Mozartfest Würzburg ¦ Mozart und Paris

Mozart und Paris - das ist das Thema unseres Mozartfestes 2009. Ich werde immer wieder gefragt, was es denn damit auf sich hat. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage nach einem Thema sowieso, denn viele große Festivals haben keines - und ein Thema macht immer unendlich viel Arbeit.

W.A. Mozart von S. Hofschlaeger pixelio.deIn Würzburg hatten wir schon Mozart in Beziehung zu London und Prag gesetzt. Nun ist die Idee Mozart in Beziehung zu einzelnen Städten zu stellen grundsätzlich gut. Man kann die Werke bringen, die Mozart in oder für diese Städte komponiert hat, man kann Künstler und Ensembles aus diesen einladen, und - noch interessanter - man kann Komponisten mit den Stücken vorstellen, die um Mozarts Zeit dort in den „Top Ten” rangierten.

Bei Mozart und Paris ist das ein wenig problematisch. Er war dreimal an der Seine, zweimal als kleines Wunderkind und dann 1777/78 noch einmal - und um diesen Aufenthalt geht es eigentlich. Da reiste er erstmals ohne den immer noch übermächtigen Vater, dafür mit der Mutter, des Französischen nicht mächtig und einem Riesenpaket an Erwartungen: Der junge Salzburger Starkomponist sollte eine Stelle am Hofe oder wenigstens bei einem Adligen erlangen, gegen Honorar Konzerte geben und komponieren und vielleicht einen Auftrag für eine große Oper mit nach Hause bringen. Doch vorher machte Mozart so ausgiebig in Mannheim Station, dass der Vater den berühmten „Fort mit dir nach Paris!”-Brief schreiben mußte, ehe der Sohn die Koffer packte.

Dort war dann eigentlich alles unerfreulich - und wir wissen dank dem intensiven Briefwechsel mit dem Vater, wie schrecklich es gewesen sein muss. Zwar war die Pariser Sinfonie ein großer Erfolg, zwar entstand das Flöten-Harfen-Konzert gegen Honorar, aber an der Oper gab es nur eine winzige Ballettmusik zu schreiben, und erst recht gab es keine Stellung als Hofcompositeur. Ein Angebot, Organist der Schlosskapelle in Versailles zu werden, lehnte er ab - viel zu wenig Gehalt. Begegnungen mit Adligen und ihren Salons waren entwürdigend, Geldsorgen plagten und dann starb auch noch am 3. Juli 1778 die Mutter.

Aber Mozart hat - wieder daheim in Salzburg - all die musikalischen Erfahrungen dieser frustrierenden Monate in eine wahre Sturzflut von neuen Werken münden lassen. So war die Weltmusikmetropole Paris für Mozart letztendlich doch noch ein Gewinn.

Beim diesjährigen Mozartfest arbeiten wir mit den genannten drei Ideen: Wir bringen alle wichtigen Werke, die durch seine Pariser Erfahrungen entstanden sind: die Ballettmusik zu „Les petites riens” (Die kleinen Nichtse …), wir laden französischen Mozartspezialisten ein und wir bringen die Komponisten, die um 1780 in Paris Furore gemacht haben - an der Oper Gluck, Cherubini, Mehul, Grétry, kammermusikalisch Gossec, Saint-George, Jadin u.a.m.

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne

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