NPO-Blogparade ¦Zusammenfassung der 6. Runde

NPO-Blogparade

Als ich Mitte März im Rahmen der NPO-Blogparade gefragt habe „Warum werden Bewegtbilder bei NPOs so wenig genutzt” hatte ich damit auch die Kultureinrichtungen miteinbezogen. Ich war überrascht ob der vielen Kommentare und Blogbeiträge, die v.a. die klassischen NPOs im Blick hatten und weniger die Kultureinrichtungen. Einzig ein Beitrag bezog sich auf den (Nicht-)Einsatz audiovisuellen Contents bei Kultureinrichtungen.

Zur Auswertung:

Hannes Jähnert vom Blog die Wunderbare Welt sieht als Ursache für den seltenen Einsatz von Bewegtbildern die fehlende

„Medienkompetenz, die sie im Zuge der weit verbreiteten Skepsis gegenüber “neuer” und ganz speziell “ganz neuer” Medien (gemeint ist das Social Web) seitens der Organisationsleitung auch nicht auf- oder ausbauen können.”

Um dies zu ändern sieht er

„Für soziale Organisationen das Implizieren eines Freiwilligenmanagements, das für eben solche Aufgaben Volunteers sucht, als sinnvoll an.”

Herbert Schmidt vom Blog wueDesign listet mehrere Gründer auf:

„Der Nutzen wurde bisher noch nicht so richtig erkannt. Das notwendige Wissen und Können um Software und Hardware ist nicht vorhanden. Und überhaupt, wie geht man vor, um einen interessanten Film zu machen. Die Zwickmühle: Profis (und entsprechende Kosten) vs. Marke Eigenbau (mit den entsprechenden Qualitätsproblemen). Ein kleines Team, auch wenn noch wenig Know-how vorhanden ist, scheint mir wesentlich besser zu sein, als ein einziger Macher.”

Günther Bressau vom Blog bresgun konstatiert, dass große NPOs wie etwa Amnesty Deutschland oder Greenpeace auf YouTube längst ihre eigenen Kanäle führten, über die sie ihre entsprechend Kampagnen bewerben und Teil einer Gesamtstrategie seien.

„NPOs [...] müssen eine Strategie entwickeln, mit der sie im Internet präsent sein wollen. Wenn es in Richtung Online-Marketing gehen soll, dann ist sicher eine andere Strategie bestimmend, als wenn es in Richtung einer stärkeren Beteiligung von Nutzern, Stakeholdern oder anderen Interessensgruppen gehen soll, wie es beim Web 2.0 der Fall ist.” Er hält „Transparenz als Grundhaltung für beeindruckend und wegweisend.”

Gerald Czech vom Blog Rredcross Sociologist sieht eher schon ein zuviel an Video-Content, denn zu wenig und er sieht den Einsatz durchaus kritisch.

„wenn ich mich für den Einsatz eines Tools entscheiden müsste, würde ich mich „auf jeden Fall für gute Fotographie entscheiden und zu ungunsten von Videos, weil der Mehraufwand in jedem Falle nicht mit dem erhöhten Nutzen im Einklang steht.”

Seiner Meinung nach verursachen Videos einen

„höheren Aufwand, sowohl was die benötigten Zeitressourcen angeht, als auch hinsichtlich ihrer technischen Voraussetzungen” und würden „auch meist nicht dem Ressourcenverbrauch adäquate Verbesserungen in der Kommunikation [bringen]. Außerdem sei die Einbindung in die Homepages wesentlich schwieriger als dies bei Fotos der Fall sei.”

Brigitte Reiser von npo_vernetz konstatiert, dass es mit professionell erstellten Videos kein inhaltliches Problem, sondern lediglich ein finanzielles gäbe. Ihrer Meinung nach könnten Ehrenamtlicher da Abhilfe schaffen, indem Videos produziert werden,

„die von den Stakeholdern einer Organisation gemacht und anschließend auf die Webseite der Organisation gestellt werden (nicht auf eine gesonderte Plattform).”

Petra Dilthey verweist im Umgang mit Bewegtbildern auf ihre praktischen Erfahrungen u. a. von Care & Share Deutschland e.V. die ihre Projekte und ihre Arbeit durch Videos zu präsentieren und festgestellt haben, dass

„ Zum Einen setzen sich die Unterstützer intensiver mit der Arbeit und der Wirkung der NGO auseinander, zum Anderen begreifen sie die Videos als direkte Hilfe für die Spendensammlung.”

Uli Schwarz von einer Videoproduktionsfirma, die Videos für NPOs produziert, ist

„der Überzeugung, dass man Bewegtbilder als Teil einer lebendigen Kommunikation zwischen den Akteuren, in meinem Fall zwischen den Spendern, der NGO/NPO und den „Empfängern” [ansehen sollte].

Christian Henner-Fehrs (Kulturmanagement-Blog) Beitrag ist der einzige, der sich mit dem Einsatz von Bewegtbildern bei Kultureinrichtungen befasst und nennt als Gründe für den seltenen Einsatz, die häufig fehlende

„[...] Einsicht, dass sich unser Medienverhalten [...] in den letzten Jahren stark verändert hat. [...]“

und dass man für die Videoproduktion

„eine entsprechende technische Ausstattung und das Wissen, wie man solche Videos gestaltet” [braucht].

Und viele Kultureinrichtungen verfügen letztendlich

„[...] nicht über die entsprechenden Mittel, um sich eine solche Präsenz im Internet aufzubauen.”

Mein Fazit: Bei NPOs, und hier v.a. bei den großen und weltweit bekannten, sind Bewegtbilder längst ein Teil ihrer Kommunikation. Bei Kultureinrichtungen hingegen herrscht noch Nachholbedarf. ”Dass Bewegtbild-Anwendungen häufig (und zunehmend) lediglich auf die Produktion einzelner Videos reduziert werden und wenig sinnvoll medial eingebunden werden,” (Matthias Röder) ist gerade, wenn man sich die im November erschienene Bewegtbildstudie 2008 ansieht, eine vertane Chance. Dass Online-Medien durchaus an Bewegtbildern interessiert sind und sie übernehmen, zeigen die Beispiele des Städel Museums auf der Internetseite von  hr-online oder des Kunstmagazins art.

Die 7. Runde der NPO-Blogparade wird vom Blog bresgun gehostet und wird sich mit der Frage “Gibt es eine eigene Web 2.0-Marketingstrategie für Nonprofit-Organisationen?” befassen.

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6 Responses to “NPO-Blogparade ¦Zusammenfassung der 6. Runde”

  1. foulder Says:

    Hallo Ulrike, gut zusammengefasst. Da gab es sicherlich einiges zu tun … Zum Thema Video- bzw. Bewegtbildeinsatz in Kultureinrichtungen sehe ich das ähnlich wie in gemeinnüzigen Vereinen bzw. sozialen Organisationen. Auch hier kann (oder besser SOLLTE) ein Freiwilligenmanagement eingerichtet werden, dass eben für diese Aufgaben (Flashpräsentationen, Videoführungen usw.) Freiwillige sucht und — mit zu Sicherheit neigender Wahrscheinlichkeit — auch findet.

    Gruß
    Hannes

  2. Ulrike Schmid Says:

    @Hannes in der Tat ….
    Ich finde das Freiwilligenmanagement auch einen sehr spannenden Ansatz, allerdings mehr in die Richtung gedacht, dass Mitglieder der Freundeskreise ihre Lieblingswerke oder sonstige Eindrücke beschreiben und so als “Sprecher/Befürworter” der Einrichtung auftreten. So wie das etwa das MoMa macht.

  3. foulder Says:

    Nun: Das ist genau das, was ich eher nicht unter Freiwilligenmanagement verstehe (siehe bspw. hier). Das ist die Einbindung der Kunden, der Nutzer oder der Klientel, die man unter “institutioneller Passung” (Enquete-Kommission 2002) oder “Integrationsfähigkeit” (B. Reiser) zusammenfassen könnte. Ein Schritt in die richtige Richtung gleichwohl, aber noch keine gezielte Einbindung und “Nutzung” von Freiwilligen und deren Potentialen.

  4. Christian Henner-Fehr Says:

    Hannes, ich kann Dein Beispiel leider nicht öffnen. kannst Du den Link bitte noch mal schicken?

  5. foulder Says:

    Ich weiß nicht genau, wieso man den Links nicht folgen kann aber hier sind sie noch einmal in kopierbarer Form:

    Das Beispiel: http://foulder.blogspot.com/2009/03/freiwilligenarbeit-vs-burgerbeteiligung.html

    “B. Reiser”: http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/aktion-uwe-entwicklungen-im-online-fundraising-und-wie-nonprofits-darauf-reagieren-sollten/#comment-3921

  6. Günter Bressau Says:

    @Ulrike
    Vielen Dank für die Zusammenfassung! Ich würde gerne noch anmerken, dass eine lebhafte Diskussion um den Auftritt von Nonprofits im Zusammenhang mit Web 2.0 beginnt, worüber ich mich freue und was ich in meinem nun veröffentlichten Beitrag zur NPO-Blogparade fortführen möchte (http://bresgun.wordpress.com/2009/04/16/npo-blogparade-nr-7-gibt-es-eine-eigene-web-20-marketingstrategie-fur-nonprofit-organisationen/).

    @foulder
    Sehr schöner Ausgangspunkt für eine Diskussion um freiwilliges Engagement (mein Lieblingsbegriff zu dem Thema), über deren Fortsetzung ich mich freuen würde.