Meeting Kunsthaus Bregenz
Donnerstag, August 6th, 2009Meine Ausstellungsempfehlung gilt diese Woche dem Kunsthaus Bregenz, das derzeit vier Installationen von Antony Gormley zeigt, einem der einflussreichsten zeitgenössischen Bildhauern Großbritanniens, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Schauplatz des menschlichen Körpers geht.
Tief beeindruckt haben mich vor allem die Installationen im 1. und 2. Obergeschoß. Völlig unerwartet sah ich mich einer raumfüllenden Installation gegenüber. Als Ganzes betrachtet überraschte sie mich zunächst, dann machte sie neugierig und “schrie” förmlich danach, sie zu begehen und sie im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben und zu begreifen.

Antony Gormley, ALLOTMENT II, 1996, Beton, Ausstellungsansicht 1. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Markus Tretter © Antony Gormley, Kunsthaus Bregenz
Allotment II (von 1996) heißt die erste Arbeit und besteht aus 300 Betonstelen, wovon jede für einen Bewohner Malmös, die in eigens dafür vermessen wurden, stehen. Durch die unterschiedlichen Größen und Höhen, dem geometrischen Raster und der Anordnung der Blöcke in Straßen und Plätze ergibt sich ein Labyrinth in dem man sich verlieren und auch wiederfinden kann, die Nähe und Distanz abbildet. Einige Elemente sind dicht zusammen gruppiert, andere wiederum in größeren Abständen zueinander aufgestellt. Indem ich mir als Besucherin meinen Weg durch die Komposition bahne und mich mit einzelnen Teilen individuell auseinandersetzen wird die eigene Körpergröße wird an den Abwesenden messbar.

CLEARING V, 2009, 16-swg-Aluminiumrohr, Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Markus Tretter © Antony Gormley, Kunsthaus Bregenz
Clearing V (2009) ist die zweite Arbeit und besteht aus einer zwölf Kilometer langen unbearbeiteten Aluminiumstange, die in Bögen vom Fußboden zur Decke und von Wand zur Wand gespannt ist, sodass eine dreidimensionale Zeichnung im Raum entsteht. Auch hier werden die Besucher motiviert das Werk nicht nur zu begehen und zu durchschreiten, es darf berührt(!) und damit einhergehend zum Schwingen gebracht werden. Die Besucher werden dadurch integraler Bestandteil des Kunstwerks. Meine Fotos dazu auf Flickr
Sollten Sie sich nicht entgehen lassen - ein wirkliches Erlebnis.
PS Während der Festspielzeit hat das KUB bis 20.00 Uhr geöffnet. Finde ich eine super Neuerung! Von einem Kunstgenuss zum nächsten …
Bei meinen Münster-Aufenthalten gehört seit längerem auch der Besuch der Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster (AZKM) zu meinem Programm.
Derzeit zeigt die AKZM Arbeiten des kanadischen Künstlers Jon Pylypchuk: Zeichnungen, Collagen, Assemblagen und Installationen, die trashig und niedlich, krass und liebenswert, aufregend und bitter ernst daher kommen.
Besonders angetan haben es mir die großformatigen Assemblagen, die aus verschiedenen Materialien bestehen. Strahlende, teils wunderschön komponierte Bilder zeigen öde Landschaften, die von einsamen Kreaturen bevölkert werden. Bekleidet mit Stofffetzen alter Kleider, Federn, Papierstücken, aus Dingen, die funkeln, Arme und Beine teils aus Stöcken, Zwirnfäden oder Haufen klebriger Substanzen.
Beeindruckt haben mich auch zwei Installationen, wo ich mich konfrontiert sah mit trostlosen Kreaturen, teils angesiedelt zwischen Tier und Mensch, die sich zusammengetan haben, um sich als Gruppe zu behaupten.




