Archive for the ‘Kulturtipp’ Category

Ausstellungstipp ¦ Barbara und Katharina Grosse

Freitag, Juli 2nd, 2010

Mit der Ausstellung „Barbara und Katharina Grosse” zeigt das Museum für Neue Kunst erstmals eine Doppelausstellung, in der Mutter Barbara (geb. 1938) und Tochter Katharina Grosse (geb. 1961) ihre Werke gemeinsam ausstellen.

Bereits Ende Mai hat Katharina Grosse, eine der international bedeutendsten Vertreterinnen der Gegenwartskunst, mit ihrer Arbeit in Freiburg begonnen. Denn sie liefert keine fertigen Werke, sondern schafft malerische Rauminstallationen, die vor Ort entstehen. Grosses Arbeit ist von einem anarchischen Impuls geprägt. Seit über zehn Jahren arbeitet die in Freiburg geborene und heute in Berlin lebende Künstlerin an einer Bildform, die alle festgelegten Grenzen und Hierarchien außer Kraft setzt. In einem offenen System des ästhetischen Geschehens zwischen Wirklichkeit und Vorstellung laufen hier Architektur, Skulptur und Tafelbild in einem Objekt zusammen, verbinden sich zu einer farbenprächtigen, alle Kunstgattungen überschreitenden bildnerischen Erscheinung.

Barbara Grosse beschäftigt sich seit vielen Jahren mit zeichnerischen und graphischen Ausdrucksformen, die Spuren des Zufalls mit gezielten bildnerischen Eingriffen verbinden. Auch sie hat für Freiburg neue Werke geschaffen, die auf die Räumlichkeiten zugeschnitten sind. In einer Installation werden sich ihre großformatigen Radierungen von der Wand lösen und mit fast unmerklicher Bewegung im Raum zu schweben scheinen.

Die Ausstellung „Barbara und Katharina Grosse” erzählt nicht nur eine besondere, persönliche Art von Familiengeschichte, sondern schlägt auch einen Bogen zwischen den künstlerischen Medien und den Künstlergenerationen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Oktober in der Ausstellungshalle der Städtischen Museen Freiburg im Augustinermuseum zu sehen.

Kulturtipp ¦ Rheingau Musik Festival

Freitag, Juni 25th, 2010

Morgen ist es wieder soweit: Mit Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 2 c-Moll wird in der Basilika von Kloster Eberbach das 23. Rheingau Musik Festival eröffnet. Bis 28. August finden 153 Konzerte an 42 Spielstätten im Rheingau und in benachbarten Regionen statt. Gerade die ungewöhnlichen Spielstätten machen für mich den besonderen Reiz des Festivals aus: Ob Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg, der Kelterhalle in Oestrich, oder Schlösser, Kirchen und Weingüter wie die Seebühne von Schloss Vollrads oder der Steinberg - ihnen allen ist ein ganz spezifischer regionaler Charakter eigen.

Themenschwerpunkte in diesem Jahr sind „Fernweh”, „Schumann/Chopin 200. Geburtstag”, „Festival-Spezial: Oper” sowie das Komponistenporträt Kaija Saariaho. In dem neuen Veranstaltungsformat „Rendezvous mit …” stellt die Musikjournalistin Katharina Eickhoff ausgewählte Künstler in einem zwanglosen Gespräch vor. In diesem Jahr den Schlagzeuger Martin Grubinger, den Dirigenten Christoph Eschenbach und den Pianisten Menahem Pressler.

Zu Gast beim Rheingau Musik Festival sind auch in diesem Sommer wieder herausragende Solisten und Ensembles wie etwa Hélène Grimaud Daniel Barenboim, Diana Damrau, Ian Bostridge, Rudolf Buchbinder, Albrecht Mayer, Philippe Jaroussky, Paul Meyer, Xavier de Maistre  und, und, und …

Ausführliche Informationen zu allen Konzerten gibt es auf der Homepage des Rheingau Musik Festivals.

Kulturtipp ¦ Rodney Graham. Through the Forest

Freitag, Juni 18th, 2010
Studiokulisse von Allegory of Folly. Study for an Equestrian Monument in the Form of a Wind Vane, 2005 Courtesy the artist Photo: Scott Livingstone

Studiokulisse von Allegory of Folly. Photo: Scott Livingstone

Die Ausstellung des kanadischen Künstlers Rodney Graham “Through the Forest” im Kunstmuseum Basel gibt Einblick in die Entwicklung seines umfassenden Werkkomplexes. Die Wurzeln von Grahams Arbeitsweise, die beeinflusst ist von der Konzeptkunst der 1970er Jahre, und seine Art des Denkens begründen sich in der Adaption von literarischen Modellen.

Seine erste große fotografische Arbeit, 75 Polaroids, schuf Graham 1976. Die Serie von Schnappschüssen wurde nachts während eines Spaziergangs in den Wäldern rund um Vancouver aufgenommen und in der Pender Gallery in Vancouver ausgestellt; dies war zugleich Grahams erste Einzelausstellung und markiert den Beginn seiner Kariere als Künstler. 75 Polaroids enthält Elemente, die essentiell für seine späteren Arbeiten sind, in denen sich seine Faszination für fotografische Prozesse zeigen, die Objekte reiner Repräsentation in autonome Bilder übertragen, genauso wie die Idee, verschiedene Orte nachts mit einem Blitzlicht zu erleuchten. Im Anschluss an diese Arbeit experimentierte Graham mit einer Camera Obscura, die er selbst anfertigte und dazu benutzte, archäologische Fundorte während seines Aufenthaltes in der American Academy in Rome zu fotografieren. Diese Reihe von Arbeiten kulminierte in der Serie Rome Ruins (1978). 1984 wurde die bahnbrechende Außeninstallation mit dem Titel Two Generators in Vancouver ausgestellt.

Ein wesentlicher Teil der Ausstellung ist den frühen Arbeiten gewidmet und der Entwicklung seines Werkes. Aus diesem Grund wurde Yves Gevaert - ein belgischer Verleger, mit dem Rodney Graham viele seiner frühen Bücher publizierte - dazu eingeladen, erstmalig Einsicht in seine umfassende Materialsammlung an Büchern, Schriften, Fotografien und Entwurfzeichnungen zu geben, die es dem Besucher erlauben, Verbindungen zu Grahams Arbeitsmethode herzustellen. Eine Ansammlung von weiteren Materialien wurde außerdem hinzugenommen, die wesentlich zum Verständnis von Rodney Grahams Denkweise beitragen. Die Buchbindungen- und einbände, die Graham selber entwarf, sind beispielsweise Vorläufer der Judd-artigen Objekte.

Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind seine späteren Filmen, die - auf formaler Ebene - die Tradition von konzeptuellen Textarbeiten und Phänomenen optischer Erscheinungen des Lichts in Hinsicht auf Thema und Motiv weiterführen.

Ein weiterer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Rolle des Künstlers. In der Videoarbeit Lobbing Potatoes at a Gong, 1969 (2006) stellt Graham eine Szene nach, die auf eine Anekdote eines Pink-Floyd-Konzerts zurück geht, bei dem ein Musiker Kartoffeln auf einen Gong warf. Ein Destilliergerät, mit dem Graham aus den Kartoffeln, die den Gong getroffen haben, Wodka machen ließ und der Wodka selbst sind Teil der Installation. Rodney Graham interessiert sich für diese Art von „Übersetzungsprozessen”: Dinge, die der Literatur entstammen, werden zu physischen Objekten, sobald sie in ein neues Medium übertragen werden.

Schließlich präsentiert sich Rodney Graham als ein Maler, der sich, im Gegensatz zu The Gifted Amateur, der Stilrichtung der sogenannten École de Paris zuwendet, um abstrakte Gemälde im Stil dieser Periode zu produzieren. Die Ausstellung Through the Forest zeigt einen langen Weg auf, der bei der Adaption von literarischen Modellen und der Aneignung von entscheidenden Momenten der Kunstgeschichte beginnt, über beeindruckende Filmarbeiten führt und letztendlich beim klassischsten aller Medien endet, der Malerei.

Die Ausstellung wurde organisiert vom Museu d’Art Contemporani de Barcelona in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Basel, dem Museum für Gegenwartskunst und der Hamburger Kunsthalle und ist noch bis 26. September 2010 zu sehen.

Ausstellungstipp ¦ Spickzettel. Bloß nicht erwischen lassen!

Freitag, Juni 11th, 2010

Wer erinnert sich nicht an den wohl berühmtesten Spickzettel - den Zettel den Jens Lehmann bei der WM 2006 im Spiel gegen Argentinien aus dem Stutzen zog? Dieser und weitere 1.000 weniger prominente Mathe-Spicker, 12. Klasse Gymnasium, 2009 ©Schulgeschichtliche Sammlung Nürnberg Spickzettel aus 100 Jahren Schulgeschichte in allen Farben und Formen werden derzeit im Museum für Kommunikation Frankfurt in einer Wechselausstellung „Spickzettel. Bloß nicht erwischen lassen” präsentiert.

Lange geisterte die Frage durch die Medien, was denn nun wirklich auf Jens Lehmanns Zettel stand. Die Besucher des Museums für Kommunikation Frankfurt können sich nun selbst davon überzeugen, was sich der Nationalkeeper zu den gegnerischen Elfmeter-Schützen notierte. Neben den klassischen Spickzetteln aus Papier können in der Ausstellung aber auch umgebaute Armbanduhren, präparierte Schokolade, Hightech-Brillen und andere kuriose Basteleien bestaunt werden. Darüber hinaus warten spannende interaktive Stationen zum Mitmachen und Raten auf die Besucherinnen und Besucher.

Die in der Ausstellung gezeigten Spicker zeugen von Kreativität und handwerklichem Geschick - Fähigkeiten, die sich die Lehrer oftmals für den Unterricht wünschten - allerdings ohne Mogeleien. Schließlich ist effektives Lernen dem Herstellungsprozess eines Spickzettels ähnlich: Der Unterrichtsstoff muss komprimiert und zusammengefasst werden. Um mit den Stichworten etwas anfangen zu können, müssen auch die Inhalte dazu „sitzen”.

Im Mittelpunkt der Ausstellung, die vom Schulmuseum Nürnberg entwickelt und in Kooperation mit dem Museum für Kommunikation umgesetzt wurde, stehen die Funktion und Bedeutung des Spickzettels im Kosmos Schule. Eröffnet werden ungewohnte Einblicke in die Welt des Lernens: die Effekte des Spickens für die Leistungsmessung und die Lernstrategien von Schülerinnen und Schülern. Gezeigt werden auch historische Entwicklungslinien, der Spickzettel als internationales Phänomen, persönliche Erfahrungen und Geschichten von Schülerinnen und Schülern von 1900 bis heute sowie wissenschaftliche Erkenntnisse zu Motiven, Methoden und zur Verbreitung des Spickens. Die Ausstellung bietet somit einen faszinierenden, aber auch ernsten Blick auf die Vielschichtigkeit und Spannbreite des Themas Spicken.

Die Ausstellung ist noch bis 5. September 2010 zu sehen.