Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ 2 Allgemeine Beobachtungen

Pfefferminzmuseum

Pfefferminzmuseum

Museen abseits des Mainstreams
Bei der Auswahl der Museen und Orchester hätte ich mir die Arbeit erleichtern können, indem ich einfach bei den einzelnen Kanälen (Twitter, Facebook, YouTube, Flickr etc.) nachgesehen hätte, wer welchen Kanal nutzt und nicht umgekehrt. Also erst Museen und Orchester festlegen, um dann zu sehen, wer welchen Kanal nutzt.

Mir wäre einiges Interessante verborgen geblieben. Etwa die Fülle der Museen in Deutschland insgesamt, dass es kaum eine Stadt ohne Heimatmuseum gibt, dass die Dichte der Museen v. a. in Westdeutschland sehr hoch ist. Auch war ich überrascht ob der Kategorie der Museen: Bratwurstmuseum, Kartoffelmuseum, Schnapsmuseum, Artistenmuseum, Lügenmuseum, Pfefferminzmuseum, um nur einige Museen abseits des Mainstreams zu nennen. Eine Rolle im Social Web spielen sie allerdings nicht.

Argument Bekanntheitsgrad
Als ein Argument für Social-Media-Aktivitäten wird die Steigerung des Bekanntheitsgrades genannt. Denn Blogs werden von Suchmaschinen leichter gefunden als statische Internetseiten. Sie werden gerne verlinkt und zitiert und verbreiten sich dadurch rasch im Netz. Ähnliches gilt natürlich auch für die anderen Kanäle wie Twitter, Flickr, YouTube, Facebook etc.

Auffallend war allerdings, dass sich von der Anzahl der Google-Einträge nicht zwingend Rückschlüsse auf Social-Media-Aktivitäten schließen lassen. Drei Beispiele:

Beispiel 1: Die Berliner Philharmoniker sind per se schon so bekannt, dass deren Social-Media-Aktivitäten bei den Google-Einträgen kaum ins Gewicht fallen.  Die Motivation ihrer Web-Aktivitäten war insofern sicherlich nicht, den Bekanntheitsgrad zu steigern.

Beispiel 2: Die Duisburger Philharmoniker machten durch ihre rege Web-Aktivität deutschlandweit auf sich aufmerksam. Ihre Aktivitäten wirkten sich unmittelbar auf Google aus. Bereits auf den ersten Seiten stehen Einträge zu ihren Social Media-Aktivitäten.  Überrascht hatte mich ehrlich gesagt nur, dass die Anzahl der Einträge unter 20.000 liegt.

Beispiel 3: Das Städel Museum war auch schon vor Beginn seiner Social Media-Aktivitäten sehr bekannt Seine Google-Einträge gehen in die Hunderttausende, und auf den ersten beiden Google-Seiten sind ebenfalls Verweise auf Social Media.

Wo liegt der Unterschied? Meiner Meinung nach liegt er in der Wahl des „Social-Media-Namens”. Das Städel Museum ist auf allen Kanälen mit „staedelmuseum” zu finden. Dies führt eben auch dazu, dass diese Aktivitäten in den Suchmaschinen ganz vorne gelistet sind. Die Berliner Philharmoniker nennen sich kurz „BerlinPhil” und über die Social-Web-Aktivitäten der Duisburger Philharmoniker wird man unter „Philharmoniker” informiert.

Fazit
Das heißt also, dass eine Kultureinrichtung, der es vor allem darum geht, dass ihr Name in Suchmaschinen gefunden wird, um die Bekanntheit zu steigern, gut daran tut, den Namen der Institution konsequent in den einzelnen Profilen zu führen. Spielt der Name eine untergeordnete Rolle kann natürlich auch eine verkürzte Schreibweise verwendet werden. Um noch mal auf das Beispiel Duisburger Philharmoniker zurückzukommen. Ihnen bzw. deren Web-Team ist es durch die Wahl des Namens „Philharmoniker” gelungen, dass jeder, der im Internet einfach nur nach „Philharmoniker” sucht, bei ihnen landet. Also eine sehr clevere Wahl!

Ausblick: Nächste Woche stelle ich die einzelnen Kanäle vor, die benutzt werden.

Teil 1 - Studie Museen und Orchester im Social Web | Einleitung

Post to Twitter Tweet This Post

Tags: , , , , ,

9 Responses to “Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ 2 Allgemeine Beobachtungen”

  1. Hagen Kohn Says:

    Toll, so eine Analyse war längst überfällig. Danke, dass du dir die Mühe machst! Wirst du auch eine Übersicht der Web2.0-aktiven Orchester zur Verfügung stellen? Sowas habe ich bislang vergeblich gesucht.

    Ich hatte ja ursprünglich vor, in meinem Blog http://kulturcafe.posterous.com/ Orchester über ihre Erfahrungen mit Social Media berichten zu lassen. Die Resonanz ist bislang erschreckend gering, was mir zeigt, dass die meisten Institutionen kein echtes Interesse an (oder keine Zeit für) Austausch haben, sondern einfach mal mitmachen, “weil´s halt dazugehört”.

    Bin gespannt auf deine Erfahrungen/Erkenntnisse.

  2. Ulrike Schmid Says:

    Die Übersicht mit den Namen gibt’s aber erst am Ende.

    Du bist nicht fündig geworden, weil Orchester im Vergleich zu Museen völlig unterrepräsentiert sind. Bei den wenigsten Orchester lässt sich eine Strategie erkennen. Meist sind sie nur auf einem Kanal präsent. Mal auf Facebook, mal bei Twitter etc. Die wenigsten nutzen mehrere Kanäle parallel.
    Mein Blogpost mit einer entsprechenden Übersicht, welche Kanäle genutzt werden, wird es nächste Woche geben. Der Unterschied, wie Museen und Orchester die Social Media-Tools nutzen ist, sehr frappierend und höchst interessant.

  3. Hagen Kohn Says:

    Es stimmt, dass Museen in diesem Bereich viel aktiver sind. Vielleicht liegt es daran, dass der Arbeitsalltag nicht sosehr von Planungs-Hektik bestimmt wird und mehr Freiraum für solche Aktivitäten lässt. Oder die personellen Ressourcen sind einfach besser.

    Was mich aber erstaunt, ist die mangelnde Bereitschaft, über seine Erfahrungen/Pläne zu berichten, gerade bei den Orchestern, die Social Media nutzen. Aber wie du sagst, es fehlt die Strategie, andernfalls würde man den offenen Austausch ja ja geradezu suchen.

    @BerlinPhil sagten mir beispielsweise: “Beitrag gerne, aber erst Ende der Spielzeit, momentan keine Zeit”. Ich denke, hier liegt das Hauptproblem…

  4. Christian Henner-Fehr Says:

    Du hast sicher Recht, dass die Wahl des Social Media-Namens Auswirkungen auf die Sichtbarkeit im Internet hat. Aber an der Anzahl der Treffer bei Google & Co würde ich das nicht festmachen. Ich habe z.B. gerade die Duisburger Philharmoniker gegoogelt und komme auf fast 60.000 Treffer. Beim Städel Museum kommt Google auf ca. 100.000, Yahoo hingegen auf 865.000.

    Warum aber ist das Städel Museum viel häufiger in den Rankings vertreten als die Duisburger Philharmoniker? Ich habe mir mal die Seiten weiter hinten angeschaut und dabei festgestellt, dass die Online-Berichterstattung über Museen bzw. Ausstellungen die im Bereich Orchester weit übersteigt. Viele Galerien z.B. informieren über Ausstellungen, während es diesen “Unterbau” im Orchesterbereich nicht gibt.

    Dein Fazit trifft es auf den Punkt: es macht nicht nur Sinn, auf den eigenen Namen zu achten, sondern natürlich ist die Verwendung von Gattungsbezeichnungen ein äußerst geschickter Schachzug. Wer da am schnellsten ist, hat gewonnen. ;-)

  5. Ulrike Schmid Says:

    @Christian Wenn du die Duisburger Philharmoniker in Anführungsstriche setzt, kommst du nur auf kanpp 20.000 Treffer und das hatte mich überrascht. Ich hatte aufgrund der Aktivitäten mit wesentlich mehr gerechnet. Ich stimme dir dahingehend zu, dass man die Google-Einträge von Orchestern und Museen nicht vergleichen kann, das habe ich auch nicht gemacht. Ich habe die Messlatte für Museen wesentlich höher angesetzt (mind. 50.000 Einträge). Bei rund 6.500 Museen musste ich nur eine Einschränkung finden und da fand ich die Zahl der Google-Einträge als sinnvoll. Anhand der drei Beispiel wollte ich lediglich aufzeigen, inwieweit Social-Media-Aktivitäten Auswirkungen auf die Sichtbarkeit bei Google haben.

  6. Christian Henner-Fehr Says:

    Ok, dann hatte ich das nicht ganz richtig verstanden. Um eine Auswahl zu treffen, macht das natürlich Sinn.

  7. T.Paul artinfo24.com Says:

    Erstmal, Danke und Respekt für Deine Bemühungen.
    Ich muss mal hier was richtigstellen. Ob 50.000 oder 100.000 Einträge bei Google sagt erst einmal garnichts über das Ranking aus. Höhstens über eine Art Sichtbarkeit im Index. Wenn das jeweilige Museum/Orchester im Google-Index ranken will, sollte man analysieren für welche Begriffe. Für den eigenen Namen kommen die Rankings schon alleine. Aber ich bin mir ziemlich, zeigt die Erfahrung, das die meisten Besucher über viele andere Suchbegriffe auf die Website kommen (z.B. akt. Veranstaltungen). Also erst analysieren und dann Strategie wählen.

    zu facebook und twitter:
    Mit den Zahlen der sogenannten follower und Fans der beiden Seiten sollte man sehr vorsichtig umgehen. Für beides lassen sich mittlerweile auch Fans und Follower im großen Stil kaufen. Ich sehe auf facebook jeden Tag Gruppen od. Fanpages mit Mitgliederzahlen im fünfstelligen Bereich. Schaut man sich dann aber die Aktivitäten in diesen gruppen an, ist das Resultat oft sehr ernüchternd.
    Das sind für mich viel wichtigere Kennzahlen, als die Anzahl von followern und Fans. Bei twitter könnte man sich auch mal die Anzahl der retweets anschauen.

    Und noch zwei Links:
    http://www.internetworld.de/Nachrichten/Trends/Social-Media-Measurement-Summit-Wie-messen-wir-Reichweite-in-Socia-Media-25095.html

  8. Ulrike Schmid Says:

    @T.Paul Wie in obigem Kommentar schon erwähnt, musste ich bei den rund 6.500 Museen, die es in Deutschland gibt, eine Einschränkung finden und da fand ich die Zahl der Google-Einträge einerseits sowie die Follower- und Fanzahlen andererseit sinnvoll. Ich stimme Dir voll und ganz zu, dass Follower- und Fanzahlen absolut nichts über die Qualität der Social-Media-Aktivitäten aussagen. Das habe ich auch in anderen Blogbeiträgen und Kommentaren des öfteren geäußert.

    In meiner Untersuchung geht es mir um eine qualitative Bewertung der Aktivitäten. Bevor ich allerdings solch eine qualitative Bewertung vornehmen kann, wollte ich offenlegen, weshalb ich eine Institution aufgenommen habe. Ich finde dieses Vorgehen logischer als irgendwelche zufällig ausgewählte Museen. Denn dann hätten nur diejenigen Eingang gefunden, die ich zufällig kenne.

    Danke für die Links.

  9. wweigand Says:

    Liebe Frau Schmid,
    für mein Masterstudium an der Leipzig School of Media beschäftige ich mich ebenfalls mit dem Thema Social Media und Kultureinrichtungen. Die Masterarbeit soll in diese Richtung führen.
    Ich freue mich sehr, auf Ihren Blog und auf Ihre Studie gestossen zu sein. Mein (bedeutend unprofessioneller) Zettelkasten und Ideensammler wird auch von Wordpress verwaltet. http://www.wweigand.de/masterarbeit