Ausstellungstipp ¦ Michelangelo - Zeichnungen eines Genies
Freitag, Oktober 22nd, 2010
Mit dem Ziel Michelangelo Buonarroti als Zeichner zu positionieren, widmet die Albertina ihm derzeit eine großangelegte monographische Werkschau. Sie ist weltweit die erste seit rund 20 Jahren. Mit der Präsentation von über 100 der kostbarsten Zeichnungen ermöglicht sie einen faszinierenden Einblick in das Schaffen des großen Genies. Die Ausstellung vermittelt die Entwicklung in seiner Darstellung des menschlichen Körpers von der zarten und schönlinigen Figur der Frührenaissance zu einem neuen monumentalen Körperideal, das bis in die Gegenwart Gültigkeit bewahrt hat. Die gezeigten Arbeiten stammen aus den eigenen Beständen der Albertina sowie aus 30 der weltweit bedeutendsten Sammlungen und Museen, wie den Uffizien und der Casa Buonarroti in Florenz, dem Louvre in Paris, dem Metropolitan Museum in New York, dem Teylers Museum in Haarlem, der Royal Collection in Windsor Castle und dem British Museum in London.
Michelangelo war Bildhauer, Architekt, Maler und Zeichner. Die Ausstellung in der Albertina konzentriert sich ausschließlich auf sein zeichnerisches OEuvre. Als Medium der Ideenfindung und Erprobung künstlerisch gefasster Gedanken stellt die Zeichnung die Grundlage aller Arbeiten des Künstlers dar. Darüber hinaus erreicht sie mit Michelangelo erstmals auch einen neuen Status als autonomes Kunstwerk. Michelangelo lebte von 1475 bis 1564 und schuf in rund 75 Jahren künstlerischer Tätigkeit ein Gesamtwerk von höchster Komplexität. Er prägte nicht nur eine ganze Epoche, sondern beeinflusste auch die ihm nachfolgenden Künstler nachhaltig.
Die Ausstellung in der Albertina hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Werk Michelangelos anhand der wichtigsten Aufträge und Werkgruppen chronologisch aufzubereiten, um so auch die Entwicklung in der Zeichnung des Künstlers zu zeigen. Der Bogen der ausgestellten Werke spannt sich von der frühesten erhaltenen Zeichnung (einer Kopie nach Giotto) über die Entwürfe für die Schlacht von Cascina, die Vorzeichnungen für die berühmten Fresken in der Sixtinischen Kapelle bis zu den raffinierten Geschenkblättern für Michelangelos Freund Tommaso de’Cavalieri und den späten Kreuzigungsdarstellungen des fast achtzigjährigen Künstlers. Ausführlich diskutiert werden auch die Projekte für die verschiedenen Päpste und Fürsten, denen der Meister diente: das Grabmal Julius’ II., die Medici-Kapelle, das Jüngste Gericht und ein Entwurf für die Kuppel von St. Peter. Die Auswahl ergänzen Arbeiten von Schülern und Künstlerkollegen, denen man früher oft Zeichnungen Michelangelos zugeschrieben hat, obwohl ihr Stil von dem des großen Meisters deutlich zu unterscheiden ist. Zudem werden Gemälde gezeigt, die nach Entwürfen Michelangelos entstanden sind.
Erklärtes Ziel der Ausstellung ist die Neupositionierung Michelangelos als Zeichner. Nach den zeitbedingten historischen Verlusten und der Zerstörung einiger seiner Werke durch den Künstler selbst sind heute rund 600 Blätter erhalten. Die andauernde Diskussion über ihre Authentizität und Chronologie war Ausgangspunkt der von Dr. Achim Gnann kuratierten Ausstellung, deren intensive Vorbereitungszeit rund drei Jahre einnahm.
Die Ausstellung ist noch bis 9. Januar 2011 in der Albertina zu sehen.

Erst die Tatsache, dass Arbeiten in einem Museum ausgestellt werden, machen sie zur Kunst. Das Blumenbeet wird erst zur Kunst, weil es in einer Ausstellungshalle - einem Kunstraum (Galerie, Kunstmesse) - ausgestellt wurde.



