Archive for the ‘Kulturkommunikation’ Category

Sind Museen Influencer?

Dienstag, Januar 26th, 2010

Menschenschlangen vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin 2004

Sind Museen Influencer? Diese Frage kam kürzlich im Zusammenhang mit der von der PR-Agentur talkabout erstellten Liste „Twitternde Museen und Kultureinrichtungen” auf.

Beim Influencer Marketing werden Kunden in ihrer Kaufentscheidung von einer Person beeinflusst, die entweder ein Experte oder ein Multiplikator ist.

Dass ein Museum nur in den seltensten Fällen eine konkrete Kunst-Kauf-Entscheidung beeinflusst, dürfte klar sein. Doch wenn der Begriff „Influencer” weiter gefasst wird im Sinne einer Beeinflussung im weitesten Sinne (auch eine Kaufentscheidung im Allgemeinen zu treffen), sehe ich Museen sehr wohl als Influencer.

Museen sind Influencer in vielerlei Hinsicht. Einige Aspekte habe ich zusammengestellt und hatte v.a. die Kunstmuseen im Hinterkopf.

1 Museen als Wertsteigerung für Kunst
Lange Zeit galt, dass Kunstwerke eine Wertsteigerung erfahren, wenn sie erst einmal in einem Museum ausgestellt wurden. Wenn auch die Bedeutung diesbezüglich nachlässt - die eine oder andere Arbeit eines Künstlers erfährt dennoch eine Wertsteigerung. Oder meinen Sie nicht auch, dass Damian Hirsts „Totenschädel” jetzt, da ihn diverse Museen ausstellen wollen, nicht noch weiter im Wert steigt?

2 Museen als Tourismus-und Wirtschaftsfaktor
Wer erinnert sich nicht an die langen Schlagen vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin anno 2004 als „Das MOMA in Berlin” zu Gast war. Museen/Ausstellungen beeinflussen Menschen dahingehend, dass sie Städte besuchen. Die Ausstellung “Das Moma in Berlin” ist hier sicherlich das prominentestes Beispiel. Kulturtourismus gibt es auch zu anderen Museen und Städten - wie aktuell nach Frankfurt zur Botticelli- und zu Monet-Ausstellung nach Wuppertal.

Airlines, die Deutsche Bahn und die Mineralölindustrie verdienen genauso an den reisefreudigen Kunsttouristen wie auch die Gastronomie und diverse Geschäfte.

3 Museen tragen zur Wertsteigerung eines Grundstücks bei
Immer häufiger hört man, dass Museen bewusst angesiedelt werden, um bei umliegenden Grundstücken eine Wertsteigerung zu erzielen. [Quelle: Chris Dercon in: Holger Liebs, Die Kunst das Geld und die Krise]

4 Museen „machen” Kunst
Chu Yun im Portikus Frankfurt Erst die Tatsache, dass Arbeiten in einem Museum ausgestellt werden, machen sie zur Kunst. Das Blumenbeet wird erst zur Kunst, weil es in einer Ausstellungshalle - einem Kunstraum (Galerie, Kunstmesse) - ausgestellt wurde.

5  Museen zur Steigerung von  Prestige / Reputation
Unternehmen treten als Sponsoren auf. Indem sie ein prominentes Museum unterstützen ist ihnen dadurch auch eine gewisse Öffentlichkeit gewiss, die sie Reputationssteigernd für sich nutzen.

6 Museen als Vorreiter
Je nachdem wer die Leitung eines Hauses inne hat, kommt einem Museum durch seine Ausstellungen (und Marketing-Aktivitäten) eine Vorreiter-Rolle zu, die andere Museen und Kultureinrichtungen inspiriert. Ich denke da an Max Hollein und vor allem das Städel Museum.

Und nicht zuletzt sind Museen kulturelles Gedächtnis und für mich persönlich auch eine Inspirationsquelle.

Freu(nd)e schenken

Montag, Dezember 21st, 2009

Es gibt kaum eine Kultureinrichtung, die es vor Weihnachten versäumt, darauf hinzuweisen, dass Kataloge, Bücher etc. aus ihrem Museums-Shop oder auch eine Mitgliedschaft im Freundeskreis das ideale Weihnachtsgeschenk wären. Meist werden sie in Schriftform im jeweiligen Newsletter angeboten. Dass es auch anders - kreativer und emotionaler - geht, hat die Junge Deutsche Philharmonie in ihrem Newsletter bewiesen. Ich schätze diesen Newsletter schon per se, weil er gut gemacht ist und meist auch ein Video enthält. Im aktuellen Newsletter werben Sie denn auch für ihren Freundeskreis per Video. Die Junge Deutsche Philharmonie hat hierfür einerseits bestehenden Freunde für sich sprechen lassen und auch einen Einblick dessen vermittelt, was einen als Freund oder Freundin erwartet. So etwa “Musiker zum Anfassen” und Proben mitzuerleben - wenn’s dann auch noch Friedrich Guldas Konzert für “Cello und Blasmusik” ist …

Wer meine Blogbeiträge schon länger verfolgt, weiß, dass ich eine große Befürworterin vom Einsatz der Bewegtbildkommunikation bei Kultureinrichtungen bin und schon öfter darüber geschrieben habe (etwa hier und hier). Insofern hat bei mir hat diese Ansprache auch gleich dazu geführt, dass ich auf den „Freunde-Button” geklickt habe. Ein fantastisches Video - Mein Kompliment!

Damit verabschiede ich mich in die Weihnachtspause, wünsche allen Leserinnen und Lesern schöne Weihnachtstage und alles Gute fürs neue Jahr!

Nach der stART ist vor der stART ¦ Interview mit Karin Janner

Freitag, Dezember 18th, 2009

Über die stART.09 habe ich hier schon an verschieden Stellen berichtet. U.a. hatte ich im Vorfeld der stART.09 die Mitorganisatorinen, Karin Janner, bereits interviewt. Heute gibt sie einen ersten Einblick, was uns bei der stART.10 erwartet und auch welche Dimensionen die stARTconference mittlerweile  angenommen hat. Aus der Ursprungsidee eine Konferenz für Kultur & Web 2.0 zu organisieren ist längst mehr geworden …

1. Die stART.09 liegt schon wieder fast drei Monate hinter uns. Mit etwas Abstand betrachtet - Karin, wie lautet Dein Resümee?
Karin JannerEs hat sich gelohnt!
Wir haben unser Ziel, 500 Leute in Duisburg zum Thema Kultur + Web 2.0 zusammen zu trommeln, erreicht, haben viele Kulturleute zum ersten Mal mit dem Thema Web 2.0 in Berührung gebracht und Impulse zum Starten und Weitermachen gegeben.

Über die Verbindung Kultur + Web 2.0 war noch vor einem Jahr kaum etwas zu hören oder lesen, jetzt sind viele auf das Thema und die Möglichkeiten aufmerksam geworden, die sich dadurch für Kulturbetriebe ergeben.

Das merkt man z.B. auch daran, dass alle renommierten Zeitschriften aus dem Kulturbereich (z.B. die Neue Musikzeitung, Das Orchester oder Theatermanagement Aktuell) Informationen oder Berichte dazu bringen.

2. Wie geht’s jetzt weiter?
Wir hatten schon das erste Planungsmeeting in Berlin zur stART10, aber wir werden unter dem Label stART auch noch anderes bieten.

  • Am 1.+ 2. Mai wird in Essen das erste stARTcamp stattfinden - ein BarCamp bzw. ThemenCamp zu Kunst + Kultur.
  • Wir sind dabei, eine stART-Seminarschiene aufzubauen, z.B. mit dem Deutschen Bühnenverein und dem Nordkolleg Rendsburg.
  • Wir konnten einige interessante Partner dazugewinnen, mit denen wir gemeinsame Projekte planen, z.B. das Netzwerk Junge Ohren.
  • Neben unseren Weiterbildungsangeboten wollen wir Leute, die an der Schnittstelle Kunst/Kultur/Web tätig sind, vernetzen, damit sie miteinander und voneinander lernen, sich gegenseitig motivieren und gemeinsam vorwärts kommen. Dazu haben wir das Format stARTtogether ins Leben gerufen - lockere Zusammentreffen von am Thema Interessierten. Das erste stARTtogether fand im November in Berlin statt, wir wollen die stARTtogether Idee ähnlich SocialBars, Twittwochs und Webmontagen über das Bundesgebiet ausbreiten.
  • Unsere Website wollen wir zur umfassenden Informations- und Kommunikationsplattform zum Thema Kultur/Web 2.0 ausbauen. Dabei sollen auch unsere Leser, Besucher, Sprecher… in eigenen Beiträgen zu Wort kommen (ein paar Gastbeitäge gibt es schon, wir freuen uns über Themenvorschläge …)
  • Ein Relaunch unserer Website steht an, es gibt mittlerweile so viel Information drauf, dass es schon ziemlich unübersichtlich ist. Der Relaunch ist für Anfang Februar geplant.

3. Gibt es schon konkrete Pläne für die stART.10?
Ja, Ort + Termin steht: 9.+10. September 2010 wieder in der Merctorhalle Duisburg. Motto und Schwerpunktthema gibt es auch schon, das verraten wir Anfang Februar mit dem Call For Paper :-)

4. Ihr habt innerhalb eines Jahres die stARTconference hochgezogen. Wart ihr vom Erfolg selbst etwas überrascht?
Als Frank Tentler mich im Oktober 2008 angerufen hat und vorschlug, eine Konferenz zu Kultur + Web 2.0 mit 500 Besuchern durchzuführen, war ich etwas skeptisch. So viele Kulturleute interessieren sich doch gar nicht für das Web, dachte ich …

Doch bald wurde klar, dass wir zur richtigen Zeit mit dem richtigen Thema gekommen sind. Wir bekamen schon bald nach dem Start unserer Website + Blog im Februar 09 viel positives Feedback. Und auf den Call For Paper, der bis Ende März lief, meldeten sich so viele interessante Sprecher, das wir uns sehr schwer mir der Auswahl taten…

Der Ticketverkauf hat dann zwar eher schleppend begonnen, aber ab dem Sommer kräftig angezogen.

5. Was soll jetzt noch kommen? Ist eine Steigerung der Teilnehmerzahl überhaupt noch möglich oder gewünscht?
Auf der stART09 wurde positiv hervorgehoben, dass eine familiäre Atmosphäre herrschte. Es trafen viele Leute zusammen, die sich irgendwie kannten oder sich schon im Netz begegnet und nun neugierig auf ein Realtreffen waren.

Wir wollen keine anonyme Riesenveranstaltung werden, aber angesichts der Tatsache, dass nächstes Jahr Essen Kulturhauptstadt ist, können wir uns vorstellen, unser Kartenkontingent auf 750 Tickets zu erhöhen.

6. Was hast Du persönlich aus der stART.09 mitgenommen?
Ich habe viele interessante Leute kennen gelernt - wie zum Beispiel Dich.:-) - und so mein persönliches Netzwerk ausgebaut. Mit unserer Weiterbildungsschiene, aber auch mit Beratungsaufträgen und Projekten, die wir mit Partnern ins Leben rufen, ergeben sich gerade sehr spannende Dinge.

Und natürlich habe ich viel gelernt - denn auch ich habe noch nie mit Null Marketingbudget ein Projekt in dieser Größe auf die Beine gestellt - Marketing + PR nur über Social Media funktioniert also …

7. Im Internet habt ihr eine irre Resonanz erfahren. Wie sah es bei den Offlinern aus? Wie habt ihr diejenigen, die noch gar nicht oder kaum in Social Media unterwegs sind erreicht?
Da muss ich ehrlich agen: Das Erreichen der „Offliner” ist noch verbesserungswürdig - reine „Offliner” haben wir nicht so gut erreicht wie wir es gerne hätten.

Das lag daran, dass wir gar kein Budget für Marketing + PR hatten. Alle Anzeigen und PR-Artikel kamen über Mediankooperationen zustande, also Leistung gegen Leistung. Natürlich erreiche ich mehr Leute, wenn ich Geld in die Hand nehme und in allen relevanten Magazinen und Zeitungen Anzeigen schalte …

8. Ihr vier Hauptorganisatoren lebt in ganz verschiedenen Städten. Wie organisiert ihr euch? Wie muss man sich die Besprechungen vorstellen?
Wir hatten für die gesamte Organisation der stART09 nur 2 Realtreffen (eines im November 08, eines im Februar 09), nur beim ersten Treffen waren wir alle 4 anwesend …

Der Rest läuft über Skype (im Schnitt alle 2 Wochen Skype Konferenz), unser internes Projektblog, Wiki und Email. Das funktioniert ziemlich gut.

Karin, vielen Dank für das Interview.

Karin Janner betreibt das Kulturmarketingblog, das  NewMarketing Blog und das SPIELTZBlog.

Nachtrag: Sie ist auch die Hauptverantwortliche für das Blog der stARTconference

Zur stART.09 erscheint im März  2010 ein Tagungsband  im Transcript Verlag. Viele der Referenten (unter anderem ich auch) haben dafür die Präsentationen, die sie auf der stART.09 gehalten haben, aufbereitet. Herausgeber sind Dr. Hans Scheurer und Dr. Ralf Spiller, beide Professoren an der Macromedia Hochschule für Kommunikation (mit der die stARTconference eine Bildungspartnerschaft hat).

Formspring – Sinnvoll für Kultureinrichtungen?

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Formspring.me

Derzeit macht ein neues PR-Tool namens Formspring.me die Runde. Ich habe mir die Für und Widers u. a. bei Twitter eine Weile angesehen, unschlüssig, ob ich das nun mitmachen will oder nicht. Letztenendes obsiegten die Neugierde und die Entdeckerlust und so habe ich mir ein Profil angelegt.

Die Idee hinter Formspring.me ist äußerst einfach. Auf der Plattform werden, nicht unähnlich den Gästebüchern auf Homepages, Fragen an registrierte Nutzer gestellt. Diese können auch anonym erfolgen und der User beantwortet diese dann. Die Befragten müssen allerdings auch nicht alle Fragen beantworten. Die Fragen erscheinen erst dann öffentlich, wenn sie auch beantwortet sind. Der Link kann im Blog eingebunden werden und/oder über Twitter und die sozialen Netzwerke verbreitet werden, um den eigenen Freundeskreis zum Fragestellen aufzufordern.

Ob sich Formspring.me für mich als sinnvoll erweisen wird, vermag ich noch nicht zu sagen. Ich schau’s mir jetzt ersta mla an. Für Kultureinrichtungen halte ich es allerdings für eine gute Ergänzung zu den bestehenden Social-Media-Kanälen.

Meine Argumente dafür, dass Kultureinrichtungen es nutzen sollten:

  • All diejenigen, die im Internet nicht namentlich in Erscheinung treten wollen (ich meine damit nicht die „Unter-der Gürtellinie-Kritiker” sondern diejenigen, die aus persönlicher Überzeugung nicht im Netz auftauchen wollen) haben dennoch die Möglichkeit Fragen zu stellen.
  • Manchen Fragen passen nicht in das Umfeld eines Blogbeitrags, taugen nicht als Pinnwandeintrag und sind zu lang, um als Tweeds gestellt zu werden.
  • Es können (auch kritischere) Fragen gestellt werden, selbst wenn der Fragesteller sich nicht traut, dies öffentlich zu tun.

Kritische Stimmen mögen nun sagen, dass damit den „Unter-der Gürtellinie-Fragen” bzw. den äußerst kritischen Fragen Tür und Tor geöffnet werden. Ich denke allerdings, dass in Zeiten des Web 2.0 die kritischen Stimmen auch anderswo ihr Ventil finden, ausschließen lassen sie sich nie und so haben die Kultureinrichtungen es selbst in der Hand zu reagieren (oder sie verpuffen zu lassen).

Was halten Sie davon?