Twittern unterm „grünen Hügel der Kunst“

Der Erweiterungsbau des Städel Museums, Außenansicht, Foto: Norbert Miguletz © Städel Museum, Frankfurt am Main

Der Erweiterungsbau des Städel Museums, Außenansicht, Foto: Norbert Miguletz © Städel Museum, Frankfurt am Main

Bei der Pressekonferenz des Städel Museums am 22. Februar 2012 anlässlich der Erweiterung um den Sammlungsbereich Gegenwartskunst wurde der Erweiterungsbau als „grüner Hügel der Kunst” bezeichnet. Als Opern- und neuerdings Wagner-Fan gefällt mir diese Assoziation zu Bayreuth natürlich ganz besonders.

Die detaillierte Kunstberichterstattung überlasse ich den „klassischen” Medien. Nur soviel: Der Bau ist toll geworden und auch die Präsentation der Arbeiten gefällt mir ausnehmend gut.

In diesem Blogpost geht es um meine „one woman tweetup show”, wie Tanja Praske es nannte, und um generelles Twittern von Pressekonferenzen.

Bereits zum wiederholten Male war ich bei einer Pressekonferenz des Städels, um von dort zu twittern. Aber noch nie hat es so viel Spaß gemacht. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass es gestern verstärkt wahrgenommen wurde. Die hohe Aufmerksamkeit und Akzeptanz war sicherlich einerseits dem aktuellen Thema Erweiterungsbau und andererseits der Tatsache geschuldet, dass das Städel Museum schon per se (online und offline) in vielerlei Hinsicht über einen guten Ruf verfügt und sich Follower leicht dafür begeistern lassen. Vorweg: Die Twitterei war meine Eigeninitiative und war nur insofern mit dem Städel Museum abgesprochen, als ich bei der Akkreditierung zur PK meine Twitter-Motivation kundgetan habe und wir uns über einen Hashtag (es waren dann letztlich zwei) verständigt haben. Ansonsten war ich völlig frei in meinem Tun. Und als Information am Rande: Im Erweiterungsbau selbst kann man leider aufgrund der dicken Stahlbetondecken nicht twittern, aber im übrigen Haus.

Warum es sich lohnt, von einer PK zu twittern

Die Frage, die bei solchen Aktionen ja immer sofort gestellt wird ist: Was bringt es einer Kultureinrichtung? Im Gegensatz zum Marketing bin ich als PR-Beraterin in der glücklichen Lage, sagen zu können:

  • mehr Aufmerksamkeit,
  • Steigerung der Reputation,
  • höhere Reichweite und vor allem die Möglichkeit,
  • mit dem Blick hinter die Kulissen Vertrauen aufzubauen, das letztlich in neuen Fürsprechern für die Kultureinrichtung münden kann.

Vor allem Letzteres ist dem Städel Museum mit der Bürgerkampagne „Frankfurt baut das neue Städel” ja im Vorfeld bereits Bestens gelungen.

Kultur vermitteln und Fürsprecher gewinnen

Für mich ist Event-Twittern (egal ob von PK, Tweetup oder Tagung) immer auch eine Form der Kulturvermittlung, weil die Follower „hautnah” am Geschehen dran sind und Infos erhalten, die sie sonst nicht erfahren, da sie den Journalisten vorbehalten sind.

Viele Kultureinrichtungen - wie auch das Städel Museum - machen ihre Pressematerialien auf ihren Websites mittlerweile für jedermann zugänglich. Aber mal ehrlich: Wie viele „Normalsterbliche” schauen sich tatsächlich die Presseinfos an? Statt selbst aktiv werden zu müssen, wird man bei Twitter dagegen förmlich auf den Event gestoßen, sofern man dem entsprechenden Account folgt, und kann einfach mitlesen. Wenn dann noch die Möglichkeit geboten wird, Fragen zu stellen, ist man der Funktion der Kulturvermittlung - zwischen kultureller Produktion und Rezeption zu moderieren - einen Schritt näher gekommen.

Der Reiz solcher Aktionen liegt immer auch darin, dass sich in der „Twitter-Gemeinde” Gespräche und Diskussionen entwickeln und sich verselbstständigen, wie dieses Beispiel zur Frankfurter Hängung zeigt:

Plötzlich hat man nicht nur jede Menge inhaltlichen Input, sondern auch eine riesige Reichweite.

Neue Dialogpartner erreichen und neugierig machen

Sobald Externe twittern, die über eine große Anhängerschaft verfügen, erreicht die PK auch Leute, die sich (noch) gar nicht für die Kultureinrichtung interessieren. Meine Follower wurden durch mein Twittern von der PK zwangsläufig auf das Städel gestoßen. „Entfollowed” hat mich deshalb niemand, im Gegenteil: Die Tweets wurden fleißig kommentiert und weitergeleitet, so dass der berühmt-berüchtigte Twitter-Schneeballeffekt eintrat. Das Städel Museum selbst hat ebenfalls Infos eingestreut und retweetet. Das Twittern von Pressekonferenzen lohnt daher nicht nur, um neue Zielgruppen zu erreichen, sondern auch um bereits vorhandene neugierig zu machen, wie dieses Beispiel zeigt:

Dos and Don’ts

Hashtag: Wir haben relativ spät einen Hashtag festgelegt und ihn auch erst am Tag selber kommuniziert. Empfehlenswert ist ein Hashtag, der eindeutig der Kultureinrichtung und der PK zuzuordnen ist. Dieser sollte dann auch bereits im Vorfeld auf möglichst vielen Kanälen kommuniziert werden.

Twitterwall: Eine Twitterwall ist für die Visualisierung aller Tweets sinnvoll. Wenn diese dann auch noch in der Kultureinrichtung selbst zu sehen ist, verschmelzen Online- und Offline-Welt.

Dialogförderung: Innovativ wäre es, Fragen aus der Online-Welt während der PK zuzulassen und sie auch zu beantworten. Das erfordert allerdings eine gute Moderation und Beobachtung des Geschehens. Die Fragen könnten aber auch gebündelt und nach dem Ende der PK in einem Blogpost aufgegriffen werden. Denkbar ist auch eine Twitter-Fragestunde innerhalb eines vorher festgelegten Zeitfensters.

Fazit

Ich fand es ein interessantes Experiment, das noch viel Spielraum für Kreativität lässt. Kommunikationstechnisch katapultiert solch ein Twitter-Event ein Thema explosionsartig nach oben, ebbt allerdings auch schnell wieder ab. Die Tweets sind nur für kurze Zeit sichtbar. Eine Zusammenfassung des Events in einem Blogbericht, um die Tweets nachhaltig festzuhalten, wäre daher ratsam.

Zur PK (und Eröffnung) des Städel Museums gab es gestern rund 170 Tweets (hier geht’s zum Archiv) mit dem Hashtag #staedel. Als Vergleichszahlen kann ich lediglich diejenigen der Münchner Tweetups heranziehen. Da wurden durchschnittlich 180 Tweets pro Tweetup verschickt. Von andern Pressekonferenzen ist mit lediglich eine weitere Ausstellungseröffnung bekannt ist, von der getwittert wurde (Haus der Kunst, hier twitterte Christian Gries).

Aufgrund des positiven Feedbacks habe ich das Twittern von Pressekonferenzen (und anderen Events) in mein Dienstleistungsportfolio aufgenommen. Man kann mich dafür buchen. Schicken Sie mir bei Interesse gerne eine E-Mail.

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4 Responses to “Twittern unterm „grünen Hügel der Kunst“”

  1. B. Schmidt-Hurtienne | Kulturwirtschaftswege Says:

    Hach, jetzt ärgere ich mich richtig, dass ich nicht dabei sein konnte!
    Danke für dein Resümee und vor allem für dein ermutigendes Fazit. Ich bin auch der Meinung, dass Kultureinrichtungen diesen Kanal künftig verstärkt nutzen sollten. Die Bayerische Staatsoper und die Kölner Philharmonie haben mit der Einbeziehung der Web-Community während ihrer PK-Livestreams zur neuen Spielzeit ja auch bereits experimentiert.

    Natürlich bedeutet das, wie du schon beschrieben hast, einen gewissen Mehraufwand an Vor- und Nachbereitung, aber der Nutzen ist, wie ich finde, ungleich größer. Durch die Möglichkeit, sich als Kultur-Fan via Twitter live ins Geschehen einklinken und sogar aktiv beteiligen zu können, wird die Einrichtung ja auch viel greifbarer. PKs auf diesem Wege gleichzeitig auch als Dialogmöglichkeit mit dem (potenziellen) Publikum zu nutzen, sollte sich also eigentlich keine Kultureinrichtung entgehen lassen. Abgesehen davon fände ich es schön, wenn sich auch die (Kultur-)JournalistInnen auf diesem Wege am Dialog und der Kulturvermittlung beteiligen würden.

  2. Ulrike Schmid Says:

    Tja, hätte ich mal früher daurauf hingewiesen …

    Stimmt. #Bayerische Staatsoper Da war es allerdings so (zumindest bei der Expertenrunde zum Ring), dass es ein extra Forum gab und dort die Leute sich ausgetauscht haben. Twitter wurde dabei vernachlässigt. Auch wurde nicht direkt von und über die Veranstaltung getwittert. Du hast natürlich Recht, es war ein Experimentieren und sie haben Fragen aus dem Forum (und meine Twitter-Frage:-)) aufgegriffen und beantwortet. Insofern shcon mal ein positiver Ansatz.

    Fände ich auch schön, wenn sich Kulturjournalisten beteiligen würden.

  3. B. Schmidt-Hurtienne | Kulturwirtschaftswege Says:

    Stimmt, die Bayerische Staatsoper ist wirklich sehr experimentierfreudig. Ich meinte nämlich gar nicht die Expertenrunde, sondern habe in Erinnerung, dass es schon bei der PK zur Spielzeiteröffnung 2011/12 (glaube ich) einen Livestream gab und die Möglichkeit für die Web-Community bestand, Fragen (auch via Twitter) zu stellen. Die wurden dann quasi stellvertretend von Johannes Lachermaier vorgetragen. Vielleicht liest er ja mit und kann meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen ;-)

  4. Ulrike Schmid Says:

    Ich weiß, dass du die PK meintest (wir hatten uns darüber schon mal in einem Vier-Augen-Gespräch unterhalten) :-)

    Ich habe die Expertenrunde ins Spiel gebracht, weil ich diese persönlich-aktiv mitgemacht habe. Die Möglichkeit über Twitter Fragen zu stellen bestand und Johannes hat sie vorgetragen, nur ist insgesamt ist an Gesprächen über Twitter nicht viel gelaufen.