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Mozartfest Würzburg ¦ Mozart und Paris

Mittwoch, April 15th, 2009

Mozart und Paris - das ist das Thema unseres Mozartfestes 2009. Ich werde immer wieder gefragt, was es denn damit auf sich hat. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage nach einem Thema sowieso, denn viele große Festivals haben keines - und ein Thema macht immer unendlich viel Arbeit.

W.A. Mozart von S. Hofschlaeger pixelio.deIn Würzburg hatten wir schon Mozart in Beziehung zu London und Prag gesetzt. Nun ist die Idee Mozart in Beziehung zu einzelnen Städten zu stellen grundsätzlich gut. Man kann die Werke bringen, die Mozart in oder für diese Städte komponiert hat, man kann Künstler und Ensembles aus diesen einladen, und - noch interessanter - man kann Komponisten mit den Stücken vorstellen, die um Mozarts Zeit dort in den „Top Ten” rangierten.

Bei Mozart und Paris ist das ein wenig problematisch. Er war dreimal an der Seine, zweimal als kleines Wunderkind und dann 1777/78 noch einmal - und um diesen Aufenthalt geht es eigentlich. Da reiste er erstmals ohne den immer noch übermächtigen Vater, dafür mit der Mutter, des Französischen nicht mächtig und einem Riesenpaket an Erwartungen: Der junge Salzburger Starkomponist sollte eine Stelle am Hofe oder wenigstens bei einem Adligen erlangen, gegen Honorar Konzerte geben und komponieren und vielleicht einen Auftrag für eine große Oper mit nach Hause bringen. Doch vorher machte Mozart so ausgiebig in Mannheim Station, dass der Vater den berühmten „Fort mit dir nach Paris!”-Brief schreiben mußte, ehe der Sohn die Koffer packte.

Dort war dann eigentlich alles unerfreulich - und wir wissen dank dem intensiven Briefwechsel mit dem Vater, wie schrecklich es gewesen sein muss. Zwar war die Pariser Sinfonie ein großer Erfolg, zwar entstand das Flöten-Harfen-Konzert gegen Honorar, aber an der Oper gab es nur eine winzige Ballettmusik zu schreiben, und erst recht gab es keine Stellung als Hofcompositeur. Ein Angebot, Organist der Schlosskapelle in Versailles zu werden, lehnte er ab - viel zu wenig Gehalt. Begegnungen mit Adligen und ihren Salons waren entwürdigend, Geldsorgen plagten und dann starb auch noch am 3. Juli 1778 die Mutter.

Aber Mozart hat - wieder daheim in Salzburg - all die musikalischen Erfahrungen dieser frustrierenden Monate in eine wahre Sturzflut von neuen Werken münden lassen. So war die Weltmusikmetropole Paris für Mozart letztendlich doch noch ein Gewinn.

Beim diesjährigen Mozartfest arbeiten wir mit den genannten drei Ideen: Wir bringen alle wichtigen Werke, die durch seine Pariser Erfahrungen entstanden sind: die Ballettmusik zu „Les petites riens” (Die kleinen Nichtse …), wir laden französischen Mozartspezialisten ein und wir bringen die Komponisten, die um 1780 in Paris Furore gemacht haben - an der Oper Gluck, Cherubini, Mehul, Grétry, kammermusikalisch Gossec, Saint-George, Jadin u.a.m.

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne

Mozartfest Würzburg | Aufgehende Sterne

Mittwoch, April 8th, 2009

Letzten Mittwoch, am 1. April, wurde der Kartenvorverkauf eröffnet - und mein Traum mit dem mittelgroßen Gedrängel ist wahr geworden! Es gab schon um 9.40 Uhr eine kleine Schlange - und als sich dann pünktlich um zehn die Tür öffnete, waren alle Wartenden sehr angetan von unserem schmucken Interieur.

Nachtmusik im SchlossgartenSeit dem 1. März haben wir erstmals in der Geschichte des Mozartfestes eine hauptamtliche Geschäftsführerin - das verdanken wir unserem sehr rührigen Kulturreferenten Muchtar Al Ghusain, der sich das Fortbestehen des Mozartfestes auf hohem, höchstem Niveau schon sehr früh zur Chefsache gemacht hat. Die gelernte Hornistin Karin Rawe (das ist gut, wenn jemand von der Musik kommt!) ist nun zuständig für das gesamte organisatorische und finanzielle Umfeld des Festivals. Sie war zuletzt Orchesterdirektorin an der Staatsoper Hannover und ist damit bestens vorbereitet für ihre jetzige Aufgabe. Für mich ist das wunderbar - ich kann mich nun ganz auf die künstlerische Seite des Festes konzentrieren! Sie übernimmt die Verhandlungen über Gagen etc. und ich darf herrliche Programme entwerfen.

Im Moment fahren wir im Büro ein seltsames zweigleisiges Programm - auf der einen Seite, rückt das Mozartfest 2009 mit Riesenschritten näher, und da gibt es unendlich viel zu bedenken und zu organisieren, auf der anderen Seite ist das Festival 2010 in der spannenden Phase der Gestaltwerdung: Unsere Hauptveranstaltungen stehen samt Terminen mittlerweile fest: Thomas Hengelbrock mit vier Konzerten, das Basler Kammerorchester, Echopreis-gekrönt mit Sol Gabetta, das Mahler-Chamber-Orchester (wenn wir Glück haben) mit Janine Jansen, auf jeden Fall das BR-Symphonie-Orchester mit Andras Schiff und Il Giardino Armonico mit Giovanni Antonini, bei den Kammermusikern Christian Zacharias und Mitglieder des Alban-Berg-Quartetts, das amerikanische Wunderkind Kit Armstrong am Klavier, die Singphoniker in einem Kirchenkonzert, das Aviv-Quartett aus Israel, Herbert Rosendorfer (einer meiner Lieblingsautoren) mit einer Lesung und und und - das Mozartfest 2010 verspricht, wunderbar zu werden!

Dazu viele Kinderkonzerte, die ich allesamt selbst gestalten will, ein Familien-Nachmittag mit Mozart auf unserer Festung Marienberg, ein Tag voll Musik auf allen (oder fast allen) Plätzen in Würzburg, ein großes „Fest im Park” in unserem Hofgarten hinter der Residenz, eine neue Reihe „Aufgehende Sterne” (Elke Kuhn hat erfolgreich gegen die englischen „rising stars” und für den schöneren deutschen Titel votiert). Und demnächst mehr von Elke Kuhn …

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens


Mozartfest Würzburg ¦ “Les petits riens”

Mittwoch, April 1st, 2009

Heute ist der große Tag: Am 1. April geht der offizielle Kartenvorverkauf los, jeder kann persönlich sein Ticket für ein unvergessliches Mozartfest-Erlebnis erwerben. Mein Traum wäre ja eine kilometerlange Schlange vor unserer schmucken Immobilie, aber weil man seit ein paar Jahren auch vorher schon schriftlich bestellen kann, wird es mit der ganz langen Schlange nichts werden, ich hoffe auch mittelgroßes Gedrängel!

Zur Immobilie: Seit ich denken kann, habe ich mich über diesen meist leeren Glaskasten (ca. 100 qm groß) mitten in der Stadt in bester Lage gewundert. Als ich unseren „alten” Vorverkaufsraum mit gefühlten 10 qm besichtig habe, war mir klar: Dahin müssen wir umziehen. Jetzt ist er dank dem Sponsoring der Eigentümer-Bank, einer Inneneinrichtungs-Firma, neuem Teppichboden (fast gesponsert) und vielen Accessoires (ausgeliehen) ein richtiger toller Raum geworden. In den Fenstern hängen großformatige Fotos (gesponsert) unserer Stargäste, u. a. von den Labeques, Frank-Peter Zimmermann, Sir Neville Marriner, Arabella Steinbacher und natürlich Thomas Hengelbrock, der - seit Samstag ist es amtlich - ab 2011 neuer Chef des NDR-Symphonieorchesters in Hamburg sein wird. Wir sind alle unglaublich stolz, denn das ist eine große, ehrenvolle Aufgabe für ihn, und ich weiß, wie gerne er mit dem Orchester arbeitet.

Am Sonntag habe ich in „meiner” St. Johanniskirche zu Würzburg das wunderbare Requiem von Karl Jenkins dirigiert, in der Nacht ging es dann noch nach Wien. Treffen mit Agenten und Dirigenten in Sachen Mozartfest 2010/11 standen im Kalender und außerdem habe ich mir im Musikverein die Schlussproben zu „Il ritorno di Tobia” angehört, ein wunderbares, leider fast vergessenes Oratorium des Jubilars Joseph Haydn - am 24. Mai werde ich es selbst in Heidelberg dirigieren. Man lernt unendlich viel beim Proben-Anhören!

Am vergangenen Samstag habe ich auch endlich das Orchestermaterial zu Mozarts Ballettmusik „Les petits riens” (… die kleinen Nichtse …) fertig geschrieben, da keines erhältlich ist, ich dieses Kleinod aber gerne im diesjährigen Programm haben möchte. Das diesjährige Motto lautet doch „Mozart & Paris”. In Paris hat Mozart 1778 eher zurückhaltend komponiert - gemessen an seiner sonstigen Schreibgeschwindigkeit war das Ergebnis mit Pariser Symphonie, Flöte-Harfe-Konzert und ein paar Sonaten recht mager - aber es ist eben auch diese Ballettmusik entstanden, die man eigentlich nie im Konzert hört. Also: Wer wissen will, wie die „kleinen Nichtse” klingen: Am 19. und 20. Juni können Sie es im Kaisersaal hörend erleben! Albrecht Mayer wird übrigens auch da sein und Mozarts Oboenkonzert spielen … Und zu essen und trinken gibt’s vorher und hinterher auch! Wie in Paris!

Hier können Sie Karten bestellen

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

III-Eine kleine Nachtmusik
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters

I-Mein Mozartfest

Mozartfest Würzburg ¦ Eine kleine Nachtmusik

Mittwoch, März 25th, 2009

Seit Januar spuckt die Faxmaschine im Mozartfestbüro Kartenbestellungen fast im Minutentakt aus - ich bin stolz und glücklich! Anscheinend hat das neu gestaltete Festspielmagazin nebst frischen Ideen doch Tausende von neuen Interessenten angelockt …?! Ruhm und Ehre warten auf mein Team und mich! Vor drei Tagen dann die kalte Dusche - im Vergleich zu den Vorjahren sind bisher deutlich weniger Kartenbestellungen eingegangen!
So kann man sich täuschen. Es sind vor allem die großen Firmen, die in den letzten Jahren für ihre Kunden die Karten gleich in kleinerer bis größerer Paketstärke geordert haben und jetzt auf Sparflamme einkaufen: die Wirtschaftskrise hat da schon erste Mozartfest-Opfer gefordert.

Gartenansicht der Würzburger Residenz Foto pixelio ©WernersbacherNatürlich: die großen Symphoniekonzerte im Kaisersaal sind rappelvoll, unsere Erfindung der Doppelkonzerte wird sehr gut angenommen (um 20.30 Uhr können 300 Leute im Kaisersaal ein größeres Ensemble hören, parallel können 300 Leute im Gartensaal ein Klavierquartett hören - nach der Pause tauscht man die Säle und hat an einem Abend zwei unterschiedliche Programme genießen können). Und die Mozartnächte, in denen von halb acht Uhr abends bis fast Mitternacht in allen Räumen der Residenz Musik gemacht wird, sind ebenfalls gut gebucht. Aber es gibt so eine Art magische Zahl: 23.000 Besucher sollten es 2009 schon sein, - und weil ich neu bin in diesem Amt, erwartet man von mir, dass ich das wenigstens erreiche, wenn nicht gar toppe.

Nun habe ich eine Riesenchance: Bei zwei Nachtmusiken - open air im Hofgarten, wunderbare Atmosphäre - verkaufen wir maximal 800 Sitzplätze, damit bei Regen alle Karteninhaber in der Musikhochschule (dem Ausweichquartier) eine trockene „Kleine Nachtmusik” anhören können. Wenn das Wetter aber mitspielt, können wir ab drei Stunden vor Konzertbeginn bis zu 3.000 Promenadenplätze (Rumlaufen und/oder auf dem Rasen sitzen) zusätzlich verkaufen - das mal zwei wären im Idealfall 6.000 Besucher - das wäre natürlich super.

Obwohl ich sonst nichts davon halte (und verstehe), habe ich den Mondkalender studiert, denn meine liebe Freundin Bettina, Besitzerin eines der größten privaten Weingüter in Deutschland, hat mir versichert, dass bei zunehmendem Mond das Wetter statistisch immer viel besser ist als im abnehmenden. Die Nachtmusiken sind beide im zunehmenden Mond - na, da stehen die Chancen ja doch nicht so schlecht …

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
I-Mein Mozartfest