Von der Idee zum Buch ¦ Fact meets Fiction

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Eine der interessantesten Erfahrungen für mich in den letzten Monaten war mein Rollenwechsel von der Marketingfrau zur Autorin. Ich erinnere mich sehr gut an jenen Tag im April, an dem ich in der Frankfurter Verlagsanstalt meinen offiziellen Antrittsbesuch machte. Ich war nämlich zur Vertreterkonferenz eingeladen. Wuhu, sagte da das Wesen in mir, das Marketing zum Brotberuf hat. Vertreterkonferenz! Ich darf mich denjenigen vorstellen, die mein Buch zu den Buchhändlern bringen! Wir werden über die Vermarktung meines Titels sprechen!

Die Anmutung des Umschlags stand zu dieser Zeit schon fest, Joachim Unseld hatte mich Wochen zuvor nach meinen Vorstellungen gefragt; ich stelle mir eine Fotografie vor, am Besten im Polaroid-Stil, hatte ich geantwortet und war sehr glücklich darüber, dass er in eine ähnliche Richtung dachte und mir bereits ein konkretes Motiv vorschlug. Und nun ging’s also zur Vertreterkonferenz. Klasse. Du wirst den Vertretern vorgestellt, du liest zehn Minuten und dann werden wir über die Vermarktung deines Buches sprechen, hieß es auch dementsprechend vom Verlag. Mit roten Ohren lief ich also in der Arndtstraße ein. Und wurde gebeten, mich noch einen Moment zu gedulden, man sei noch nicht soweit, würde mich aber gleich hereinrufen. Ich setzte noch schnell eine Statusmeldung in Facebook ab, da öffnete sich schon die Türe und ich wurde ins Oval Office gebeten. Ein Dutzend hochkonzentrierter Augenpaare ruhten auf mir. Ich wurde vorgestellt, ich lächelte, mein Verleger führte in das Thema meines Romans ein, ich las, ich sah zum ersten Mal Farbausdrucke des Titelbildes, lächelte wieder und wurde gefragt, welches Motiv mir am Besten gefiele. Joachim Unseld sagte noch einige warmherzige abschließende Worte, dann war ich draußen. Lächelnd natürlich, oh ja, ich lächelte viel in diesen fünfundzwanzig Minuten.

Im Nachhinein bin ich froh, nicht an dem anschließenden Gespräch teilgenommen zu haben. Ich vermute, da geht’s mehr oder weniger zur Sache und ich glaube, ich möchte gar nicht so genau wissen, wie die Verlagsvertreter und die Verlagsleute ins Kaufmännische übergehen und ein Buch und seine Möglichkeiten am Markt einschätzen. Ich nehme die Rolle der Autorin nur allzu gerne an. Schreiben ist für mich kein Projekt und das Ergebnis ist kein Produkt, dazu ist es eine zu persönliche Angelegenheit.

Aber natürlich wohne ich nicht im Elfenbeinturm und gerade im Moment hält die Wirklichkeit Einzug ins Kämmerlein. Die ersten Termine für Lesungen sind eingetragen. Am kommenden Dienstag beginnt die Buchmesse. Fact und Fiction kollidieren und ich mittendrin.

Und endlich kann ich es jetzt auch mal öffentlich loswerden: Ich bin ja so nervös! Gleich am Mittwoch habe ich zwei Lesungen, vormittags auf der Messe und abends bei OPEN BOOKS im Kunstverein. Kommt mich besuchen, spürt meine Aufregung, haltet mir die Hand, streut Blumen. Geht hinterher ein Bier mit mir trinken.

Danke für eure Aufmerksamkeit und danke auch an Ulrike, es hat mir wirklich Freude gemacht, hier zu schreiben!

Meine Termine

Lesung aus Was verborgen bleibt
Mittwoch, 10.10., 11 Uhr, Leseinsel der Unabhängigen Verlage, Halle 4.1 D 128, Moderation: Mareen van Marwyck (FVA)

Lesung aus Was verborgen bleibt
Mittwoch, 10.10., 20 Uhr, OPEN BOOKS - Junge deutschsprachige Literatur präsentiert von der Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurter Kunstverein, Markt 44, 1. OG rechts, gemeinsame Lesung mit Fee Katrin Kanzler, Moderation: Anna Engel (hr2 Kultur)

Und zu guter Letzt noch ein wunderbarer Clip des New Zealand Book Council zu den Abenteuern, die man in Büchern erlebt: Going West. Angucken, please.

Von Britta Boerdner

Liebe Britta, vielen Dank, dass du mir und meinen LeserInnen Einblick gewährt hast. Wir sehen uns bei einer deiner Lesungen. Auf jeden Fall!

Teil 1 Von der Idee zum Buch ¦ Wieder eine von diesen durchgeknallten Autorinnen
Teil 2 Von der Idee zum Buch ¦ Vorbeifliegende Schnecke

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