Partizipation groß geschrieben: Bürger entscheiden über Spendenaufteilung

Als Brigitte Reiser mich gestern auf Twitter fragte, was ich von dem Projekt „Bürger entscheiden über Spendenaufteilung” halte und die ersten Zeilen ihres Blogposts, las dachte ich im ersten Moment „das kann’s ja wohl nicht sein”. Eine Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene wo sie die Möglichkeit haben

„über die Aufteilung einer Spende zwischen zwei gemeinnützigen Einrichtungen mitzuentscheiden, indem sie online für eine der beiden Einrichtungen stimmen.”

Die Einrichtungen ihrerseits können sich über mehrere Wochen auf einem Blog vorzustellen. Mein erster Gedanke war „wieder so eine Art Deutschland sucht die beste Einrichtung” und mein zweiter Gedanke war, dass dadurch unattraktive Einrichtungen von vornherein keine Chance haben.

Als ich dann Brigitte Reisers Argumente dafür las und mehr noch, als ich mir das die Projektbeschreibung von BÜRGERwirken sowie das entsprechende Blog der  näher ansah schwand meine Voreingenommenheit. Im Gegenteil - mir gefällt die Aktion. Bei den beiden Organisationen handelt es sich nämlich um zwei Organisation aus dem Kulturbereich, die sich für mich auf Augenhöhe befinden: Der Förderverein Welttheater und Kunterbunt e. V. aus Schwerte. Beide Organisation haben sich in einem Videobeitrag vorgestellt und können nun auf dem Projektblog für sich werben. Werben dahingehend, dass sie für sich und ihre Arbeit Leute begeistern. Sie haben die Chance ihre Vereine einem breiteren Publikum vorzustellen und das auch noch über einen längeren Zeitraum. Und unter diesem Aspekt, dass jede Organisation nicht nur ihre Mitglieder, sondern auch die Bürger der Stadt begeistert und mobilisiert, für sie zu stimmen, ist das doch eine tolle Sache. Und am Ende wird die ausgeschriebene Spende prozentual verteilt.

Für den Spender ist solch eine Spendenaufteilung doch auch eine feine Sache. Erstens muss er sich selbst nicht auf eine Organisation festlegen und zweitens ist er in (fast) aller Munde.

Beide Organisationen können durch so eine Aktion nur gewinnen, finde ich.

(Nachtrag Dienstagabend: Kulturmanger hat heute ebenfalls einen Blogbeitrag zu dem Thema veröffentlicht)

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3 Responses to “Partizipation groß geschrieben: Bürger entscheiden über Spendenaufteilung”

  1. Brigitte Reiser Says:

    Ich finde auch gut, dass Netzwirken.net den Schritt auf die kommunale Ebene vollzogen hat und die Challenges auf Bundesebene durch Wettbewerbe auf lokaler Ebene ergänzt. Hier leben die Bürger, hier haben sie am häufigsten den unmittelbaren Kontakt mit Kultur- oder Sozialeinrichtungen.

    Solange man eine Grundfinanzierung der Einrichtungen über öffentliche Mittel und Entgelte hat, kann man solche ‘Wettbewerbsfenster’ wie die Challenges von BÜRGERwirken gut anbieten. Sie beleben den Austausch zwischen der Bürgerschaft und gemeinnützigen Einrichtungen. Und sie bringen einzelne Einrichtungen dazu, sich stärker zu öffnen und den Dialog auch mit denen zu suchen, die nicht zu den üblichen Zielgruppen gehören.

  2. Ulrike Schmid Says:

    Sehe ich ganz genauso Brigitte. Solange die Grundfinazierung steht, können die Challenges eine wunderbare Ergänzung sein.

    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Challenges auf regionaler Ebene noch besser angenommen werden als auf Bundesebene aufgrund des direkteren Kontakts.

  3. Christian Henner-Fehr Says:

    Interessant ist in meinen Augen, dass bei solchen “Wettbewerben” der direkte Kontakt zu den potenziellen BesucherInnen gesucht werden muss. Diese Kommunikationsschiene kommt häufig zu kurz, weil ja die öffentliche Hand die Gelder vergibt und es wichtig ist, mit denen zu kommunizieren.

    Hinzu kommt, dass auf diese Weise die BürgerInnen einen ganz anderen Bezug zu Kultureinrichtungen bekommen. Bis jetzt ist es ja nur das Konzert, etc. über das man eine Kultureinrichtung kennen lernen kann.