Kulturtipp ¦ Georges Seurat - Figur im Raum

Februar 26th, 2010

Der Ausstellungstipp dieser Woche gilt dem Begründer des Pointillismus, dem die Schirn Kunsthalle Frankfurt mit dem Titel Figur im Raum derzeit eine Ausstellung widmet. Die Rede ist von Georges Seurat.

Das Video zeigt eindrucksvoll, weshalb man diese Ausstellung auf keinen Fall verpassen sollte.

Die Ausstellung ist noch bis 9. Mai zu sehen. Mehr Informationen auf der Internetseite der Schirn Kunsthalle.

Kulturtipp ¦ Robert Mapplethorpe

Februar 19th, 2010
Robert Mapplethorpe: Self Portrait, 1988 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission

Robert Mapplethorpe: Self Portrait, 1988 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission

Meine Empfehlung in dieser Woche gilt der Ausstellung Robert Mapplethorpe im NRW-Forum Düsseldorf. Der US-amerikanischer Fotokünstler ist einer der wenigen Künstler, denen es vergönnt ist, weit über die Grenzen der Kunstwelt hinaus bekannt zu werden. Er dominierte die Fotoszene des ausgehenden 20. Jahrhunderts und öffnete den Weg zur Anerkennung der Fotografie als Kunstform. Er verankerte das homosexuelle Sujet in der Massenkultur und entwarf in der Fotografie ein klassizistisches Bild vom meist männlichen Körper, das Eingang in die kommerzielle Fotografie fand.

Insbesondere in den USA wurde zu Lebzeiten und postum Mapplethorpes Werk kontrovers diskutiert. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden Ausstellungen seiner Fotografien boykottiert, zensiert oder geschlossen. Umstritten waren stets seine radikalen Darstellungen von Nacktheit und sexuellen Handlungen. Insbesondere Fotos sado-masochistischer Praktiken führten dazu, dass es bei Ausstellungen Protestkundgebungen gab und Museumsdirektoren verklagt wurden.

Robert Mapplethorpe: Patti Smith, 1975 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission

Robert Mapplethorpe: Patti Smith, 1975 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission

Die Ausstellung im NRW-Forum umfasst alle Bereiche Mapplethorpes Schaffen wie Porträts, Selbstporträts, Homosexualität, Aktfotografien, Blumenaufnahmen und als Quintessenz die fotografischen Aufnahmen von Skulpturen. Die Ausstellung ordnet die Fotografien nach Themen wie Selbstporträts einschließlich jener berüchtigten Aufnahme, die ihn mit einer in seinen Anus eingeführten Bullenpeitsche zeigt, und geradezu poetischen Aufnahmen seiner Gefährtin Patti Smith; den Fotografien schwarzer Männer versus weißer Frauen, wie der Bodybuilderin Lisa Lyon; der Gegenüberstellung von Penissen und Blumen, die Mapplethorpe in einem Interview selbst provozierte und schließlich jenen Aufnahmen von klassischer Schönheit, die sich an den Skulpturen der Renaissance orientierten, sowie den beeindruckenden Porträts von Kindern und Berühmtheiten seiner Zeit.

Diese Zusammenstellung zeigt Robert Mapplethorpe - bei allen offensichtlichen Rückgriffen auf die Schönheitsideale der Renaissance wie auch auf die fotografische Historie von Wilhelm von Gloeden bis Man Ray - als einen Künstler, der in seiner Zeit verankert ist. Seine Zeitgenossen sind Andy Warhol und Brice Marden.

Polaroids sind in den 1970er Jahren das Medium der Wahl und die Auseinandersetzung mit Körper und Sexualität ist bei vielen Künstlern - etwa Vito Acconci oder Bruce Nauman - ein Thema, das zentral für einen gesellschaftlichen Wandel war. Vor allem aber entwickelt Robert Mapplethorpe einen eigenen fotografischen Stil, der den Idealen von Perfektion und Form huldigt. »I look for the perfection of form. I do this in portraits, in photographs of penises, in photographs of flowers.«.

Die Präsentation auf schneeweißen Wänden trägt dieser Betrachtung Rechnung und führt weg von der verschämten Boudoir-Präsentation auf flieder- und lila-farbenen Wänden, wie sie jahrelang die Ausstellungen Mapplethorpes beherrschten, und öffnet den Blick für eine eher konzeptionelle, minimalistische Betrachtung der Werke.

Die Auswahl von 150 Fotografien umspannt frühe Polaroids von 1973 bis hin zu seinen letzten Selbstporträts aus dem Jahr 1988, die ihn bereits gezeichnet vom nahen Tod zeigen, und präsentiert viele bekannte, geradezu ikonische Motive aber auch bislang nie oder nur selten gezeigte Arbeiten. Sie schöpft aus dem Fundus der New Yorker Robert Mapplethorpe Foundation.

Bis 15. August 2010. Mehr Informationen auf der Internetseite des NRW-Forums Düsseldorf.

Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ 2 Allgemeine Beobachtungen

Februar 18th, 2010

Pfefferminzmuseum

Pfefferminzmuseum

Museen abseits des Mainstreams
Bei der Auswahl der Museen und Orchester hätte ich mir die Arbeit erleichtern können, indem ich einfach bei den einzelnen Kanälen (Twitter, Facebook, YouTube, Flickr etc.) nachgesehen hätte, wer welchen Kanal nutzt und nicht umgekehrt. Also erst Museen und Orchester festlegen, um dann zu sehen, wer welchen Kanal nutzt.

Mir wäre einiges Interessante verborgen geblieben. Etwa die Fülle der Museen in Deutschland insgesamt, dass es kaum eine Stadt ohne Heimatmuseum gibt, dass die Dichte der Museen v. a. in Westdeutschland sehr hoch ist. Auch war ich überrascht ob der Kategorie der Museen: Bratwurstmuseum, Kartoffelmuseum, Schnapsmuseum, Artistenmuseum, Lügenmuseum, Pfefferminzmuseum, um nur einige Museen abseits des Mainstreams zu nennen. Eine Rolle im Social Web spielen sie allerdings nicht.

Argument Bekanntheitsgrad
Als ein Argument für Social-Media-Aktivitäten wird die Steigerung des Bekanntheitsgrades genannt. Denn Blogs werden von Suchmaschinen leichter gefunden als statische Internetseiten. Sie werden gerne verlinkt und zitiert und verbreiten sich dadurch rasch im Netz. Ähnliches gilt natürlich auch für die anderen Kanäle wie Twitter, Flickr, YouTube, Facebook etc.

Auffallend war allerdings, dass sich von der Anzahl der Google-Einträge nicht zwingend Rückschlüsse auf Social-Media-Aktivitäten schließen lassen. Drei Beispiele:

Beispiel 1: Die Berliner Philharmoniker sind per se schon so bekannt, dass deren Social-Media-Aktivitäten bei den Google-Einträgen kaum ins Gewicht fallen.  Die Motivation ihrer Web-Aktivitäten war insofern sicherlich nicht, den Bekanntheitsgrad zu steigern.

Beispiel 2: Die Duisburger Philharmoniker machten durch ihre rege Web-Aktivität deutschlandweit auf sich aufmerksam. Ihre Aktivitäten wirkten sich unmittelbar auf Google aus. Bereits auf den ersten Seiten stehen Einträge zu ihren Social Media-Aktivitäten.  Überrascht hatte mich ehrlich gesagt nur, dass die Anzahl der Einträge unter 20.000 liegt.

Beispiel 3: Das Städel Museum war auch schon vor Beginn seiner Social Media-Aktivitäten sehr bekannt Seine Google-Einträge gehen in die Hunderttausende, und auf den ersten beiden Google-Seiten sind ebenfalls Verweise auf Social Media.

Wo liegt der Unterschied? Meiner Meinung nach liegt er in der Wahl des „Social-Media-Namens”. Das Städel Museum ist auf allen Kanälen mit „staedelmuseum” zu finden. Dies führt eben auch dazu, dass diese Aktivitäten in den Suchmaschinen ganz vorne gelistet sind. Die Berliner Philharmoniker nennen sich kurz „BerlinPhil” und über die Social-Web-Aktivitäten der Duisburger Philharmoniker wird man unter „Philharmoniker” informiert.

Fazit
Das heißt also, dass eine Kultureinrichtung, der es vor allem darum geht, dass ihr Name in Suchmaschinen gefunden wird, um die Bekanntheit zu steigern, gut daran tut, den Namen der Institution konsequent in den einzelnen Profilen zu führen. Spielt der Name eine untergeordnete Rolle kann natürlich auch eine verkürzte Schreibweise verwendet werden. Um noch mal auf das Beispiel Duisburger Philharmoniker zurückzukommen. Ihnen bzw. deren Web-Team ist es durch die Wahl des Namens „Philharmoniker” gelungen, dass jeder, der im Internet einfach nur nach „Philharmoniker” sucht, bei ihnen landet. Also eine sehr clevere Wahl!

Ausblick: Nächste Woche stelle ich die einzelnen Kanäle vor, die benutzt werden.

Teil 1 - Studie Museen und Orchester im Social Web | Einleitung