Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Mozartfest Würzburg ¦ Wehmut

Mittwoch, Juli 1st, 2009

Heute beschleicht mich Wehmut: Als ich an der Residenz entlanggehe, steht schon ein Tieflader bereit, um unsere vielen kleinen Kassenhäuschen abzuholen, aus denen heraus die Tickets für die Nachtmusik verkauft werden. Für ein Jahr machen sie jetzt einen Mozart-Winterschlaf … und es sagt mir: Bald ist es wieder vorbei mit „deinem” Fest! Am Sonntag hatten wir wieder unglaubliches Wetterglück - auch „meine” zweite Nachtmusik kann draußen stattfinden, wir werden mit 3.200 Besuchern für unsere Gebete, Kerzen, Zaubersprüche belohnt, mit Hilfe derer wir uns einen blauen Himmel herbeigewünscht haben. Ich verschenke meinen Sitzplatz und promeniere durch den Hofgarten - die Akustik ist viel besser als ich gedacht hatte. Interessant ist nur, dass ein Minichor von Rotkehlchen dann doch stärker singen als das Orchester bei Mozarts Prager Sinfonie spielen kann.

Am Montag stellten wir Thomas Hengelbrock, meinen künstlerischen Beirat und Artist in Residence (auf deutsch und würzburgerisch: Künstler in der Residenz) der Presse vor. Wir lassen seine beeindruckende Karriere Revue passieren, ich erzähle, wie tief mich sein Feldkirch-Festival beeindruckt hat, von dessen „spirit” ich mir eine große Portion nach Würzburg wünsche, und dann kommen die Fragen der Journalisten. Wir erzählen über unsere Pläne für 2010, die ja schon weit gediehen sind, nennen Namen von Künstlern und Ensembles - und dann muss Thomas wieder zur Probe mit dem BALTE-Orchester (unsre Abkürzung für Balthasar-Neumann-Ensemble).

Jetzt, wo das laufende Fest seinem Ende entgegengeht, denke ich intensiv an 2010. Thomas hat wunderbare Ideen für ein Chor-Event. Ich habe mich während der letzten Tage intensiv um Künstler bemüht, wir schieben die Termine hin und her, rechnen am Budget - und ich merke, was für eine grandiose Aufgabe es ist, so ein Festival für eine ganze Stadt zu gestalten. Viele Leute geben einem Anregungen, es meldet sich Kritik, an der Anfangszeit (ich habe diese für fast alle Konzerte auf 20.30 Uhr gelegt), an der neuen Bühnenaufstellung - aber überwiegend sind alle sehr zufrieden und freuen sich auf das „neue” Mozartfest 2010.

Nachdem es am Montag in der Pressekonferenz schon bekannt gegeben worden ist, kann ich es heute auch heute hier verkünden, was im nächsten Jahr auf die Fans alles wartet:

  • Thomas Hengelbrock mit Balte-Orchester und die drei letzten Mozart-Symphonien
    Derselbige mit dem Chor und einem Nacht-Programm
  • Das Basler Kammerorchester und Sol Gabetta (Haydn Concertante, Cellokonzert, Mozart)
  • Das Mahler-Chamber-Orchestra unter Andrew Manze mit Janine Jansen und Julian Rachlin (Mozart Concertante u.a.)
  • Il Giardino Armonico mit Giovanni Antonini (Sturm & Drang + Mozart)
  • Das Stuttgarter Kammerorchester mit Mozart & Tango (Nicolas Altstaedt, Cello)
  • Christian Zacharias und Mitglieder des Alban-Berg-Quartetts (Mozart & Schubert)
  • Die Kammerphilharmonie Bremen mit Wunderklarinettist Martin Fröst (Mozart u. a.)
  • Das BR-Symphoniekonzert mit Andras Schiff (Haydn & Mozart)
  • Das amerikanische Pianisten-Wunderkind Kid Armstrong (Bach, Mozart, Amrstrong)

Und natürlich tausend andere Sachen rundherum …

von Christian Kabitz

Bisher erschienen

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste
XIII-Das Eröffnungskonzert
XIV-Chevalier de Saint George
XV-Himmel schenk uns noch einen sonnigen Abend
XVI-Ein kleiner Rückblick

NPO-Blogparade geht in die 8. Runde

Dienstag, Mai 19th, 2009

Derzeit läuft die achte Runde der NPO-Blogparade. Wer sich als Gastgeber daran beteiligt und wie jeder einzelne sich beteiligen kann, habe ich bereits in diesem Beitrag beschrieben. In der aktuellen Runde stellt nun  Hannes Jähnert auf seinem Blog “Die wunderbare Welt” die Frage

„wie  mehr Menschen zur (politischen) Teilhabe über das Internet bewegt werden können.”

Denn noch immer bedienen sich Politikerinnen und Politiker zu wenig der Vernetzungsmöglichkeiten, die das Social Web bietet. Liegt es nur an der mangelnden Zeit oder eher daran, dass in kleineren Städten und Kommunen wenig Menschen das Internet geschweige denn das Social Web nutzen? Reicht es, wenn Politikerinnen und Politiker im Social Web mitmischen, sich präsentieren und Zugänge zu politischer Partizipation schaffen oder sollten politische Partizipationsmöglichkeiten speziell beworben werden.

Sein Beitrag kann hier gelesen werden und bis 6. Juni nimmt er Kommentare oder Beiträge entgegen.

Mozartfest Würzburg ¦ Mozarts Posthorn-Serenade

Mittwoch, Mai 13th, 2009

Am vergangenen Mittwoch wurde in der Würzburger Residenz die Bayerische Landesausstellung eröffnet, mit unserem Ministerpräsident Seehofer und allem, was Rang und Namen hat. Der Kaisersaal war brechend voll und das neue Podest war erstmals mit einem großen Orchester bestückt. Dazu eine kleine Erklärung: Der Kaisersaal - übrigens eines der imposantesten Bauwerke Deutschlands mit einem gerade frisch renovierten Deckengemälde von Tiepolo (unbedingt anschauen!) - ist das Kernstück der Residenz, im ersten Stock gelegen, über den so genannten Weißen Saal erreichbar und einige unserer Konzerte finden hier statt.

Im Moment lerne ich gerade intensiv Mozarts Posthorn-Serenade, benannt nach einer eher kurzen Stelle in dem fast halbstündigen Werk, woselbst der 1. Hornist des Orchesters auf einem „corno di Posta” einem Posthorn blasen soll. Die Stelle gilt unter Hornisten als heikel bis unspielbar, meist bläst das der 1. Trompeter auf einem kleinen Posthörnchen. Ich liebe diese ganze Serenade unendlich. Es ist eigentlich eine komplette Sinfonie mit der Extra-Zugabe einer Concertante, einem Konzert für Solobläser und Orchester. Und - es ist von Mozart schon für eine Freiluft-Aufführung konzipiert worden, wohl für eine Universitäts-Abschlussfeier - vielleicht deshalb auch das Posthorn als Symbol für Aufbruch, Abreise, Abschied.

Paul MeyerNebenher frische ich Mozarts Klarinettenkonzert auf, das wir im selben Programm als Nachtmusik haben werden, und ich freue mich auf Paul Meyer, einen der besten Klarinettisten der Welt. Trotz seines nach Sabine klingenden Namens ist er weder mit ihr verwandt noch sonst was, er ist sogar ein Franzose, allerdings aus dem Elsass, genau genommen aus Mulhouse.

1984 hat er in New York den berühmten Young Concert Artists Wettbewerb gewonnen und hat bei den Preisträgerkonzerten den legendären Benny Goodman kennen gelernt. Dessen musikalischer Einfluss und seine Freundschaft spielen eine ganz große Rolle im Leben von Paul. Penderecki hat ein Konzert für ihn komponiert, das Paul 1987 uraufgeführt hat, überhaupt interessiert er sich intensiv für zeitgenössische Musik und hat viele Ur- und Erstaufführungen gespielt. In letzter Zeit dirigiert er auch, die Liste „seiner” Orchester ist Ehrfurcht gebietend, ich glaube, ich muss fleißig üben, damit alles perfekt klappt.

Viele Außenstehende fragen sich ja sowieso, was der Dirigent denn eigentlich macht, das Orchester kann das sicher doch ohne ihn (böse Zungen meinen: besser …). Interessanterweise stimmt das auch - teilweise: Mit einem engagiert spielenden Konzertmeister und dementsprechend positiv und kammermusikalisch denkenden Orchestermitgliedern lässt sich sicher bis zu einer bestimmten Besetzungsgröße und dem richtigen Repertoire vieles ohne Dirigent sehr gut meistern. In Russland gab es (man hat da ja in der Revolutionszeit eh solch diktatorisch auftretende Gestalten abgeschafft) von 1922 - 1932 ein veritables Orchester mit Namen Persimfans ohne Dirigenten, das sogar internationale Berühmtheit erlangte, weil es auch groß besetzte Literatur ausgezeichnet wiedergegeben hat. Darius Milhaud hat mit Persimfans musiziert und war angetan, meinte allerdings, mit Dirigent hätte man die Proben in der Hälfte der Zeit bewältigt.

Schwierig ist es immer, einen Solisten zu begleiten, gut zu begleiten. Man muss mitfühlen, voraus denken, und das Orchester immer zum Spiel im Bereich piano bis pianissimo anhalten. Das ist bei Literatur ab der Romantik schon viel schwerer, aber selbst Mozarts Klarinettenkonzert hat viele Stellen, wo die Wiedergabe zwischen gut und perfekt einen erschreckend langen Proben-Abstand hat. Mal sehen, wie das open-air im Hofgarten gelingen wird … Daumendrücken!

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen

stART.09 - Eine vielversprechende Konferenz zu Kultur und Web 2.0

Mittwoch, Februar 18th, 2009

Heute möchte ich auf eine vielversprechende Veranstaltung hinweisen, die im September in Duisburg stattfindet: die stART.09.

Für mich vielversprechend, weil die Veranstalter ein Thema aufgreifen, mit dem ich mich seit geraumer Zeit auseinandersetze, ich es äußerst spannend finde und es leider immer noch ein Schattendasein führt.

Es geht um Möglichkeiten, Chancen und Risiken von Web 2.0 und Social Media für Kultureinrichtungen.

Warum eine eigene Konferenz?

Einerseits, weil viele Kulturschaffende mit dem Thema noch nicht allzu vertraut sind und sie sich insofern unter „ihresgleichen” befinden und sich austauschen können. Auch müssen noch Vorbehalte abgebaut werden und dies ist in solch einem Umfeld viel besser möglich. Andererseits hat auch jeder Kulturbetrieb seine ganz eigenen Regeln, Prioritäten und steht vor spezifischen Herausforderungen.

Was passiert nun bei der stART.09?

  • Ziel ist es, den Teilnehmern die Möglichkeiten und Potenziale des Web 2.0 (Blogging, Microblogging, Social Media und Community Marketing) vorzustellen und dessen Chancen und Risiken aufzuzeigen und zu diskutieren.
  • Fachleute werden in Keynotes, Workshops und im persönlichen Gespräch neue und kreative Einblicke in das Thema geben.
  • Inhaltlich geht es darum, wie sich diese Tools in den Themenbereichen Kommunikation, Marketing, Fundraising, PR und Projektmanagement einsetzen lassen.
  • Bestehende Projekte werden vorgestellt und analysiert sowie grundlegende Fragestellungen zum Thema Web 2.0 diskutiert. Im Rahmen von Workshops haben die Besucher die Möglichkeit, Konzepte für ihre eigene Einrichtung zu erarbeiten.

Mehr Informationen zu Tickets, Anmeldung, Rednern, Programm etc. gibt es auf der Konferenzwebsite der stART.09
Natürlich kann man der stART.09 auch auf  Twitter folgen.

Ich bin gespannt, was mich erwartet und freu mich drauf!