Posts Tagged ‘Kulturkommunikation’

stART.hilfe ¦ Klassik-Konzert hören - Kultur-Web-Projekt unterstützen

Dienstag, Mai 26th, 2009

Die Duisburger Philharmoniker machen mit einem weiteren web@classic-Event von sich reden. Dieses Mal bedanken sie sich bei ihren Klassik-Fans mit Karten zu beiden Aufführungen von „Ring ohne Worte”, die zu einem Sonderpreis von 5 Euro abgegeben werden. Der Erlös aus diesem Kartenverkauf wird als

„stART.hilfe einem Kunst-/Kultur-Web-Projekt zugute kommen!”

Mehrere Tage lang konnten Vorschläge eingereicht werden - jetzt stehen die Nominierten fest und bis zum 2. Juni, 12.00 Uhr kann jeder im Web abstimmen, welches Projekt die Unterstützung erhalten soll.

Die Duisburger Philharmoniker arbeiten dabei, wie auch beim letzten WEB@CLASSIC, mit UPLOAD, dem Magazin für digitales Publizieren sowie der stARTconference, die im September in der Duisburger Mercatorhalle die stART.09 - die erste Konferenz zum Thema “Kunst/Kultur und Web 2.0″ - veranstalten wird, zusammen.

Hier erfahren Sie, wer es auf die Shortlist geschafft hat und können auch direkt abstimmen. Zu Kartenbestellung geht es hier entlang.

PS Die Konzerte finden am Mittwoch und Donnerstag,  27. und 28. Mai 2009 in der Duisburger Mercatorhalle statt.

Mozartfest Würzburg ¦ Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert

Mittwoch, Mai 20th, 2009

Immer mittwochs schreibt hier der künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg

Noch neun Tage - dann geht’s los! Am 29. Mai um 20.30 Uhr hebt Neville Marriner den Taktstock, und dann weiß ich, ob sich all die Anstrengungen um die letzten Tage der Vorbereitung gelohnt haben und wir einen fantastischen Mozartfest-Auftakt haben werden. Festlich wird es auf jeden Fall werden - nach dem Konzert gibt unser Oberbürgermeister den traditionellen Empfang der Stadt Würzburg, das Fernsehen ist da und viele liebe Freunde aus der Musikszene haben ihr Kommen angekündigt; da wird es viele interessante Gespräche geben. Und endlich wieder ein Moment, wo sich der Besitz eines (eigenen) Smokings glücklich bemerkbar macht - den darf, sollte, müsste man an einem solchen Abend schon mal ausführen …

Eigentlich habe ich es persönlich gerne leger, muss aber zugeben, dass es schon einen ganz eigenen Reiz hat, wenn ein Festival sich auch dadurch schmücken darf, dass seine männliche Gäste es für Smoking-würdig halten, von langen und sehr langen Abendkleidern bei den Damen ganz zu schweigen.

Albrecht Mayer

Albrecht Mayer

Die Steigerung dieses Eröffnungskonzertes ist dann nur noch das Galakonzert, denn - wie der Name schon suggeriert - ist es da noch mal ein bisserl mehr Gala drin. Und vor allem: Es gibt etwas zu essen! Konkret läuft das bei unserem Mozartfest so ab, dass man am 19. und/oder 20. Juni sich schon um 19 Uhr bei einem Glas Winzersekt im Vestibül der Residenz einfindet und dazu einen erlesenen Vorspeisenteller genießt. Dann gibt es Albrecht Mayer, seine Oboe und die Polnische Kammerphilharmonie mit einem pausenlosen Konzert und Gossec (franz. Revolutionskomponist) und Mozart.

Es scheiden sich ja die Geister bei solchen Veranstaltungen. Dass ein ernsthafter Künstler nicht gerne Musik macht, wenn gleichzeitig gelacht, gegessen und getrunken wird, ist verständlich, obwohl dies sicher bis hin zu Mozart am Hofe und in der Oper durchaus üblich war. In Versailles waren die berühmten „concerts royaux” für die Bankette des Königs einem Couperin nicht zu schade, seine besten Suiten zu schreiben, und ob am Hofe des Kurfürsten zu Brandenburg alle nur zugehört haben, wenn Bach seine gleichnamigen Konzerte aufführte, darf man bezweifeln. Musik war dem Adel eine unverzichtbare Begleitung zum Essen, und die Qualität der Kompositionen sollte dem der Pasteten und Braten in nichts nachstehen.

Ich freue mich schon sehr aufs Galakonzert, die Stimmung in den wunderbaren Räumen der Residenz an den festlich gedeckten Tischen mit unzähligen Kerzen ist wirklich einzigartig und fast noch schöner ist der der Blick durch die großen Fenster auf den märchenhaft illuminierten Hofgarten. Bevor ich zu sehr ins Schwärmen gerate - ich muss mir unbedingt noch ein drittes Smoking-Hemd anschaffen - bei der sparsamen Beleuchtung beim Menu hat statistisch jeder dritte männliche Smokingträger um Mitternacht mindestens einen Fleck auf der Weste resp. dem Hemd …

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade

Mozartfest Würzburg ¦ Mozarts Posthorn-Serenade

Mittwoch, Mai 13th, 2009

Am vergangenen Mittwoch wurde in der Würzburger Residenz die Bayerische Landesausstellung eröffnet, mit unserem Ministerpräsident Seehofer und allem, was Rang und Namen hat. Der Kaisersaal war brechend voll und das neue Podest war erstmals mit einem großen Orchester bestückt. Dazu eine kleine Erklärung: Der Kaisersaal - übrigens eines der imposantesten Bauwerke Deutschlands mit einem gerade frisch renovierten Deckengemälde von Tiepolo (unbedingt anschauen!) - ist das Kernstück der Residenz, im ersten Stock gelegen, über den so genannten Weißen Saal erreichbar und einige unserer Konzerte finden hier statt.

Im Moment lerne ich gerade intensiv Mozarts Posthorn-Serenade, benannt nach einer eher kurzen Stelle in dem fast halbstündigen Werk, woselbst der 1. Hornist des Orchesters auf einem „corno di Posta” einem Posthorn blasen soll. Die Stelle gilt unter Hornisten als heikel bis unspielbar, meist bläst das der 1. Trompeter auf einem kleinen Posthörnchen. Ich liebe diese ganze Serenade unendlich. Es ist eigentlich eine komplette Sinfonie mit der Extra-Zugabe einer Concertante, einem Konzert für Solobläser und Orchester. Und - es ist von Mozart schon für eine Freiluft-Aufführung konzipiert worden, wohl für eine Universitäts-Abschlussfeier - vielleicht deshalb auch das Posthorn als Symbol für Aufbruch, Abreise, Abschied.

Paul MeyerNebenher frische ich Mozarts Klarinettenkonzert auf, das wir im selben Programm als Nachtmusik haben werden, und ich freue mich auf Paul Meyer, einen der besten Klarinettisten der Welt. Trotz seines nach Sabine klingenden Namens ist er weder mit ihr verwandt noch sonst was, er ist sogar ein Franzose, allerdings aus dem Elsass, genau genommen aus Mulhouse.

1984 hat er in New York den berühmten Young Concert Artists Wettbewerb gewonnen und hat bei den Preisträgerkonzerten den legendären Benny Goodman kennen gelernt. Dessen musikalischer Einfluss und seine Freundschaft spielen eine ganz große Rolle im Leben von Paul. Penderecki hat ein Konzert für ihn komponiert, das Paul 1987 uraufgeführt hat, überhaupt interessiert er sich intensiv für zeitgenössische Musik und hat viele Ur- und Erstaufführungen gespielt. In letzter Zeit dirigiert er auch, die Liste „seiner” Orchester ist Ehrfurcht gebietend, ich glaube, ich muss fleißig üben, damit alles perfekt klappt.

Viele Außenstehende fragen sich ja sowieso, was der Dirigent denn eigentlich macht, das Orchester kann das sicher doch ohne ihn (böse Zungen meinen: besser …). Interessanterweise stimmt das auch - teilweise: Mit einem engagiert spielenden Konzertmeister und dementsprechend positiv und kammermusikalisch denkenden Orchestermitgliedern lässt sich sicher bis zu einer bestimmten Besetzungsgröße und dem richtigen Repertoire vieles ohne Dirigent sehr gut meistern. In Russland gab es (man hat da ja in der Revolutionszeit eh solch diktatorisch auftretende Gestalten abgeschafft) von 1922 - 1932 ein veritables Orchester mit Namen Persimfans ohne Dirigenten, das sogar internationale Berühmtheit erlangte, weil es auch groß besetzte Literatur ausgezeichnet wiedergegeben hat. Darius Milhaud hat mit Persimfans musiziert und war angetan, meinte allerdings, mit Dirigent hätte man die Proben in der Hälfte der Zeit bewältigt.

Schwierig ist es immer, einen Solisten zu begleiten, gut zu begleiten. Man muss mitfühlen, voraus denken, und das Orchester immer zum Spiel im Bereich piano bis pianissimo anhalten. Das ist bei Literatur ab der Romantik schon viel schwerer, aber selbst Mozarts Klarinettenkonzert hat viele Stellen, wo die Wiedergabe zwischen gut und perfekt einen erschreckend langen Proben-Abstand hat. Mal sehen, wie das open-air im Hofgarten gelingen wird … Daumendrücken!

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen

Mozartfest Würzburg ¦ Randnotizen

Mittwoch, Mai 6th, 2009

Immer schneller rückt der 29. Mai heran - der Tag unseres Eröffnungskonzertes mit Sir Neville Marriner, dem 85-jährigen Grandsigneur unter den Dirigenten, der das Symphonie-Orchester des Bayrischen Rundfunks leiten wird. Und zunehmend intensiver wird die Vorbereitung auf all die tausend kleinen und großen Accessoires eines Festivals. „Les Siecles”, das französische Spezialorchester, möchte gerne für sein Konzert Barockpauken gestellt bekommen, aber bitte mit extradünnem Kuhfell, das Cembalo soll auf 430′ gestimmt sein, aber mitteltönig nach einem Modus, von dem ich noch nie was gehört habe, für die Mozartnacht muss der Begleitartikel für das Abendprogramm von mir geschrieben werden - wo kriege ich Literatur über Herrn Gossec her?

Kaisersaal der ResidenzLangsam wird es auch für mich persönlich spannender. Ich muss die Interviews für die Mozart-Cafés vorbereiten. Jeder meiner vier Gäste soll ja ein maßgeschneidertes Fragenpaket bekommen, dazu muss Musik ausgesucht werden, und eine Moderation beim Tee-Konzert will auch noch zu Papier gebracht werden. Zum Glück geht es um ein interessantes Kapitel der Musikgeschichte - um 1780 lebte in Paris der damals einzige farbige Komponist - Le Chevalier de Saint-George - in Guadeloupe geboren, der als Geigenvirtuose, Komponist, Dirigent, Fechter und Frauenheld Furore machte; schon bald nannte man ihn „Den schwarze Mozart”. Eines seiner zahlreichen und durchaus hörenswerten Streichquartette wird erklingen.

Unglaublich, was im auf Hochtouren laufenden Büro von Karin Rawe, Elke Kuhn und der inzwischen unentbehrlichen Praktikantin Romy Bürger geleistet wird, wie da alle logistischen Probleme aus dem Weg geräumt werden, schon bevor sie Ärger machen können. Beliebt sind die Anekdoten aus lang zurückliegenden Jahren vom vergesslichen Solisten, der erst zehn Minuten vor Auftritt feststellt, dass die Frackhose im Hotel verblieben ist …

Und weil wir schon beim Vergnüglichen sind: eine echte unsterbliche Mozartfest-Anekdote gibt es, wobei ich wirklich nicht weiß, ob sie wahr ist und die sich vor mehr als 20 Jahren zugetragen hat: Alfred Brendel erkundigt sich vor seinem Klavierabend im Kaisersaal nach den zur Verfügung stehenden Instrumenten. Man will ja als Künstler wissen, ob man es mit einem Steinway, einem Bösendorfer oder etwa nur mit einem Yamaha zu tun hat. Am Mozartfest-Telefon ist eine Praktikantin, der der Name Brendel direkt nichts sagt - kein Wunder, sie ist ja auch für das Sortieren von Karten-Bestellungen zuständig. „Liebes Kind, können Sie mir sagen, welchen Flügel Sie in der Residenz für mich haben?” fragt Brendel. „Tja, also, mhhh, da haben wir den Südflügel und den Nordflügel …”

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiter
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten