stART.09 ¦ Interview mit Karin Janner

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Im September wird in Duisburg eine sehr interessante Konferenz stattfinden: Die stARTconference - eine Konferenz zu Kultur + Web 2.0. Veranstalter ist die Agentur 4_CULTURE in Zusammenarbeit mit den Duisburger Philharmonikern Ich habe nun Karin Janner von 4_CULTURE dazu befragt:

Karin, worum geht es bei der Konferenz genau?

Karin JannerBei der stART.09 geht es um Kunst/Kultur und das Web 2.0 - und zwar darum, wie Kulturbetriebe, Künstler und Kulturschaffende Blogs, Podcasts, Wikis, Twitter und andere Web 2.0-Tools nutzen können: Welche Einsatzgebiete es gibt, welche Chancen das „neue Internet” eröffnet und auch welche Risiken zu beachten sind.

Wo siehst Du denn die Einsatzgebiete des Web 2.0 im Kulturbereich? Wofür können Kultureinrichtungen oder Künstler diese Tools nutzen?
Einmal natürlich, um sich bekannt zu machen, neue (junge) Zielgruppen zu erschließen und mit Publikum, Förderern und Sponsoren ins Gespräch zu kommen. Also im Marketing, in der PR, im Fundraising und in der Sponsorenakquise. Da der Kulturbereich aktuell mit Herausforderungen wie Besucherrückgang, Überalterung des Publikums und Budgetkürzungen zu tun hat, sind hier neue Ansätze gesucht und gefragt.
Auch in der Kulturvermittlung können die Instrumente des Web 2.0 eingesetzt werden - man kann die Besucher aus dem Internet über multimediale Darstellung an das Thema einer Kultureinrichtung heranführen, über die Kommentarfunktion können sie Fragen stellen und auch untereinander kommunizieren.
Zu guter Letzt in der „Produktion” von Kunst und Kultur selbst. Es gibt schon spannende Projekte, die das Web 2.0 für kollaboratives Schaffen von Kunst nutzen.

Es gibt ja schon einige Konferenzen über Web 2.0, wie etwa die next in Hamburg, die picnic in Amsterdam oder Le Web in Paris - warum braucht der Kulturbereich eine eigene Konferenz zum Thema Web 2.0?
J
a, es gab bereits Konferenzen zum Thema Web 2.0 - aber keine, die sich mit den Chancen und Möglichkeiten auseinandersetzt, die das Web 2.0 speziell dem Kulturbereich bietet - und auch mit den Risiken.
Die Herausforderungen, Ziele und Prioritäten sind im Kulturbereich andere als z.B. im Konsumgüterbereich. Auch stehen Künstler, Musiker und Kulturschaffende dem Internet generell oft skeptisch gegenüber - besonders im Bereich der „Hochkultur”. Man muss sicher noch Vorbehalte abbauen - und natürlich ist nicht alles, was mit Web 2.0 zu tun hat, für den Kulturbereich geeignet.

Wen sprecht Ihr mit der stARTconference an, wen wollt Ihr damit erreichen?
Wir sprechen Künstler und Kulturschaffende an, Führungskräfte und Mitarbeiter von Kultureinrichtungen und aus der Kulturverwaltung, Leute aus der Medienbranche und der Kreativwirtschaft (z. B. Musikindustrie, Verlagswesen), Agenturen, die Kulturbetriebe beraten und betreuen, Veranstalter von Events und Festivals, Lehrende und Studenten von Kulturmanagement-Studiengängen - kurz: alle, die im Kulturbereich tätig sind oder sein werden und sich darüber informieren und austauschen wollen, wie sie das Web 2.0 in ihrer Arbeit zielführend einsetzen können.

Das sind recht unterschiedliche Zielgruppen, die wahrscheinlich nicht dieselben Schwerpunkte haben und auch nicht dieselben Vorkenntnisse in Bezug auf das Web 2.0 mitbringen. Ist es nicht schwierig, ein Programm zu bieten, das allen gerecht wird?
Ja, das ist schon eine Herausforderung. Einerseits bezüglich der Themen: Die Musikindustrie steht gegenwärtig vor anderen Problemen als öffentliche Kultureinrichtungen, Künstler haben andere Ziele als Leute aus der Kulturverwaltung. Andererseits bezüglich der Vorkenntnisse: Die einen bewegen sich souverän durch Social Networks, bloggen und twittern. Anderen sind die neuen Begriffe noch gar nicht geläufig und sie wissen nicht, was sie mit den Web 2.0-Tools anfangen können. Wir werden für jede unserer Zielgruppen aktuelle Kernthemen bringen, aber bei allen Unterschieden: es gibt genug Themen, die für alle interessant sind.
Und um den Web 2.0-Neulingen den Einstieg zu erleichtern, habe ich auf dem Konferenz-Blog eine Serie gestartet: Web 2.0 im Kulturbereich - Basiswissen. Dort erkläre ich jeden Montag Grundbegriffe und gebe Anwendungsbeispiele - bis zur Konferenz.

Apropos Konferenzblog: Ich nehme an, dass ihr selbst im Marketing und für die PR auch das Web 2.0 nutzen werdet?
Ja, unsere Website mit integriertem Blog ist seit Februar online. Außerdem gehen wir in Social Networks und haben bereits Gruppen oder Seiten auf Facebook, Xing, Friendfeed, Soup, Lifestream, YouTube, Vimeo, Flickr, und Delicious.
Erfreulich ist, dass auf Xing und in unserem Blog bereits die User nicht nur mit uns, sondern auch schon untereinander diskutieren. Natürlich nutzen wir auch Twitter, wo wir schon über 2.000 Followers haben.

Zu den Sprechern und Themen: Was wird uns denn erwarten?
Wir achten auf eine gute Mischung der Themen und hohe Qualität bei den Sprechern. Es werden international bekannte Keynote-Speaker wie z.B. Gerd Leonhard kommen, sowie Praktiker, die die Web 2.0-Aktivitäten ihrer Kultureinrichtungen vorstellen (neben den Duisburger Philharmonikern sind das z.B. Kerstin Schilling/Berliner Festspiele und Daniela Bamberger/Städel Museum). Auf Deinen Vortrag über die Social Media Strategie der Kronberg Academy bin ich natürlich auch schon gespannt!
Wir werden uns aktuellen Web 2.0-Hypes widmen. Nicole Simon, Autorin des Twitter Buches „Mit 140 Zeichen zum Web 2.0″ wird einen Twitter-Workshop geben. Wir werden aber auch Hintergrundberichte zur wissenschaftlichen Untermauerung anbieten wie etwa von Simon A. Frank vom Institut für Kulturmanagement Ludwigsburg, der über User generated Culture srechen wird. Es wird also nicht nur darum gehen, welche „Knöpfe” man drücken kann, damit etwas passiert, sondern warum man sie drücken sollte und welche Überlegungen dahinter stecken.
Das Programm steht mittlerweile großteils, die Sprecher und ihre Themen werden wir ab der nächsten Woche ausführlich in unserem Blog vorstellen.

Gibt es denn schon Tickets, wie viele und was kosten sie?
Der Ticket-Verkauf hat im April gestartet. Wir haben ein Kontingent von 500 Tickets, mehr Leute passen nicht in den Konferenzsaal.
Super Early Bird Tickets kosten 290 Euro, die regulären Tickets dann 590. Für Besucher von Partnerveranstaltungen sowie für Gruppen (ab 2 Personen) und Studenten gibt es zusätzliche Ermäßigungen (Partnerveranstaltungen und Gruppen -20% und Studenten 230 Euro). Die Tickets kann man über unseren Vertriebspartner Amiando im Internet kaufen.

Die Preise sind ungewöhnlich hoch für eine Konferenz im Kulturbereich …
Das stimmt, aber dazu muss man sagen: Konferenzen dieser Art gab es im Kulturbereich bisher nicht. Üblich sind Tagungen mit 10 - 15 Programmpunkten, gefördert z.B. von Landesverbänden. Bei uns wird es um die 50 Sprecher geben, die parallel Vorträge oder Workshops halten - Förderungen bekommen wir keine, dazu ist das Thema noch zu neu.
Die ganze Veranstaltung wird auch im Cyberspace (Open Simulator, die Open Source Variante von Second Life) stattfinden, wo Teilnehmer von überall auf der Welt partizipieren können. Wir betreiben bereits jetzt ein Blog, eine Xing-Gruppe usw., in denen wir über die Möglichkeiten des Web 2.0 im Kulturbereich informieren, diskutieren (3 - 4 Fachbeiträge in der Woche, über Monate) und konkrete Hilfestellungen zum Thema bieten. Das alles ist sehr aufwändig und verursacht natürlich höhere Kosten als eine herkömmliche Kulturmanagement-Tagung.
Den Kosten für die Besucher steht ein hoher Nutzen entgegen: Innovative Modelle der Kulturfinanzierung, das Erschließen junger Zielgruppen, Besucherbindung oder interessante Geschäftsmodelle für Branchen, die sich gerade neu erfinden müssen (wie z.B. die Musikindustrie und die Medienbranche) - bekommt man hier neue Perspektiven, hat man das Geld für die Konferenz schnell wieder drinnen.
Dass die Instrumente des Web 2.0 - richtig eingesetzt - enorm viel bewirken können, machen ja gerade die Duisburger Philharmoniker vor, mit einer Besuchersteigerung im 2-stelligen Prozent-Bereich seit Beginn des Projektes „Philharmonie 2.0″ und einer vollends ausverkauften Spielzeit. Die „klassischen” Web 2.0-Konferenzen kosten übrigens bei weitem mehr: Z. B. die next 820 Euro oder Le Web über 2.000 Euro.

Karin, vielen Dank für das ausführliche Interview. Ich freue mich schon sehr auf die Konferenz und natürlich auch, dass ich als Sprecherin über die Erfahrungen, die die Kronberg Academy mit ihren Web 2.0-Maßnahmen gemacht hat, berichten darf. Es wird sicherlich ein sehr spannende Konferenz!

Und hier noch mal alle Links auf eine Blick:
stARTconference Website/ Blog

stARTconference Netzwerke, in denen Sie mit uns diskutieren oder sich auch einfach nur informieren können:

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  • Lifestream
  • YouTube
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  • stARTconference Ticketshop / Amiando

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    5 Responses to “stART.09 ¦ Interview mit Karin Janner”

    1. Kronberg 2.0» Blogarchiv » stARTconference ¦ Wir sind dabei Says:

      [...] Zum Interview [...]

    2. Über die stART.09: Karin Janner im Interview bei Ulrike Schmid (Kultur 2.0) | stART Conference 2009 |stARTconference Says:

      [...] Das ausführliche Interview finden Sie HIER. [...]

    3. Interview zur stART.09 | Kulturmarketing Blog Says:

      [...] ausführliche Interview finden Sie HIER. Diesen Artikel [...]

    4. Art Magazin artinfo24.com Says:

      stART.09 Konferenz - Was erwartet werden darf…

      Das Modewort “Web 2.0″ hat seit geraumer Zeit auch den Kulturbereich erreicht und es gibt nun auch die erste Konferenz für Kulturschaffende aus allen Branchen dazu….

    5. VioWorld Says:

      Auch VioWorld hat das Thema aufgegriffen: http://vioworld.de/blog/2009/05/next-09-gema-youtube-und-co/