Kulturtipp ¦ Le grand geste! Informel and Abstract Expressionism, 1946-1964
Freitag, April 16th, 2010
K. R. H. Sonderborg "Komposition", 1960, Courtesy Galerie Georg Nothelfer, Berlin
Die Ausstellung “Le grand geste!” im Düsseldorfer museum kunst palast zeichnet, fünfzig Jahre nach dem Höhepunkt der gestisch-abstrakten Malerei in den Jahren 1958/59, den Weg und die künstlerische Entwicklung von Informel und Abstraktem Expressionismus nach: ein Weg, der von Frankreich und Amerika durch Deutschland, Italien, Holland, Spanien und andere europäische Länder führte.
Die künstlerische Avantgarde nach 1945 - zerrissen und desillusioniert, aber auch in höchstem Maße moralisch und existentiell motiviert - suchte nach Ausdrucksformen, die nicht durch die unmittelbare Vorgeschichte des Weltkriegs korrumpiert waren und größtmögliche Freiheit beim Entstehungsprozess ermöglichten.
Die jungen Künstler, die z. T. an Bildpraktiken des Surrealismus anknüpften, experimentierten mit neuen Materialien und Prozessen, die das formale und konzeptuelle Spektrum enorm erweiterten: So wurde Farbe gegossen und geträufelt, wurden Malgründe zerkratzt oder der Malvorgang extrem beschleunigt. Auf dem Boden liegende Leinwände entwickelten sich zur Bühne des Künstlers. Hier kündigte sich bereits der Übergang zur späteren Aktionskunst an, was auch der von Harold Rosenberg für die gestische Malerei der USA geprägte Begriff „Action Painting” verdeutlicht.
Das europäische Äquivalent dieser Kunst belegte man mit zahlreichen Begriffen, wie lyrische Abstraktion, Tachismus oder Informel. Die 1950 von dem französischen Kritiker Michel Tapié eingeführte Bezeichnung Informel wurde hier die tragfähigste. Wie ein informelles Bild ist diese Kunstströmung selbst als variable, offene Struktur beschreibbar - also weniger ein Stil als eine künstlerische Haltung. Mit den Worten von Karl Otto Götz, einem ihrer wichtigsten deutschen Protagonisten handelt es sich bei der informellen Kunst um: „die Auflösung des klassischen Formprinzips mit malerisch und materialmäßig vielen Möglichkeiten.” Hiermit wurden wichtige strukturelle Vorarbeiten geleistet, auf die die nachfolgende Künstlergeneration aufbauen konnte.
Die Düsseldorfer Ausstellung Le grand geste! konzentriert sich auf die Jahre zwischen 1946 und 1964, fokussiert hier die Höhepunkte des deutschen Informel bis hin zu der Zeit, als Pop Art die internationale Kunstszene zu dominieren begann und abstrakt-expressionistische Tendenzen weitgehend verdrängte. Deutlich sichtbar wird der existentielle Anspruch dieser gestischen, abstrakt-expressionistischen Malerei, ein Anspruch, der sich nicht zuletzt in den großen Formaten vieler Hauptwerke dieser Kunstströmung manifestiert.
Besondere Bedeutung nehmen innerhalb der Ausstellung die deutschen gestisch-abstrakten Künstler ein - Brüning, Dahmen, Gaul, Götz, Hoehme, Nay, Schultze, Schumacher, Sonderborg, Thieler oder Trier - die in einem übergeordneten, internationalen Kontext betrachtet werden können.
Die Ausstellung ist bis 1. August 2010 im museum kunst palast in Düsseldorf zu sehen.




