Meeting Kunsthaus Bregenz
Meine Ausstellungsempfehlung gilt diese Woche dem Kunsthaus Bregenz, das derzeit vier Installationen von Antony Gormley zeigt, einem der einflussreichsten zeitgenössischen Bildhauern Großbritanniens, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Schauplatz des menschlichen Körpers geht.
Tief beeindruckt haben mich vor allem die Installationen im 1. und 2. Obergeschoß. Völlig unerwartet sah ich mich einer raumfüllenden Installation gegenüber. Als Ganzes betrachtet überraschte sie mich zunächst, dann machte sie neugierig und “schrie” förmlich danach, sie zu begehen und sie im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben und zu begreifen.

Antony Gormley, ALLOTMENT II, 1996, Beton, Ausstellungsansicht 1. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Markus Tretter © Antony Gormley, Kunsthaus Bregenz
Allotment II (von 1996) heißt die erste Arbeit und besteht aus 300 Betonstelen, wovon jede für einen Bewohner Malmös, die in eigens dafür vermessen wurden, stehen. Durch die unterschiedlichen Größen und Höhen, dem geometrischen Raster und der Anordnung der Blöcke in Straßen und Plätze ergibt sich ein Labyrinth in dem man sich verlieren und auch wiederfinden kann, die Nähe und Distanz abbildet. Einige Elemente sind dicht zusammen gruppiert, andere wiederum in größeren Abständen zueinander aufgestellt. Indem ich mir als Besucherin meinen Weg durch die Komposition bahne und mich mit einzelnen Teilen individuell auseinandersetzen wird die eigene Körpergröße wird an den Abwesenden messbar.

CLEARING V, 2009, 16-swg-Aluminiumrohr, Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Markus Tretter © Antony Gormley, Kunsthaus Bregenz
Clearing V (2009) ist die zweite Arbeit und besteht aus einer zwölf Kilometer langen unbearbeiteten Aluminiumstange, die in Bögen vom Fußboden zur Decke und von Wand zur Wand gespannt ist, sodass eine dreidimensionale Zeichnung im Raum entsteht. Auch hier werden die Besucher motiviert das Werk nicht nur zu begehen und zu durchschreiten, es darf berührt(!) und damit einhergehend zum Schwingen gebracht werden. Die Besucher werden dadurch integraler Bestandteil des Kunstwerks. Meine Fotos dazu auf Flickr
Sollten Sie sich nicht entgehen lassen - ein wirkliches Erlebnis.
PS Während der Festspielzeit hat das KUB bis 20.00 Uhr geöffnet. Finde ich eine super Neuerung! Von einem Kunstgenuss zum nächsten …
August 7th, 2009 at 10:39 pm
Das Kunsthaus in Bregenz ist nicht nur, was das Programm angeht, immer einen Besuch wert. Es ist darüber hinaus ein architektonisches Highlight. Und es hat drittens genau die richtige Größe. ;-)
PS: danke für die Fotos…
August 8th, 2009 at 2:19 pm
@Christian Mit dem “nur” bekommt der Kommentar auch gleich ein ganz andere Bedeutung. Ich habe da bisher nur Higlights erlebt. Das Zusammenspiel von Architektur und der ausgestellten Werke macht die Ausstellungen für mich immer zu einem ganz besonderen Erlebnis.
August 10th, 2009 at 10:00 am
Das Stelenfeld erinnert mich an das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin und natürlich an die bereits zu der Zeit der Erbauung aufgekommenen Plagiatsverdachte. Allotment II scheint ja 1 Jahr vorher entstanden zu sein. Die einzelnen Stelen scheinen auch zumindest durch Kopf und Größe Menschen zuzuordnen zu sein und sind so “more sophisticated” als das mehr durch die Unebenheiten im Boden Unwohlsein erzeugende Stelenfeld in Berlin?
August 10th, 2009 at 5:39 pm
@wölkschen Die einzelnen Stelen sind eindeutig Menschen zuzuordnen. Jede Stele ist mit einer Zahl versehen. An der Wand hängt eine Liste mit den Namen der Bewohner (mit Zahl), die vermessen wurden, sodass die Zuordnung möglich ist.
Die Assoziation mit dem Denkmal für die ermordeten Juden liegt nahe auch wenn ich diese nicht hatte. Hängt damit zusammen, dass ich von Anfang an wusste, dass die Stelen für lebende Bewohner Malmös stehen.
August 20th, 2010 at 11:55 am
[...] bin ich bereits vergangenes Jahr „hautnah” im Kunsthaus Bregenz begegnet, als in einer Ausstellung vier Installationen von ihm gezeigt wurden. Schon damals wurde deutlich, das der Mensch sein Thema ist: Als Individuum [...]