Von der Idee zum Buch ¦ Wieder eine von diesen durchgeknallten Autorinnen

Schon einmal, 2009 hatte ich mein Blog für einen längeren Zeitraum einem Gastautoren zur Verfügung gestellt. Damals hat der Künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg, Christian Kabitz, über einen Zeitraum von 18 Wochen aus einer sehr persönlichen Sichtweise das Festival beschrieben.

Britta Boerdner

Britta Boerdner

Jetzt wiederhole ich die Aktion und stelle Britta Boerdner mein Blog zur Verfügung. Dieses Mal geht es um ein Thema, das bisher auf diesem Blog völlig unterrepräsentiert war: Bücher.

Der Grund: Britta und ich kennen uns privat und ich fand es immer spannend, wenn sie vom Entstehungsprozess erzählt hat. Und  da dachte ich mir, was mich interessiert, interessiert möglicherweise auch meine Leserinnen und Leser. Britta war von der Idee ebenfalls angetan und nun wird sie also die nächsten Wochen immer mittwochs hier über die Entstehungsgeschichte ihres Erstlingswerks berichten: Wie es zu der Idee kam, welche Hürden es zu nehmen galt und wie schließlich aus dem Manuskript das gedruckte Buch wurde.

“Was verborgen bleibt” lautet der Titel ihres Debütromans, der in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen ist. Zuvor hat sie schon einige Essays und Kurzgeschichten geschrieben. Auch hauptberuflich befasst sie sich als Texterin und Konzeptionerin in Frankfurt mit Sprache.

So, und jetzt hat Britta das Wort.

Jetzt ist es soweit. Seit der letzten Augustwoche wird mein Buch ausgeliefert. Eine Freundin schickte mir ein Foto von der Rampe der größten Frankfurter Buchhandlung, seitdem hält sich meine Die RampeGrundspannung auf einem Level, das sich gerade noch genug austarieren lässt, um Freunden und Familie nicht mit unzusammenhängenden Aussagen über Gegenwart und Zukunft und einem zu feuchten Händedruck zu begegnen.Nein, meine erste Reaktion auf das Foto war nicht, mir einen Tee zu kochen, mich zurückzulehnen und die letzten Jahre Revue passieren lassen. Stattdessen bin ich sofort in eben jene Buchhandlung gegangen. Ich habe versucht, die Bestellzahlen und Verkäufe auszumachen (Drei Exemplare liegen aus. Wenn meine Freundin eines gekauft hat, heißt das wahrscheinlich, fünf wurden geordert und es gibt noch einen weiteren Leser). Ich versuchte, die Psychologie der Anordnung aller Neuerscheinungen auf der Rampe zu ergründen. Ich hielt mich in gebührendem Abstand und achtete darauf, ob jemand ES in die Hand nimmt. Ich kaute auf meiner Unterlippe herum. Ich widerstand dem Impuls, selbst noch ein Foto zu machen. Keine Sorge, meine Sonnenbrille hat verhindert, dass man mich erkennt. Ich habe mich so geschickt verhalten, dass selbst die Buchhändler in ihrer Mittagspause nicht sagen konnten: DA WAR WIEDER EINE VON DIESEN DURCHGEKNALLTEN AUTORINNEN.

Ich habe immer geschrieben, beruflich sowieso, aber nebenbei auch für mich. Schreiben ist für mich eine Möglichkeit, mir die Welt zu erklären. Freunden, denen ich meine Geschichten zeigte, gefielen sie; aber ich merkte immer, dass mich wohlwollende Aufmunterung allein nicht weiterbringt. Ich begann, Bücher über das Schreiben zu lesen. Diejenigen, die ich am Besten fand, beschrieben den Prozess der Annäherung an den Stoff, das Ausgraben, das Abschleifen. Andere, die sich hauptsächlich mit Handwerklichem beschäftigen, verhinderten, dass ich auch nur eine einzige brauchbare Seite zusammenbrachte. Ich sortierte also die How-To-Titel in einem unteren Regalfach gleich neben den Reiseführern ein und beschloss, das, was ich mache, von berufener Stelle überprüfen zu lassen.

Drei Jahre ist das nun her. Damals arbeitete ich als selbstständiger Marketing Consultant, und es war beinahe unmöglich, die Anforderungen des Jobs, das prozessorientierte und analytische Denken, mit der Durchlässigkeit und gleichzeitigen Fokussiertheit des Schreibens zu verbinden. Ich nahm mir schließlich eine Auszeit. Ich war sowieso ausgelaugt, hatte das Gefühl, mein Leben lag brach, während ich mich mit Projektproblemen aufhielt. Durch Zufall sah ich zur gleichen Zeit in der Zeitschrift ‚Literaturen’ eine Anzeige für ein Schreibseminar bei Bodo Kirchhoff. Ich meldete mich an und schickte vorab eine Geschichte ein. Diesen Text habe ich weder in diesem Seminar weitergeschrieben noch jemals danach, denn in der außergewöhnlichen Stimmung, die das ganze Vorhaben mit sich brachte, setzte ich mich gleich am ersten Tag vor ein weißes Blatt Papier. Ich wollte eine neue Geschichte anfangen.

Damals, im Juni 2009, wusste ich noch nicht, dass ich auch eine ganz außergewöhnliche Reise antreten würde, und ich weiß auch jetzt noch nicht, wohin mich diese Reise führen wird. Mit Sonnenbrille hinter der Säule einer Frankfurter Buchhandlung zu stehen und mein Buch zu betrachten, ist hoffentlich nur eine weniger ernst zu nehmende Etappe. Und man möge mir bitte die Eitelkeit verzeihen, die mich dazu getrieben hat.

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One Response to “Von der Idee zum Buch ¦ Wieder eine von diesen durchgeknallten Autorinnen”

  1. to kuehne Says:

    Da freue ich mich nicht nur aufs Buch, sondern auch auf die Fortsetzung dieses Blogs.