Mozartfest Würzburg ¦ Randnotizen

Immer schneller rückt der 29. Mai heran - der Tag unseres Eröffnungskonzertes mit Sir Neville Marriner, dem 85-jährigen Grandsigneur unter den Dirigenten, der das Symphonie-Orchester des Bayrischen Rundfunks leiten wird. Und zunehmend intensiver wird die Vorbereitung auf all die tausend kleinen und großen Accessoires eines Festivals. „Les Siecles”, das französische Spezialorchester, möchte gerne für sein Konzert Barockpauken gestellt bekommen, aber bitte mit extradünnem Kuhfell, das Cembalo soll auf 430′ gestimmt sein, aber mitteltönig nach einem Modus, von dem ich noch nie was gehört habe, für die Mozartnacht muss der Begleitartikel für das Abendprogramm von mir geschrieben werden - wo kriege ich Literatur über Herrn Gossec her?

Kaisersaal der ResidenzLangsam wird es auch für mich persönlich spannender. Ich muss die Interviews für die Mozart-Cafés vorbereiten. Jeder meiner vier Gäste soll ja ein maßgeschneidertes Fragenpaket bekommen, dazu muss Musik ausgesucht werden, und eine Moderation beim Tee-Konzert will auch noch zu Papier gebracht werden. Zum Glück geht es um ein interessantes Kapitel der Musikgeschichte - um 1780 lebte in Paris der damals einzige farbige Komponist - Le Chevalier de Saint-George - in Guadeloupe geboren, der als Geigenvirtuose, Komponist, Dirigent, Fechter und Frauenheld Furore machte; schon bald nannte man ihn „Den schwarze Mozart”. Eines seiner zahlreichen und durchaus hörenswerten Streichquartette wird erklingen.

Unglaublich, was im auf Hochtouren laufenden Büro von Karin Rawe, Elke Kuhn und der inzwischen unentbehrlichen Praktikantin Romy Bürger geleistet wird, wie da alle logistischen Probleme aus dem Weg geräumt werden, schon bevor sie Ärger machen können. Beliebt sind die Anekdoten aus lang zurückliegenden Jahren vom vergesslichen Solisten, der erst zehn Minuten vor Auftritt feststellt, dass die Frackhose im Hotel verblieben ist …

Und weil wir schon beim Vergnüglichen sind: eine echte unsterbliche Mozartfest-Anekdote gibt es, wobei ich wirklich nicht weiß, ob sie wahr ist und die sich vor mehr als 20 Jahren zugetragen hat: Alfred Brendel erkundigt sich vor seinem Klavierabend im Kaisersaal nach den zur Verfügung stehenden Instrumenten. Man will ja als Künstler wissen, ob man es mit einem Steinway, einem Bösendorfer oder etwa nur mit einem Yamaha zu tun hat. Am Mozartfest-Telefon ist eine Praktikantin, der der Name Brendel direkt nichts sagt - kein Wunder, sie ist ja auch für das Sortieren von Karten-Bestellungen zuständig. „Liebes Kind, können Sie mir sagen, welchen Flügel Sie in der Residenz für mich haben?” fragt Brendel. „Tja, also, mhhh, da haben wir den Südflügel und den Nordflügel …”

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiter
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten

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2 Responses to “Mozartfest Würzburg ¦ Randnotizen”

  1. Dennis Says:

    Nun, feinste, wirklich originale Barockpauken - auch mit dünnstem KALFO-Kalbsfell - sind jederzeit mietbar: Näheres unter http://www.rent-a-drum.de.

    Viele Grüße

    Dennis

  2. Ulrike Schmid Says:

    @Dennis Vielen Dank für die Info. Ich gebe sie weiter.
    Grüße,
    Ulrike