Kulturtipp ¦ Die Farbe seiner Träume

Joan Miró, Inceste au Sahara, 1975, Radierung und Aquatinta; © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2010 / Photo Maeght Gallery, Paris

Joan Miró, Inceste au Sahara, 1975, Radierung und Aquatinta; © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2010 / Photo Maeght Gallery, Paris

Meine Empfehlung in dieser Woche gilt der Ausstellung „Die Farbe seiner Träume”. Mit der Präsentation über den spanischen Künstler Joan Miró (1893-1983) läutet das Graphikmuseum Picasso Münster seinen 10. Geburtstag ein.

„Die Präsentation verfolgt Mirós Werdegang von den künstlerischen Anfängen bis hin zu seinem großflächigen Spätwerk”, erklärt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. Mit rund 100 Gemälden, Grafiken, Skulpturen, Keramiken und Handzeichnungen spiegelt „Die Farbe seiner Träume” nicht nur die ungewöhnliche Materialien-Bandbreite des Künstlers, sondern auch die schöpferisch-motivischen Querbezüge, die er zwischen den verschiedenen Medien schafft. „Wer meint, sich an Miró schon satt gesehen zu haben, lernt ihn in der Ausstellung von ungewohnter Seite kennen”, verspricht Müller.

Die in Münster ausgestellten Leihgaben stammen aus der Maeght-Collection in Frankreich, der umfangreichsten Miró-Sammlung weltweit. Der Ausstellungstitel „Die Farbe seiner Träume” nimmt Bezug auf ein frühes gleichnamiges Werk Mirós aus dem Jahr 1925, in dem der Künstler die Bedeutung des Träumens für seine Bildschöpfung und damit zugleich sein surrealistisches Gedankengut offenbart. „Ich träume nie, ich schlafe wie ein Maulwurf. Aber wenn ich wach bin, dann träume ich ständig.” Miró belegt mit diesen Worten, wie sehr seine Kunst vom Unterbewusstsein geleitet wird und wie wenig er seine Werke im Geiste vorbereitet: „Wenn ich ein Bild anfange, gehorche ich einem inneren Impuls, den ich körperlich spüre, einem Bedürfnis loszulegen. Es ist, wie wenn da etwas aus meinem Körper hinaus müsste.”

Joan Miró, Galathée, 1976, Radierung; ©Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2010 / Photo Maeght Gallery, Paris

Joan Miró, Galathée, 1976, Radierung; ©Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2010 / Photo Maeght Gallery, Paris

Bei der Darstellung der künstlerischen Suche Mirós nach einer eigenen Position in der aufkommenden Moderne übernimmt vor allem sein selten gezeigtes Frühwerk eine wichtige Rolle. Drei Gemälde aus den Jahren 1914-17 weisen noch kubistische und fauvistische Züge auf. Einige Werke aus den 20er und 30er Jahren belegen, dass später auch der Pariser Surrealismus einen wichtigen Einfluss auf Mirós künstlerische Selbstfindung ausübte.

Durch die Präsentation unterschiedlichster Techniken wird die einzigartige Experimentierfreude des Katalanen in den Vordergrund gestellt. Gleichzeitig führen Werke wie der zwei Mal drei Meter große Wandteppich „Sobreteixim” aus dem Jahr 1973 zu den bildnerischen Wurzeln des Künstlers in der katalanischen Volkskunst. Miró bedient sich in diesem Fall der Flecht- und Webtechnik, einer der ältesten Handwerkskünste der Menschheit, die in Katalonien bis heute ihre Ursprünglichkeit bewahrt hat. Mirós ausgeprägter Hang zum spielerischen Experimentieren zeigt sich auch bei den in Münster ausgestellten Keramiken und Skulpturen. Häufig verwendete er für seine Werke banale, von anderen weggeworfene Dinge aus der Alltagswelt, die er beim Spazierengehen in der Natur fand. Seine Beute kombinierte er mit weiteren Fundstücken von den Müllhalden der Konsumgesellschaft, darunter alte Spielzeugautos, Löffel, Nägel, Kisten, Bretter, Stühle und Kanister. Seine grotesken Skulpturen ließ er anschließend in Bronze gießen. Eine Auswahl dieser Fantasiegebilde präsentiert das Graphikmuseum auf einem 36 Quadratmeter großen Strandstück mitten in der Ausstellung, für den es 1,5 Tonnen Sand anliefern ließ.

Die Ausstellung ist bis 6. Juni 2010 im Graphikmuseum Picasso Münster zu sehen.

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One Response to “Kulturtipp ¦ Die Farbe seiner Träume”

  1. Kunst & Kultur - Fan Says:

    ich werde mir diese Ausstellung demnächst anschauen

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