Posts Tagged ‘Kulturkommunikation’

Freu(nd)e schenken

Montag, Dezember 21st, 2009

Es gibt kaum eine Kultureinrichtung, die es vor Weihnachten versäumt, darauf hinzuweisen, dass Kataloge, Bücher etc. aus ihrem Museums-Shop oder auch eine Mitgliedschaft im Freundeskreis das ideale Weihnachtsgeschenk wären. Meist werden sie in Schriftform im jeweiligen Newsletter angeboten. Dass es auch anders - kreativer und emotionaler - geht, hat die Junge Deutsche Philharmonie in ihrem Newsletter bewiesen. Ich schätze diesen Newsletter schon per se, weil er gut gemacht ist und meist auch ein Video enthält. Im aktuellen Newsletter werben Sie denn auch für ihren Freundeskreis per Video. Die Junge Deutsche Philharmonie hat hierfür einerseits bestehenden Freunde für sich sprechen lassen und auch einen Einblick dessen vermittelt, was einen als Freund oder Freundin erwartet. So etwa “Musiker zum Anfassen” und Proben mitzuerleben - wenn’s dann auch noch Friedrich Guldas Konzert für “Cello und Blasmusik” ist …

Wer meine Blogbeiträge schon länger verfolgt, weiß, dass ich eine große Befürworterin vom Einsatz der Bewegtbildkommunikation bei Kultureinrichtungen bin und schon öfter darüber geschrieben habe (etwa hier und hier). Insofern hat bei mir hat diese Ansprache auch gleich dazu geführt, dass ich auf den „Freunde-Button” geklickt habe. Ein fantastisches Video - Mein Kompliment!

Damit verabschiede ich mich in die Weihnachtspause, wünsche allen Leserinnen und Lesern schöne Weihnachtstage und alles Gute fürs neue Jahr!

Kulturbetriebe und Web 2.0 – Teil 2 ¦ Der Einrichtung ein Gesicht geben

Montag, Oktober 19th, 2009

Der Einrichtung ein Gesicht geben ist eines der Schlagworte, die im Zusammenhang mit Web 2.0 zu hören sind. Ganz wörtlich genommen meine ich damit: Bei wie vielen Kultureinrichtungen, die twittern oder auch eine Facebook-Fanseite haben, wissen Sie tatsächlich mit wem Sie sich austauschen?

Das führt dann zwangsläufig zu der Frage: Soll eine Kultureinrichtung als solche (und dann eher anonym) oder besser eine Person twittern? Eine allgemeingültige Antwort dürfte es wohl kaum geben.

Ich gehöre zu denjenigen, die gerne wissen, mit wem sie sich austauschen. Dabei stört es mich auch keineswegs, wenn dass Profilfoto dem Logo der Kultureinrichtung entspricht und die Einrichtung als solche twittert. Dennoch möchte ich gerne wissen, welche Person und welches Gesicht hinter den Tweets steckt. Ein Hinweis in der Profilbeschreibung wäre der erste Schritt. Noch besser fände ich es, wenn die Personen sich „auch mal zeigt”, sei es mittels eines über Twitpic hochgeladenen Fotos oder im Hintergrundbild. Füllen mehrere Mitarbeiter den Twitter-Channel mit Inhalten können alle Beiträge mit Kürzeln versehen werden, die in der Profilbeschreibung aufgeschlüsselt sind. Auch eine denkbare Variante.

Eine Alternative wäre natürlich auch, auf einen personenbezogenen Kanal zu setzen. Dass eine Kultureinrichtung diese Variante nur in den seltensten Fällen wählt, kann ich gut nachvollziehen. Die Gefahr, dass bei einem Jobwechsel möglicherweise die Follower gleich mitwechseln oder dass die neue Verantwortliche mühsam die Kontakte aufbauen muss ist groß.

Für welche Variante sich eine Kultureinrichtung auch entscheidet, wichtig finde ich, dass eine Person erkennbar ist, um einen Bindung herzustellen, die Lust auf Dialog macht und der Kultureinrichtung ein Gesicht gibt.

Wie sehen Sie das? Stört es Sie, wenn Sie nicht wissen, mit  wem Sie es zu tun haben?

Kulturbetriebe und Web 2.0 ¦ Teil 1: Informieren Sie noch oder kommunizieren Sie bereits?

Donnerstag, Oktober 15th, 2009

Immer mehr deutsche Kultureinrichtungen nutzen Social Media für ihre Kommunikation. Die Twitter-Accounts haben explosionsartig zugenommen, keine größere Kultureinrichtung kommt mehr ohne einen aus. Ebenso verhält es sich mit einer eigenen Fanseite oder Gruppen bei Facebook. Auch Accounts bei Flickr und You Tube sind fast selbstverständlich geworden. Soweit so gut. Dies alles ist ja sehr erfreulich und zeigt, dass viele Kultureinrichtungen die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Bei all dem Hype den Social Media zurzeit bei Kultureinrichtungen erfahren, sind mir  einige Aspekte aufgefallen, die so gar nicht Web 2.0-mäßig anmuten. Ursprünglich wollte ich nur auf den mangelnden Dialog eingehen Doch beim Schreiben dieses Beitrags sind mir noch einige weitere Punkte gekommen, sodass es jetzt eine kleine Serie geben wird. Auf den elementarsten und offensichtlichsten komme ich heute zu sprechen: Dialog/Interaktion

Mittlerweile nutzt jede größerer Kultureinrichtung, die etwas auf sich hält und am Puls der Zeit sein will Social Media. Von wenigen Ausnahmen abgesehen dient ihnen Twitter und auch Facebook nur dazu, Veranstaltungen anzukündigen. Ein Austausch findet so gut wie gar nicht statt. Die neuen Medien werden genutzt um in den althergebrachten Strukturen zu arbeiten, also reine Informationen (Veranstaltungshinweise) zu geben. Die Weitergabe von Wissen geschweige denn, dass auch mal zugehört wird und Wünsche aus der Online Community angenommen werden, findet nicht statt. Diese reinen Ankündigungen machen es anders herum auch den Followern schwer, zu reagieren. Was soll ich zu einem Konzerthinweis schon groß antworten?

Als einfachste und auch unterste Stufe einer Interaktion - will man eine Skala für Interaktion festlegen - zähle ich einen Retweet. Eine Kultureinrichtung würde bei mir damit schon punkten, weil sie mir damit zeigt, dass sie auch Themen, die nicht nur sie angeht, empfiehlt. Diese Erfahrung habe ich bisher allerdings nur mit englischen oder amerikanischen Einrichtungen gemacht.

Ich frage mich: Liegt es nur am Zeitmangel, ist es Desinteresse oder ist in den Köpfen der Verantwortlichen einfach noch angekommen, dass das Schlagwort „Dialog” mehr ist als ein Schlagwort - nämlich zuhören und sich in Diskussionen einzubringen. Bin ich nur wieder einmal zu ungeduldig und die Kulturinstitutionen benötigen einfach noch mehr Zeit?

Meine These ist ja, dass die die Social-Media-Aktivitäten von der PR-Abteilung gemacht werden - und das sicherlich auch zu Recht. Ich glaube nur, dass die wenigsten loslassen können und eher Sorge haben, sie könnten die Kontrolle verlieren. Die Gefahr „etwas Falsches” zu twittern ist natürlich bei Tweets, die nicht auf eine Veranstaltung verweisen viel größer.

Christian Henner-Fehr hat in seinem Blogbeitrag “Web 2.0 ist auch eine Frage der Haltung” kürzlich empfohlen, die Kultureinrichtungen sollten beginnen zu moderieren.

„Versuchen Sie doch mal, sich nicht nur als Sprachrohr Ihrer Kultureinrichtung zu verstehen, sondern schlüpfen Sie mal ganz bewusst in die Rolle eines Moderators, wenn Sie das nächste Mal twittern oder Ihre Facebook-Seite bzw. Ihr Blog mit Inhalten füllen.”

Und weiter

„Aus dem Ansatz „ich möchte meine Info loswerden” wird z. B. plötzlich „ich bin gespannt, worüber wir heute twittern werden”.

Eine schöne Vorstellung, die allerdings auch bedeutet, dass der/die Verantwortliche den ganzen Tag über die Twitterstreams der Follower verfolgt - und ich habe meine Zweifel, dass dem so ist.

Mozartfest Würzburg ¦ Mozarts Zauberkiste

Mittwoch, Mai 27th, 2009

Immer mittwochs schreibt hier der künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg.

Nur noch zwei Tage - dann ist es soweit!  Seltsam: Jetzt wo das Fest direkt vor der Tür steht und dann in einem wahren Dauerfeuerwerk abbrennen wird, denke ich intensiv an das Jahr 2010 und darüber hinaus. Früher gab es alle zwei Jahre einen Mozartfest-Gesangswettbewerb, Quasthoff hat hier gewonnen und viele andere heute bekannte KünstlerInnen. Der letzte fand 2006 statt, eigentlich wäre 2010 endlich wieder einer „dran gewesen”. Aber so ein Wettbewerb braucht eine gediegene Vorlaufzeit - ein Jahr ist tatsächlich zu knapp. Wir haben ihn nun definitiv auf 2011 verschoben. Das bot sich an, denn in zwei Jahren feiern wir 90 Jahre Mozartfest.

Was mir aber besonders am Herzen liegt, ist ein interessantes Kinderprogramm. Nun hat das Mozartfest immer schon etwas für Kinder übrig gehabt, auch in diesem Jahr haben wir - wenn man die zwei Picknickkonzerte dazuzählt - vier Veranstaltungen für die musikalische Zuhörer-Zukunft, einen „Musikfantasiomat” und sogar Mozarts eigene Zauberkiste. Auf dem Markt der freien Ensembles gibt es viele Angebote für Kinderkonzerte, die als fertiges Paket angeboten werden. Man kann sich über die Publikums-Resonanz dieser Events in der Vergangenheit informieren, meist vorher eine DVD des Projektes anschauen und kriegt oft ein richtig gutes und pädagogisch sinnvolles Kinderprogramm.

Aber - es ist halt nichts Eigenes. Nun habe ich durch sieben Jahre Kinderkonzerte in der Alten Oper Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Museums-Orchester einen gewissen Stolz entwickelt, nach dem Motto: Das können wir selber. Und so plane ich für 2010 drei Kinderkonzerte rund um Mozarts Werke, die allerdings weniger Entertainment als Information sein werden. Trotzdem geht es immer sehr lustig zu, denn spontan fragende Kinder sind sowieso besser als jeder vorgeplante Gag. Es könnte im nächsten Jahr geben: Mozarts Figaro in einer kindgemäßen Fassung, dazu einen Nachmittag zum Genre „Streichquartett” und dann den magischen „Flötenzauber” - aber immer mit der sehr aktiven Hilfe der Kinder.

Simon Rattle hat einmal (ich glaube, es war im Zusammenhang mit „Rhyth’m it”) gesagt, für Kinder sei bei der Musik höchste Qualität gerade gut genug. Das ist rühmlich, aber in der Praxis bei sehr niedrig gehaltenen Eintrittspreisen für Familien nicht leicht umzusetzen. Umso glücklicher bin ich, dass es unter den Profimusikern doch etliche gibt, die sich da in den Dienst der Sache stellen und uns bei den Gagen enorm entgegenkommen.

Aber diese Infotainment-Geschichten, bei denen ich mir wirklich auch eine gewisse Nachhaltigkeit bei den Kindern erhoffe, sind nur ein Teil. Das andere sind so wunderbare Erfindungen wie die schon länger erprobten Picknick-Konzerte, bei unserem Würzburger Mozartfest im Rosenbach-Park, direkt neben der Residenz - einmal über die Straße. Es weht ein Hauch von „very british” und Glyndebourne über den Rasen, es gibt zu Essen und zu Trinken (auch wenn man keinen eigenen Picknick-Korb besitzt).

Aber ich möchte noch mehr: Einen Kindertag im nächsten Jahr auf der wunderbaren Festung Marienberg, die im Bewusstsein der Würzburger lang nicht so präsent ist wie die Residenz. Vielleicht werden wir in der geschichtsträchtigen Kelterhalle für die Kinder musizieren, die Kinder mit Kostüm und Schminke samt Perücke wie zu Wolferls Zeiten ausstaffieren - und (meine Lieblings-Idee): einmal mit einer originalen Kutsche übers Kopfsteinpflaster des Innenhofes fahren, damit jedes Kind den weit gereisten Wolfgang (7 Jahre alt) verstehen kann, der nach einer anstrengenden Holperfahrt geschrieben hat: „Da hat mich mein Arsch so gebrennt, dass ich es unmöglich habe aushalten können.”

von Christian Kabitz

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne

VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten

IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert