Mozartfest Würzburg ¦ Wehmut

Heute beschleicht mich Wehmut: Als ich an der Residenz entlanggehe, steht schon ein Tieflader bereit, um unsere vielen kleinen Kassenhäuschen abzuholen, aus denen heraus die Tickets für die Nachtmusik verkauft werden. Für ein Jahr machen sie jetzt einen Mozart-Winterschlaf … und es sagt mir: Bald ist es wieder vorbei mit „deinem” Fest! Am Sonntag hatten wir wieder unglaubliches Wetterglück - auch „meine” zweite Nachtmusik kann draußen stattfinden, wir werden mit 3.200 Besuchern für unsere Gebete, Kerzen, Zaubersprüche belohnt, mit Hilfe derer wir uns einen blauen Himmel herbeigewünscht haben. Ich verschenke meinen Sitzplatz und promeniere durch den Hofgarten - die Akustik ist viel besser als ich gedacht hatte. Interessant ist nur, dass ein Minichor von Rotkehlchen dann doch stärker singen als das Orchester bei Mozarts Prager Sinfonie spielen kann.

Am Montag stellten wir Thomas Hengelbrock, meinen künstlerischen Beirat und Artist in Residence (auf deutsch und würzburgerisch: Künstler in der Residenz) der Presse vor. Wir lassen seine beeindruckende Karriere Revue passieren, ich erzähle, wie tief mich sein Feldkirch-Festival beeindruckt hat, von dessen „spirit” ich mir eine große Portion nach Würzburg wünsche, und dann kommen die Fragen der Journalisten. Wir erzählen über unsere Pläne für 2010, die ja schon weit gediehen sind, nennen Namen von Künstlern und Ensembles - und dann muss Thomas wieder zur Probe mit dem BALTE-Orchester (unsre Abkürzung für Balthasar-Neumann-Ensemble).

Jetzt, wo das laufende Fest seinem Ende entgegengeht, denke ich intensiv an 2010. Thomas hat wunderbare Ideen für ein Chor-Event. Ich habe mich während der letzten Tage intensiv um Künstler bemüht, wir schieben die Termine hin und her, rechnen am Budget - und ich merke, was für eine grandiose Aufgabe es ist, so ein Festival für eine ganze Stadt zu gestalten. Viele Leute geben einem Anregungen, es meldet sich Kritik, an der Anfangszeit (ich habe diese für fast alle Konzerte auf 20.30 Uhr gelegt), an der neuen Bühnenaufstellung - aber überwiegend sind alle sehr zufrieden und freuen sich auf das „neue” Mozartfest 2010.

Nachdem es am Montag in der Pressekonferenz schon bekannt gegeben worden ist, kann ich es heute auch heute hier verkünden, was im nächsten Jahr auf die Fans alles wartet:

  • Thomas Hengelbrock mit Balte-Orchester und die drei letzten Mozart-Symphonien
    Derselbige mit dem Chor und einem Nacht-Programm
  • Das Basler Kammerorchester und Sol Gabetta (Haydn Concertante, Cellokonzert, Mozart)
  • Das Mahler-Chamber-Orchestra unter Andrew Manze mit Janine Jansen und Julian Rachlin (Mozart Concertante u.a.)
  • Il Giardino Armonico mit Giovanni Antonini (Sturm & Drang + Mozart)
  • Das Stuttgarter Kammerorchester mit Mozart & Tango (Nicolas Altstaedt, Cello)
  • Christian Zacharias und Mitglieder des Alban-Berg-Quartetts (Mozart & Schubert)
  • Die Kammerphilharmonie Bremen mit Wunderklarinettist Martin Fröst (Mozart u. a.)
  • Das BR-Symphoniekonzert mit Andras Schiff (Haydn & Mozart)
  • Das amerikanische Pianisten-Wunderkind Kid Armstrong (Bach, Mozart, Amrstrong)

Und natürlich tausend andere Sachen rundherum …

von Christian Kabitz

Bisher erschienen

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste
XIII-Das Eröffnungskonzert
XIV-Chevalier de Saint George
XV-Himmel schenk uns noch einen sonnigen Abend
XVI-Ein kleiner Rückblick

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