Posts Tagged ‘Kunst’

Kulturtipp ¦ Das Wesen im Ding

Freitag, Februar 5th, 2010

Meine Empfehlung in dieser Woche gilt der Ausstellung „Das Wesen im Ding”, die ab heute im Frankfurter Kunstverein zu sehen ist. Die Gruppenausstellung kreist um Fragen der Mimesis, verstanden als nachahmende Darstellung der Wirklichkeit, und spürt der Rolle nach, die sie heute in künstlerischen Produktionen einnimmt.

Gezeigt werden Arbeiten der Künstler Nina Canell, Florian Haas, Till Krause, Bettina Lauck, Yoon Jean Lee, Egill Saebjörnsson und Andreas Wegner. Sie präsentieren unterschiedliche Methoden der Suche nach dem „(lebenden) Wesen im (leblosen) Ding”. Dabei bedienen sie sich einer formal zunächst ähnlichen Sprache: Sie zeigen zumeist Serien malerischer, fotografischer oder gefilmter Abbilder profaner Dinge wie Flaschen, Gläser, Eimer aber auch von Naturgegenständen wie Steinen, Pilzen, Blumen oder Früchten.

Ein paar Eindrücke:

Mittels verschiedener Beobachtungs- und Darstellungsmethoden stellen sie Versuche an, von der Gestalt eines Gegenstands auf dessen Wesen zu schließen. Auf diese Weise bringen sie aber auch grundsätzlich Neues hervor. So befragen die Arbeiten exemplarisch eine Verfasstheit von „realer Welt” und das Verhältnis des Betrachters zu ihr. Ergänzend zu den sieben Positionen werden einige Exponate aus der Sammlung des Museum der Dinge des Berliner Werkbundarchivs gezeigt.

Die Ausstellung  ist bis 25. April zu sehen. Mehr Informationen, auch zu den Vorträgen und Künstlergesprächen, gibt es auf der Homepage des Frankfurter Kunstvereins.

Kulturtipp ¦ George Grosz. Korrekt und anarchisch

Freitag, Januar 29th, 2010

Immer freitags gibt’s hier jetzt einen Kulturtipp. Den Anfang macht die Ausstellung „George Grosz. Korrekt und anarchisch”.

George Grosz, Frau im roten Mantel. Studie aus einem Skizzenbuch, 1925, 16,3 x 10,1 cm.Akademie der Künste, Kunstsammlung. © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

George Grosz, Frau im roten Mantel. Studie aus einem Skizzenbuch, 1925, 16,3 x 10,1 cm.Akademie der Künste, Kunstsammlung. © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Die Akademie der Künste stellt ihre reichen Bestände zu George Grosz, die sie in Kunstsammlung und Archiv bewahrt - und die bisher weitgehend der Forschung vorbehalten war -  erstmals umfassend öffentlich vor.

Die Ausstellung präsentiert exemplarisch die Vielfalt des Überlieferten: Zeichnungen, Collagen, Skizzenbücher, Korrespondenz, Dokumente, Fotografien, Druckgraphiken, Sammelwerke und Zeitschriften. Erstmals stellt die Akademie nahezu alle ihre 207 Skizzenbücher aus, erstmals auch die Folge aller 23 Porträtstudien zu Max Herrmann-Neisse sowie die collagierten Postkarten, die Grosz nach 1945 seinen Freunden John Heartfield, Paul Westheim und vor allem Otto Schmalhausen geschickt hat. Neben Zeichnungen und Mappenwerken werden auch Zeitschriften aus der Zeit der Weimarer Republik einbezogen, die Zeichnungen von Grosz publizierten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Grosz’ wenig bekannten Jugendzeichnungen, die erstmals umfassend gezeigt werden können. Die Fülle der im Archiv vorhandenen Materialien gibt der Forschung noch Stoff für viele Jahre.

Bis 5. April 2010 bietet sich nun die Gelegenheit, George Grosz als genialen Zeichner, politischen Künstler und engagierten Bürger neu bzw. wieder zu entdecken.

Zur Ausstellung erscheint die Publikation „George Grosz montiert. Collagen 1917-1958″.

Berlin, Akademie der Künste. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage.

Sind Museen Influencer?

Dienstag, Januar 26th, 2010

Menschenschlangen vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin 2004

Sind Museen Influencer? Diese Frage kam kürzlich im Zusammenhang mit der von der PR-Agentur talkabout erstellten Liste „Twitternde Museen und Kultureinrichtungen” auf.

Beim Influencer Marketing werden Kunden in ihrer Kaufentscheidung von einer Person beeinflusst, die entweder ein Experte oder ein Multiplikator ist.

Dass ein Museum nur in den seltensten Fällen eine konkrete Kunst-Kauf-Entscheidung beeinflusst, dürfte klar sein. Doch wenn der Begriff „Influencer” weiter gefasst wird im Sinne einer Beeinflussung im weitesten Sinne (auch eine Kaufentscheidung im Allgemeinen zu treffen), sehe ich Museen sehr wohl als Influencer.

Museen sind Influencer in vielerlei Hinsicht. Einige Aspekte habe ich zusammengestellt und hatte v.a. die Kunstmuseen im Hinterkopf.

1 Museen als Wertsteigerung für Kunst
Lange Zeit galt, dass Kunstwerke eine Wertsteigerung erfahren, wenn sie erst einmal in einem Museum ausgestellt wurden. Wenn auch die Bedeutung diesbezüglich nachlässt - die eine oder andere Arbeit eines Künstlers erfährt dennoch eine Wertsteigerung. Oder meinen Sie nicht auch, dass Damian Hirsts „Totenschädel” jetzt, da ihn diverse Museen ausstellen wollen, nicht noch weiter im Wert steigt?

2 Museen als Tourismus-und Wirtschaftsfaktor
Wer erinnert sich nicht an die langen Schlagen vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin anno 2004 als „Das MOMA in Berlin” zu Gast war. Museen/Ausstellungen beeinflussen Menschen dahingehend, dass sie Städte besuchen. Die Ausstellung “Das Moma in Berlin” ist hier sicherlich das prominentestes Beispiel. Kulturtourismus gibt es auch zu anderen Museen und Städten - wie aktuell nach Frankfurt zur Botticelli- und zu Monet-Ausstellung nach Wuppertal.

Airlines, die Deutsche Bahn und die Mineralölindustrie verdienen genauso an den reisefreudigen Kunsttouristen wie auch die Gastronomie und diverse Geschäfte.

3 Museen tragen zur Wertsteigerung eines Grundstücks bei
Immer häufiger hört man, dass Museen bewusst angesiedelt werden, um bei umliegenden Grundstücken eine Wertsteigerung zu erzielen. [Quelle: Chris Dercon in: Holger Liebs, Die Kunst das Geld und die Krise]

4 Museen „machen” Kunst
Chu Yun im Portikus Frankfurt Erst die Tatsache, dass Arbeiten in einem Museum ausgestellt werden, machen sie zur Kunst. Das Blumenbeet wird erst zur Kunst, weil es in einer Ausstellungshalle - einem Kunstraum (Galerie, Kunstmesse) - ausgestellt wurde.

5  Museen zur Steigerung von  Prestige / Reputation
Unternehmen treten als Sponsoren auf. Indem sie ein prominentes Museum unterstützen ist ihnen dadurch auch eine gewisse Öffentlichkeit gewiss, die sie Reputationssteigernd für sich nutzen.

6 Museen als Vorreiter
Je nachdem wer die Leitung eines Hauses inne hat, kommt einem Museum durch seine Ausstellungen (und Marketing-Aktivitäten) eine Vorreiter-Rolle zu, die andere Museen und Kultureinrichtungen inspiriert. Ich denke da an Max Hollein und vor allem das Städel Museum.

Und nicht zuletzt sind Museen kulturelles Gedächtnis und für mich persönlich auch eine Inspirationsquelle.

Porträts der Frühen Neuzeit im Netz

Dienstag, August 25th, 2009

Über 200.000 Porträts wird das Bildarchiv Foto Marburg erschließen und online publizieren. Das Projekt “Digitaler Porträtindex druckgraphischer Bildnisse der Frühen Neuzeit” wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt und ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Ziel ist es, eine möglichst große, repräsentative Auswahl druckgraphischer Porträts der Frühen Neuzeit aus  öffentlichen deutschen und österreichischen Sammlungen systematisch zu erschließen. Gleichzeitig werden die Porträts als ein sammlungsübergreifender, illustrierter digitaler Verbundkatalog im Internet frei zugänglich eingestellt. Die Porträts - meist  Kupferstiche und Holzschnitte -  stellen bedeutenden Fürsten, Geistliche und Gelehrten der europäischen Länder dar.

“Der Digitale Porträtindex wird es den Kulturwissenschaften erheblich erleichtern, über Personen, Stände, Gruppen und Ereignisse der Frühen Neuzeit zu forschen”,

sagt Prof. Dr. Hubert Locher, der wissenschaftliche Direktor des Bildarchivs Foto Marburg, das der Philipps-Universität angegliedert ist.

Bereits Mitte nächsten Jahres soll der Porträtindex mit den ersten 130.000 Bildern und Daten online gehen. Na, da schlägt mein “Frühe Neuzeit- Herz”  höher.