Mozartfest Würzburg ¦ Ein Interview mit dem Künstlerischen Leiter Christian Kabitz

In den vergangenen Wochen berichtete Christian Kabitz immer mittwochs  über das Mozartfest Würzburgs. Zum Abschluss der Serie habe ich ihn zum Mozartfest und seiner Erfahrung mit dem Bloggen interviewt.

Das erste Mozartfest unter Deiner Regie ist am Sonntag mit einem Picknick-Konzert zu Ende gegangen. Ein etwas unspektakuläres Ende, wie ich finde. Weshalb gab es kein großes Abschlusskonzert, wie man das etwa vom Rheingau-Musik Festival kennt?
Wir scheuen aus Erfahrung die Konzerte Sonntag abends - viele Besucher kommen von auswärts und wollen /können nicht noch eine Übernachtung anhängen. Vielleicht sollten wir es trotzdem einmal versuchen mit einem großen Open-Air-Spektakel - man wird sehen.

Wie lautet Dein erstes Resümee?
Jetzt bin ich erst einmal unendlich dankbar, dass alles so wunderbar gelaufen ist; wir hatten nur eine schwerwiegende Absage - die Labeques - diese konnten wir durch die kurzfristige Verpflichtung der Paratores mehr als wettmachen. Das Wetter bei den beiden Nachtmusiken hat mitgespielt, wir konnten draußen musizieren - herrlich! Die Besucher waren ganz überwiegend von meiner neuen Bühnenaufstellung und damit verbunden mit der neuen Bestuhlung zufrieden - alle Konzerte fanden eine begeistertes Echo - was will man mehr?

Haben sich Deine Erwartungen erfüllt? Ist es gelungen, eine Festival-Atmosphäre zu verbreiten, sodass jeder spüren, sehen, hören konnte: Jetzt ist Mozartfest!, wie Du das im Vorfeld formuliert hast?
Eindeutig nein - aber das war im ersten Jahr nicht zu erwarten. Ich denke, ein klein wenig konnten wir zeigen, was sich im nächsten Jahr noch verändern wird - nur ein Beispiel: Das erfolgreiche Mozart-Cafe - und alles, was wir jetzt in den nächsten Tagen für 2010 auf den Weg bringen, rückt uns hoffentlich ein klein wenig näher an mein großes Ziel.

Du hast in einem Blog-Beitrag geschrieben, dass das Festival innovativ und voller neuer Ideen sein soll und ein anderes Publikum gewonnen werden muss. Erreichen wolltest Du das u. a. mit Künstlern, Ensembles und Programmen, die Überraschungen versprechen. In wie weit ist die Rechnung aufgegangen oder anders gefragt wie wurden die Konzerte mit den, dem Mainstream (noch) unbekannten, Künstlern angenommen?
Es gab einige unbekannte Größen, sprich: Künstler und Ensembles, die nicht zum lebenden Inventar des Mozartfestes gehören, die aber trotzdem großen Anklang fanden: Das Mannheimer Mozartorchester (wird bestimmt wieder eingeladen), die Polnische Kammerphilharmonie (dito), und andere mehr. Wir hatten mit „Les Siecles” ein hier noch ganz unbekanntes französisches Orchester eingeladen - die Leuten dankten mit standing Ovations. Wir werden in dieser Richtung mutig weitergehen, nächstes Jahr wird es auf jeden Fall eine Reihe „Aufgehende Sterne” geben, wo wir junge Künstler explizit vorstellen wollen.

Wie wurde die von Dir ins Leben gerufene Reihe “Kabitz trifft …” angenommen?
Was mich besonders gefreut hat, war das Mozart-Cafe mit Prof. Konrad, Deutschlands bedeutendstem Mozartforscher. Im Vorfeld hatten Bekannte Besorgnis geäußert, das werde sicher sehr akademisch. Das Gegenteil war der Fall: selbst die 15jährige Tochter meine Sekretärin - der Musikwissenschaft gegenüber eher distanziert - sagte nach der Gesprächsstunde, sie „schwebe”…

Du hast jetzt hier auf diesem Blog 18 Wochen lang über das Mozartfest Würzburg berichtet. Wie lautet Dein Fazit?
Auch wenn es manchmal etwas beschwerlich war, pünktlich meinen Blogbeitrag abzuliefern, war ich dankbar, denn ich konnte meine eigenen Empfindungen ordnen, bewerten und noch mal überdenken. Und ich habe mich unglaublich über das enorme Echo gefreut - aus allen Ecken unserer Republik meldeten sich Leser!

Wie stehst Du den Möglichkeiten, die Social Media bieten, gegenüber? Wirst Du verstärkt auf diese Form der Kommunikation setzen?
Da gibt es gar kein Nachdenken: Natürlich! Und mehr!

Dürfen sich die LeserInnen jetzt auf ein eigenes Blog, wo Du auch über all Deine anderen Aktivitäten berichtest, freuen?
Das muss ich mir genau überlegen - ich habe ja gemerkt, dass es sehr zeitaufwändig ist, denn man kann ja nicht hinschreiben, was einem gerade mal so einfällt, das soll ja auch eine Qualität haben. Es ist eine tolle Form der Kommunikation. Also: Warum nicht?

Dein nächstes größeres Projekt?
Das nächste Großprojekt sind meine Bachtage im November, es geht in diesem Jahr um die Gegenüberstellung von Bach und Bruckner und erstmals sind die Bachtage zu Gast im Dom zu Würzburg, ich dirigiere dort Bruckners Große Messe f-moll und sein Te Deum; dazu gibt es ein wunderbares Programm mit Orchester- und Kammermusik-Konzerten, Orgel- und Klavier-Recitals, Festgottesdienste mit Bachkantaten und sogar Jazz mit Flöte und Orgel … www.bachtage-wuerzburg.de

Christian, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit all Deinen Projekten!

PS Die Beiträge kamen überpünktlich und ohne dass ich nachfragen musste!

Von Christian Kabitz sind hier folgende Blogbeiträge erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste
XIII-Das Eröffnungskonzert
XIV-Chevalier de Saint George
XV-Himmel schenk uns noch einen sonnigen Abend
XVI-Ein kleiner Rückblick
XVII-Wehmut

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