Posts Tagged ‘Kunst’

Porträts der Frühen Neuzeit im Netz

Dienstag, August 25th, 2009

Über 200.000 Porträts wird das Bildarchiv Foto Marburg erschließen und online publizieren. Das Projekt “Digitaler Porträtindex druckgraphischer Bildnisse der Frühen Neuzeit” wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt und ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Ziel ist es, eine möglichst große, repräsentative Auswahl druckgraphischer Porträts der Frühen Neuzeit aus  öffentlichen deutschen und österreichischen Sammlungen systematisch zu erschließen. Gleichzeitig werden die Porträts als ein sammlungsübergreifender, illustrierter digitaler Verbundkatalog im Internet frei zugänglich eingestellt. Die Porträts - meist  Kupferstiche und Holzschnitte -  stellen bedeutenden Fürsten, Geistliche und Gelehrten der europäischen Länder dar.

“Der Digitale Porträtindex wird es den Kulturwissenschaften erheblich erleichtern, über Personen, Stände, Gruppen und Ereignisse der Frühen Neuzeit zu forschen”,

sagt Prof. Dr. Hubert Locher, der wissenschaftliche Direktor des Bildarchivs Foto Marburg, das der Philipps-Universität angegliedert ist.

Bereits Mitte nächsten Jahres soll der Porträtindex mit den ersten 130.000 Bildern und Daten online gehen. Na, da schlägt mein “Frühe Neuzeit- Herz”  höher.

Casting Show - Jetzt also auch die bildenden Künstler

Dienstag, Juli 7th, 2009

Im Blog Art Fag City von Paddy Johnson bin ich auf den Hinwies einer Reality Show, die im Entstehen ist, gestoßen. Nicht drittklassige Musiker sind es - nein dieses Mal sind es die bildenden Künstler, die sich der Herausforderung stellen.  Nachdem die Show bereits im vergangenen Jahr angekündigt wurde, beginnen nun die Castings in New York, Los Angels, Miami und Chicago. Aus den Bewerbern werden im Vorfeld dreizehn - u. a. aus den Bereichen Malerei, Skulptur und Fotografie - ausgewählt, deren Aufgabe es dann sein wird, jeweils in einer der dreizehn Folgen vor laufender Kamera einzigartige Arbeiten zu schaffen, welche über die Rolle der Kunst im Alltagsleben Auskunft geben. Eine Fachkundige Jury bestehend aus Künstlern, Galeristen, Sammlern, Kuratoren und Kritiker, wird dann entscheiden, welchem der Künstler dies am eindrucksvollsten gelungen ist. Wer diese Juroren sein werden ist allerdings noch unklar. Dem Gewinner oder der Gewinnerin winkt am Ende eine Ausstellung, ein Preisgeld und eine Museumstour. Wie diese aussehen wird, auch darüber hüllen sich die Macher noch in Schweigen.Die Künstler werden übrigens nicht nur anhand ihren Arbeiten bewertet, sondern auch wie sie kommunizieren: wie sie über ihren Arbeitsprozess sprechen, was sie schon alles gemacht haben und wie sie sich im Interview schlagen. Fragt man sich, was kommt zuerst, die Vermarktung oder die Kunst?

Am Ende wird also - wie es sich für eine gute Unterhaltungssendung gehört - der-/diejenige als SiegerIn hervorgehen, der den besten Unterhaltungswert liefert. Wenn ich da an so manchen berühmten Künstler denke, hätte manch einer von ihnen diese Prüfung wohl nicht bestanden. Gut so - denn interessante Positionen sind meist nicht massentauglich und haben keinen Unterhaltungswert.

Ach hatte ich schon erwähnt, dass sich unter den Produzenten auch Sarah Jessica Parker befindet? Schon sie allein wird dafür sorgen, dass die Show Wellen schlägt, weniger in der Kunstszene als vielmehr in den einschlägigen Lifestylemagazinen.

Paddy Johanson hat übrigens mit Nick Gilhool, dem Director of Casting for Magical Elves, gesprochen. Die Fragen nach der Jury und wie die Marketingkooperationen mit Galerien und Museen aussehen blieb zwar unbeantwortet, dennoch ist das Gespräch sehr aufschlussreich.

Interpretare Parlando

Freitag, Juni 26th, 2009

Zum fünften Mal fand nun bereits die Veranstaltung Interpretare Parlando - eine Idee der Deutsch-Italienischen Vereinigung (DIV) in Kooperation mit dem Städel Museum - statt. Das besondere an diesem Kurs ist, dass die Teilnehmer zunächst eine kunsthistorische Einführung in italienischer Sprache im Städel erhalten und an einem zweiten Abend eine sprachliche Nachbereitung in den Räumen der DIV stattfindet.

Während in früheren Veranstaltungen eine Zeitreise durch die Gemäldesammlung italienischer Kunst vom 14. bis 18. Jahrhundert vorgenommen wurde, schauten wir uns dieses Mal die graphische Sammlung näher an. Und mit „näher” meine ich, dass wir das Glück hatten, ganz nah an die graphischen Blätter ran zu kommen. So ganz ohne Glas und Rahmen zwischen uns. Wir waren im Studiensaal der graphischen Sammlung um einen Tisch gruppiert, der Kurator Dr. Martin Sonnabend war auch stets zugegen und ließ verständlicherweise seine „Schätze” nicht aus dem Auge.

Wir schauten uns mehrere venezianische Grafiken an, die alle im 18. Jahrhundert entstanden sind. Wie der Titel schon vermuten lässt, steht in dieser Veranstaltungsreihe das Italienische im Mittelpunkt. Das betrifft einerseits die zu betrachtende Kunst, die in Bezug zu Italien stehen muss, als auch die Sprache selbst. Und so konnten wir uns glücklich schätzen, dass das Städel mit Heike Komnick eine Mitarbeiterin hat, die uns die Arbeiten in italienischer Sprache vorstellte, unterstützt von Marina Rotondo, Lehrerin der DIV und sich daraus schließlich interessante Gespräche entwickelten.

Der Name ist Programm: Ich habe nicht nur meine Italienisch-Kenntnisse aufgefrischt (v. a. bezügl. kunstgeschichtlicher Begriffe) sondern ganz fantastische Grafiken gesehen.

Und bei der nächsten Veranstaltung im September, die sich mit Grafiken der Moderne befassen wird, bin ich sicherlich wieder mit von der Partie.

Kunstverein Familie Montez: My Generation - Gruppe 5

Dienstag, Januar 27th, 2009

Am Wochenende zog es mich zum wiederholten Male zum Kunstverein Familie Montez in Frankfurt, wo der „fünfte Teil” von My Generation eröffnet wurde.

Ich mag diesen Ort, der so ganz und gar authentisch ist, der seine ganz eigene, etwas trashige, Atmosphäre und den Charme einer blühenden Off-Kultur besitzt. Damit ist er auch so ganz anders, als die übrigen „Kunstorte” in dieser Stadt. Der Kunstverein Villa Montez befindet sich in einem ehemaligen Lebensmittelmarkt inmitten der Stadt und die Räumlichkeiten zeugen noch von jener Zeit. Die ursprüngliche  Architektur wurde belassen und so ist es äußerst interessant, hinab zu steigen ins Kellergewölbe, wo nicht nur dicke Steinmauern, sondern auch uralte riesige Weinfässer oder Relikte eines Lastenaufzugs an die ursprüngliche Nutzung erinnern. Ein recht „eigenwilliger modriger Duft” schlägt einem gleich beim Abstieg entgegen. Der Keller hat etwas Labyrinthisches, so viele unerwartete Abzweigungen, Treppen und Einbuchtungen finde ich. Sie alle sind bespielt mit Objekt-, Video- und Lichtinstallationen. Wieder zurück im Erdgeschoß - in der großflächigen Lagerhalle - spielt mittlerweile die Lola Montez Band.

Die Direktoren Anja Czioska und Mirek Macke sind Städelschulabsolventen. Das erklärt, weshalb viele der ausgestellten Arbeiten von namhaften und weniger namhaften Künstlern, die in Beziehung zur Städelschule stehen, stammen. In der aktuellen Schau sind etwa Positionen von Thomas Bayrle, Martin Liebscher, Phillip Zaiser, Christa Näher oder Caroline Krause, Anke Röhrscheid - deren kleinformatige Serie es mir besonders angetan hat -, Marko Lehanka oder von den „Hausherren” Anja Czioska und Mirek Macke selbst zu sehen.

Einen ersten Eindruck vom Kunstverein Familie Montez erhält man auf deren MySpace-Profil

Ach ja - wer dieser Tage dorthin gehen will, sollte sich etwas wärmer einpacken - Kunst braucht keine Heizung und insofern kann’s dort lausig kalt sein.