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Geschäftsmodelle im Web 2.0 - Ebook zur Blogparade

Mittwoch, Juni 23rd, 2010

Geschäftsmodelle im Web 2.0 - Blogparade stARTconference + Kulturmanagement Network
Im April hatten die Organisatoren der stARTconference gemeinsam mit dem Kulturmanagement Network zur Blogparade “Geschäftsmodelle im Web 2.0″ aufgerufen.

Und jetzt ist es da - das Ebook zur Blogparade, das 20 Beiträge zu ganz unterschiedlichen Themen und Sichtweisen enthält. So etwa zu “Monitoring und ROI im (Social) Web” (Dr. Kerstin Hoffmann), “Creative Commons” (Norbert Hayduk) oder zu “Allianzen für Kultur-Communitys” (Christian Holst).

„Wir sind interessanter als wir glauben“ ¦ Museen und Orchester im Social Web

Freitag, Mai 7th, 2010
Diese Social-Media-Portale sind bei Museen und Orchester beliebt

Meistgenutzten Social-Media-Portale der Museen und Orchester

Mein Beitrag zur Blogparade “Geschäftsmodelle im Web 2.0″ der stARTconference, handelt von der, von mir derzeit durchgeführten, Studie „Museen und Orchester im Social Web”.

Ausgangspunkt für die Studie
Ausgangspunkt war, dass ich einerseits ein sprunghaftes Ansteigen von Twitter-Accounts und Facebook-Fanseiten von Kultureinrichtungen innerhalb des vergangenen Jahres festgestellt habe, andrerseits aber diese Aktivitäten nirgends umfassend besprochen wurden. Es gab lediglich vereinzelte Hinweise.

Die Zunahme von twitternden und „facebookenden” Museen, Festivals, Theater, Orchester etc. lässt den Schluss nahe, dass sie das Social Web entdeckt haben. Doch ich wollte es genauer wissen, wollte wissen, wie diese Aktivitäten aussehen. Wie viele Kulturinstitutionen sind es tatsächlich, die aktiv das Social Web nutzen? Inwieweit betrachten die sie das Social Web auch als Mitmach-Web? Sind sie weiterhin dem altbekannten „Sender-Empfänger-Modell” verhaftet? Sind es nur die „großen Häuser” oder sehen es auch „kleine Häuser” als attraktiv an, im Social Web präsent zu sein? Diese und andere Fragen werden im Rahmen der Studie beantwortet.

Aufgrund der Fülle von Kultureinrichtungen, die wir in Deutschland haben, musste ich vorab eine Einschränkung treffen. Meine Wahl, die vor allem persönlichen Interessen und Erfahrungen geschuldet ist, fiel auf die beiden Kategorien Museen und Orchester. Zwei Kategorien sollten es sein, um herauszufinden, inwieweit Inhalte unterschiedlich vermittelt und Kanäle „kategoriespezifisch” bevorzugt werden.

Von den rund 6.500 Museen und Ausstellungshäusern sowie 133 Kultur- und Kammerorchestern, die die Deutsche Orchestervereinigung listet, wurden schließlich 92 Museen und 21 Orchester untersucht. So viele waren es, die im Zeitraum Dezember 2009 bis Februar 2010 nach den von mir aufgestellten Kriterien einen oder mehrere Social-Media-Kanäle nutzten bzw. dort präsent waren. Das sind die Plattformen YouTube/Vimeo, Flickr, Facebook, StudiVZ, MySpace und Twitter sowie das Vorhandensein eines Blogs.

Vorgehensweise
Die Studie umfasst neben der Untersuchung der verschiedenen Kanäle und deren Nutzung auch Interviews mit Repräsentanten ausgewählter Orchester (Berliner Philharmoniker und Duisburger Philharmoniker) und Museen (Pinakotheken, NRW-Forum, Museum für Kommunikation Frankfurt sowie Städel Museum/Schirn Kunsthalle). Die Interviews fließen allerdings nicht in die Auswertung der Studie ein, sondern haben ergänzenden Charakter.

Nach einer allgemeinen Untersuchung, welche und wie viele der Kanäle genutzt werden, ging es an die Untersuchung der Kanäle selbst. Herausgekommen ist zunächst, dass Museen und Orchester lediglich ein bis zwei der Social-Media-Kanäle nutzen. Darunter ist Facebook der beliebteste Kanal ist, gefolgt von den Video-Portalen bei den Orchestern und Twitter bei den Museen.

Für jeden Kanal wurden entsprechende Kriterien aufgestellt, nach denen alle Kultureinrichtungen gleichermaßen untersucht wurden. Diese waren einmal ganz faktischer, aber auch inhaltlicher Natur. Am Beispiel YouTube sah das etwa folgendermaßen aus:

Beitrittsdatum
Frequenz des Uploads
Anzahl der Video-Aufrufe
Anzahl der Freunde
Anzahl der Abonnenten
Biografie (Profilbild, Vanity-URL, Kurzbeschreibung der Institution, Webseite etc.)
Kanalaufrufe
Upload-Aufrufe
Web-2.0-Verknüpfung zu anderen Profilen vorhanden; Wie ausgeprägt
Kommentare (Zahl und inhaltlich)
Nutzung der Videos für Medienarbeit
Embedding
Sonstiges (Sprache, Inhalt der Videos)

Die gewonnenen Erkenntnisse flossen dann in die Gesamtbewertung der Nutzung des YouTube-Kanals ein. In den Blogbeiträgen wurde nicht dezidiert auf einzelne Kriterien eingegangen, sondern eine allgemeine Beschreibung und Bewertung, mit Nennung von Positiv-Beispielen, gegeben.

Ziel der Studie
Ziel der Studie ist es zu eruieren, inwieweit Museen und Orchester die verschiedenen Möglichkeiten nutzen, um die Aufmerksamkeit für ihre Ziele und spezifischen Projekte zu steigern sowie neue Beziehungen mit ihren Dialoggruppen aufzubauen. Es wird also der Ist-Zustand von Museen und Orchestern aufgezeigt. Gleichzeitig werden auch Anregungen gegeben und Empfehlungen ausgesprochen. Die Empfehlungen richten sich sowohl an die Kultureinrichtungen, die bereits vertreten sind, als auch an diejenigen, die mit Social Media beginnen wollen.

Die Interviews mit den Direktoren/Intendanten/Marketingleitern der oben genannten Museen und Orchester geben zusätzlich einen sehr individuellen Einblick in deren Strategie und Vorgehensweise. Die Fragen waren individuell auf das jeweilige Orchester/Museum zugeschnitten und nur zwei bis drei Fragen wurden gleichermaßen an alle gestellt. So etwa die nach der Motivation, sich ins Social Web zu begeben oder der „Tipp für die Kollegen”. In vielen der sehr offen geführten Gespräche wurden einige der Fragen beantwortet, die häufig unter den Kulturbloggern diskutiert werden. So etwa: Welche Person steckt hinter den Aktivitäten, weshalb wird bei Twitter nicht zurückverfolgt, weshalb kann auf dem Blog nicht kommentiert werden? Die Kultureinrichtungen hingegen erhalten Anregungen für ihren Start ins Social Web.

Was haben Kultureinrichtungen von der Studie?
Die Studie gibt Tipps und Anregungen, andere Kultureinrichtungen können von den untersuchten Museen und Orchestern lernen, die bereits Aktiven erhalten Verbesserungsvorschläge. Dadurch, dass jeder Social-Media-Kanal gesondert berücksichtigt wird, erhalten die Kultureinrichtungen einerseits Anstöße, den eigenen Auftritt unter den beschriebenen Gesichtspunkten zu überprüfen, andrerseits auch eine Anleitung, wie der eigene Auftritt gezielter geplant werden kann.

Geben meine Analysen einen allgemeinen umfassenden Einblick in den Ist-Zustand, erhalten Kultureinrichtungen mit den Interviews zusätzlich ganz konkrete Tipps und Empfehlungen aus der Praxis. Gerade durch die Interviews wird oftmals das Handlungsmuster der Museen und Orchester deutlich.

Aufgrund der Fülle der gesammelten (teils nicht-veröffentlichten) Daten ist auch die individuelle Überprüfung eines Auftritts denkbar, um gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.

Wenn Sie bisher noch zögerlich waren, nehmen Sie sich doch die Worte von Dr. Alfred Wendel von den Duisburger Philharmonikern zu Herzen, der empfiehlt, „[...] verhältnismäßig unvoreingenommen heranzugehen. Ich habe das Social Web als eine positive Sache kennen gelernt. Es gibt ein großes Wohlwollen im Netz, das ist eine der positiven Erfahrungen, die ich gemacht habe. Wir als Orchester sind interessanter als wir glauben - das sollte man sich bewusst machen.”

Verdammt zur Brotlosigkeit? Künstler und Social Media

Sonntag, September 20th, 2009

Unter dem Titel Net Powered Artist - brotlose Kunst im Internet? hat VioWorld eine Blogparade initiiert. Es soll der Frage nachgegangen werden,

„wie Künstler (Musiker, Bildende Künstler, Autoren, etc…) das Internet für Ihre Präsentation und Vermarktung nutzen können. Im Raum steht die provokante Behauptung, dass Kunst im Netz zwar neue und spannende Erscheinungsformen - wie z.B. den Mashup - hervorbringt, aber letztenendes zur “Brotlosigkeit” verdammt ist. [...]“

Heimliches Ziel der Blogparade sei es, diese These anhand aktueller Beispiele zu widerlegen.

Ich finde gar nicht, dass die neuen Kommunikationsformen für die Künstler zur Brotlosigkeit verdammt sein müssen. Die Frage ist nur, was sie damit erreichen wollen. Der Vorteil für die Künstler liegt in erster Linie darin, Aufmerksamkeit zu generieren. Dass sich erhöhte Aufmerksamkeit langfristig gesehen auch in bare Münze auszahlt, davon bin ich überzeugt. Ich denke nicht, dass Künstler durch ihre Social-Media-Aktivitäten ihre Kunst verkaufen können, sondern dass der Dialog mit den “Onlinern” dazu führt, dass ihre Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführung etc. besucht werden. Denn damit Kunst gekauft wird, bedarf es haptischer, visueller oder auditiver Eindrücke - bei mir zumindest. Musik oder Kunst kaufe ich nicht ohne es vorab erlebt zu haben. Wenn durch die Social Media Aktivitäten mehr Leute in eine Veranstaltung kommen, haben sich die Aktivitäten doch schon gelohnt. Denn wenn Konzerte, Ausstellungen etc. immer gut besucht sind, werden auch andere Veranstalter auf die Künstler aufmerksam und werden ihnen Auftrittsmöglichkeiten geben und ein Engagement ist immer bare Münze - es muss ja nicht immer gleich der CD-Verkauf sein.

Schwierigkeiten sehe ich eher in der Umsetzung der Social-Media-Aktivitäten. Für Kultureinrichtungen wie die auf VioWorld genannten Beispiele Duisburger Philharmoniker oder die Kronberg Academy ist es einfacher zu bewerkstelligen als für einen Künstler - zumal wenn sie sich noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Kultureinrichtungen haben in der Regel eine Marketing- und PR-Abteilung die diese Aufgabe übernehmen. Künstler, die den großen Durchbruch bereits geschafft haben, können ebenfalls auf ihr Management zurückgreifen. Ein Daniel Hope lässt seine Facebook-Fan-Seite sicherlich vom Management betreuen und Hilary Hahn lässt ihr Management in Form ihres Geigenkoffers twittern - zugegebenermaßen eine sehr charmante Idee, auch wenn sie selbst keinem Menschen folgt. Junge Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen müssen diese Aufgabe selbst übernehmen und da fehlt ihnen meist die Zeit.

Wenn ich junge Musiker auf twittern und bloggen anspreche, bekomme ich häufig zur Antwort, sie würden lieber üben statt zu twittern. Wohingegen Konzerthinweisen auf Facebook - sozusagen im privaten Raum - häufig vorzufinden sind. Nur von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind sie auch immer offen, einen Beitrag fürs Blog der Kronberg Academy zu schreiben, sich interviewen zu lassen oder beim KAtalk teilzunehmen. Nur für sich selbst sehen sie diese Notwendigkeit (noch) nicht.

Auch wenn junge Musiker sich erst ganz langsam an das Thema heranwagen, sehe großes Potential. Betrachtet man die Zunahme an Twitter-Accounts und Facebook-Fan-Seiten von Künstlern und Kultureinrichtungen in den vergangenen Monaten, so sehe ich meine These bestätigt.