schmid. Auf Kultur2.0 fragt sie, warum Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt werden? Diese Frage richtet sich natürlich auch wieder an Kunst- und Kultureinrichtungen, auf deren [...]

  2. Helpedia - Blog Says:

    [...] Zum Schluss noch ein Verweis auf die nächste Runde der NPO-Blogparade. Diese wird von Ulrike Schmidt auf Ihrem Blog Kultur 2.0 gehostet und beschäftigt sich mit der Frage “Warum werden Bewegtbilder von NPOs so wenig genutzt?“ [...]

  3. Mein Blog zu wueDesign Says:

    6. Runde NPO-Blogparade: Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?…

    Manchmal überschneiden sich ja auch Gedanken. Seit einigen Wochen arbeite ich an zwei kurzen Videos (Bewegtbilder), um für das bürgerschaftliche Engagement zu werben.
    Ich hatte bereits in einem früheren Beitrag hier über das Projekt “Bürger…

  4. Günter Bressau Says:

    Hallo Ulrike,
    ich finde es schwierig, diese Frage ohne eine eindeutige Feststellung vorab zu treffen. Ich würde auch gerne die Frage stellen, warum Web 2.0-Elemente von Nonprofit-Organisationen so wenig genutzt werden, aber auch die Frage ist vielleicht zu vorschnell gestellt. Nach wie vor wird das enorme Potential, das im Internet und auch mit “neuen” Medien (was Videos nun mal nicht mehr sind) zur Verfügung steht, nicht genutzt - zumindest entsteht auch bei mir der Eindruck, den du beschreibst. Allerdings gibt es dazu bislang keine verlässlichen Zahlen - oder ist dir eine Studie über die Video- bzw. Web 2.0-Nutzung von NPOs bekannt? Ich möchte noch nicht allzu weit vorgreifen, aber in meinem Beitrag zur NPO-Blogparade im April werde ich mich mit der Frage beschäftigen, wieso NPOs im Allgemeinen und in Deutschland im Speziellen in dem Ausschöpfen des Web 2.0-Potentials anders zu betrachten sein sollen als gewinnorientierte Unternehmen. Doch anders als bei diesen ist mir leider keine Statistik bekannt, die sich mit den Internet-Präsenzen von NPOs beschäftigt.
    Zurück zu deiner Frage - verwirrend finde ich allerdings, dass du nicht von Videos, sondern von “Bewegtbildern” sprichst. Wenn ich jemanden fragen würde, ob er gerne Bewegtbilder auf seiner Homepage einsetzt, würde ich wahrscheinlich ratlose Blicke ernten. Definition hin oder her - der Einsatz bestimmter Elemente orientiert sich am Nutzen. So setzt Amnesty Deutschland (http://www.youtube.com/user/AmnestyDeutschland) ebenso auf Videos wie Greenpeace (http://www.youtube.com/user/GreenpeaceDE) oder zahlreiche andere NPOs, sie führen auf YouTube ihre eigenen Kanäle, über die entsprechend Kampagnen beworben werden. Videos sind hier Teil einer Gesamtstrategie, sie werden nicht einfach benutzt, um die Homepage bewegt aussehen zu lassen. Und genau in diese Richtung muss es gehen: NPOs wie gewinnorientierte Unternehmen müssen eine Strategie entwickeln, mit der sie im Internet präsent sein wollen. Wenn es in Richtung Online-Marketing gehen soll, dann ist sicher eine andere Strategie bestimmend, als wenn es in Richtung einer stärkeren Beteiligung von Nutzern, Stakeholdern oder anderen Interessensgruppen gehen soll, wie es beim Web 2.0 der Fall ist. Im genannten Beispiel stellen sich Greenpeace Deutschland und Amnesty Deutschland einer breiten Öffentlichkeit, stellen ihre Videos zur Verfügung und unterstützen damit die Diskussion über sich als Organisation und über die Inhalte, für die sie stehen. Diese Transparenz als Grundhaltung halte ich für beeindruckend und wegweisend.

  5. Matthias Röder Says:

    Hallo Günter Bressau,
    auch die Fragestellung der Nutzung bzw. bedingten Nutzung von Web 2.0 -Elementen von Non profit Organisationen ist sehr interessant. Bin gespannt auf den April-Beitrag!
    Auch mir sind weder Studien zum Thema “NPO und Web 2.0″ noch zu “Bewegtbild” in diesem Umfeld bekannt.
    Meine Erfahrung bestätigt allerdings die Einschätzung von Ulrike Schmid. “Neue Medien” sind in diesem Umfeld noch nicht wirklich angekommen. Über die Frage, inwieweit “Bewegtbild” aber auch “Web 2.0-Anwendungen” noch als “neue Medien” zu bezeichnen sind, kann man sicherlich diskutieren. Neu sind für mich definitiv Möglichkeiten des Medieneinsatzes. “Video” ist sicherlich kein neues Medium. Anwendungen, die sich allerdings unter Nutzung von Bewegtbild in Verbindung mit Web 2.0-Funktionalitäten umsetzen lassen, können sehr wohl innovativ sein.
    In der “Masse” betrachtet kann man m.E. feststellen, dass Bewegtbild-Anwendungen häufig (und zunehmend) lediglich auf die Produktion einzelner Videos reduziert werden und wenig sinnvoll medial eingebunden werden.
    Ich bin seit ca. 15 Jahren im Bereich Bewegtbildkommunikation tätig. Mitte der 90er Jahre hat man von Videoproduktion im Bereich der Unternehmenskommunikation nur bedingt gesprochen. Damals war doch eher das Medium “TV” im Sprachgebrauch. Auch heute -im “Web-TV-Zeitalter” - lässt sich mit der Produktion von Videoclips, die auf Websites von Unternehmen präsentiert werden, nicht die Bandbreite der Möglichkeiten umschreiben, die sich mit audiovisuellen Medien und deren Nutzung in verschiedenen Kanälen ergeben.

    Eine kategorische Unterscheidung zwischen einer Marketing-Zielsetzung und einer “stärkeren Beteiligung von Nutzer, Stakeholder..” sehe ich nicht. Das kann sicherlich einerseits daran liegen, dass ich auch beispielsweise Amnesty oder Greenpeace irgendwie als “Marke” begreife und daran, dass Marketing für mich nicht auf Werbung reduziert ist. Marketing schließt für mich zudem alle Stakeholder ein. Sicherlich ist jedoch “Marketing” nur eine Teildisziplin der Kommunikation - die sich allerdings auch Web 2.0 -Anwendungen zu nutze macht.

  6. Günter Bressau Says:

    Hallo Matthias,

    vielen Dank für die differenzierte Rückmeldung! Die Erweiterung des Videobegriffs kann ich so annehmen.
    Bezogen auf Deinen letzten Abschnitt möchte ich etwas ausführlicher werden: Ich unterscheide nicht zwischen einer Marketing-Zielsetzung und einer stärkeren Beteiligung von Nutzern etc, sondern explizit zwischen Online-Marketing und Web 2.0-Marketing. Online-Marketing umfasst klassische Bannerwerbung, Suchmaschinen-Marketing, E-Mail-Marketing und -Werbung und Affiliate-Marketing. Im Prinzip ist das eine Fortführung des klassischen Marketing mit Hilfe des Internets: Der Kunde (oder Nutzer, Partner, Stakeholder etc.), dessen Bedürfnis in umfangreichen Analysen erfasst wurde, soll von bestimmten Produkteigenschaften (oder Dienstleistungseigenschaften) überzeugt werden. Mit Hilfe von Direct-Mails und inhaltlich passenden Anzeigen bei Suchmaschinen wird anders als im klassischen Marketing eine breite Masse passgenau beworben. Web 2.0-Marketing hingegen bezieht den Kunden in die Erstellung von Dienstleistungen und Produkten ein - wie dies ganz klassisch beim Mozilla-Browser der Fall war, aber auch bei LEGO (LEGO Factory), deinfussballclub.de oder auch bei brewtopia.com. Damit einher geht ein kompletter Paradigmenwechsel im Marketing - den auch große NPOs wie Greenpeace und Amnesty verstanden haben: Der Nutzer (und alle Stakeholder und sonstwie Interessierten) werden nicht ausschließlich analysiert, sondern gestalten ihren Bedürfnissen und Anforderungen das Produkt, die Dienstleistung, mit. Sie holen sich quasi ihr Wunschprodukt selbst heran, anstatt es aufgeschwatzt zu bekommen. Web 2.0-Marketing ist aus meiner Sicht also nicht nur eine Teildisziplin von Kommunikation, es ist eine Grundhaltung.

  7. Herbert Schmidt Says:

    Hallo Matthias und Günter,

    jetzt kommt “Leben in die Bude” - prima. Für mich bleibt immer noch der Gesichtspunkt, dass NPO’s zu wenig davon verstehen. Machen wir es ihnen auch nicht vielleicht zu schwer, wenn wir von “Bewegtbildern” reden und Videos oder Podcasting schlechthin meinen.
    Können wir nicht einfache Anleitungen entwickeln, um den “Tipping Point” zu erreichen, dass sie sich auch auf dieses Feld bewegen.
    Ich habe unsere Fragestellung einmal außerhalb unseres “Dunstkreises” platziert, damit sich nicht immer nur die üblichen Verdächtigen zu Wort melden.
    Aus meiner Sicht ist das Förderung der Netzwerkbildung.

  8. Ulrike Schmid Says:

    @Matthias Röder. Danke für die Erklärung des Begriffs “Bewegtbild”. Besser hätte ich’s nicht erklären können:-))

    @Günther Studien sind mir auch nicht bekannt. Ich verweise wieder einmal auf das Städel Museum, das Bewegtbilder nicht nur auf der eigenen Hompage und bei You Tube einstellt (so zirka 650 Aufrufe), sondern auch Medien zu Verfügung stellt. D. h. wenn’s angeboten wird, wird es von den Stakholdern auch agenommen.

    Ich stimme Dir zu, das Web 2.0-Marketing eine Grundhaltung ist. Ich sehe es dennoch als eine Teildiziplin der Kommunikation an. Meiner Meinung nach braucht’s denn Marketing-Mix, um in der Öffentlichkeit präsent sein sich in die Diskussion einzubringen.

    @Herbert Schmidt Gute Idee, es auch mal außerhalb zu platzieren.

  9. Herbert Schmidt Says:

    Schaut Euch doch bitte einmal dieses Video an!
    Was will es eigentlich als Botschaft übermitteln?

    http://www.youtube.com/watch?v=c1wzR9gGfp8

  10. Günter Bressau Says:

    Hallo Herbert,

    vielen Dank für den Hinweis. Tolles Video!
    Ich hoffe, die Caritas entwickelt aus dem YouTube-Experiment eine langfristige Strategie…

  11. Herbert Schmidt Says:

    Da gibt es eine Studie der UNI Leipzig, die eventuell ja zum Thema passt, bzw. mögliche Antworten liefert.
    Einsatz von Online-Videos: PR-Branche hat im Vergleich zum Journalismus Nachholbedarf
    Im Vergleich zu Redaktionen haben Unternehmenspressestellen und PR-Agenturen beim Einsatz von Bewegtbild im Internet noch Nachholbedarf. Das ist ein Ergebnis der Bewegtbild-Studie 2008, die die Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der dpa-Tochter news aktuell erstellt hat. Insgesamt haben 2.400 Fach- und Fu?hrungskräfte aus Journalismus und Public Relations an der Befragung teilgenommen.
    So geben 60 Prozent der Journalisten an, dass ihre Redaktion bereits Bewegtbilder im Internetauftritt anbietet.
    Weitere zwölf Prozent haben zumindest konkrete Pläne dafu?r. Pressestellen und PR-Agenturen sind bei der Nutzung dieser Inhalte verhaltener: Hier geben nur 40 Prozent der Befragten an, dass ihr Unternehmen mit Video-Content arbeitet. Jede siebte PR-Abteilung oder Agentur plant entsprechende Aktivitäten. Eine Minderheit der Redaktionen und Unternehmen hat sich bis jetzt mit diesem Thema noch nicht befasst: Zehn Prozent der Journalisten und rund zwölf Prozent der PR-Verantwortlichen sagen, dass sich ihr Unternehmen mit Videocontent im Internet noch nicht beschäftigt hat.
    Mehr in meinem Blog http://stufr.de/wuedesign/blog/?p=344

  12. Ulrike Schmid Says:

    @Herbert Schmidt Ich kenne die Studie. Sie hat in der Tat interessante Ergebnisse zutage gebracht.

  13. Herbert Schmidt Says:

    …Strategie der Caritas:

    Hier scheint sich ja was zu entwickeln:

    http://www.soziale-manieren.de/

  14. Redcross Sociologist » Blog Archive » Videoeinsatz in NPOs Says:

    [...] schreibt Ulrike Schmidt in ihrem Kultur 2.0 Blog als Einleitung zur entscheidenden Frage: „Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig [...]

  15. Hannes Jähnert Says:

    … Bewegtbilder gibt es für die Öffentlichkeitsarbeit einer NPO keineswegs kostenlos — umsonst ist die Arbeit daran aber definitiv nicht. …

    Manueller Backlink ;-(

    Gruß Hannes Jähnert

    PS: Der Erste ging in die Hose … bitte löschen!

  16. NPO-Blogparade: Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt? « Das Kulturmanagement Blog Says:

    [...] a comment » Im Rahmen der aktuellen NPO-Blogparade hat Ulrike Schmid auf ihrem Blog Kultur 2.0 die Frage gestellt, warum NPO im Online-Bereich so zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von [...]

  17. Uli Schwarz Says:

    „Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?

    Ich schreibe aus der Perspektive einer Videoproduktionsfirma (http://www.up-filmproduction.com), die im Bereich Entwicklungszusammenarbeit Videos für NPOs produziert und zudem in Ländern wie Brasilien und Indien Kurse durchführt, um Menschen vor Ort zu schulen, selber Videos zu drehen und zu schneiden.

    Bewegtbilder = Werbung = Sackgasse?
    Aus meiner Sicht ist es sinnvoll zuerst zu fragen, wie im Moment „Bewegtbilder“ genutzt werden? Mein Eindruck ist, dass gerade große, finanzstarke NPOs über ihre PR-Abteilungen Filme in den „offiziellen“ Medien wie den Öffentlich Rechtlichen oder Privaten Fernsehsendern platzieren können. Für sie ergibt sich nicht die zwingende Notwendigkeit, andere Wege der Öffentlichkeitsarbeit wie Web -TV verstärkt zu nutzen. Wenn doch, dann sind viele Videos nach dem Muster gestrickt: Ein Promi im Slum. Aus der Sicht einer glaubwürdigen prominenten Person wird das Elend „erlebt“ und die Arbeit der NPO als segensreich anerkannt. Dabei handelt es sich, weil es ja um die Einwerbung von Spendengeldern geht, eher um Werbung, als um „journalistische“ Arbeit. Das ist legitim, aber aus Sicht entwicklungspolitischer Puristen problematisch, weil es nicht zu einem Dialog „auf Augenhöhe“ zwischen den Spendern und den Gebern führt.

    Wie eine gute Absicht scheitert
    Auf der anderen Seite kann man im Netz oder konkreter bei youtube immer mehr Videos finden, die von Projektverantwortlichen vor Ort gemacht wurden. Leider sind viele davon nicht dazu angetan, sich für mehr solche „Bewegtbilder“ zu begeistern. Ich möchte hier ein kurzes Video als Beispiele anführen:

    http://www.youtube.com/watch?v=htFVx8GQoxA

    Für den Fall, dass sie das Video nicht sehen können: Ein Mädchen wird ins Bild geschoben. Es sieht ziemlich gestresst aus und die Stimme aus dem Off sagt, dass sie glücklich sei. Das ist aus einem zwei Minuten Video nur eine Episode, die zeigt, wie der Ansatz: „Gib mir eine Videokamera und ich mache authentische und ehrliche Videos“ ins Gegenteil verkehrt wird. Wenn man so ein Video sieht, dann ist für jeden Verantwortlichen in einer NPO klar: „Bewegtbilder“ liefern keinen positiven Beitrag, um das Image der NPO zu verbessern.

    Ich bin der Überzeugung, dass man sich aus einer anderen Perspektive dem Thema nähern könnte. Wenn man „Bewegtbilder“ als Teil einer lebendigen Kommunikation zwischen den Akteuren, in meinem Fall zwischen den Spendern, der NGO/NPO und den „Empfängern“ ansieht. Wenn die Empfänger über konkrete Dinge über Videos kommunizieren, dann wird die Stärke des Mediums fühlbar. Es ist dann nicht der „Experte“, der distanzierte „Korrespondent“, der die Nachricht überbringt, es wird eine persönliche Kommunikation. Es können alle Stärken des Mediums Film, die Nähe, Intensität, Authentizität und auch die Emotionalität wirken.

    So könnte, um bei dem Beispiel von oben zu bleiben, das ins Bild geschobene Mädchen ihren Tagesablauf zeigen und dabei gefilmt werden. Es könnte über sich und ihr Leben erzählen. Es wäre hundertmal spannender, als sie ins Bild zu schieben und sie sagen zu lassen, dass sie „glücklich“ sei. Offensichtlich reicht es nicht, jemandem eine preiswerte Videokamera in die Hand zu drücken. Es bedarf der Schulung.

    Ist es nicht interessant, dass fiktive Menschen aus Fernsehserien uns „näher“ sind, als viele reale Personen aus unserer Nachbarschaft? Warum kehren wir das nicht um? Was hält uns davon ab, reale Menschen in einer Favela in Rio oder in einem Dorf in Laos, oder in einem Slum in Indien kennen zu lernen?

    Was braucht man dazu?
    Die Technik ist mittlerweile erschwinglich und die Kosten einer Videoschulung sind überschaubar. Wenn also weder Geld noch Technik die Hindernisse darstellen, was ist dann das Problem? Vielleicht ist es die Kultur des „Schönens“ oder auch die Angst, Fehler zu zeigen. Vielleicht wollen NPOs die Probleme der Entwicklungsprojekte nicht offen und schonungslos präsentieren, wie Lant Prichett das in seinem Aufsatz „It pays to be ignorant: A Simple Political Economy of Rigorous Program Evaluation“ zeigt (Aus dem Sammelband „Reinventing Foreign Aid“ herausgegeben von William Easterly MIT Press 2008 Cambridge MA). Wenn man eine persönliche Kommunikation etabliert, bedeutet das natürlich eine besondere Verantwortung, denn damit öffnet man die Tür zu einer Transparenz, die wohl manche nicht wollen.

    Zusammenfassung:
    Nichts gegen Werbung, nichts gegen einen Spot, der in 30 Sekunden einen aufrütteln kann. Gleichzeitig sollte man „Bewegtbilder“ für die neue Transparenz vermehrt nutzen. Dafür setzten wir uns von up-filmproduction ein und bauen deswegen unseren Internet TV-Kanal für soziale Projekte up4change.tv auf.

    PS. Da wir noch technische Probleme mit dem Trackback haben, veröffentlichen wir unseren Beitrag zur Blogparade als Reply.

  18. Petra Dilthey Says:

    Zur Blogparade:„Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?“ Diese Frage stellt Ulrike Schmid auf Ihrem Blog Kultur 2.0. Hier die praktischen Erfahrungen von Care & Share Deutschland e.V (http://www.caresharegermany.de).

    „Bewegtbilder“ sind für unseren Förderverein ein Muss. Wir (Uli Schwarz und Petra Dilthey) wollten von Anfang an einen webbasierten, videoorientierten Verein etablieren. Wir nutzen Videos als zentrales Element unserer Webseite. Woher das kommt ist klar: Wir sind Videojournalisten und so können wir gar nicht anders, als unsere Projekte und unsere Arbeit durch Videos zu präsentieren, wobei wir bewußt mit verschiedenen Formen experimentieren (persönlicher Erfahrungsbericht über 30 Minuten, 30 sekündiger Werbespot, 3-5minütige Magazinbeiträge, etc.).

    Unser noch kleiner deutscher Verein, der erst im letzten Jahr gegründet wurde, arbeitet in einem Verbund mit der indischen NGO Care & Share Charitable Trust und zwei Fördervereinen in Italien und den USA. Wir haben die Videos neu eingeführt und eine Umfrage gestartet. Wir wollen hier mit einigen Zitaten dokumentieren, welche Rolle Videos für die italienischen, amerikanischen und indischen Vereinsmitglieder und Unterstützer spielen:

    “(…) I saw the movies proposed in the website with great emotion and they are very beautiful and very clearly and very simply explain the “great miracle” of Care & Share. They are very well done. On the German website I went to see also the other movies. This way I had the opportunity to see other activities and other projects you are working on and places that I did not get to see having stayed only for a short time during my trips (…) Valeria

    The short movies are GREAT!! Jane

    I saw all the movies and they seem to be very well made, concise and descriptive…..I wish we had many on: projects/events/different kids of help…..because I could sure use them during the presentations…..according to the type of evening and the kind of people present. This way I could select the ones that are the most adaptable to the event. (…) Alviero

    I can only compliment once again on this couple’s wonderful work and excellent film making. They capture the reality of the extraordinary efforts and achievements of careandshare from many different aspects. The gratitude is reflected through the eyes and smiles of these gentile people. My only suggestion is to keep up this good work. These short films will be very useful for publicity and fund raising. (…) Janet

    Care & Share Micro Credit programmes seem to be a real boost to income generation of many poor families. I am really happy and thankful to the sponsors. I think goats, pickles and tailoring are more profitable than decorations and bags. We must be able to highlight the point of income generation to the beneficiaries. The movie on Child Care World wide is simply superb. Film course is also a meaningful programme. Children will get lot of confidence in life and they become creative. I thank Anna Zegna, Dr. Petra Dilthey and Ulrich Schwarz. thanks, Kishore.

    Just to tell you that so many sponsors are thanking us for the wonderful DVD which helps them to understand what they are really doing and what sponsorship is all about. Most say that they really did not “get it” before and this clarified so many questions and doubts they had before! What a wonderful opportunity for us to show our program through this DVD! What I like about it is that it is so honest. We are not showing everything with pink ribbons. We are showing the good and the bad … the successes and also the disappointments and sadness. My feeling is that when we are truthful with people, we cannot go wrong. Carol”

    Wir verstehen die Zitatenreihe als eine Art Realitäts-Check, wie Videos auf die Sponsoren einer NGO wirken. Zum Einen setzen sich die Unterstützer intensiver mit der Arbeit und der Wirkung der NGO auseinander, zum Anderen begreifen sie die Videos als direkte Hilfe für die Spendensammlung. Was will ich als NGO mehr?

  19. Katrin Kiefer Says:

    Liebe Ulrike Schmid,
    liebe Interessierte,

    in der Tat fehlen Studien zum Einsatz von Videos und Social Web Elementen im Allgemeinen von NGOs (In den USA wurde bislang nur eine Studie zur Nutzung von Facebook durchgeführt.). Zwar liegt der Fokus meiner Studie nicht auf Bewegtbildern, doch untersuche ich im Rahmen meiner Masterarbeit den Social Web Einsatz von 60 gemeinnützigen Organisationen aus den Bereichen Umwelt-/Naturschutz, Internationale Entwicklungszusammenarbeit und Soziales. Dabei geht es mir einerseits darum, die Internetpräsenzen der Organisationen selbst sowie deren Nutzung von sozialen Netzwerken, Twitter und auch YouTube zu untersuchen.
    Die Erhebung dazu ist in vollem Gange und ich werde die Ergebnisse nach Abschluss auch online stellen. Informationen zum aktuellen Stand können Sie über meinen Twitter-Account erfahren.
    Ich denke, dass mittels der Studie ein erster Schritt getan ist, die Anwendung von Social Web Elementen durch NGOs systematisch zu beschreiben.

    Herzliche Grüße,
    Katrin Kiefer

  20. Heiko Kunert Says:

    Ich kann die Aussage dieses Beitrages nur bestätigen. Just im März habe ich in meinem Blog auf zwei Filme des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg hingewiesen. Die Imagedokumentation zum Angebot im Louis-Braille-center: http://blind-pr.blogspot.com/2009/03/menschen-bewegen.html - ein kurzer Clip zu unserem Aura-Hotel Timmendorfer strand: http://blind-pr.blogspot.com/2009/03/ein-besonderes-hotel.html - ich freu mich auf Ihr Feedback zu unseren Bewegtbildern.

  21. Nonprofits-vernetzt.de » NPO-Blogparade: Der Videoeinsatz von Nonprofits im Sozialbereich Says:

    [...] der 6. Runde der NPO-Blogparade fragt Ulrike Schmid von Kultur 2.0 , weshalb gemeinnützige Organisationen Bewegtbilder bzw. audiovisuellen Content wie Videos noch so [...]

  22. 6. Runde der NPO-Blogparade: Host ist kulturzweinull.eu « NPO-Blogparade Says:

    [...] Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt? [...]

  23. NGO-Communications » NGOs und Bewegtbilder Says:

    [...] wie wichtig die Organisationen dieses Medium nehmen. Ulrike Schmidt befasste sich in ihrem Weblog „Kultur 2.0“ auch damit: Warum werden Bewegtbilder von NPOs eigentlich noch so wenig genutzt? Sie kam zu dem [...]

  24. Bewegtbildeinsatz in sozialen Organisationen – NPO-Blogparade #6 « Die wunderbare Welt … Says:

    [...] By foulder In der sechsten Runde der NPO-Blogparade fragt Ulrike Schmidt von Kultur 2.0, warum in deutschen NPOs so selten Bewegtbilder als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt [...]