Mozartfest Würzburg ¦ Die angenehmen Seiten eines Festival-Intendanten

Die angenehmen Seiten eines Festival-Intendanten offenbaren sich, wenn man in Sachen Mozartfest unterwegs ist. Nun lässt sich, was Absprachen über Programme und Honorar angeht, zwar viel am Telefon oder per Email klären, aber es ist doch etwas ganz anderes, wenn man (beispielsweise) mit Giovanni Antonini, Gründer und Leiter von „Il Giardino Armonico” persönlich risotto alla milanese con ossobuco am Ort des Geschehens teilen kann und merkt - man mag sich. Und dann macht es doppelt Spaß, unter Zuhilfenahme eines Chianti Classico Riserva das ganz spezielle Programm für Würzburg 2010 auszutüfteln.

scala ©Richard; pixelio.de

©Richard; pixelio.de

Dazu fliegt man nach Mailand, darf abends auf Einladung der Scala in der ersten Reihe der Königsloge sitzen, Maestro Antonini mit Händels „Alcina” und erlesenen Solisten erleben und hat dazu noch Zeit, am nächsten Tag in der Via Montenapoleone über die Nicht-Anschaffung unerschwinglicher Anzüge von Brioni oder Armani nachzudenken.

Vor zwei Wochen war ich in Paris, um mit Thomas Hengelbrock (Freund und Berater) über die von ihm dirigierten Konzerte 2010 und 2011 nachzudenken - glücklicherweise hatte er abends die Premiere von Mozarts „Idomeneo” in der Opera Garnier dirigiert und ich konnte am nächsten Tag über die Anzüge von Givenchy und YSL nachdenken …

So ein Festival ist ein recht kompliziertes Ding: Auf der einen Seite muss ich - um nicht im nächsten Jahr pleite zu sein - im Kaisersaal der Residenz hochwertige Sinfoniekonzerte anbieten und den Saal bei Eintrittspreisen bis zu € 120.- voll kriegen. Dazu darf ich nicht Bartok und Ligeti spielen, sondern Mozart, Mozart, Mozart. Vielleicht einmal Haydn dazu, vielleicht einmal Frühklassik oder Frühromantik, aber vor allem Wolfgang Amade! Gleichzeitig soll das Festival aber innovativ sein, voll neuer Ideen, ein anderes Publikum muss gewonnen werden usw. Die Erwartungen an mich sind sehr hoch, was ich bei jedem Interview spüre und auch in Gesprächen mit Bekannten in und um Würzburg.

Meine Lösung heißt: Die Primärerwartungen - Kaisersaal, Mozart - befriedigen, aber mit Künstlern, Ensembles und Programmen, die Überraschungen versprechen. Dazu neue Spielstätten in und um Würzburg, neuen Konzertkonzepten und einer intensiven Kinder- und Jugendarbeit, derer ich mich selbst annehme. Noch dazu eine viel schlagkräftigere Öffentlichkeitsarbeit (z. B. dieses Blog), um in Würzburg eine wunderbare Festival-Atmosphäre zu verbreiten: Jeder muss spüren, sehen, hören: Jetzt ist Mozartfest!

von Christian Kabitz

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One Response to “Mozartfest Würzburg ¦ Die angenehmen Seiten eines Festival-Intendanten”

  1. Kultur 2.0 » Blog Archive » Web@Classic ¦ Duisburger Philharmoniker laden Blogger ein Says:

    [...] freut, dass ausgerechnet der von meinem Gastautor Christian Kabitz hier schon häufig erwähnte Thomas Hengelbrock das Konzert dirigieren wird und ich ihn dann endlich mal [...]