Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Facebook, Video-Portale und Twitter die beliebtesten Kanäle

Die zur Verfügung stehenden Social-Media-Kanäle bieten Museen und Orchester unterschiedlichste Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit für ihre Ziele und spezifischen Projekte zu steigern sowie neue Beziehungen mit ihren Dialoggruppen aufzubauen. Welche Kanäle die Kultureinrichtungen nutzen, um diese Potenziale umzusetzen werde ich im Folgenden erläutern.

Entsprechend der von mir zugrunde gelegten Kriterien wurden 92 Museen und 21 Orchester untersucht.

Berücksichtig wurden bei allen Plattformen diejenigen Profile, Fanseiten oder Gruppen, die eindeutig einem Museum oder einem Orchester zugeordnet werden können. Zusätzlich zu den populärsten Kanälen wie YouTube/Vimeo, Facebook, Flickr, Facebook, StudiVZ, MySpace und Twitter wurde das Vorhandensein eines Blog evaluiert. Hierbei wurden auch temporäre Blogs (begleitend zu einer Ausstellung oder Orchestertournee) berücksichtig, sofern sie zu Beginn der Untersuchung im Dezember 2009 bestanden oder derzeit bestehen.

Social-Web-Praesenzen von Museen und Orchester

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Facebook das beliebtesten Social-Media-Tool, sowohl bei den Museen als auch bei den Orchestern, ist. Rund 69 % der Organisationen nimmt die Möglichkeit wahr, in diesem sozialen Netzwerk präsent zu sein und mit ihren Dialoggruppen in Kontakt zu treten. An zweiter Stelle der Beliebtheitsskala stehen bei den Orchestern die Video-Portale YouTube respektive Vimeo (45 %) und bei den Museen Twitter (63 %), gefolgt von Twitter (41 %) bei den Orchestern und YouTube/Vimeo (33 %) bei den Museen.

Im Verhältnis betrachtet, betreiben mehr Orchester (27 %) als Museen (22 %) Blogs. Jeweils ein Orchester und ein Museum betreiben sogar zwei Blogs. Die Duisburger Philharmoniker haben mit „Klasse Klassik” ein zusätzliches Blog, das auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet ist, wohingegen der Leiter des Ausstellungsmanagement des NRW-Forum zusätzlich zum offiziellen Blog ein eigenes Posterouse-Blog betreibt, deren Themenschwerpunkt ebenfalls auf den Projekten des NRW-Forum liegt.

MySpace, bei dem deutsche Orchester schon 2007 Profile angelegt hatten, verliert anscheinend an Bedeutung. Kultureinrichtungen sind in der Pflege ihres MySpace-Profils weitaus weniger engagiert, als beispielsweise in der Pflege ihrer Facebook-Profile. Lediglich 23 % der Orchester, die ein MySpace-Profil haben, halten ihr Profil up-to-date, wohingegen die Aktualisierungsquote der Museen bei ca. 47 0% liegt und damit deutlich höher. Ähnlich verhält es sich mit StudiVZ. Dort haben lediglich knapp 14 % der Museen und 9 % der Orchester Profile, die auch gepflegt werden.

Überrascht hat mich, dass Flickr im Verhältnis zu Youtube relativ selten genutzt wird, ja nahezu keine Beachtung findet. Lediglich knapp 5 % der Museen und ca. 3 % der Orchester nutzen die Fotoplattform. Kultureinrichtungen, zumindest die im Rahmen der Studie untersuchten,  scheinen - und das liegt im allgemeinen Trend - audiovisuelle Medien eine hohen Mehrwert zur Unterstützung ihrer Kommunikation beizumessen.

Ich hatte erwartet, dass die Organisationen Flickr ebenso nutzen wie sie YouTube nutzen: Also einmal produzierte Fotos, die häufig auf der Internetseite eingebunden sind, ohne großen Betreuungsaufwand auf einer weiteren Plattform einer größeren Dialoggruppe zur Verfügung zu stellen.

Museen und Orchester nutzen im Schnitt nur ein bis zwei Kanäle

Ein Großteil der Organisationen nutzt nur einen oder zwei der untersuchten Kanäle: Lediglich 40 % der Orchester und knapp 30 % der Museen sind auf mehr als 2 Kanälen aktiv.

Anzahl der Kanäle, die Orchester regelmäßig nutzen

Anzahl der Kanäle, die Museen nutzen

Fazit
Facebook, Video-Portale und Twitter sind die beliebtesten Kanäle. Von einer Vernetzung der Social-Media-Aktivitäten - wie bei Unternehmen anderer Branchen zunehmend zu beobachten - scheinen Kultureinrichtungen weit entfernt zu sein. Die meisten Einrichtungen nutzen nur einen bis maximal zwei Kanäle. Dies lässt die Vermutung zu, dass Kultureinrichtungen häufig noch am Experimentieren mit den einzelnen Tools sind.

Auffällig ist, dass Museen und Orchester das Potential eines eigenen Blogs noch nicht wirklich aufgegriffen haben. Das Blog als zentrales Medium, um gerade Geschichten zu erzählen, die den Weg in die klassischen Medien nicht finden, wird nur sehr spärlich eingesetzt.

Ausblick: In den nächsten Wochen werde ich eine qualitative Auswertung der Social-Media-Aktivitäten einzelner Kanäle vornehmen und einige Verantwortliche zu Wort kommen lassen - die vielleicht Erklärungen aus ihrer jeweiligen Sicht für die ersten hier dargestellten quantitativen Ergebnisse der Studie geben.

Teil 1 Einleitung
Teil 2 Allgemeine Beobachtungen

Post to Twitter Tweet This Post

Tags: , , , ,

2 Responses to “Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Facebook, Video-Portale und Twitter die beliebtesten Kanäle”

  1. Cloud Communication oder virtuelle Schnitzeljagd « Das Kulturmanagement Blog Says:

    [...] Orchestern und Museen im Social Web befasst. Dabei hat sie herausgefunden, schreibt sie in ihrem Blogpost, dass die meisten Organisationen nur ein bis zwei der zahlreichen Social Media-Kanäle nutzen. [...]

  2. Art and Events: Design, Fotografie und Kunst » Archive » Aus der Chefetage deutscher Kultureinrichtungen Says:

    [...] Um an dieser Stelle ein paar Zahlen zu nennen: Ein Großteil der Organisationen nutzt nur einen oder zwei der untersuchten Kanäle: Lediglich 40 % der Orchester und knapp 30 % der Museen sind auf mehr als 2 Kanälen aktiv. Beliebtester Kanal ist Facebook, gefolgt von Twitter und YouTube. (ausführlichere Infos dazu gibt es hier) [...]