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Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ (10) Die untersuchten Museen und Orchester

Donnerstag, August 5th, 2010

Hier ist sie: Die Auflistung aller, der von mir im Rahmen der Studie untersuchten, Museen und Orchester. Am Ende waren es 90 Museen und 21 Orchester.

Kriterien
Kriterien für die Aufnahme in die Untersuchung selbst, wurden bereits hier beschrieben. Zur Untersuchung, wie die Kultureinrichtungen sich auf den einzelnen Plattformen präsentieren, diese nutzen und wie der Dialog aussieht, wurden plattformspezifische Kriterien aufgestellt. Anhand dieser Kriterien wurden alle Museen und Orchester bewertet.

YouTube/Vimeo
Biografie (Profilbild, Vanity-URL, Kurzbeschreibung der Institution, Webseite etc.); Beitrittsdatum; Frequenz des Uploads; Anzahl der Video-Aufrufe; Anzahl der Freunde; Anzahl der Abonnenten; Kanalaufrufe; Upload-Aufrufe; Web-2.0-Verknüpfung zu anderen Profilen vorhanden; Kommentare (Zahl und inhaltlich); Nutzung der Videos für Medienarbeit; Embedding; Sprache; Inhalt der Videos.

Flickr
Profil (Beschreibung, Profilbild, Vanity URL, Verlinkung zu anderen Social-Media-Profilen); Beitritt; Empfehlungen; Anzahl Alben; Anzahl Fotos; Anzahl Fotos in einem Album; Wie oft werden Alben angesehen; Wie oft werden einzelne Fotos angesehen; letzter Upload; Wird der Inhalt der Alben beschrieben und verlinkt; Bildtitel; Bildbeschreibung; Art der Fotos; Gibt es Kommentare; Werden Tags verwendet; Werden Fotos favorisiert; Häufigkeit der Einstellung; Weiterverwendung der Bilder möglich; Gibt es Aktionen zur Einbindung der Freunde.

Blog
Besteht seit; Über das Blog (Sinn/Zweck); eigene URL; Optik/Übersichtlichkeit; Tags; Kategorien; Wie häufig werden Blogbeiträge online gestellt; Worüber wird berichtet; wer schreibt/ist AutorIn bekannt; Kommentare; Verknüpft mit andere Social-Media-Profilen; Link auf Homepage; Blogroll; Sprache.

MySpace/StudiVz
Profil (Hintergrundbild, Biografie/Vorstellung der Einrichtung, URL); Anzahl Freunde; Häufigkeit der Postings, Wann war das letzte Posting; Art der Postings; Gibt es Kommentare; Verknüpfung mit anderen Social-Media-2.0-Profilen, Sprache.

Facebook
Profil (Profilbild, Biografie/Vorstellung der Einrichtung, Links) Einbindung Fotos; Einbindung Videos; Gibt es „Lieblingsseiten”; Häufigkeit der Postings; Art der Postings; durchschnittliche Anzahl „Gefällt mir”; durchschnittliche Anzahl der Kommentare; Reagieren seitens Fanseiten-Admin; Einbeziehung der Fans/Events für Fans; Verknüpfung mit anderen Social-Media-Profilen; Anzahl Fans; Vanity-URL; Sonstiges (was positiv wie negativ aufgefallen ist); Sprache.

Twitter
Profil (Hintergrundbild, Avatar, Beschreibung, Links); Anzahl der Follower; Anzahl Following; Twitterer bekannt; Wie oft gelistet; Anzahl Tweets insgesamt; Wann war der letzte Tweet; Anzahl Tweets/Tag; durchschnittliche Anzahl Tweets/Woche; Inhalt der Tweets; Werden Retweets und @-Replies gemacht, wenn ja, welche Inhalte; wie sieht die Interaktion aus; Benutzung von Hashtags; Sprache.

Die Auswertung der jeweiligen Profile finden sich verallgemeinert in den jeweiligen Blogposts.

Teil 1 - Einleitung
Teil 2 - Allgemeine Beobachtungen
Teil 3 - Beliebteste Kanäle
Interview: Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf
Teil 4 - Potential von Videoportalen nicht ausgeschöpft
Teil 5 - Flickr ganz unten auf der Beliebtheitsskala
Interview: Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Teil 6:  Es wird selten gebloggt
Interview: Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Interview: Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Teil 7: Facebook ist der beliebteste Kanal
Interview: Max Hollein, Städel, Schirn und Liebieghaus
Interview: Prof. Dr. Klaus Schrenk, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Teil 8: Geringe Akzeptanz von MySpace und StudiVZ
Teil 9: Jede Woche ein Tweet

Social Media Release oder einfach nur Kulturnews

Mittwoch, August 4th, 2010

u.s.k.'s KulturnewsDas Thema ist nicht neu - bereits vor drei, vier Jahren gab es einen Hype um Social Media Releases, ausgelöst durch einen Artikel eines bloggenden Journalist namens Tom Foremski mit dem Titel „Die! Press release! Die! Die! Die!”. Mittlerweile ist es ruhiger um dieses Thema geworden, sieht man mal von einigen Emails ab, in denen mir Dienstleister das Angebot machen, Social-Media-Releases für mich zu verbreiten und auf  entsprechenden Templates einzustellen.

Christian Henner-Fehr hat nun kürzlich das Thema wieder aufgegriffen und am Beispiel des Musikers Daniel Walcher vorgestellt, wie solch ein Social-Media-Template aussehen kann. Sieht schick aus und beinhaltet wirklich viele Zusatzinfos und Social-Media-Profile. Dennoch bin ich - wie auch bei den kostenlosen Online-Presse-Portalen - skeptisch. Journalisten werde ich in beiden Fällen damit nicht erreichen. Ich habe dazu bei ein paar Journalisten nachgefragt. Ergebnis: Social-Media-Templates schauen sie sich gar nicht an, ebenso wenig die kostenlosen Online-Presse-Portale. Kostenpflichtige Presseportale wie news aktuell schon eher.

Nutzt man nun also Social-Media-Templates oder kostenlose Online-Portale muss man sich im Klaren sein, dass man festangestellte Journalisten nicht erreicht. Zu den für meine Kunden entscheidenden Journalisten habe ich allerdings eh den persönlichen Kontakt und spreche sie auch individuell an. Insofern dienen mir diese Portale und Templates nur dazu, um Blogger, evtl. auch freie Journalisten, die auf der Suche nach einem Thema sind, oder andere generell am Thema Interessierte zu erreichen. Und sie sind natürlich für die Online-Reputation und die generelle Sichtbarkeit im Netz wichtig.

Wie es in den Kommentaren bei Christians Blogpost schon anklang, denke ich, dass ein eigenes Posterous für Medienmeldungen eine sinnvolle Variante ist, das dann als Feed im Social Media Newsroom einfließt. Gut, ich muss sie selbst verbreiten, nur - wenn es interessante Meldungen sind, werden sie durch „Retweets” und „Teilen” auch ihren Weg durchs Netz finden. Ich habe hiefür die Seite Kulturnews aufgesetzt, die es mir jetzt auch ermöglicht, die Medieninfos in meinen  Social Media Newsroom zu integrieren. Einen entsprechenden Twitter-Account hatte ich bereits, um die Meldungen auch über Twitter zu verbreiten. Ich mache da auch ein klare Trennung. Die Medieninformationen werde ich nur in Ausnahmefällen über meinen persönlichen Twitter-Account tweeten. Denn ich will meine Follower nicht mit Medieninfos zu spamen.

Wir plädieren im Ganzen für einen Blickwechsel ¦ Interview mit Johannes Reiss, Österreichisches Jüdisches Museum

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Mit dem Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt und seinem Direktor Johannes Reiss verbindet mich eine besondere virtuelle Freundschaft. Einerseits ist er sehr rege, kommunikativ und mischt sich in die Diskussion ein, andrerseits war er jüngst Gesprächspartner bei einem von mir mitorganisierten KAtalk der Kronberg Academy und hat mir vergangene Woche ganz spontan seine Einschätzung für einen Blogpost gegeben. Also gleich mehrere Gründe, um ihn nach den Social-Media-Aktivitäten zu befragen.

Ulrike Schmid: Was war Ihre Motivation, sich ins Social Web zu begeben?Johannes Reiss, Direktor des Österreichischen Jüdischen Museums
Johannes Reiss:
Es bedurfte keiner eigenen Motivation: Web 2.0, Social Web usw. ist für uns so selbstverständlich wie täglich das Museum aufzusperren. Dass es doch länger gedauert hat, bis wir tatsächlich begannen, hing mit der sehr sorgfältigen Planung und Konzepterstellung zusammen.

U. S.: Seit wann ist das Österreichische Jüdische Museum im Social Web?
J. R.:
Seit 18. August 2009. Wir feiern also in wenigen Tagen unseren 1. Geburtstag. ;)

U. S.: Wie sind Sie vorgegangen?
J. R.:
Gestartet sind wir mit unserem Blog, Twitter und Delicious, seit Jänner 2010 sind wir auch auf Facebook, seit April 2010 außerdem auf YouTube. Das Blog war und ist in vielerlei Hinsicht das Herzstück unserer Online-Aktivitäten.

U. S.: Kam der Anstoß von innen oder wurden Sie extern von einer Agentur/einer Social-Media-Beratung unterstützt?
J. R.:
Wir haben das Glück, die Agentur und Social-Media-Beratung quasi (nämlich: selbstverständlich unbezahlt) im eigenen Haus zu haben – gemeint ist: Meinereiner hat eine kleine Agentur und damit war es schon 2005 möglich, zu den Preisträgern des Wettbewerbs um die begehrte BIENE zu gehören. http://ojm.at/biene

U. S.: Viele Kultureinrichtungen klagen, dass mangelnde Zeit und fehlende Finanzen der Grund dafür seien, weshalb Sie zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von Social Media geht. Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
J. R.:
Das ist ein Thema, das nicht in wenigen Sätzen abzuhandeln ist. Daher nur sehr grob:
Wasser auf die Mühlen unseres Hauses, denn wir sind gerade mal zwei vollbeschäftigte MitarbeiterInnen (mich eingeschlossen) und insgesamt maximal 5. Aber wenn die Onlineaktivitäten nicht als „neumodisches“ Beiwerk betrachtet werden, sondern fest in den Arbeitsablauf integriert sind, ist eine solide Web 2.0- und Social-Media-Aktivität weniger eine Frage fehlender Finanzen oder mangelnder Zeit, sondern definitiv eine Frage der Motivation aller MitarbeiterInnen sowie des Gesamt-Arbeits- und Zeitmanagements.

U. S.: Wie wird Ihr Blog Koschere Melange angenommen?
J. R.:
Es fehlten (und fehlen weitgehend noch immer) Vergleichsparameter, also andere jüdische Museen und deren Erfahrungen; wir waren im deutschsprachigen Raum die ersten, die als jüdisches Museum diesen Schritt wagten.
Wir evaluieren Statistiken keineswegs täglich, unter’m Strich muss der Trend stimmen. Und dass dieser Trend stimmt, zeigen 210 Blogposts und 745 Kommentare im Blog, knapp 2000 Facebook-Fans und rund 1000 Twitter-Follower (Stand nach genau 11 Monaten, 21.7.10).

U. S.: Manche Kultureinrichtungen haben Angst vor sehr kritischen Kommentaren. Wie lösen Sie das?
J. R.:
Wenn ich Angst vor kritischen Kommentaren habe, muss ich im Schneckenhäuschen bleiben und hoffen, dass mich niemand sieht und liest. Ich weiß um diese Angst mancher Einrichtungen, kann sie aber nicht nachvollziehen. Wie soll ein fruchtbarer Dialog, wie soll Kommunikation möglich sein, wenn ich mich davor fürchte, dass jemand nicht meiner Meinung ist?

Etwas anderes sind bei uns insbesondere mögliche antijüdische und/oder antisemitische Kommentare. Das lösen wir zum einen technisch, indem wir den jeweils ersten Kommentar eines Users freischalten, und zum anderen manuell, indem wir nahezu 24 Stunden täglich die Kommentare observieren.

U. S.: Gibt es bei Ihnen eine Social-Media-Guideline?
J. R.:
Selbstverständlich gibt es diese und sie bietet, trotz aller Akribie, noch ausreichend kreativen Spielraum. So gilt etwa: Das Weblog ist jener Ort, der sich am ehesten unmittelbar auf die Arbeit unseres Museums und die Region bezieht, und das in Gestalt von nicht zu kurzen und fundiert recherchierten Artikeln; Facebook verwenden wir tendenziell wie andere Schnipselblogs („Posterous“); und Twitter ist für uns am ehesten ein „Jüdische News“-Verteiler.

Grundsätzlich aber gilt für alle Kanäle: Ziel ist nicht, ausschließlich oder auch nur vorrangig die hauseigenen Veranstaltungen zu promoten, denn dafür bräuchten wir bekanntlich nicht verschiedene Kanäle, sondern Ziel ist der breit angelegte Dialog mit Lesern, Fans und Followern.

U. S.: Sie sind ein sehr kommunikatives Museum, das den Dialog mit den Fans und Followern sucht. Wie gehen Sie dabei vor? Welche Unterschiede gibt es in der Konversation innerhalb der verschiedenen Kanäle?
J. R.:
Siehe die voranstehende Antwort.

Im Rückblick würden wir allerdings die Facebook-Aktivitäten vorziehen bzw. von Anfang an einbinden, denn es zeigt sich deutlich, dass wir über Facebook wesentlich mehr (potentiell) interessierte Menschen aus der Region erreichen (die weit stärker eben auf Facebook als z.B. auf Twitter vertreten sind); auf Twitter wiederum pflegen wir stärker internationale Kontakte.

Dazu noch eine Bemerkung: Es ist keineswegs so, wie manchmal angenommen wird, dass vornehmlich junges Publikum unsere Hauptadressaten sind. Und auch die Statistiken belegen ganz eindeutig, dass sich jüngere und ältere User die Waage halten, dass aber insbesondere unter den Aktiven die Mehrzahl nicht in die Alterskategorie <25 fallen.

U. S.: Stichwort Content Syndication. Inwieweit findet eine Verknüpfung von klassischer PR und Social Media statt?
J. R.:
Natürlich ergänzen die Web 2.0- und Social-Media-Aktivitäten auch die klassische (v.a. Print-)PR des Museums – z. B. wird auf Veranstaltungen, zusätzlich zu konventionellen Kanälen (Plakat, Flyer etc.), auch im Blog, auf Facebook und Twitter hingewiesen und auf deren Ressourcen zugegriffen, z. B. die Möglichkeit zur interaktiven Anmeldung zu Veranstaltungen auf Facebook.

Auch hier gilt aber klar: Primäres Ziel der Aktivitäten ist nicht Eigen- bzw. Veranstaltungswerbung, sondern die Vorstellung der eigenen Arbeit und der Dialog mit allen Interessierten.

U. S.: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten?
J. R.:
Nochmals zusammenfassend:

a) die Online-Umsetzung unserer ureigensten Aufgabe, nämlich: über das Judentum (sprich: nicht nur über unser Museum) zu informieren
b) die Arbeit unseres Museums vorzustellen
c) die Chance einer sehr breiten Kommunikation und eines sehr breiten Diskurses über a. und b. wahrzunehmen

U. S.: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen?
J. R.:
Jedenfalls nicht durch tägliche Statistikevaluationen. ;) Vielmehr gilt: Wenn unser Kommunikationsangebot angenommen wird (Kommentare, „Like it’s“, Retweets etc.), ist die Maßnahme erfolgreich – und wir sind glücklich.;)

U. S.: Wird es Neuerungen/Weiterentwicklungen geben?
J. R.:
Piano, piano … Natürlich wollen wir unser Angebot weiterentwickeln, aber ohne Schnellschüsse. Schließlich nehmen wir für unser Haus in Anspruch, als einziges jüdisches Museum weltweit 24/7 „geöffnet“ zu haben – und mehr als 24 Stunden hat der Tag nun mal nicht. ;-)

U. S.: Was tun Sie, um die Freunde aus dem Social Web ins Museum zu bekommen?
J. R.:
Zunächst: Darum geht es gar nicht primär, wenngleich es sicher ein schöner und anstrebenswerter Nebeneffekt ist – aber wir plädieren im Ganzen für einen Blickwechsel: Die Freunde, insbesondere die aktiven, aus dem Social Web sind ja – virtuelle – MuseumsbesucherInnen!

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden wollen?
J. R.:
Zuhören, lesen, reden, antworten, mehr Mut … ich wiederhole mich: Kommunikation ist keine Einbahnstraße!

Vielen Dank für die interessanten Einblicke.

Bisher erschienene Interviews:

Prof. Dr. Klaus Schrenk, Generaldirektor Bayerische Staatsgemäldesamlungen, München
Max Hollein, Städel Museum, Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf

Kontakte entstehen nicht durch statische Webseiten

Donnerstag, Juli 22nd, 2010

Screenshot Homepage MdBK Leipzig

Im Rahmen meiner Studie hatte ich nicht nur nachgesehen, ob die Social-Media-Profile untereinander verknüpft sind, sondern auch inwieweit auf der Internetseite oder in Newslettern auf die Profile hingewiesen wird.

Ist schon die Vernetzung der einzelnen Online-Profile untereinander ausbaufähig (siehe entsprechend Blogposts etwa hier und hier), ist es bei der Einbindung der Icons in die Internetseite und Newsletter - gar nicht zu sprechen von den Printprodukten - erst recht ausbaufähig.

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute Nachricht - die Zahl derer, die ihre Profile auf den Homepages angeben nimmt zu. Waren es im Februar lediglich rund 31 % der Museen und 43 % der Orchester, die auf ihrer Homepage auf ihre Social-Media-Profile hingewiesen haben, sind es jetzt im Juli schon 47 % der Museen respektive 67 % der Orchester. Inwieweit die Profile auch in Newslettern angekündigt werden, kann ich nicht beurteilen, da ich nur von den wenigsten Newsletter abonniert habe. Ich vermute, dass die Tendenz hier ähnlich aussieht, wie bei der Einbindung auf der Homepage.

Dennoch: Der Verweis auf die Social-Media-Profile bei Printprodukten (Flyer, Anzeigen, Broschuren etc.) geht hingegen gegen Null. Ich bin mir nicht sicher, ob einfach keiner an die Verlinkung gedacht hat oder ob schlichtweg die Parallelwelten - hier klassisches Marketing, dort neue Medien - aufrechterhalten werden sollen. Möglicherweise liegt ja auch die Annahme zugrunde, dass Newsletter-Abonnenten oder Homepage-Besucher sich eh nicht für die neuen Medien interessieren und man sie auch nicht überfordern will. Vergessen wird dabei, dass man natürlich einerseits dadurch Interesse und Neugierde an Social Media weckt und dass sich gerade unter den Facebook-Nutzern immer mehr ältere Menschen befinden.

Außerdem ist eine vertane Chance, aus den Abonnenten oder Homepage-Besuchern Fürsprecher zu machen, indem eine Institution als Dialogpartner auftritt und wertvolles Feedback erhält. Und nicht zu vergessen: „Fans wissen mehr” (so der Slogan des Museums für Bildende Künste Leipzig) und sie multiplizieren dieses Wissen sogar im Netz.

Eine der wenigen Institutionen, für die die Verknüpfung aller Kommunikationsinstrumente selbstverständlich ist, ist das Österreichische Jüdische Museum in Eisenstadt. Der Direktor Johannes Reiss begründet dies folgendermaßen:

„Das hat zum einen sehr pragmatische Gründe: Wenn BesucherInnen unser Museum besuchen und sich diese Flyer, Prospekte etc. mitnehmen, haben sie so die Chance, mit uns in Kontakt zu bleiben, auch wenn sie wieder zu Hause sind, evtl. die eine oder andere Frage zu stellen, aber auch - umgekehrt - uns etwa Hilfe in Spezialfragen zu geben. Es gibt kaum Befriedigenderes, als wenn aus einem (kurzen) Museumsbesuch ein nachhaltiger Kontakt entsteht! Und diese Kontakte können nicht durch statische Webseiten entstehen und wachsen.

Oder mit anderen Worten: Web und insbesondere Web 2.0 und Social-Media-Dienste waren und sind für uns keine zusätzlichen Angebote im Sinne eines Angebots mit anderer qualitativer Gewichtung, sondern sowohl das physische Museum (in Eisenstadt, mit Ausstellung und Synagoge) als auch unsere Onlineangebote sind substantieller Teil der musealen Gesamtidentität.”

Wäre wünschenswert, wenn in naher Zukunft viele Kultureinrichtungen diesem Beispiel folgen würden.