Im Dornröschenschlaf. Kultureinrichtungen und die Verwendung von Hashtags

Hashtag im DornroeschenschlafErst kürzlich hat Sebastian Hartmann über die Vorteile des Twitterns bei Konferenzen geschrieben. Am Beispiel der Neujahrs- und Silvesterkonzerte von Orchestern hatte ich darauf hingewiesen, dass es nicht nur unterhaltsam ist, über Konzerte zu twittern, vor allem dann, wenn die Konzerte live im Fernsehen oder online bei Arte Live Web übertragen werden, sondern die Mitleser auch einen Mehrwert davon haben. In allen Fällen ist ein vorab festgelegtes Hashtag (# das einem Wort vorangestellt wird; dadurch wird das Wort bei Twitter durchsuchbar und anklickbar) unabdingbar und Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Austausch zwischen den Twitterern.

Auch wenn zunehmend von Konferenzen im Kulturbereich getwittert wird, befindet sich die Verwendung und aktive Promotion von Hashtags noch im Dornröschenschlaf. Gerade zu Sonderausstellungen, Theaterstücken oder Opernaufführungen ist die Festlegung eines Hashtags durch die Kultureinrichtungen sinnvoll, da sie sich - im Gegensatz zu den ein- bis zweimal stattfindenden Klassikkonzerten - über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Warum sind Hashtags für Ausstellungen und Aufführungen so wichtig?

Mittels eines Hashtags können Twitter-User, die an einer Ausstellung/Aufführung (im Folgenden spreche ich nur noch von Veranstaltung bzw. Event) interessiert sind, bequem alle Tweets verfolgen - nicht nur von den Menschen, denen sie selbst folgen, sondern all jenen, die zu dem Thema twittern. Sie erhalten sämtliche Informationen, Empfehlungen, Eindrücke etc., einfach die unterschiedlichsten Aspekte und Sichtweisen. Und gerade das macht es so spannend. Möglicherweise ergeben sich daraus sogar neue Kontakte/Bekanntschaften und man teilt seine Eindrücke mit anderen. Wie sagte Laura Geissler beim KultUp im Theater Heilbronn so schön: „Fühle mich beim Twittern während der Probe, als könnte ich die Gedanken der anderen Zuschauer lesen.” So ähnlich kann es einem auch außerhalb eines Kultur-Tweetups ergehen, nur mit dem Unterschied, dass nicht alle zur selben Zeit vor Ort sind. Wie auch durch KultUps kann so Interesse an einer Veranstaltung geweckt werden. Von der Awareness und der Aufmerksamkeit gar nicht zu sprechen. Voraussetzung ist natürlich immer, dass das entsprechende Hashtag zur Veranstaltung abonniert wird.

Für den Veranstalter empfiehlt sich die Festlegung des Hashtags schon aus Monitoring-Gesichtspunkten. Er kann nicht nur nachvollziehen, was über die Veranstaltung getwittert wird, die Tweets könnten als Stream automatisch ins Blog oder die Website einfließen, sodass auch dort alle Leser die Eindrücke anderer mitbekommen.

Mittels Hashtag erfährt die Kultureinrichtung aber nicht nur worüber gesprochen wird, sondern auch wie viele Twitterer es überhaupt gibt. Da Zahlen sehr gerne als Gradmesser für den Erfolg einer Twitter-Veranstaltung wie etwa der Tweetups und KultUps gewertet werden, bekommt man hier tolle Zahlen geliefert. Die Twitter-Zahlen sagen ja auch etwas darüber aus, wie eine Ausstellung oder eine Aufführung insgesamt angenommen und diskutiert wurde. Und welcher Marketingverantwortliche oder Sponsor liest nicht gerne, wenn etwa, wie bei einem KultUp im Städel Museum beispielsweise 152 Twitterer 1.300 Tweets verschickt und damit 130.650 Twitter-Accounts erreicht haben.

Das Achtbrücken Festival etwa hat mit der Einladung zur Pressekonferenz auch gleich das Hashtag #achtbruecken mitgeliefert und über die Pressekonferenz selbst getwittert. Ergänzt durch anwesende Twitterer (und Blogger) konnte so nicht nur die Pressekonferenz, sondern auch das anschließende Festival verfolgt werden. Da zunehmend zu den Pressekonferenzen von Kultureinrichtungen auch Blogger- und viele davon sind auch Twitterer - eingeladen werden, ist die Ankündigung eines Hashtags ein durchaus sinnvolles Vorgehen. Von den Museen ist mir nur das Städel Museum bekannt, das im Vorfeld zur Ausstellung “Schönheit und Revolution” das Hashtag #SuR festgelegt und nicht nur via Twitter, sondern auch auf der Website kommuniziert hatte.

Wie kann die Einbindung aussehen?

Ein eindeutiges, möglichst kurzes und prägnantes  Hashtag ist auf jeden Fall sinnvoll: etwa die Kurzform eines Ausstellungstitels oder eines Orchesters. Für das hr-Sinfonieorchester hat sich beispielsweise #hrSO eingebürgert, das wir Twitterer selbst gewählt haben.

Bei der Ankündigung des Hashtags sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Von der Erwähnung in der Einladung zur Pressekonferenz, auf Flyern, der Website und im Blog sowie weiteren Social-Media-Profilen bis hin zu Hinweisen im Foyer (dazu gibt’s dann gleich noch die entsprechende Twitterwall) ist Vieles denkbar und möglich.

Ich wünsche mir, dass die Benennung von Hashtags genauso selbstverständlich wird, wie die Veranstaltungsdaten am Ende einer Pressemeldung.

Was meinen Sie? Wie gehen Sie als Kultureinrichtung vor?

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8 Responses to “Im Dornröschenschlaf. Kultureinrichtungen und die Verwendung von Hashtags”

  1. Christian Gries Says:

    Liebe Ulrike, bin 100% Deiner Meinung! “Dornröschenschlaf” ist womöglich noch eine freundlich verklärte Formulierung für dieses Defizit. In einem älteren Blogpost habe ich schon einmal ein paar Infos zusammengetragen und die Einführung und Etablierung von kollektiven Hashtag zur Kennzeichnung von Themenzusammenhängen im musealen Kontext vorgeschlagen: http://blog.iliou-melathron.de/index.php/2012/06/hashtags/. Im Ausland ist das längst üblich, - in Deutschland ist die Erfahrung doch eher ein freundliches “bitte was?”

  2. Ulrike Schmid Says:

    Lieber Christian,
    stimmt, ich erinnere mich an deinen Beitrag.

    Wir können nur immer wieder darauf hinweisen. Vielleicht ist den Kultureinrichtungen dieses Manko gar nicht so bewusst - unterstelle ich jetzt mal. Ich denke auch, dass sie noch viel zu wenig crossmedial denken. Da ist die PK, zu der auch Blogger eingeladen werden, eben die eine Sache und die andere ist eben Twitter. Das man es verknüpfen könnte - soweit wird nur selten gedacht.

  3. Michael Müller Says:

    Stimmt absolut. Ein Grund ist sicher, dass es noch nicht zur Allgemeinbildung gehört, die Funktion von # zu kennen. Man trifft in Kultureinrichtungen immer wieder auf die Situation, dass die Bedeutung von Social Media theoretisch erkannt wird (was ja schon mal gut und wichtig ist), die Verantwortlichen aber selbst in diesem Bereich nicht wirklich zu Hause sind.
    Vielleicht wäre es eine gute Idee, den (mit Bedacht gewählten) Hashtag fett auf die Website und alle Werbematerialien zu setzen, ihn zu einem Kernbestandteil der CI zu machen.

  4. Ulrike Schmid Says:

    genaus so stelle ich mir das vor Michael. Zumindest auf Website, Blog und im Newsletter könnte man das entsprechende Hashtag dick und fett anbringen. Hat doch auch was von Service, wenn die potentiellen Besucher wissen, mittels welchem Hashtag sie mit anderen verbunden sind.
    Dieses Suchen nach einem einheitlichen Hashtag hätte dann auch mal eine Ende ..

  5. Mat e Says:

    Dito. Herausforderung ist und bleibt die Wissensvermittlung… (Wiederkehrende Fragen: Was ist ein Tweet? Was ist ein Hashtag & wozu brauche ich das? Welchen Vorteil habe ich durch Social Media?)

    Für mich ist der Klang eines Hashtags ausschlaggebend/ wichtig, es sollte Sinnlichkeit & eine Verbindung zum Event/ Veranstaltung herstellen. Einfache Kombinationen und Wortspiele erhöhen die Aufmerksamkeit (selbstredend) …

  6. Christian Gries Says:

    … das wäre doch mal eine schöne Session für ein stARTcamp: “Wir basteln uns gemeinsam gültige und hilfreiche Hashtags für die Kultur in Deutschland” und helfen dann alle zusammen mit, diese auch zu etablieren #followerpower #scry13 #sck13 ? Sonst #scmuc14 und #kukon ;-)

  7. QWoo Says:

    The use of Doppelkreuzschlagwort in cultural institutions will take some time. ;)

  8. Warum Hashtags so wertvoll sind – stARTconference Says:

    [...] Sich dazu Gedanken zu machen, wäre mal eine stARTcamp-Session wert, wie Christian Gries in einem Kommentar vorschlägt. Entweder in Oberhausen oder eben dann in Wien. [...]