Archive for the ‘Kulturkommunikation’ Category

Formspring – Sinnvoll für Kultureinrichtungen?

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Formspring.me

Derzeit macht ein neues PR-Tool namens Formspring.me die Runde. Ich habe mir die Für und Widers u. a. bei Twitter eine Weile angesehen, unschlüssig, ob ich das nun mitmachen will oder nicht. Letztenendes obsiegten die Neugierde und die Entdeckerlust und so habe ich mir ein Profil angelegt.

Die Idee hinter Formspring.me ist äußerst einfach. Auf der Plattform werden, nicht unähnlich den Gästebüchern auf Homepages, Fragen an registrierte Nutzer gestellt. Diese können auch anonym erfolgen und der User beantwortet diese dann. Die Befragten müssen allerdings auch nicht alle Fragen beantworten. Die Fragen erscheinen erst dann öffentlich, wenn sie auch beantwortet sind. Der Link kann im Blog eingebunden werden und/oder über Twitter und die sozialen Netzwerke verbreitet werden, um den eigenen Freundeskreis zum Fragestellen aufzufordern.

Ob sich Formspring.me für mich als sinnvoll erweisen wird, vermag ich noch nicht zu sagen. Ich schau’s mir jetzt ersta mla an. Für Kultureinrichtungen halte ich es allerdings für eine gute Ergänzung zu den bestehenden Social-Media-Kanälen.

Meine Argumente dafür, dass Kultureinrichtungen es nutzen sollten:

  • All diejenigen, die im Internet nicht namentlich in Erscheinung treten wollen (ich meine damit nicht die „Unter-der Gürtellinie-Kritiker” sondern diejenigen, die aus persönlicher Überzeugung nicht im Netz auftauchen wollen) haben dennoch die Möglichkeit Fragen zu stellen.
  • Manchen Fragen passen nicht in das Umfeld eines Blogbeitrags, taugen nicht als Pinnwandeintrag und sind zu lang, um als Tweeds gestellt zu werden.
  • Es können (auch kritischere) Fragen gestellt werden, selbst wenn der Fragesteller sich nicht traut, dies öffentlich zu tun.

Kritische Stimmen mögen nun sagen, dass damit den „Unter-der Gürtellinie-Fragen” bzw. den äußerst kritischen Fragen Tür und Tor geöffnet werden. Ich denke allerdings, dass in Zeiten des Web 2.0 die kritischen Stimmen auch anderswo ihr Ventil finden, ausschließen lassen sie sich nie und so haben die Kultureinrichtungen es selbst in der Hand zu reagieren (oder sie verpuffen zu lassen).

Was halten Sie davon?

Das war der Kulturinvestkongress 2009 – Mein Resümee

Montag, November 2nd, 2009

Mit ein bisschen Abstand hier nun meine Eindrücke und was ich so alles vom Kulturinvestkongress ich so alles mitgenommen habe. Ich kann nun sagen: Es war doch so Einiges …

Aufgrund der Fülle der Vorträge - vier im Hauptforum und 45 in den einzelnen Paneels zwei Tagen - möchte ich nur auf ein paar eingehen, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind.

Das war zunächst gleich am ersten Tag im Hauptforum der Vortrag von Thomas Girst, Sprecher Kulturkommunikation der BMW Group. Sein Vortrag war überschrieben mit „Geld ist der Fluch der Kunst”.

Ein paar Zahlen aus dem Vortrag:

  • Für jeden Euro der ins Sponsoring fließt, investiert das Unternehmen 4 bis 5 Euro zusätzlich in die flankierende Kommunikation des Sponsorings
  • Das Unternehmen sponsert in den drei Bereichen Klassische Musik, Zeitgenössische Kunst und Architektur & Design
  • Jährlich gehen etwa 2.000 Anfragen ein

Bezüglich Frank Tentlers Vortrag verweise ich auf die Slides von der stARTconference 2009 , falls es unter meinen Leserinnen und Lesern noch welche gibt, die das Projekt Philharmonie 2.0  noch nicht kennen sollten. Wobei die Folien natürlich den leidenschaftlich vortragenden Frank nicht ersetzen können.

Im Vortrag „Cultural Hacking” von Prof. Dr. Thomas Düllo von der UDK Universität der Künste Berlin ging es um das Eindringen in fremde Systeme,  sich orientieren und neue überraschende Orientierungen einführen. Zu dem Thema gibt’s demnächst einen extra Blogbeitrag, der dann nicht nur auf den Vortrag beschränkt bleibt.

Unter dem Vortrag „Ausstellungsmarketing 2.0″ von Dr. Katharina von Chlebowski, Managementservice für Kulturbetriebe, Neue Nationalgalerie, Berlin hatte ich mir zwar vorgestellt, dass es um Web 2.0 geht, doch die Erläuterung, wie die Nationalgalerie den Einsatz der klassischen Marketinginstrumente weiter professionalisiert und innovative Dienstleistungen hervor gebracht hat - Stichwort Ticketing - war sehr aufschlussreich.

Zum Abschluss zeigte dann noch Birke Natemeyer, Reiseanlass Kultur, DB Vertrieb GmbH in ihrem Vortrag „Entwicklung von Zielmärkten für den Reiseanlass Kultur” auf, wie Kooperation der Deutschen Bahn mit Kultureinrichtungen aussehen können. Klar, dass dabei im Mittelpunkt die speziellen Angebote der Deutschen Bahn zu Kulturveranstaltungen standen aber auch deren kommunikative Begleitung der Partnerschaft. Ich hatte den Eindruck, dass die Deutsche Bahn neuen Veranstaltungen durchaus aufgeschlossen gegenüber steht und ein Anruf allemal lohnt.

Am Donnerstagabend fand bereits die Verleihung des Kulturmarken-Awards statt, von der ich auch live getwittert hatte. Die stARTconference (hier deren Kongressbericht) stand ja bekanntlich auf der Shortlist für die Trendmarke des Jahres 2009 (und ist es leider nicht geworden).

Die Preisträger 2009 sind:

Karl Janssen (Kulturdezernent der Stadt Duisburg) und Folkert Uhde (Radialsystem V) wurden als Kulturmanager des Jahres 2009 ausgezeichnet.

Die  Bregenzer Festspiele wurden Kulturmarke des Jahres 2009.

Das Kulturnetzwerk Neukölln mit seinem Projekt “48 Stunden Neukölln” wurde zur Trendmarke des Jahres 2009 gekürt.

Glückwunsch auch noch mal an dieser Stelle an alle!

Es war eine sehr gelungen Gala im Berliner Admiralspalast. Das Oktett der Dresdner Sinfoniker stimmte anfangs mit Frank-Zappa-Stücken ein.  Heinz Conrad Walter und Eva Neumann von der Agentur Causales moderierten den Abend. Die Laudationes und  Dankesreden hatten genau die richtige Länge und mit der Vorstellung der Nominierten mittels Videos war es insgesamt ein kurzweiliger Abend.

Insgesamt war es für mich ein äußerst interessanter Kongress, bei dem ich sicherlich nicht zum letzten Mal war. Fürs nächste Mal wünschte ich mit nur auch zum Abschluss ein gemeinsames Hauptforum. Ich fand es schade, dass man einfach nach dem letzten Vortrag so auseinander ging. Eine Abschlussdiskussion würde ich begrüßen …

Bezüglich Fotos verweise ich auf den Flickr-Fotostream von Karin Janner.

Kulturbetriebe und Web 2.0 – Teil 2 ¦ Der Einrichtung ein Gesicht geben

Montag, Oktober 19th, 2009

Der Einrichtung ein Gesicht geben ist eines der Schlagworte, die im Zusammenhang mit Web 2.0 zu hören sind. Ganz wörtlich genommen meine ich damit: Bei wie vielen Kultureinrichtungen, die twittern oder auch eine Facebook-Fanseite haben, wissen Sie tatsächlich mit wem Sie sich austauschen?

Das führt dann zwangsläufig zu der Frage: Soll eine Kultureinrichtung als solche (und dann eher anonym) oder besser eine Person twittern? Eine allgemeingültige Antwort dürfte es wohl kaum geben.

Ich gehöre zu denjenigen, die gerne wissen, mit wem sie sich austauschen. Dabei stört es mich auch keineswegs, wenn dass Profilfoto dem Logo der Kultureinrichtung entspricht und die Einrichtung als solche twittert. Dennoch möchte ich gerne wissen, welche Person und welches Gesicht hinter den Tweets steckt. Ein Hinweis in der Profilbeschreibung wäre der erste Schritt. Noch besser fände ich es, wenn die Personen sich „auch mal zeigt”, sei es mittels eines über Twitpic hochgeladenen Fotos oder im Hintergrundbild. Füllen mehrere Mitarbeiter den Twitter-Channel mit Inhalten können alle Beiträge mit Kürzeln versehen werden, die in der Profilbeschreibung aufgeschlüsselt sind. Auch eine denkbare Variante.

Eine Alternative wäre natürlich auch, auf einen personenbezogenen Kanal zu setzen. Dass eine Kultureinrichtung diese Variante nur in den seltensten Fällen wählt, kann ich gut nachvollziehen. Die Gefahr, dass bei einem Jobwechsel möglicherweise die Follower gleich mitwechseln oder dass die neue Verantwortliche mühsam die Kontakte aufbauen muss ist groß.

Für welche Variante sich eine Kultureinrichtung auch entscheidet, wichtig finde ich, dass eine Person erkennbar ist, um einen Bindung herzustellen, die Lust auf Dialog macht und der Kultureinrichtung ein Gesicht gibt.

Wie sehen Sie das? Stört es Sie, wenn Sie nicht wissen, mit  wem Sie es zu tun haben?

Kulturbetriebe und Web 2.0 ¦ Teil 1: Informieren Sie noch oder kommunizieren Sie bereits?

Donnerstag, Oktober 15th, 2009

Immer mehr deutsche Kultureinrichtungen nutzen Social Media für ihre Kommunikation. Die Twitter-Accounts haben explosionsartig zugenommen, keine größere Kultureinrichtung kommt mehr ohne einen aus. Ebenso verhält es sich mit einer eigenen Fanseite oder Gruppen bei Facebook. Auch Accounts bei Flickr und You Tube sind fast selbstverständlich geworden. Soweit so gut. Dies alles ist ja sehr erfreulich und zeigt, dass viele Kultureinrichtungen die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Bei all dem Hype den Social Media zurzeit bei Kultureinrichtungen erfahren, sind mir  einige Aspekte aufgefallen, die so gar nicht Web 2.0-mäßig anmuten. Ursprünglich wollte ich nur auf den mangelnden Dialog eingehen Doch beim Schreiben dieses Beitrags sind mir noch einige weitere Punkte gekommen, sodass es jetzt eine kleine Serie geben wird. Auf den elementarsten und offensichtlichsten komme ich heute zu sprechen: Dialog/Interaktion

Mittlerweile nutzt jede größerer Kultureinrichtung, die etwas auf sich hält und am Puls der Zeit sein will Social Media. Von wenigen Ausnahmen abgesehen dient ihnen Twitter und auch Facebook nur dazu, Veranstaltungen anzukündigen. Ein Austausch findet so gut wie gar nicht statt. Die neuen Medien werden genutzt um in den althergebrachten Strukturen zu arbeiten, also reine Informationen (Veranstaltungshinweise) zu geben. Die Weitergabe von Wissen geschweige denn, dass auch mal zugehört wird und Wünsche aus der Online Community angenommen werden, findet nicht statt. Diese reinen Ankündigungen machen es anders herum auch den Followern schwer, zu reagieren. Was soll ich zu einem Konzerthinweis schon groß antworten?

Als einfachste und auch unterste Stufe einer Interaktion - will man eine Skala für Interaktion festlegen - zähle ich einen Retweet. Eine Kultureinrichtung würde bei mir damit schon punkten, weil sie mir damit zeigt, dass sie auch Themen, die nicht nur sie angeht, empfiehlt. Diese Erfahrung habe ich bisher allerdings nur mit englischen oder amerikanischen Einrichtungen gemacht.

Ich frage mich: Liegt es nur am Zeitmangel, ist es Desinteresse oder ist in den Köpfen der Verantwortlichen einfach noch angekommen, dass das Schlagwort „Dialog” mehr ist als ein Schlagwort - nämlich zuhören und sich in Diskussionen einzubringen. Bin ich nur wieder einmal zu ungeduldig und die Kulturinstitutionen benötigen einfach noch mehr Zeit?

Meine These ist ja, dass die die Social-Media-Aktivitäten von der PR-Abteilung gemacht werden - und das sicherlich auch zu Recht. Ich glaube nur, dass die wenigsten loslassen können und eher Sorge haben, sie könnten die Kontrolle verlieren. Die Gefahr „etwas Falsches” zu twittern ist natürlich bei Tweets, die nicht auf eine Veranstaltung verweisen viel größer.

Christian Henner-Fehr hat in seinem Blogbeitrag “Web 2.0 ist auch eine Frage der Haltung” kürzlich empfohlen, die Kultureinrichtungen sollten beginnen zu moderieren.

„Versuchen Sie doch mal, sich nicht nur als Sprachrohr Ihrer Kultureinrichtung zu verstehen, sondern schlüpfen Sie mal ganz bewusst in die Rolle eines Moderators, wenn Sie das nächste Mal twittern oder Ihre Facebook-Seite bzw. Ihr Blog mit Inhalten füllen.”

Und weiter

„Aus dem Ansatz „ich möchte meine Info loswerden” wird z. B. plötzlich „ich bin gespannt, worüber wir heute twittern werden”.

Eine schöne Vorstellung, die allerdings auch bedeutet, dass der/die Verantwortliche den ganzen Tag über die Twitterstreams der Follower verfolgt - und ich habe meine Zweifel, dass dem so ist.