Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester ist online

Seit vergangenem Jahr findet Social Media zunehmend Beachtung in der Kommunikation von Kultureinrichtungen. Diese Feststellung war Anlass im Zeitraum Februar bis Juni 2010 die Studie zum Thema “Das Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester” durchzuführen. Wie sehen die Aktivitäten aus? Wie viele Kultureinrichtungen sind es tatsächlich, die aktiv das Social Web nutzen? Sind es nur große, renommierte Häuser, oder sehen es auch kleine Häuser als attraktiv an, im Social Web präsent zu sein? Diesen und anderen Fragen wurde in der Untersuchung nachgegangen. Von den 474 untersuchten Kulturinstitutionen nutzt jedes sechste Orchester und jedes vierte Museum mittlerweile Social Media für seine Kommunikationsaufgaben.

Im Schnitt nutzen deutsche Orchester und Museen lediglich zwei Social-Media-Tools bzw. Communities, um mit ihren Stakeholdern zu kommunizieren.

Welches sind die beliebtesten Kanäle?
Facebook ist die mit Abstand populärste Community (62 % der Orchester und 70 % der Museen), gefolgt von den Videoplattformen YouTube und Vimeo (43 % der Orchester und 32 % der Museen) sowie dem Mikroblogging-Dienst Twitter (38 % der Orchester und 61 % der Museen). Die Netzwerke StudiVZ/MeinVZ und MySpace spielen eine untergeordnete Rolle. Die Foto-Plattform Flickr wird von je 14 % der Untersuchten genutzt. Corporate Blogs bestehen sowohl temporär zur Begleitung einer speziellen Ausstellung oder zu einer Orchester-Tournee als auch als kontinuierlich angelegtes Medium (29 % der Orchester und 21 % der Museen) und werden seitens der Leser v. a. als Informationsmedium betrachtet.

Übersicht über die Plattformen, bei denen Orchester und Museen Profile angelegt haben

Wie sieht es mit Kommunikation und Dialog aus?
Ein Hauptanliegen war es, mit der Studie das Kommunikationsverhalten der Museen und Orchester zu untersuchen. Um ein möglichst objektives Bild zu zeichnen, wurde deshalb die Außenbetrachtung gewählt. Es wurden Plattform-spezifische Kriterien zur Analyse aufgestellt. Am Beispiel Facebook waren dies u. a. Eigendarstellung, Verlinkungen zu anderen Profilen, Zahl der Pinnwandeinträge und Reaktionen seitens der Fans. Die Ergebnisse der Studie basieren auf deren Auswertung. Über einen Zeitraum von fünf Monaten wurde ermittelt, welche Inhalte wie kommuniziert werden und inwieweit eine Strategie erkennbar ist. Interviews mit Repräsentanten der Kultureinrichtungen hatten ausschließlich ergänzenden Charakter.

Dabei ist aufgefallen, dass Kommunikation und teilweise auch Dialog bzw. Austausch vor allem bei Facebook und Twitter stattfinden. Video-Beiträge von Orchestern werden wesentlich öfter den Inhalt betreffend kommentiert, als dies bei Videos von Museen geschieht. Auf Fotos und Blogbeiträge gibt es hingegen kaum Reaktionen.

Wie sieht’s mit der Vernetzung aus?
Eine Vernetzung der einzelnen Profile untereinander findet nicht konsequent statt. 64 % der Kultureinrichtungen binden ihre Social-Media-Elemente auf den Blogs ein. Eine Einbindung auf der Homepage fand zu Beginn der Untersuchung  bei 37 % der Untersuchten statt, im Juli waren es bereits nach 57 %. Bei Facebook sind es hingegen lediglich 22 %  der Einrichtungen, die auf alle anderen Social-Media-Profile hinweisen. Eine Einbindung von Social Media in die Gesamtkommunikation ist nicht sehr ausgeprägt. Ein strategisches Vorgehen scheint noch in der Anfangsphase zu stecken.

Anzahl der Museen und Orchester, die ihre Social-Media-Profile auf ihrer Homepage einbinden

Ergebnis
Die Untersuchungen im Rahmen der Studie haben gezeigt: Der Trend geht dahin, dass immer mehr Kultureinrichtungen in Social Media investieren. Die Herangehensweisen der Akteure sind jedoch unterschiedlich und weisen in weiten Bereichen der Untersuchungsfelder ein heterogenes Ergebnis auf. Hohe Übereinstimmung ist jedoch bezüglich der Beliebtheit einzelner Social Media-Kanäle bei den untersuchten Kultureinrichtungen festzustellen.

In Zukunft werden Einrichtungen sicherlich das Experimentierstadium überwinden und Strategien entwickeln, wie sie die jeweiligen Kanäle zielführend nutzen und crossmedial vernetzen werden. Erste Ansätze sind hier bereits erkennbar.

Sie können die Studie bei Scribd ansehen und weiterverbreiten oder sie direkt  hier herunterladen (circa 3 MB).

Die einzelnen Grafiken habe ich bei Flickr eingestellt und dürfen unter Angabe der Quelle gerne verwendet werden.

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Ich freue mich auf eine rege Diskussion.

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14 Responses to “Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester ist online”

  1. Hannes Jähnert Says:

    Hallo Ulrike, deine Ergebnisse lesen sich auf jeden Fall spannend. Zwei Sachen aber doch. Eine Frage und ein Hinweis:
    1. Nimmst du auch Social Media Aktivitäten auf, die nicht 100%ig sichtbar mit der einzelnen Organisation zu tun haben wohl aber von ihr ausgehen mit auf? Bspw. Volunteer Communitys oder Berufsverbandliches.
    2. Als wir am Dienstag unser Forschungsprojekt auf der Berliner SocialBar vorhestellt haben, stellte sich Katrin und mir ein TU- Seminar vor, dass den Einsatz von Social Media Tools in NGOs, NPOs und Initiativen mit einem eher praxistheoretischen Ansatz untersuchen. Die sind vielleicht auch spannend für dich.

  2. Christian Henner-Fehr Says:

    Liebe Ulrike, der Link zum PDF funktioniert leider nicht…

  3. Ulrike Schmid analysiert das Social Media-Engagement deutscher Museen und Orchester (Studie) « Das Kulturmanagement Blog Says:

    [...] Wenn Sie das auch machen wollen, können Sie sich die Studie auf dem Blog von Ulrike Schmid runterladen oder sie in Scribd lesen (Tipp: im Fullscreen-Modus liest sich die Studie am [...]

  4. Lesetipps für den 8. Oktober | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 Says:

    [...] 2.0 Kultur 2.0 » Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester ist online: Seit vergangenem Jahr findet Social Media zunehmend Beachtung in der Kommunikation von [...]

  5. Ulrike Schmid Says:

    Hallo Hannes,
    es gibt ein paar Flickr- und Facebook-Gruppen, die Freundeskreise initiiert haben. Die habe ich aber nicht aufgenommen. Ich habe nur offizielle Profile von Museen und Orchester aufgenommen.
    Zu 2.: Hört sich interessant, an. Kannst mir da mal mehr Infos bzw. einen Link dazu geben?

  6. Hans Bayartz Says:

    Gibt es eigentlich schon eine Network-Plattform für das Management von NGOs.
    Ich wäre daran interessiert, einen Insider/Verleger o.ä. kennen zu lernen, der mit meiner Technologie (www.weps.ag) eine solche zu betreiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass man in dieser Zielgruppe einiges auszutauschen hat, Erfahrungen weitergeben kann und neue Projekte anschieben würde.

    Wie sehen Sie das?

  7. Ulrike Schmid Says:

    @Hans Bayartz Mein Spezialgebiet ist da die Kultur und da ist mir keine solche Plattform bekannt. Da gibt es “nur” die Möglichkeit, sich über die Teilnahme an entsprechenden Blogparaden, Online-/Offline-Gesprächsrunden oder in diversen Gruppen bei Xing oder Facebook auszutauschen.
    Bin mir auch nicht so sicher, ob eine eigene Palttform angenommen würde.

  8. Hannes Jähnert Says:

    Hallo Ulrike, hier der Link zum Wiki der Forschungsgruppe “Soziale Initiativen & Web 2.0″. Ich muss zugeben, was mir da auf der Berliner SocialBar erzählt wurde, hörte sich anders an, als das, was da steht :-)

    Gruß
    Hannes

  9. Ulrike Schmid Says:

    Danke Hannes. Werd’s mir ansehen.

  10. Kultur 2.0 » Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen … Says:

    [...] den Beitrag weiterlesen: Kultur 2.0 » Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen … Tags:teilnahme, ber-die, Facebook, chsrunden-oder, mir-auch, eine-eigene, gruppen, StudiVZ [...]

  11. Social Media: die 1:3 Regel « Das Kulturmanagement Blog Says:

    [...] habe mir am Wochenende Ulrike Schmids „Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester“ durchgelesen und bin auf viele interessante und bemerkenswerte Punkte gestoßen. [...]

  12. Erste Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester | … Auslassungspunkte Says:

    [...] agieren Museen und Orchester im Social Web? Dieser Frage ist Ulrike Schmid in ihrer Studie »Das Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester« auf den Grund [...]

  13. Axel Kopp » Blog Archive » Wenn nicht Werbung, was dann? Themenfelder? Says:

    [...] nicht Werbung, was dann? Themenfelder? Vor ein paar Tagen hat Ulrike Schmid ihre Studie „Das Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester“  auf Scribd online gestellt. Christian Henner-Fehr (CHF) hat sich für seinen Beitrag schon [...]

  14. Drei Konferenzen, auf denen ich dabei sein darf « Das Kulturmanagement Blog Says:

    [...] 2.0 und als Sprecherin der stARTconference bekannt. Sie wird ihre vor kurzem veröffentlichte Studie, in dem sie das Social Media-Engagement deutscher Museen und Orchester untersucht hat, vorstellen, [...]