Archive for the ‘Ausstellungstipp’ Category

Ausstellungstipp ¦ Buchillustrationen für Groß und Klein

Freitag, November 26th, 2010

Aus dem Buch: Der standhafte Zinnsoldat nach dem Märchen von Hans Christian Andersen. Illustrationen von Joerg MuellerFabelhaft, sagenhaft, märchenhaft, so kann man die siebte Auflage der Ausstellung „Im Reich der Phantasie” bezeichnen. Reineke Fuchs, Gudrun das Truthuhn, der Dackel Franz, der seinen Schwanz sucht und Oskar der Geburtstagshund sind nur einige der skurillen Gestalten aus anspruchsvoll bebilderten Büchern, die in den Mindelheimer Museen zu sehen.

Bei dieser internationalen Ausstellung werden Original-Illustrationen namhafter Künstlerinnen und Künstler gezeigt. Diese renommierte und in ihrer Art wohl einmalige Ausstellungsreihe verfolgt das Ziel, der künstlerischen Buchillustration der Gegenwart ein angemessenes Forum zu eröffnen. Die Fülle der ausgestellten Arbeiten unterstreicht die ungebrochene Vitalität der Buchkunst und macht deutlich, wie anspruchsvolle Bilder den zu Grunde liegenden Text erhellen. Die Ausstellung ist so konzipiert, dass am Beispiel der Original-Illustrationen die verschiedensten grafischen Techniken - angefangen von der Bleistift- oder Tuschezeichnung über das Aquarell, die Acryl- oder Temperamalerei, collagierten und montierten Arbeiten bis hin zu Digitalprints - studiert werden können. Ein prägnantes Beispiel einer durchwegs am Computer ausgeführten Illustrationsarbeit liefert Peter Schössow mit seinem außergewöhnlichen Buch „Gehört das so?”.

Die Ausstellung ist ab Sonntag, dem 28. November, bis einschließlich 20. Februar 2011 in der Ausstellungshalle im Jesuitenkolleg zu sehen. Weitere Informationen gibt es hier.

Ausstellungstipp ¦ Alex Katz. Prints, Paintings, Cutouts

Freitag, November 12th, 2010
Alex Katz, Blue Umbrella, 1979–80, Lithografie © Alex Katz, VG Bild-Kunst Bonn, 2010, Albertina Wien.

Alex Katz, Blue Umbrella, 1979–80, Lithografie © Alex Katz, VG Bild-Kunst Bonn, 2010, Albertina Wien.

Mit einer großen Werkschau würdigt die Kunsthalle Würth derzeit den New Yorker Altmeister Alex Katz. Mit seinen oftmals spektakulär großen Werken, dem einfachen, sorgsam austarierten Bildaufbau, den klaren, strahlenden Farbkontrasten, scharf beschnittenen Konturen der Figuren und Landschaften, sowie den zu Flächen reduzierten Perspektiven avancierte er zur zentralen Figur des Cool Painting, einer US-amerikanischen selbstreflexiven Maltradition, für die der Gleichklang von Rationalität, Sinnlichkeit und Abstraktion kennzeichnend ist.

Seine cinemascopeartigen Formate zeigen Porträts, elegante Ausschnitte aus dem Leben der modernen New Yorker Intellektuellen und Kunstszene und der gut situierten Freizeitgesellschaft. Ein weiterer Themenschwerpunkt ist den Naturidyllen von Maine im Nordosten der USA gewidmet, die Katz monumentale flächenbetonte Malerei jedoch zu radikalen Kompositionen von geradezu ikonischer Allgemeingültigkeit stilisiert.

Katz’ Bilder gleichen Erinnerungen, ohne sich dabei je im Anekdotischem zu verlieren. Präzise und vage, präsent und schon verblasst konservieren sie die memorierte Schönheit des Augenblicks, um dem Flüchtigen, Beiläufigen und Marginalen Dauer und Bedeutung zu verleihen.

In seinem druckgrafischen Werk, das in der Hauptsache aus Siebdruck, Aquatinta und Lithographie besteht, reproduziert, reflektiert und reduziert Katz seine Motive in weiteren Arbeitsschritten ohne Verlust der für seine Malerei so charakteristischen strahlenden Farbflächen. Vielmehr verleihen formale und technische Präzision, sowie extreme Reduktion und Nahsichtigkeit jedem Blatt den maximalen Ausdruck von Gegenwärtigkeit und höchster Prägnanz.

Die Ausstellung ist in Kooperation mit der Albertina Wien entstanden. Während die in Wien aus eigenen Beständen konzipierte Ausstellung „Alex Katz Prints” einen repräsentativen Einblick in das druckgrafische Werk von der Mitte der 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts bis heute gab, wurde die Schau der Kunsthalle Würth um über 20 monumentale Gemälde und Cutouts aus allen Werkphasen ergänzt.

Die Ausstellung ist noch bis 3. April 2011 in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall, zu sehen.

Ausstellungstipp ¦ Michelangelo - Zeichnungen eines Genies

Freitag, Oktober 22nd, 2010

Michelangelo Buonarroti, Pietà, um 1530-36, © Albertina, WienMit dem Ziel Michelangelo Buonarroti als Zeichner zu positionieren, widmet die Albertina ihm derzeit eine großangelegte monographische Werkschau. Sie ist weltweit die erste seit rund 20 Jahren. Mit der Präsentation von über 100 der kostbarsten Zeichnungen ermöglicht sie einen faszinierenden Einblick in das Schaffen des großen Genies. Die Ausstellung vermittelt die Entwicklung in seiner Darstellung des menschlichen Körpers von der zarten und schönlinigen Figur der Frührenaissance zu einem neuen monumentalen Körperideal, das bis in die Gegenwart Gültigkeit bewahrt hat. Die gezeigten Arbeiten stammen aus den eigenen Beständen der Albertina sowie aus 30 der weltweit bedeutendsten Sammlungen und Museen, wie den Uffizien und der Casa Buonarroti in Florenz, dem Louvre in Paris, dem Metropolitan Museum in New York, dem Teylers Museum in Haarlem, der Royal Collection in Windsor Castle und dem British Museum in London.

Michelangelo war Bildhauer, Architekt, Maler und Zeichner. Die Ausstellung in der Albertina konzentriert sich ausschließlich auf sein zeichnerisches OEuvre. Als Medium der Ideenfindung und Erprobung künstlerisch gefasster Gedanken stellt die Zeichnung die Grundlage aller Arbeiten des Künstlers dar. Darüber hinaus erreicht sie mit Michelangelo erstmals auch einen neuen Status als autonomes Kunstwerk. Michelangelo lebte von 1475 bis 1564 und schuf in rund 75 Jahren künstlerischer Tätigkeit ein Gesamtwerk von höchster Komplexität. Er prägte nicht nur eine ganze Epoche, sondern beeinflusste auch die ihm nachfolgenden Künstler nachhaltig.

Die Ausstellung in der Albertina hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Werk Michelangelos anhand der wichtigsten Aufträge und Werkgruppen chronologisch aufzubereiten, um so auch die Entwicklung in der Zeichnung des Künstlers zu zeigen. Der Bogen der ausgestellten Werke spannt sich von der frühesten erhaltenen Zeichnung (einer Kopie nach Giotto) über die Entwürfe für die Schlacht von Cascina, die Vorzeichnungen für die berühmten Fresken in der Sixtinischen Kapelle bis zu den raffinierten Geschenkblättern für Michelangelos Freund Tommaso de’Cavalieri und den späten Kreuzigungsdarstellungen des fast achtzigjährigen Künstlers. Ausführlich diskutiert werden auch die Projekte für die verschiedenen Päpste und Fürsten, denen der Meister diente: das Grabmal Julius’ II., die Medici-Kapelle, das Jüngste Gericht und ein Entwurf für die Kuppel von St. Peter. Die Auswahl ergänzen Arbeiten von Schülern und Künstlerkollegen, denen man früher oft Zeichnungen Michelangelos zugeschrieben hat, obwohl ihr Stil von dem des großen Meisters deutlich zu unterscheiden ist. Zudem werden Gemälde gezeigt, die nach Entwürfen Michelangelos entstanden sind.

Erklärtes Ziel der Ausstellung ist die Neupositionierung Michelangelos als Zeichner. Nach den zeitbedingten historischen Verlusten und der Zerstörung einiger seiner Werke durch den Künstler selbst sind heute rund 600 Blätter erhalten. Die andauernde Diskussion über ihre Authentizität und Chronologie war Ausgangspunkt der von Dr. Achim Gnann kuratierten Ausstellung, deren intensive Vorbereitungszeit rund drei Jahre einnahm.

Die Ausstellung ist noch bis 9.  Januar 2011 in der Albertina zu sehen.

Ausstellungstipp ¦ I still do. Leben und Lieben mit Alzheimer

Freitag, Oktober 1st, 2010

Die Ausstellung „I still do. Leben und Lieben mit Alzheimer” zeigt ergreifende Porträts eines Mannes mit Alzheimer. Gesehen und beschrieben durch die Augen seiner Ehefrau und Pflegepartnerin - der Fotografin Judith Fox.

Fragments Foto: Judith FoxEntstanden sind eindrucksvolle Momentaufnahmen eines fortschreitenden Prozesses: Bilder voller Nähe, Zärtlichkeit und manchmal auch voller Erstaunen. Zusammen mit dem von ihr verfassten Buch wurde daraus ein beeindruckendes Porträt eines Alzheimer-Kranken.  - aus der Sicht einer Angehörigen. Judith Fox gibt der Krankheit ein Gesicht und möchte so das Gefühl der Isolation bei den pflegenden Angehörigen lindern und der Stigmatisierung der Krankheit entgegenwirken.

Ed sleeping, Foto: Judith FoxDer Fotografin geht es vor allem darum, mit den Bildern aus ihrem ganz privaten Umfeld, Einblicke zu geben, was die Diagnose Alzheimer für den Einzelnen und seine Angehörigen bedeuten kann. „Es gibt viele falsche Ansichten zu der Krankheit - manchmal auch bei den Betroffenen selbst”, sagt sie. So habe auch ihr Ehemann einige Jahre lang nicht gewollt, dass die Menschen von seiner Alzheimer-Erkrankung erfuhren. Er wollte mit Respekt behandelt werden, hatte Angst, die Leute dächten, er sei verrückt. Für Fox wäre aber gerade ein offenerer, transparenterer Umgang mit Alzheimer wichtig.

Bei ihrem Ehemann, Dr. Edward Ackell, wurde nach dreijähriger Ehe eine Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert. Während der nächsten zehn Jahre erlebte Judith Fox die Veränderungen ihres Mannes mit: „Dies sind einige der Dinge, die mein Ehemann früher getan hat: ein Flugzeug steuern, Menschen operieren, weltweite Beratungen vornehmen, eine Universität und medizinische Zentren leiten, vier Holes-in-One schlagen und im selben Basketballteam wie Bob Cousy spielen, einem ehemaligen Profi-Basketballer”, schildert sie. Und: „Dies sind einige der Dinge, die mein Ehemann nicht mehr tun kann: Den Weg zu einem unbekannten Badezimmer und wieder zurück finden, die Kaffeemaschine bedienen, ein Golfturnier spielen oder sich an das erinnern, was ich ihm vor zwei Minuten erzählt habe.”

Die Fotografien sind noch bis 5. November im Theodor Tucher in Berlin zu sehen.