Mozartfest Würzburg ¦ Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert

Immer mittwochs schreibt hier der künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg

Noch neun Tage - dann geht’s los! Am 29. Mai um 20.30 Uhr hebt Neville Marriner den Taktstock, und dann weiß ich, ob sich all die Anstrengungen um die letzten Tage der Vorbereitung gelohnt haben und wir einen fantastischen Mozartfest-Auftakt haben werden. Festlich wird es auf jeden Fall werden - nach dem Konzert gibt unser Oberbürgermeister den traditionellen Empfang der Stadt Würzburg, das Fernsehen ist da und viele liebe Freunde aus der Musikszene haben ihr Kommen angekündigt; da wird es viele interessante Gespräche geben. Und endlich wieder ein Moment, wo sich der Besitz eines (eigenen) Smokings glücklich bemerkbar macht - den darf, sollte, müsste man an einem solchen Abend schon mal ausführen …

Eigentlich habe ich es persönlich gerne leger, muss aber zugeben, dass es schon einen ganz eigenen Reiz hat, wenn ein Festival sich auch dadurch schmücken darf, dass seine männliche Gäste es für Smoking-würdig halten, von langen und sehr langen Abendkleidern bei den Damen ganz zu schweigen.

Albrecht Mayer

Albrecht Mayer

Die Steigerung dieses Eröffnungskonzertes ist dann nur noch das Galakonzert, denn - wie der Name schon suggeriert - ist es da noch mal ein bisserl mehr Gala drin. Und vor allem: Es gibt etwas zu essen! Konkret läuft das bei unserem Mozartfest so ab, dass man am 19. und/oder 20. Juni sich schon um 19 Uhr bei einem Glas Winzersekt im Vestibül der Residenz einfindet und dazu einen erlesenen Vorspeisenteller genießt. Dann gibt es Albrecht Mayer, seine Oboe und die Polnische Kammerphilharmonie mit einem pausenlosen Konzert und Gossec (franz. Revolutionskomponist) und Mozart.

Es scheiden sich ja die Geister bei solchen Veranstaltungen. Dass ein ernsthafter Künstler nicht gerne Musik macht, wenn gleichzeitig gelacht, gegessen und getrunken wird, ist verständlich, obwohl dies sicher bis hin zu Mozart am Hofe und in der Oper durchaus üblich war. In Versailles waren die berühmten „concerts royaux” für die Bankette des Königs einem Couperin nicht zu schade, seine besten Suiten zu schreiben, und ob am Hofe des Kurfürsten zu Brandenburg alle nur zugehört haben, wenn Bach seine gleichnamigen Konzerte aufführte, darf man bezweifeln. Musik war dem Adel eine unverzichtbare Begleitung zum Essen, und die Qualität der Kompositionen sollte dem der Pasteten und Braten in nichts nachstehen.

Ich freue mich schon sehr aufs Galakonzert, die Stimmung in den wunderbaren Räumen der Residenz an den festlich gedeckten Tischen mit unzähligen Kerzen ist wirklich einzigartig und fast noch schöner ist der der Blick durch die großen Fenster auf den märchenhaft illuminierten Hofgarten. Bevor ich zu sehr ins Schwärmen gerate - ich muss mir unbedingt noch ein drittes Smoking-Hemd anschaffen - bei der sparsamen Beleuchtung beim Menu hat statistisch jeder dritte männliche Smokingträger um Mitternacht mindestens einen Fleck auf der Weste resp. dem Hemd …

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade

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