Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft

Aufruhr 1225Bewegtbildkommunikation gewinnt auch im Kulturbereich zunehmend an Bedeutung. Kein Medium bietet bessere Möglichkeiten und Chancen, auch „Nicht-Kulturbeflissene” durch eine entsprechende Ansprache und Umsetzung inhaltlich und vor allem emotional zu erreichen. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass Video-Portale - allen voran YouTube und Vimeo - zu den beliebtesten Social Media Tools von Kultureinrichtungen zählen. Knapp 43 % der untersuchten Orchester und 32 % der Museen laden auf diesen Plattformen Videos und Trailer hoch.

Bereits 2007 wurden die ersten Profile angelegt: Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM), Deutsche Museum, Museum für Völkerkunde in Leipzig und Deutsche Symphonie Orchester Berlin waren die Ersten mit einem eigenen Kanal auf YouTube. 2009 kam es dann zu einem regelrechten Boom an Registrierungen. Zu erklären ist dieser Boom, so Olaf Kaestner, Geschäftsführer von artsite.tv

„einerseits mit den technischen Möglichkeiten. Seit 2007 führt die Verbreitung schneller Internet-Anschlüsse zum Erfolg für Bewegbild im Internet. Schritt für Schritt ist diese Entwicklung bei den Kulturinstitutionen angekommen. An Video-Portalen wie YouTube schätzen sie die geringe technische Einstiegshürde, um Anbieter zu werden. Andererseits bietet die Anschaulichkeit von Bewegtbild gerade für den Kulturbereich enorme inhaltliche Möglichkeiten, die bei weitem noch nicht ausgeschöpft wurden.”

YouTube oder Vimeo?
YouTube ist auch bei Kultureinrichtungen führend. Lediglich die Duisburger Philharmoniker, die Bühnen Halle und das NRW-Forum Düsseldorf stellen ihre Videos bei Vimeo ein und begründen dies mit der besseren Qualität.

Profilierung nicht ausgeschöpft
Die Eigenpräsentation der Institutionen in Videoportalen reicht von sehr spärlich bis umfassend vernetzt. Manche Museen und Orchester haben weder ein Profilbild noch beschreiben sie sich selbst oder verweisen auf ihre Internetseite. Eine Verlinkung zu den anderen Social-Web-Präsenzen ist nur bei zwei Museen (Städel Museum und Schirn) und einem Orchester (Berliner Philharmoniker) zu finden. Die Möglichkeiten „Markenaufbau” zu betreiben bleiben größtenteils ebenso ungenutzt, wie die Chancen, über Plattformvernetzungen (-verlinkungen) den Dialog mit Interessenten zu intensivieren.

Anzahl und Inhalt der jeweiligen Videos variieren stark
Die Anzahl der eingestellten Videos liegt zwischen 0 und 241. Teilweise - Museum Kurhaus Kleve - werden keine eigenen Videos erstellt, sondern lediglich Videos Dritter im eigenen Profil verlinkt. Spitzenreiter mit 241 Videos ist das ZKM in Karlsruhe. Auch die Anzahl der Kanalaufrufe variiert stark: Sie liegen zwischen lediglich 9 und 126.844 (Berliner Philharmoniker).

Inhaltlich reicht die Bandbreite von 30-sekündigen Stimmungsbildern (Müritzeum) über Probenmitschnitte bis hin zu ausführlichen Ausstellungs- und Konzertankündigungen, die Interviews mit den künstlerischen Leitern und Kuratoren beinhalten. Bei den Orchestern, die nicht nur als Sinfonieorchester auftreten, wie etwa die Dortmunder Philharmoniker, werden häufig (Proben-)Ausschnitte aus Opern- und Ballettinszenierungen eingestellt.

Kaum Kommentare
Sowohl Orchester als auch Museen erhalten nur wenig Feedback in Videoportalen. Über die Hälfte aller Videos sind unkommentiert, der Rest erhält im Schnitt 2 Kommentare.

Eine Ausnahme stellen die Videos der Berliner Philharmoniker dar. Sie erhalten im Schnitt zwischen 20 und 30 Kommentare, teilweise sogar über 200. Doch auch beim Orchester der Staatsoperette oder beim Bayerischen Staatsorchester, um weniger prominente Beispiele zu nennen, wird über den Inhalt diskutiert.

Dies zeigt, dass es in der Art der Kommentare einen großen Unterschied zwischen den beiden Institutionen gibt. Gehen die Kommentare bei Museen meist nicht über „schöne Ausstellung, will ich sehen” hinaus, finden bei Orchestern inhaltliche Diskussionen zu den Opern- und Ballettinszenierungen sowie Konzerten statt.

Zusatznutzen Medienarbeit
Das Gros der eingestellten Videos adressiert ausschließlich an Besucherinnen und Besucher. Inhaltlich und in Form der Aufbereitung zielen die Videos darauf ab, Interesse zu wecken und die Anzahl der Besuche zu erhöhen. Dass Videos allerdings auch für die Medienarbeit erfolgreich genutzt werden können, zeigen die Beispiele Schirn und Städel.

Bewegtbilder gewinnen bei Online-Redaktionen zunehmend an Bedeutung - das ist spätestens seit Erscheinen der Bewegtbild-Studie bekannt. Denn jeder dritte Redakteur schaut sich (fast) täglich Bewegtbilder im Internet an und recherchiert auch in allgemeinen Videoportalen dazu. Außerdem verwenden Journalisten Videos als eigenständige Darstellungsform und veröffentlichen auch von Nutzern erstellte Webvideos. Die Chance, die sich hierbei für Kultureinrichtungen bietet, bleibt meist ungenutzt. Einige der Videos der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, des LWL-Museums für Archäologie in Herne und vom Kunstmuseum Wolfsburg sind so aufbereitet, dass sie auch für die Medienarbeit eingesetzt werden könnten.

Fazit
Der Bedeutungszuwachs von Bewegtbild-Content im Netz wird zunehmend steigen. Eine gute Präsenz bei einem Video-Portal wird deshalb für Kultureinrichtungen zunehmend wichtiger, um virale Effekte zu unterstützen. Hierzu sollten Videos Kanal-übergreifend und vernetzt mehrfach genutzt werden: Einbindung in Blogs anderer, Veröffentlichung auf sozialen Netzwerken, Weiterleitung via Twitter etc. Mangelnde Kommentierung sollte - wie das Verhältnis Videoabrufe zu Kommentierung zeigt - als Erfolgskriterium nicht überschätzt werden. Selbstverständlich sollten Videos nicht nur extern auf Videoportalen eingesetzt, sondern auch auf der eigenen Homepage genutzt werden, um das bereits Kulturaffine Publikum und nicht zuletzt die Medienvertreter zu erreichen.

Wichtig erscheint mir, dass die Videos authentisch sind, die Menschen hinter den Kulissen zu Wort kommen und Prozesse der Entstehung von Inszenierungen, Konzerten und Ausstellungen gezeigt werden.

Teil 1 - Einleitung
Teil 2 - Allgemeine Beobachtungen
Teil 3 - Beliebteste Kanäle
Interview: Werner Lippert, NRW-Forum

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16 Responses to “Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft”

  1. Ignacio Says:

    Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft: http://bit.ly/dlHqXK

  2. Ulrike Schmid Says:

    #Museen und #Orchester schöpfen Möglichkeiten von #Videoportalen noch nicht aus http://bit.ly/bSWsdQ #Studie-Teil 4

  3. Mindelheimer Museen Says:

    RT @UlrikeSchmid #Museen und #Orchester schöpfen Möglichkeiten von #Videoportalen noch nicht aus http://bit.ly/bSWsdQ #Studie

  4. Tweets that mention Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft: -- Topsy.com Says:

    [...] This post was mentioned on Twitter by Ulrike Schmid and Mindelheimer Museen, Ignacio. Ignacio said: Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft: http://bit.ly/dlHqXK [...]

  5. Hagen Kohn Says:

    Lesenswert: Museen und Orchester im Social Web. http://bit.ly/bKEfmq

  6. Matthias Röder Says:

    was sich jetzt - nach den ersten 4 Studienbeiträgen - bereits zeigt: es gibt anscheinend Beratungsbedarf im Umfeld Kultur und Web 2.0. …. aber auch best practice-Beispiele, die nicht nur zeigen, was man wie machen kann, sondern auch, dass viele Einrichtungen von dem Nutzen überzeugt sind. Keine Glaubensfrage mehr ist der Mehwert, den die vielfältigen Komunikationsmöglichkeiten via Internet und Social Media auch im Kulturumfeld darstellen. Die Bedeutung wird grundsätzlich wachsen, einige Anwendungen/Kanäle sicherlich (auch branchenbezogen) an Relevanz für Kultureinrichtungen einbüßen, allerdings auch neue “Kanäle” entstehen, die mit ganz neuer Qualität, Kommunikation mit Öffentlichkeit und Kunden weiter optimieren. Insbesondere aber auch die “Medienarbeit” wird in hohem Maße profitieren - worauf die Studie zu Recht immer wieder hinweist.
    Positive Effekte und Erfolge eines Social Media-Engagements entstehen langsam aber nachhaltig. Wer glaubt, der Aufwand lohnt sich nicht, irrt meiner Meinung nach. Das Thema wird komplexer. Erfahrungen zu sammeln ist wichtig, die Bereitschaft hierzu wird langfristig belohnt. Und zuletzt noch eine Anmerkungen zum aktuellen Beitrag: Das Thema Bewegtbildkommunikation verdeutlich wieder mal, dass Social Media nicht für sich steht sondern als integraler und vernetzter Bestandteil einer Kommunikationsstrategie verstanden werden muss. Auch deshalb, vielen Dank für diesen Beitrag und natürlich für die aufschlussreiche Studie generell!

  7. Thomas Kümmel Says:

    Studie Museen u Orchester im Social Web: Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft http://bit.ly/bSWsdQ (via @UlrikeSchmid)

  8. Carl Philipp Nies Says:

    RT @klbkultur: Studie Museen u Orchester im Social Web: Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft http://bit.ly/bSWsdQ (v …

  9. Ulrike Schmid Says:

    @Matthias Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar.

    “es gibt anscheinend Beratungsbedarf im Umfeld Kultur und Web 2.0. …. aber auch best practice-Beispiele …” Da triffst Du einen wunden Punkt. Einigen Kultureinrichtungen ist nicht klar, dass es bei all den Social-Media-Aktivitäten um Dialog geht. In dem Zusammenhang werden zu Recht immer wieder dieselben Kultureinrichugen als Positiv-Beispiele zitiert. Denn was sie ausmacht, ist nicht nur ihr professioneller Auftritt, sondern auch, dass sie auf direkte Anfragen reagieren.

  10. Christian Hennerfehr Says:

    RT @UlrikeSchmid: #Museen und #Orchester schöpfen Möglichkeiten von #Videoportalen noch nicht aus http://bit.ly/bSWsdQ #Studie-Teil 4

  11. musicinclusion Says:

    RT @kulturmanager: #Museen und #Orchester schöpfen Möglichkeiten von #Videoportalen noch nicht aus http://bit.ly/bSWsdQ #Studie-Teil 4

  12. Alamannenmuseum Says:

    RT @UlrikeSchmid: #Museen und #Orchester schöpfen Möglichkeiten von #Videoportalen noch nicht aus http://bit.ly/bSWsdQ #Studie-Teil 4

  13. Städel Museum Says:

    Hallo Ulrike,

    wir haben auch einen Channel bei Vimeo (seit Juni 2009). Zu finden unter: http://vimeo.com/channels/staedelmuseum

    Liebe Grüße,
    Dein Städel-Team

  14. Ulrike Schmid Says:

    @Städel Museum Ich weiß, dass ihr auch bei Vimeo vertreten seid. :-) Bei Vimeo passiert bei euch aber nicht so viel, deshalb hab ich diesen Kanal nicht extra erwähnt.

  15. Zeitspringer-Blog Says:

    Filme, Filmchen, Videos…

    Reizvoll an der Long-Tail-Theorie ist, daß man damit gleich etwas anfangen kann. Wenn eine Institution ein Video einstellt, um, wie Ulrike Schmid in ihrer Studie schreibt, “Interesse zu wecken und die Anzahl der Besuche zu erhöhen”, dann weiß die …

  16. Gerd Leonhard DE/CH Says:

    @startmuseum ganz wichtiger Punkt: Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft http://ht.ly/2z3lj