Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ (6) Es wird selten gebloggt im deutschen Kulturbereich

Blog Gewandhaus Orchester

Blogs werden im Kulturbereich bisher kaum eingesetzt. Ein Blog bietet einen direkten Zugang zur Öffentlichkeit. Es macht eine Kultureinrichtung authentisch und transparent und erlaubt auch einen Blick hinter die Kulissen. Es ermöglicht, sich mit Lesern auf unkomplizierte Weise auszutauschen und Kontakt zu pflegen. Es werden Geschichten erzählt, die den Weg in die Medien nicht finden: Interviews mit jungen Künstlern sowie Hintergrundberichte zu Konzerten und Ausstellungen oder Veranstaltungsankündigungen. Dennoch haben lediglich 22 % der untersuchten Museen und 24 % der untersuchten Orchester ein Weblog. Ausnahmen sind die Duisburger Philharmoniker und das NRW-Forum Düsseldorf, die jeweils sogar zwei Blogs betreiben. Erstere haben zusätzlich mit klasse.klassik ein Blog für Kinder und Jugendliche aufgesetzt, und das NRW Forum Düsseldorf nutzt zusätzlich noch Posterouse. Das Pinakotheken Magazin hingegen gibt  Einblicke in die drei Pinakotheken sowie in die Sammlung Schack-Galerie und das Museum Brandhorst. (Alle deutschen Museums- und Orchesterblogs finden Sie in meiner Blogroll.)

Bereits im Mai 2008 startete der Nassauische Kunstverein sein Blog. Mit dacapo ging dann im September 2008 eines der ersten Orchester-Blogs an den Start, das die Benchmark für alle weiteren Blogs im Kulturbereich festlegte. Damit meine ich Regelmäßigkeit (anfangs mind. ein Posting pro Tag - mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden), interessante Einblicke auch hinter die Kulissen, Einbindung von Diashows und Videos sowie immer wieder Aktionen für die Webgemeinde. 2009 kamen weitere Museen hinzu, von denen die ersten ihre Blogs schon wieder einstellten, weil sie sich entweder nur auf eine Ausstellung bezogen - diese Blogs sind nicht in die Wertung eingegangen - oder ohne Angabe von Gründen „auf Eis gelegt” wurden (Museum der Weltkulturen, Frankfurt am Main). Bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2010 haben drei Orchester Blogs eingerichtet (Stichtag für die Bewertung war der 2. Februar).

Erscheinungsbild
Hier gibt es große Unterschiede: von sehr professionell und ansprechend gestaltet bis hin zu lieblos. Bis auf zwei Ausnahmen haben alle Einrichtungen eine Vanity URL registriert, um ihre Sichtbarkeit zu verbessern. Die Chancen, über Plattformverlinkungen den Dialog mit Interessenten zu intensivieren wird von ¾ der untersuchten Kultureinrichtungen genutzt, wohingegen Schlagworte und Kategorien nur bei der Hälfte vergeben werden.

Motivation und Autorenschaft
Über die Motivation ein Blog zu betreiben, erfährt man bei einigen recht viel (Städel Museum, Frankfurt am Main), bei anderen gar nichts und selbst die Blogbeiträge sind nicht namentlich gekennzeichnet. Bei etwas „kryptisch” klingenden Blognamen oder auch bei Blogs, die ein Offline-Projekt begleiten, wäre eine ausführliche Beschreibung über Sinn und Zweck sicher wünschenswert. Gut gelöst hat dies etwa das Museum Neukölln in Berlin. Das Blog ist klar und übersichtlich gegliedert, man erfährt den Sinn und Zweck des Blogs, jeder Beitrag hat einen Verfasser und - es wird täglich gebloggt.

Inhalt und Häufigkeit
Diejenigen Einrichtungen, die regelmäßig bloggen, verfassen meist einmal pro Woche einen Beitrag, einige wenige (NRW-Forum Düsseldorf, Neanderthal Museum in Mettmann, Museum Neukölln) auch mehrmals pro Woche. Inhaltlich befassen sich die Beiträge mit Veranstaltungen, Presseresonanz sowie Ausstellungs- und Konzertankündigungen. Mitunter wird auch ein Blick hinter die Kulissen gewährt, so etwa beim Neanderthal Museum.

Kommentare
Die meisten Institutionen lassen Kommentare auf ihren Blogs zu, auch wenn es nur in seltenen Fällen zu einer Interaktion zwischen Leser und Blogbetreiber kommt. Selbst bei dacapo, die immerhin täglich Leser im oberen dreistelligen Bereich haben, gibt es kaum Kommentare. Kommentiert wird, wenn bewusst Aktionen gestartet werden, um ein Feedback einzufordern. So etwa, wenn Verlosungen oder besondere Events anstehen (Adventskalender, web@classic).

Man muss sich einfach davon verabschieden, dass die Web-Freunde stets und überall reagieren. Die Reaktionen kommen allerdings auch an ganz anderen Stellen. „Die Fragen kommen über Twitter und Facebook und auch über Google Buzz. Wir sind ja auch ein öffentlich zugängliches Haus und so bekommen wir auch Briefe, E-Mails und Anrufe”, äußerte sich Werner Lippert vom NRW-Forum Düsseldorf bei mir im Interview dazu.

Fazit
Blogs sind noch sehr unterrepräsentiert bei den Kultureinrichtungen und werden oft, wenn vorhanden, nur unregelmäßig gepflegt. Auch die Einbindung von Flickr-Slideshows oder Videos wird selten genutzt. Doch gerade Blogs verfügen über das Potential, Blicke hinter die Kulissen zu gewähren und Geschichten zu präsentieren, die den Weg in die klassischen Medien sonst nicht finden.

Teil 1 - Einleitung
Teil 2 - Allgemeine Beobachtungen
Teil 3 - Beliebte Kanäle
Interview: Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf
Teil 4 - Potential von Videoportalen nicht ausgeschöpft
Teil 5 - Flickr ganz unten auf der Beliebtheitsskala
Interview: Tobias Möller, Berliner Philharmoniker

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2 Responses to “Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ (6) Es wird selten gebloggt im deutschen Kulturbereich”

  1. Chino Says:

    mittlerweile finden sich jedoch mehrere Blogs über Museen und Kultur allgemein im Netz, vor allem “lokale” Blogs berichten darüber, hab viele davon abonniert und dieser landet auch direkt dabei. einfach Top!

  2. Kulturbetriebe bloggen nur selten, aber… « Das Kulturmanagement Blog Says:

    [...] einen Kommentar » “Es wird selten gebloggt im deutschen Kulturbereich“, so lautet das Fazit von Ulrike Schmid, die derzeit im Rahmen einer Studie das Social [...]