Mozartfest Würzburg ¦ Mozarts Posthorn-Serenade

Am vergangenen Mittwoch wurde in der Würzburger Residenz die Bayerische Landesausstellung eröffnet, mit unserem Ministerpräsident Seehofer und allem, was Rang und Namen hat. Der Kaisersaal war brechend voll und das neue Podest war erstmals mit einem großen Orchester bestückt. Dazu eine kleine Erklärung: Der Kaisersaal - übrigens eines der imposantesten Bauwerke Deutschlands mit einem gerade frisch renovierten Deckengemälde von Tiepolo (unbedingt anschauen!) - ist das Kernstück der Residenz, im ersten Stock gelegen, über den so genannten Weißen Saal erreichbar und einige unserer Konzerte finden hier statt.

Im Moment lerne ich gerade intensiv Mozarts Posthorn-Serenade, benannt nach einer eher kurzen Stelle in dem fast halbstündigen Werk, woselbst der 1. Hornist des Orchesters auf einem „corno di Posta” einem Posthorn blasen soll. Die Stelle gilt unter Hornisten als heikel bis unspielbar, meist bläst das der 1. Trompeter auf einem kleinen Posthörnchen. Ich liebe diese ganze Serenade unendlich. Es ist eigentlich eine komplette Sinfonie mit der Extra-Zugabe einer Concertante, einem Konzert für Solobläser und Orchester. Und - es ist von Mozart schon für eine Freiluft-Aufführung konzipiert worden, wohl für eine Universitäts-Abschlussfeier - vielleicht deshalb auch das Posthorn als Symbol für Aufbruch, Abreise, Abschied.

Paul MeyerNebenher frische ich Mozarts Klarinettenkonzert auf, das wir im selben Programm als Nachtmusik haben werden, und ich freue mich auf Paul Meyer, einen der besten Klarinettisten der Welt. Trotz seines nach Sabine klingenden Namens ist er weder mit ihr verwandt noch sonst was, er ist sogar ein Franzose, allerdings aus dem Elsass, genau genommen aus Mulhouse.

1984 hat er in New York den berühmten Young Concert Artists Wettbewerb gewonnen und hat bei den Preisträgerkonzerten den legendären Benny Goodman kennen gelernt. Dessen musikalischer Einfluss und seine Freundschaft spielen eine ganz große Rolle im Leben von Paul. Penderecki hat ein Konzert für ihn komponiert, das Paul 1987 uraufgeführt hat, überhaupt interessiert er sich intensiv für zeitgenössische Musik und hat viele Ur- und Erstaufführungen gespielt. In letzter Zeit dirigiert er auch, die Liste „seiner” Orchester ist Ehrfurcht gebietend, ich glaube, ich muss fleißig üben, damit alles perfekt klappt.

Viele Außenstehende fragen sich ja sowieso, was der Dirigent denn eigentlich macht, das Orchester kann das sicher doch ohne ihn (böse Zungen meinen: besser …). Interessanterweise stimmt das auch - teilweise: Mit einem engagiert spielenden Konzertmeister und dementsprechend positiv und kammermusikalisch denkenden Orchestermitgliedern lässt sich sicher bis zu einer bestimmten Besetzungsgröße und dem richtigen Repertoire vieles ohne Dirigent sehr gut meistern. In Russland gab es (man hat da ja in der Revolutionszeit eh solch diktatorisch auftretende Gestalten abgeschafft) von 1922 - 1932 ein veritables Orchester mit Namen Persimfans ohne Dirigenten, das sogar internationale Berühmtheit erlangte, weil es auch groß besetzte Literatur ausgezeichnet wiedergegeben hat. Darius Milhaud hat mit Persimfans musiziert und war angetan, meinte allerdings, mit Dirigent hätte man die Proben in der Hälfte der Zeit bewältigt.

Schwierig ist es immer, einen Solisten zu begleiten, gut zu begleiten. Man muss mitfühlen, voraus denken, und das Orchester immer zum Spiel im Bereich piano bis pianissimo anhalten. Das ist bei Literatur ab der Romantik schon viel schwerer, aber selbst Mozarts Klarinettenkonzert hat viele Stellen, wo die Wiedergabe zwischen gut und perfekt einen erschreckend langen Proben-Abstand hat. Mal sehen, wie das open-air im Hofgarten gelingen wird … Daumendrücken!

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen

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