Proben wie die Profis – LeaderChor Berlin 2009

Schon seit einigen Jahren arbeitet der Rundfunkchor Berlin daran, das Bewusstsein für Chormusik auf ein modernes, zeitgemäßes Niveau zu heben. Dafür hat der Rundfunkchor mehrere Projekte ins Leben gerufen. Eines davon - der LeaderChor Berlin - steht in Kürze wieder an. Dieses Projekt richtet sich an Führungskräfte und Manager aus Wirtschaft und Gesellschaft, die in diesem Workshop am eigenen Leib erleben sollen, was es heißt, professionell zu singen. In der Pressemeldung heißt es dazu:

“Beim LeaderChor Berlin geht es neben der Vermittlung musikalischer und sängerischer Fähigkeiten auch um die Kunst, zu führen und sich führen zu lassen. Beim Singen im Chor wird sie körperlich spürbar. Zwei professionelle Coaches begleiten das Wochenende, erschließen die Potentiale kreativer Zusammenarbeit und bauen Brücken in den Führungsalltag.”

Voraussetzung für die Teilnahme ist lediglich ist eine Leidenschaft für den Chorgesang. Unter der Leitung von Simon Halsey, Chefdirigent des Rundfunkchores Berlin, haben die Führungskräfte vom 5. bis 8. November 2009 die Chance ein Konzertprogramm zu erarbeiten, das am Ende in einem öffentlichen Konzert präsentiert wird.

Eine schöne Idee, finde ich. Und anders als der Kulturblogger glaube ich auch, dass Kultureinrichtungen und hier insbesondere das Chor-Singen Managern durchaus etwas vermitteln kann. Zum Einen geht es um die Erfahrung sich führen zu lassen. Zum anderen lernt man gerade in der klassischen Musik Demokratie. Chorsänger müssen stets auf ihren Nachbarn achten und dabei selbst stets den richtigen Ton treffen. Sie lernen aufeinander zu hören, sie lernen wie wichtig die eigene Stimme ist, aber auch wie wichtig es ist, dass die eigene Stimme mit anderen Stimmen harmoniert. Alleingänge zerstören, man muss sich in einen übergeordneten Zusammenhang stellen und dies ist in der Musik das Konzept des Komponisten. Insofern denke ich dass es hier Parallelen zum Unternehmen gibt. Denn wie in der Musik auch, können Manager und Führungskräfte nur gemeinsam mit ihrem Team, in dem jeder das Beste aus sich herausholt, gemeinsam etwas erreichen.

Und hier geht’s zur Anmeldung

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6 Responses to “Proben wie die Profis – LeaderChor Berlin 2009”

  1. kulturblogger Says:

    Genau. Aber wie macht man das heute konkret, dass man aus jedem das Beste herausholt? Eben nicht mehr, indem man ihm sagt: ich möchte, dass du an dieser Stelle etwas mehr akzentuierst, und diesen Takt sehr leise singst und über die und die Noten crescendierst. Deswegen schrieb ich ja, dass Manager von einer Jazz-Combo mehr lernen könnten. auch hier muss man sich abstimmen, kann nicht einfach Alleingänge durchziehen, auf die Mitspieler hören, mit ihnen harmonieren etc. Das hat weitaus mehr mit “Demokratie” zu tun, als die Aufführung klassischer Musik mit großen Ensembles.

    Vielen Dank übrigens für den Link!

  2. Ulrike Schmid Says:

    @kulturblogger Ich bezog mich auf Deine Aussage, in der Du anzweifelst (so hab ich’s zumindest interpretiert), dass Unternehmer etwas von Kunst- und Kultureinrichtungen lernen können. Man muss das ja nicht so absolut sehen. Der eine lernt mehr von einer Jazz-Band, für den anderen sind große Ensembles die besser Wahl.

  3. kulturblogger Says:

    Das hast du schon richtig interpretiert. :-) Natürlich sind das grundlegende Prinzipien, die nicht zwingend und immer gelten. Aber ein Orchester ist eine extrem hierarchische Organisation mit Old-School Top-Down-Management wie aus dem Bilderbuch. Das taugt für ein modern geführtes Unternehmen in den allermeisten Fällen höchstens als abschreckendes Beispiel. Klar, es gibt Ausnahmen wie das Orpheus Chamber Orchestra oder die Berner Camerata. In Chören ist es nicht ganz so krass, aber im Grunde auch nicht anders. Deswegen meine ich, dass klassische Kulturunternehmen meistens viel mehr von modern geführten Unternehmen lernen können als umgekehrt. Die “produzieren” zwar keine Kultur, besitzen aber nicht selten sehr viel mehr davon. Mich regt dieses zur Selbstkritik unfähige Sendungsbewusstsein von Kultureinrichtungen einfach auf: dort werden allzuoft auf Bühnen, dem Podium wo auch immer Dinge verkündet, und hinter den Kulissen das Gegenteil praktiziert.

  4. Hagen Kohn Says:

    Musik machen mit anderen sensibilisiert das Ohr für Zwischentöne - sei es nun die Jazz-Combo, der Chor oder das Orchester. Insofern kann ich mich der Ansicht, Wirtschaftsunternehmen können von Kulturinstitutionen lernen nur anschließen. Umgekehrt gilt das aber natürlich genauso. Fairerweise sollte man aber vielleicht noch hinzufügen, dass Orchester, Theater usw. oft staatliche oder städtische Einrichtungen sind, die ja auch nochmal anders funktionieren als freie Unternehmen. Wie auch der Vergleich von Jazz-Combo und Klassikorchester was das Größenverhältnis betrifft im Ungleichgewicht ist :-)

  5. kulturblogger Says:

    Dass Musik für Zwischentöne sensibilisiert ist natürlich richtig, gilt aber für tausend andere Beschäftigungen wie eine Sprache zu lernen oder sich mit möglichst vielen verschiedenen Menschen zu unterhalten, Bücher zu lesen etc. auch. Ich möchte ja auch niemandem davon abraten, sich mit Musik oder Kultur allgemein zu beschäftigen, allein, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie gewinnbringend (das meine ich jetzt gerade nicht im streng ökonomischen Sinne! ;-) ) das sein kann.

    Aber bei dem Beispiel LeaderChor geht es ja um etwas anderes, das nicht so sehr auf dieser allgemeinen Ebene liegt, nämlich die Mechanismen der Führung/Arbeitweisen von künstlerischen Ensembles auf die Wirtschaft zu übertragen. Und davon halte ich sehr wenig. Na klar: ein guter Dirigent ohne Charisma ist nicht denkbar und ein guter Manager (oder wie man genauer sagen würde eben: Leader) auch nicht. Aber kann man das lernen? Wohl kaum. Und ansonsten wird im Kunstbereich in aller Regel abschreckend viel Macht und Eigensinn ausgeübt. Das ist auch anders in den meisten Fällen gar nicht möglich, weil ein Dirigent nicht mit 70 Musikern seine Brahms-Interpretation ausdiskutieren kann und ein Regisseur, der eine basisdemokratische Schillerinszenierung realisiseren möchte, das fünffache der normalen Probenzeit bräuchte. Das ist einfach nicht vorbildhaft für andere Bereiche, wo man menschengemäßer führen kann.

    Das heisst, sobald man die Ebenen von einleuchtend klingenden Phrasen verlässt, gibt dieses Thema in meinen Augen nicht mehr sehr viel her.

  6. Hagen Kohn Says:

    @kulturblogger: “Aber bei dem Beispiel LeaderChor geht es ja um etwas anderes, das nicht so sehr auf dieser allgemeinen Ebene liegt, nämlich die Mechanismen der Führung/Arbeitweisen von künstlerischen Ensembles auf die Wirtschaft zu übertragen. Und davon halte ich sehr wenig.”
    Diese Systemübertragung sehe ich nun gerade nicht in diesem Angebot - dass das nicht erstrebenswert ist, darin stimmen wir überein. Mein Statement deckt sich mit Ulrike Schmids Auffassung, “Sie lernen aufeinander zu hören, sie lernen wie wichtig die eigene Stimme ist, aber auch wie wichtig es ist, dass die eigene Stimme mit anderen Stimmen harmoniert”, die eher mit Persönlichkeitsschulung, Teamfähigkeit, soft skills oder wie auch immer man das nennen will, zu tun hat.

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