Mozartfest Würzburg ¦ Ein kleiner Rückblick

Gestern  fand das zweite Mozart-Café mit Deutschlands namhaftestem Mozartforscher statt: Prof. Dr. Ulrich Konrad. Ich bewundere Menschen, die absolut druckreif formulieren Es war eine Sternstunde zum Thema: Wie spreche ich über Musikwissenschaft, ohne dass es im Geringsten langweilig wird. Herrlich!

Am Montag bereits Thomas Hengelbrock und „Balte” - seine Ensembles Balthasar-Neumann-Chor und Orchester - ein Traum. Der Chor singt Bachs Hohe Messe h-moll auswendig …

Am Sonntag in Amorbach, der berühmten Basilika, Helénè Schmitt mit der Barockvioline und Frédéric Désenclos (Schloßkirche Versailles) mit französischer Musik. Ich chauffierte Helénè durch Unterfranken - eine sehr unterhaltsame und kurzweilige Fahrt. Leider gab es dann bei der Probe kleinere Intonationsprobleme zwischen Geige und der weltberühmte Stumm-Orgel - das Konzert habe ich nicht gehört, denn da war ich schon in Bronnbach zum Kinderkonzert mit Mozarts Zauberkiste.

Am Samstag war Premiere der „Zauberflöte” in unserem Stadttheater. Musikalisch beachtlicht. Bei der Zauberflöte musste ich mich für dreißig Minuten aus meiner Loge schleichen, um im Kaisersaal meinen Freund Albrecht Mayer zu begrüßen, der dort mit der Polnischen Kammerphilharmonie (excellent!) das Oboenkonzert spielte - er tut das so erzmusikalisch und natürlich technisch perfekt, dass das Publikum zu Recht aus dem Häuschen ist.

Arabella SteinbacherAm Donnerstag die Bamberger Symhoniker mit Arabella Steinbacher an der Violine. Ich kenne Arabella seit mehr als zehn Jahren, sie ist ja mit Julia Fischer und Anne-Sophie Mutter der „Violin-Export-Artikel” und konzertiert auf der ganzen Welt. Ihr Konzertkalender liest sich entsprechend spannend! Ludivic Morlot dirigierte einen wunderbaren Fauré und einen sehr anspruchsvollen Dutilleux. Anschließend Staatsempfang und die große Frage: Kommt Seehofer? Nein er kam nicht - er hatte Kabinett-Sitzung in München zur Rettung von Quelle. So vertrat ihn unsere Landtagspräsidentin, eine Würzburgerin und langjährige Mozartfest-Besucherin.

Am Dienstag vergangener Woche schließlich noch Mozart-Café mit Arabella Steinbacher - eine heitere, unkomplizierte, unglaublich liebenswerte Künstlerin, bei der man ständig das Gefühl hat, sie stehe etwas ungläubig neben ihrer eigenen Karriere. Eine wunderbare Geschichte zum Abschluss: Arabella spielt in Santa Fe an Weihnachten Katschaturians Violinkonzert, an Silvester soll das Konzert wiederholt werden, es schneit aber so immens, dass das Orchester an Silvester nicht anreisen kann. Ein Pianist wird gefunden, ein Ersatzprogramm vorbereitet, Arabella will Bachs große d-moll-Partita spielen. Sie hat die Noten nicht dabei, und um sich beim Konzert zu konzentrieren, schließt sie die Augen und spielt die 25 Minuten Bach großartig und fehlerfrei. Als sie die Augen blinzelnd öffnet, steht sie mit dem Rücken zum Publikum - während des konzentrierten Spiels ist sie, ohne es zu merken, langsam über die ganze Bühne gewandert …

Christian Kabitz

Bisher erschienen

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste
XIII-Das Eröffnungskonzert
XIV-Chevalier de Saint George
XV-Himmel schenk uns noch einen sonnigen Abend

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One Response to “Mozartfest Würzburg ¦ Ein kleiner Rückblick”

  1. Arabella Steinbacher - tutorial aa15871 Says:

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