Retten Flashmobs die klassische Musik?

In jüngster Zeit tauchen im Internet immer wieder Videos von Flashmobs zu klassischer Musik  auf. Jüngstes Beispiel ist ein von der spanischen Banco Sabadell organisierter Flashmob mit dem Orquestra Simfònica del Vallès, dem coros Lieder und den Amics de l’Òpera y la Coral Belles Arts, die den Finalsatz von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie intoniert haben.

Bei Wikipedia ist unter Flashmob zu lesen:

Flashmob (englisch: Flash mob; flash = Blitz; mob [von mobilis beweglich] = aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel) einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun. Flashmobs werden über Online-Communitys, Weblogs, Newsgroups, E-Mail-Kettenbriefe oder per Mobiltelefon organisiert.

Nicht nur organisiert, sondern auch die Verbreitung der Aktion durch die virtuelle Gesellschaft trägt zum Erfolg bei. Der Som-Sabadell-Flashmob hat immerhin innerhalb von zwei Monaten über 4 Millionen Aufrufe bei YouTube  verzeichnet. Eine ganz beachtliche Zahl, wie ich finde.

Flashmobs lösen natürlich nicht die Probleme der deutschen Orchester. Sie sind aber eine wunderbare Möglichkeit, eine große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und ein Publikum jenseits des „klassischen” Klassik-Publikums für sich zu interessieren. Und damit bin ich auch wieder bei meinem Apell “Raus aus dem Feuilleton, rein in die Talkshow”, wie ich das an dieser Stelle schon mal beschrieben habe.

Den Spaniern scheint der Flashmob auf jeden Fall Spaß gemacht zu haben.

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One Response to “Retten Flashmobs die klassische Musik?”

  1. Axel Kopp Says:

    Ich bin ein Freund von Flashmobs, aber ein Flashmob allein reicht 2012 als Idee nicht mehr aus. Als die Oper in Valencia 2009 (!) einen der ersten professionellen Opern-Flashmobs in der Markthalle gemacht hat, war das ein Knüller. Doch dann kamen die ganzen Nachahmer, die einen Opern-Flashmob im Supermarkt, im Restaurant, im Einkaufszentrum etc. aufgeführt haben.
    Bei Tanz-Flashmobs ist die Ähnlichkeit noch frappierender: T-Mobile hat 2009 einen im Londoner HBF gemacht, VTM einen im Antwerpener HBF (beides 2009!) und das Berliner Staatsballett hat 2011 dann nachgezogen und einen im Berliner HBF veranstaltet.
    Die Abrufzahlen von Flashmobs auf YouTube sind noch immer gut und witzig anzuschauen ist das ja auch. Aber kreativ ist das halt nicht mehr. Und deswegen würde ich das auch keiner Kultureinrichtung mehr empfehlen. Es sei denn, sie hat eine richtig abgefahrene Idee. Flashmob in der Wüste Gobi oder so.