Kulturbetriebe und Web 2.0 ¦ Teil 1: Informieren Sie noch oder kommunizieren Sie bereits?

Immer mehr deutsche Kultureinrichtungen nutzen Social Media für ihre Kommunikation. Die Twitter-Accounts haben explosionsartig zugenommen, keine größere Kultureinrichtung kommt mehr ohne einen aus. Ebenso verhält es sich mit einer eigenen Fanseite oder Gruppen bei Facebook. Auch Accounts bei Flickr und You Tube sind fast selbstverständlich geworden. Soweit so gut. Dies alles ist ja sehr erfreulich und zeigt, dass viele Kultureinrichtungen die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Bei all dem Hype den Social Media zurzeit bei Kultureinrichtungen erfahren, sind mir  einige Aspekte aufgefallen, die so gar nicht Web 2.0-mäßig anmuten. Ursprünglich wollte ich nur auf den mangelnden Dialog eingehen Doch beim Schreiben dieses Beitrags sind mir noch einige weitere Punkte gekommen, sodass es jetzt eine kleine Serie geben wird. Auf den elementarsten und offensichtlichsten komme ich heute zu sprechen: Dialog/Interaktion

Mittlerweile nutzt jede größerer Kultureinrichtung, die etwas auf sich hält und am Puls der Zeit sein will Social Media. Von wenigen Ausnahmen abgesehen dient ihnen Twitter und auch Facebook nur dazu, Veranstaltungen anzukündigen. Ein Austausch findet so gut wie gar nicht statt. Die neuen Medien werden genutzt um in den althergebrachten Strukturen zu arbeiten, also reine Informationen (Veranstaltungshinweise) zu geben. Die Weitergabe von Wissen geschweige denn, dass auch mal zugehört wird und Wünsche aus der Online Community angenommen werden, findet nicht statt. Diese reinen Ankündigungen machen es anders herum auch den Followern schwer, zu reagieren. Was soll ich zu einem Konzerthinweis schon groß antworten?

Als einfachste und auch unterste Stufe einer Interaktion - will man eine Skala für Interaktion festlegen - zähle ich einen Retweet. Eine Kultureinrichtung würde bei mir damit schon punkten, weil sie mir damit zeigt, dass sie auch Themen, die nicht nur sie angeht, empfiehlt. Diese Erfahrung habe ich bisher allerdings nur mit englischen oder amerikanischen Einrichtungen gemacht.

Ich frage mich: Liegt es nur am Zeitmangel, ist es Desinteresse oder ist in den Köpfen der Verantwortlichen einfach noch angekommen, dass das Schlagwort „Dialog” mehr ist als ein Schlagwort - nämlich zuhören und sich in Diskussionen einzubringen. Bin ich nur wieder einmal zu ungeduldig und die Kulturinstitutionen benötigen einfach noch mehr Zeit?

Meine These ist ja, dass die die Social-Media-Aktivitäten von der PR-Abteilung gemacht werden - und das sicherlich auch zu Recht. Ich glaube nur, dass die wenigsten loslassen können und eher Sorge haben, sie könnten die Kontrolle verlieren. Die Gefahr „etwas Falsches” zu twittern ist natürlich bei Tweets, die nicht auf eine Veranstaltung verweisen viel größer.

Christian Henner-Fehr hat in seinem Blogbeitrag “Web 2.0 ist auch eine Frage der Haltung” kürzlich empfohlen, die Kultureinrichtungen sollten beginnen zu moderieren.

„Versuchen Sie doch mal, sich nicht nur als Sprachrohr Ihrer Kultureinrichtung zu verstehen, sondern schlüpfen Sie mal ganz bewusst in die Rolle eines Moderators, wenn Sie das nächste Mal twittern oder Ihre Facebook-Seite bzw. Ihr Blog mit Inhalten füllen.”

Und weiter

„Aus dem Ansatz „ich möchte meine Info loswerden” wird z. B. plötzlich „ich bin gespannt, worüber wir heute twittern werden”.

Eine schöne Vorstellung, die allerdings auch bedeutet, dass der/die Verantwortliche den ganzen Tag über die Twitterstreams der Follower verfolgt - und ich habe meine Zweifel, dass dem so ist.

Post to Twitter Tweet This Post

Tags: , , , ,

6 Responses to “Kulturbetriebe und Web 2.0 ¦ Teil 1: Informieren Sie noch oder kommunizieren Sie bereits?”

  1. Tweets that mention Kultur 2.0 » Blog Archive » Kulturbetriebe und Web 2.0 ¦ Teil 1: Informieren Sie noch oder kommunizieren Sie bereits? -- Topsy.com Says:

    [...] This post was mentioned on Twitter by Bettina Wagner, Ulrike Schmid. Ulrike Schmid said: frisch gebloggt: Informieren Sie noch oder kommunizieren Sie bereits? #Kultureinrichtungen http://bit.ly/3bvzWz [...]

  2. Christian Henner-Fehr Says:

    Du sprichst mir aus der Seele. Die ganzen Ankündigungen, die zur Zeit über Twitter laufen sind langweilig und sprechen ganz sicher keine neuen Zielgruppen an. Geschweige denn, dass sie jemanden zum Besuch einer Veranstaltung bewegen.

    Solche Accounts, wie dieser hier, sind doch eine wirklich traurige Geschichte: http://twitter.com/kunstmuseum
    Gibt es in dem ganzen Haus wirklich niemanden, der Spaß daran hat, sich auf Twitter zu bewegen und mit anderen ins Gespräch zu kommen?

    Fazit: da hilft die beste Strategie nichts. Eigentlich sollte man es dann besser lassen.

  3. Ulrike Schmid Says:

    oh schönes Negativ-Beispiel. Das kannte ich noch gar nicht …

    Anscheinend nicht. Vielleicht bekommenn wir ja mal auf unsere Beiträge einen Kommentar von einer Kultureinrichung, damit wir wissen woran es liegt (wird auch ein Thema in der Serie sein) …

    Ich finde, Du hast das auch mit “Web 2.0 ist eine Frage der Haltung” sehr treffend beschrieben. Ich denke, dass ist das Grundproblem. Die innere Einstellung fehlt und die Leute, die twittern kommen meist nicht aus der “Web 2.0-Ecke” sonst würden sie kommunizieren. Mein Eindruck ist, es wird gemacht, weil’s gerade angesagt ist und eine stattliche Anzahl an Followern wird als Erfolg gesehen.

  4. Christian Henner-Fehr Says:

    “Mein Eindruck ist, es wird gemacht, weil’s gerade angesagt ist und eine stattliche Anzahl an Followern wird als Erfolg gesehen.”

    Wohl wahr…

  5. Kommentieren wie auf facebook? « plattform kunstdialoge Says:

    [...] Bevor wir uns als mit der „plattform kunstdialoge“ in das Socializing-Netzgewirr stürzten, habe ich mich ein bisschen umgesehen, was sich in diesem Bereich so tut und bin dabei auf eine interessante Studie von Ulrike Schmid gestoßen, in der es heißt: Mittlerweile nutzt jede größere Kultureinrichtung, die etwas auf sich hält und am Puls der Zeit sein will Social Media. Von wenigen Ausnahmen abgesehen dient ihnen Twitter und auch Facebook nur dazu, Veranstaltungen anzukündigen. Ein Austausch findet so gut wie gar nicht statt. Die neuen Medien werden genutzt um in den althergebrachten Strukturen zu arbeiten, also reine Informationen (Veranstaltungshinweise) zu geben. Die Weitergabe von Wissen geschweige denn, dass auch mal zugehört wird und Wünsche aus der Online Community angenommen werden, findet nicht statt. Diese reinen Ankündigungen machen es anders herum auch den Followern schwer, zu reagieren. (aus: Kulturbetriebe und Web 2.0) [...]

  6. Die “plattform kunstdialoge” zwitschert und das “gefällt mir” « plattform kunstdialoge Says:

    [...] Bevor wir uns als mit der „plattform kunstdialoge“ in das Socializing-Netzgewirr stürzten, habe ich mich ein bisschen umgesehen, was sich in diesem Bereich so tut und bin dabei auf eine interessante Studie von Ulrike Schmid gestoßen, in der es heißt: Mittlerweile nutzt jede größere Kultureinrichtung, die etwas auf sich hält und am Puls der Zeit sein will Social Media. Von wenigen Ausnahmen abgesehen dient ihnen Twitter und auch Facebook nur dazu, Veranstaltungen anzukündigen. Ein Austausch findet so gut wie gar nicht statt. Die neuen Medien werden genutzt um in den althergebrachten Strukturen zu arbeiten, also reine Informationen (Veranstaltungshinweise) zu geben. Die Weitergabe von Wissen geschweige denn, dass auch mal zugehört wird und Wünsche aus der Online Community angenommen werden, findet nicht statt. Diese reinen Ankündigungen machen es anders herum auch den Followern schwer, zu reagieren. (aus: Kulturbetriebe und Web 2.0) [...]