Silvester- und Neujahrskonzerte bei Twitter

Il Teatro La Fenice, Foto: @teatrolafenice

Neujahrskonzert, Il Teatro La Fenice ¦ Foto: Twitpic @teatrolafenice

Was bei Fußballspielen, Tatort oder anderen Großveranstaltungen selbstverständlich ist, findet auch bei Kultureinrichtungen allmählich Eingang: Paralleles Twittern zu Veranstaltungen vor allem wenn es um Konzerte, Opern- und Ballettaufführungen geht. Von Pressekonferenzen oder Symposien wird hingegen noch eher selten getwittert.

Rund um die Silvester- und Neujahrskonzerte gab es in meiner Timeline viele Kommentare zu den einzelnen Konzerten. In jüngster Zeit habe ich insgesamt sechs solcher „musikalischen Events” verfolgt.

Die Vorgehensweise variiert stark: Il Teatro alla Scala di Milano hatte zum Saisonauftakt Twitterer eingeladen über die Oper Lohengrin und übers Ballett Romeo and Julia zu twittern. Il Teatro la Fenice in Venedig hat hingegen sein Neujahrskonzert selbst twitternd kommentiert.

Beide Opernhäuser legten dafür bereits im Vorfled entsprechende Hashtags (#anteprima bzw. #LaFenice2013) fest, um das Verfolgen der Kommentare zu vereinfachen. Spontaner verlief das Twittern über die Silvesterkonzerte der Sächsischen Staatskapelle Dresden und der Berliner Philharmoniker. Hier fanden sich die Musikinteressierten eher zufällig, da es keinen einheitlichen, vorher festgelegten Hashtag gab, und twitterten ihre spontanen Eindrücke. Die beiden Orchester hielten sich auch eher zurück mit dem Kommentieren und haben lediglich auf die Fernsehübertragung hingewiesen.

Intention

Bisher stand ich dem Twittern über ein Konzert eher skeptisch gegenüber und bin es auch nach wie vor, wenn es die Funktion eines Tweetups haben soll. Das liegt daran, dass ich eine sehr eng gefasste Definition von Tweetups habe. Eines der Ziele, die ich bei der Organisation und Durchführung von Kultur-Tweetups verfolge, ist kulturelle Themen vermitteln zu wollen und Menschen für klassische Musik (und Ausstellungen) zu begeistern. Und eben auch gerade diejenigen dafür zu begeistern, die sich eher selten in ein Theater, einen Konzertsaal oder ein Museum verlaufen. Um dies zu erreichen eignen sich Tweetups bzw. KultUps, die im Rahmen einer Orchesterprobe stattfinden, wie wir es beim hr-Sinfonieorchester organisiert haben. Sie ermöglichen den Blick hinter die Kulissen bzw. über die Schultern. So kann Interesse an klassischer Musik geweckt, Verständnis für die Arbeit aufgebaut und öffentliches  Vertrauen gewonnen werden. Wenn nach einem KultUp dann aus interessierten Twitterern auch Konzertbesucher werde, ist eines der Anliegen erreicht. Der Unterhaltungswert kommt auch dabei nicht zu kurz. Die Resonanz auf den KultUp beim hr-Sinfonieorchester hat auf jeden Fall gezeigt, dass auch all diejenigen etwas für sich mitgenommen haben, die nicht vor Ort dabei waren und die Musik und die MusikerInnen weder sehen noch hören konnten.

Die Silvester- und Neujahrskonzerte haben mir jedoch gezeigt, dass das parallele Twittern durchaus interessant und vor allem einen Unterhaltungswert haben kann. Ein Konzert im Fernsehen zu verfolgen und die Eindrücke zu twittern, sehe ich denn auch mehr unter dem Aspekt des Kommentierens, denn unter dem Vermittlungsaspekt. Dennoch kann man ganz nebenbei das eine oder andere erfahren, was über die Musik selbst hinausgeht: Etwa, dass der Solo-Bratscher der Berliner Philharmoniker früher beim hr-Sinfonieorchester dieselbe Postition inne hatte

und Piotr Beczala, der die Tenorarien beim Konzert der Sächsischen Staatskappelle Dresden sang, auch schon an der Oper Frankfurt aufgetreten ist.

Fazit

Ich finde also, dass beide Formen ihre Berechtigung haben und hätte durchaus nichts dagegen, wenn weiterhin fleißig Konzerte übertragen und darüber getwittert wird. Damit daraus ein Gemeinschaftserlebnis wird, fände ich es sinnvoll, wenn die Orchester, Opern- und Theaterhäuser im Vorfeld einen Hashtag festlegen würden. Denn nur so kann ein unkomplizierter Austausch mit Vielen stattfinden - und das macht ja den Reiz des Twitterns aus. Bei #LaFenice2013 und #anteprima hatte ich so doppeltes Vergnügen. Das lag sicherlich auch daran, dass ich zu beiden Häusern und der italienischen Sprache eine besondere Beziehung habe.

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One Response to “Silvester- und Neujahrskonzerte bei Twitter”

  1. Heike Matthiesen Says:

    Bin wohl die “Schnittmenge”: Tatorttwitter, Kultupteilnehmer und selber Musiker.. und habe einfach mit der selben Leichtigkeit wie beim Tatort Eindrücke getweetet, ohne hier Musikkritiker sein zu wollen ( Musikerehrenkodex: Würde und werde nie etwas Schlechtes über Kollegen schreiben!! ..auch wenn man bestimmt zwischen den Zeilen lesen kann, wen ich vielleicht lieber mag, aber das ist wertungsfrei!) - also mit der Seite von mir, die einfach Musik liebt und noch ganz nah daran ist, warum man so einen Irrsinn macht, sich die Musik als Beruf ( oder Berufung?) auszusuchen. In jedem Profi steckt eben auch ein Fan.. und als Fan kommentiere ich dann gerne!!
    P.S: Fühlt sich seltsam an, mehr als 140 Zeichen zu benutzen!