Posts Tagged ‘Fundraising’

Partizipation groß geschrieben: Bürger entscheiden über Spendenaufteilung

Dienstag, Oktober 20th, 2009

Als Brigitte Reiser mich gestern auf Twitter fragte, was ich von dem Projekt „Bürger entscheiden über Spendenaufteilung” halte und die ersten Zeilen ihres Blogposts, las dachte ich im ersten Moment „das kann’s ja wohl nicht sein”. Eine Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene wo sie die Möglichkeit haben

„über die Aufteilung einer Spende zwischen zwei gemeinnützigen Einrichtungen mitzuentscheiden, indem sie online für eine der beiden Einrichtungen stimmen.”

Die Einrichtungen ihrerseits können sich über mehrere Wochen auf einem Blog vorzustellen. Mein erster Gedanke war „wieder so eine Art Deutschland sucht die beste Einrichtung” und mein zweiter Gedanke war, dass dadurch unattraktive Einrichtungen von vornherein keine Chance haben.

Als ich dann Brigitte Reisers Argumente dafür las und mehr noch, als ich mir das die Projektbeschreibung von BÜRGERwirken sowie das entsprechende Blog der  näher ansah schwand meine Voreingenommenheit. Im Gegenteil - mir gefällt die Aktion. Bei den beiden Organisationen handelt es sich nämlich um zwei Organisation aus dem Kulturbereich, die sich für mich auf Augenhöhe befinden: Der Förderverein Welttheater und Kunterbunt e. V. aus Schwerte. Beide Organisation haben sich in einem Videobeitrag vorgestellt und können nun auf dem Projektblog für sich werben. Werben dahingehend, dass sie für sich und ihre Arbeit Leute begeistern. Sie haben die Chance ihre Vereine einem breiteren Publikum vorzustellen und das auch noch über einen längeren Zeitraum. Und unter diesem Aspekt, dass jede Organisation nicht nur ihre Mitglieder, sondern auch die Bürger der Stadt begeistert und mobilisiert, für sie zu stimmen, ist das doch eine tolle Sache. Und am Ende wird die ausgeschriebene Spende prozentual verteilt.

Für den Spender ist solch eine Spendenaufteilung doch auch eine feine Sache. Erstens muss er sich selbst nicht auf eine Organisation festlegen und zweitens ist er in (fast) aller Munde.

Beide Organisationen können durch so eine Aktion nur gewinnen, finde ich.

(Nachtrag Diesntagabend: Kulturmanger hat heute ebenfalls einen Blogbeitrag zu dem Thema veröffentlicht)

2000 mal 30 – Young Euro Classic braucht Unterstützung

Montag, Juni 22nd, 2009

Young Euro ClassicSeit 10 Jahren findet alljährlich im August das Young Euro Classic Festival statt, das sich mittlerweile zu einem Spitzentreffen der besten Jugendorchester entwickelt hat. Doch ausgerechnet zum zehnjährigen Jubiläum sind dem Festival Sponsoren abgesprungen. Um die finanziellen Einbußen auszugleichen, setzt das Festival nun verstärkt auf bürgerschaftliches Engagement.

Mit der Kampagne 2000 mal 30. Young Euro Classic braucht Sie persönlich! sucht das Festival 2000 Musikfreunde, die jeweils 30 Euro spenden.

„Wir möchten Sie bitten, einer dieser 2000 Menschen zu sein UND, und das ist die eigentliche Herausforderung: einen Ihrer Freunde für eine solche Spende zu gewinnen. Der dann selbst auch wieder einen Freund gewinnt und dazu beiträgt, die „2000″ voll zu machen …”

Es geht darum, eine Lawine loszutreten. Durch die Weitergabe der Information ist ein erster Schritt gemacht. Ich habe übrigens von der Aktion über Twitter und über das Blog VioWorld und das Kulturmanagement Blog erfahren. Jetzt geht es darum, dran zu bleiben, damit die benötigten 60.000 Euro zusammenkommen.

Wenn Sie das Festival unterstützen wollen, dann beteiligen Sie sich mit 30 Euro, finden Sie weitere Spender und geben Sie die Information weiter, damit Young Euro Classic im Sommer (vom 7. bis 23. August 2009) seinen zehnjährigen Geburtstag feiern kann.

Weitere Infos zum Festival und zur Spendenkampagne gibt es hier.

NPO Blogparade: Anmerkungen zum Online-Fundraising

Freitag, Januar 30th, 2009

In der aktuellen NPO-Blogparade hat Christian Henner-Fehr auf seinem Kulturmanagement Blog die Frage aufgeworfen

Was können oder müssen wir als NPO tun, um das Online-Fundraising bei uns voranzutreiben?”

Meiner Meinung nach muss als erster Schritt das Thema Web 2.0 und Social Networks noch stärker ins Bewusstsein sowohl der Fundraiser als auch der „potentiellen Geldgeber” gerückt werden und eine Akzeptanz über deren Möglichkeiten erreicht werden. Und da bedarf es offline noch vieler Gespräche und teils Überzeugungsarbeit.

In Gesprächen mit Fundraisern oder Leuten, die sich intensiv dafür einsetzen, Gelder und Spenden für Projekte und Institutionen einzuwerben hat sich für mich heraus kristallisiert, dass sie sich selbst kaum mit den neuen Medien und den neuen Kommunikationsmöglichkeiten auseinandergesetzt haben, ihnen teilweise sogar sehr ablehnend gegenüberstehen. Schaut man sich die Interviews an, die Karin Janner auf ihrem Blog Kulturmarketing geführt hat, wird einem schnell klar, dass diesbezüglich - mit wenigen Ausnahmen - großer Nachholbedarf besteht.

Meiner Meinung nach hat es Online-Fundraising aus zwei Gründen schwer

1. Fehlendes Wissen um die Möglichkeiten von Web 2.0 und Social Networks

Die Fundraiser sind selbst noch nicht mit den Möglichkeiten, die ihnen Web 2.0 und Social Networks vertraut. Ergo setzen sie es auch nicht fürs Online-Fundraising ein. Gleichzeitig ist ihre Zielgruppe dort ebenso wenig zuhause. Das Internet nutzen sie lediglich, um zu recherchieren.

2. Persönliche Beziehung sind eine Grundvoraussetzung

Bei der Summe welche die Fundraiser einwerben, setzen die mir bekannten bevorzugt auf persönliche Gespräche und persönliche Beziehungen. Man kennt sich, man trifft sich bei diversen Veranstaltungen und Abendessen, wird zu sozialen Zirkeln eingeladen, um sein Projekt vorzustellen, spricht in entspannter Atmosphäre über Projekte und Engagements, oder kennt jemanden, der als Türöffner fungiert. Es herrscht ein sehr persönliches Netzwerk, das gepflegt wird.

Der persönliche Kontakt und die Mund-zu-Mund-Propaganda sind ein nicht zu unterschätzender Aspekt zum Einwerben von Spenden. Welcher Institution spende ich? Na der, deren Veranstaltungen mir am besten gefallen und dessen Team mich auch am meisten begeistert. Nimmt mich eine Institution als „Spender” ernst und schätzt meine Unterstützung werde ich dies sicherlich weiterhin tun.

Meine Schlussfolgerung

Da das Spenden äußerst emotional motiviert ist und weil „Menschen Geld für Menschen geben und nicht für Dinge” muss Online-Fundraising „offline” beginnen. Nur wenn in der realen Welt eine Beziehung aufgebaut wurde, kann diese Beziehung auch in Online-Netzwerken gepflegt werden und ein Austausch stattfinden. Erst wenn Online-Marketing in der „Breite” der Bevölkerung angekommen ist, hat Online-Fundraising eine reale Chance. Das heißt, es muss per se noch viel “Überzeugungsarbeit” geleistet werden. Die NPOs müssen zunächst  mittels ihrer Web 2.0-Aktivitäten von sich Reden machen, ehe überhaupt an Online-Fundraising zu denken ist.