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Ausstellungstipp ¦ Horizon Field

Freitag, August 20th, 2010

Mein Ausstellungstipp diAntony Gormley, Horizon Field Standort Warth-Schröckeneser Woche geht ganz klar an Horizon Field - eine Landschaftsinstallation, die das Kunsthaus Bregenz mit dem britischen Künstler Antony Gormley in den Bergen Vorarlbergs realisiert hat.

Arbeiten von Antony Gormley bin ich bereits vergangenes Jahr „hautnah” im Kunsthaus Bregenz begegnet, als in einer Ausstellung vier Installationen von ihm gezeigt wurden. Schon damals wurde deutlich, das der Mensch sein Thema ist: Als Individuum oder Masse, als soziales und gesellschaftliches Wesen.

Horizon Field besteht aus 100 lebensgroßen Gusseisen-Abgüssen eines menschlichen Körpers - des Künstlers selbst -, die über ein Gebiet von 150 Quadratkilometern verteilt, aufgestellt sind. Sie bilden eine horizontale Linie, da sie alle auf einer Höhe von 2.039 Metern über dem Meeresspiegel aufgestellt sind. Auch wenn die Skulpturen teils nahe zusammenstehen, schauen sie sich nie an. Die Höhe wurde ausgewählt, um gut zugänglich und dennoch dem Alltag enthoben zu sein. Blutend wirken die rostigen Skulpturen, die sich gegen das Grün der Weiden, die schroffen Felswänden und das Blau des Himmels abzeichnen. Die Natur als integraler Bestandteil der Installation. Man erreicht sie über Wanderwegen oder  Skipisten. Manchmal muss man sich den Weg zu den Skulpturen förmlich „erarbeiten”, weil der Weg mitunter steinig ist, vorbei an Kühen, Ziegen und Murmeltieren, man sich mitunter Antony Gormley, Horizon Field, Standort Warth-Schröckenkörperlich anstrengen muss und die Skulpturen inmitten von Wiesen aber auch so abseits platziert sind, dass sie von bestimmten Punkten aus nur sichtbar, nicht aber erreichbar sein. Der Weg ist das Ziel, könnte man auch sagen. Abseits des Großstadttrubels und des Lärms erwarten einen hier Entschleunigung, Ruhe, Stille - lediglich unterbrochen vom Geläut der Kuhglocken -, Blumenwiesen und eine unglaubliche Weite.

Da die Skulpturen bis April 2012 stehen bleiben, wird es spannend sein, deren Veränderung durch Sonne, Regen, Schnee und Hagel aber auch durch den Eingriff des Menschen zu verfolgen.

Durch die Präsentation dieser unerbittlichen, erdgebundenen, aber auch erdbezeugenden Wächter in Raum und Zeit stellt die Installation 100 industriell gefertigte Artefakte in eine natürliche Welt fernab der kontextualisierenden Einflüsse des Museums. Horizon Field stellt grundlegende Fragen: Wer sind wir, was sind wir, wo kommen wir her und wohin führt unser Weg?”, so Antony Gormley.

Ausführliche Informationen zum Projekt, den Standorten und Wanderwegen gibt es auf der Internetseite des Kunsthauses Bregenz. Vorarlberg Tourismus hat dort Wanderrouten, auf denen Antony Gormleys Horizon Field in der Bergwelt erkundet werden können, zum Download zur Verfügung gestellt.

Fotos meiner Erkundung im Gebiet Warth-Schröcken habe ich bei Flickr eingestellt.

Der Besuch lohnt sich!

Kulturtipp ¦ Roni Horn – Well and Truly

Freitag, April 23rd, 2010
Well and Truly, 2009/10 Massiv gegossenes blaues Glas, 10 Teile Je: Durchmesser: 91,5 cm, Höhe 45,5 cm Ausstellungsansicht 3. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Stefan Altenburger © Kunsthaus Bregenz, Roni Horn

Well and Truly, 2009/10, Ausstellungsansicht 3. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Stefan Altenburger © Kunsthaus Bregenz, Roni Horn

Die speziell für das Kunsthaus Bregenz konzipierte Ausstellung von Roni Horn ist die erste umfassende Einzelpräsentation der international renommierten New Yorker Künstlerin in Österreich. Auf vier Stockwerken werden bedeutende Werkgruppen der letzten Jahre gezeigt, die einen tiefen Einblick in die künstlerische Vorgehensweise Roni Horns ermöglichen.

Seit den frühen 1970er-Jahren bedient sich Roni Horn verschiedener künstlerischer Formen und hat Skulpturen, Fotografien, Künstlerbücher und Zeichnungen geschaffen. Da sie keinem bestimmten Medium den Vorzug gibt, widersetzen sich ihre Werke jeder simplen Kategorisierung. Die mit bemerkenswerter Virtuosität und Sensibilität verwendeten Materialien gewinnen metaphorische Qualität und vermitteln die zentralen Themen der Künstlerin mit großer visueller Eindringlichkeit.

Ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist die Erkundung der Möglichkeiten, die in der Sprache als skulpturaler Form liegen. Würfel- und stabförmige Skulpturen aus Kupfer oder poliertem Aluminium verbindet Horn mit Textfragmenten von Emily Dickinson oder Franz Kafka. Eine Auswahl aus dieser Serie mit dem Titel „White Dickinsons” sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

Die Schau präsentiert außerdem auch eine neue Glasarbeit namens „Well and Truly” (2009), die aus mehreren Objekten besteht und der ein eigenes Stockwerk vorbehalten ist. Des Weiteren ist die Fotoinstallation „a.k.a.”, (2008/09) zu sehen. Das erst vor Kurzem abgeschlossene Werk besteht aus 15 Paaren fotografischer Porträts, welche die Künstlerin im Lauf mehrerer Jahrzehnte gesammelt hat.

Ein weiteres zentrales Medium im Werk von Roni Horn ist die Papierarbeit. Zeichnen spielt eine Schlüsselrolle im Schaffen der Künstlerin und steht, wie sie selber sagt, am Beginn des Arbeitens in allen Medien. Für ihre zumeist sehr großformatigen Papierarbeiten zerschneidet sie die Pigment-Zeichnungen und fügt die Einzelteile zu neuen Formen zusammen - eine Technik, die Aspekte der Collage beinhaltet. Beispiele aus dieser Werkgruppe sind ebenfalls zu sein.

Die Ausstellung ist bis 4. Juli 2010 im Kunsthaus Bregenz zu sehen.

Meeting Kunsthaus Bregenz

Donnerstag, August 6th, 2009

Meine Ausstellungsempfehlung gilt diese Woche dem Kunsthaus Bregenz, das derzeit vier Installationen von Antony Gormley zeigt, einem der einflussreichsten zeitgenössischen Bildhauern Großbritanniens, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Schauplatz des menschlichen Körpers geht.

Tief beeindruckt haben mich vor allem die Installationen im 1. und 2. Obergeschoß. Völlig unerwartet sah ich mich  einer raumfüllenden Installation gegenüber. Als Ganzes betrachtet  überraschte sie mich zunächst, dann machte sie neugierig und “schrie” förmlich danach, sie zu begehen und sie im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben und zu begreifen.

Antony Gormley, ALLOTMENT II, 1996, Beton, Ausstellungsansicht 1. OG, Kunsthaus Bregenz  Foto: Markus Tretter © Antony Gormley, Kunsthaus Bregenz

Antony Gormley, ALLOTMENT II, 1996, Beton, Ausstellungsansicht 1. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Markus Tretter © Antony Gormley, Kunsthaus Bregenz

Allotment II (von 1996) heißt die erste Arbeit und besteht aus 300 Betonstelen, wovon jede für einen Bewohner Malmös, die in eigens dafür vermessen wurden, stehen. Durch die unterschiedlichen Größen und Höhen, dem geometrischen Raster und der Anordnung der Blöcke in Straßen und Plätze ergibt sich ein Labyrinth in dem man sich verlieren und auch wiederfinden kann, die Nähe und Distanz abbildet. Einige Elemente sind dicht zusammen gruppiert, andere wiederum in größeren Abständen zueinander aufgestellt. Indem ich mir als Besucherin meinen Weg durch die Komposition bahne und mich mit einzelnen Teilen individuell auseinandersetzen wird die eigene Körpergröße wird an den Abwesenden messbar.

CLEARING V, 2009, 16-swg-Aluminiumrohr, Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Markus Tretter © Antony Gormley, Kunsthaus Bregenz

CLEARING V, 2009, 16-swg-Aluminiumrohr, Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz Foto: Markus Tretter © Antony Gormley, Kunsthaus Bregenz

Clearing V (2009) ist die zweite Arbeit und besteht aus einer zwölf Kilometer langen unbearbeiteten Aluminiumstange, die in Bögen vom Fußboden zur Decke und von Wand zur Wand gespannt ist, sodass eine dreidimensionale Zeichnung im Raum entsteht. Auch hier werden die Besucher motiviert das Werk nicht nur zu begehen und zu durchschreiten, es darf berührt(!) und damit einhergehend zum Schwingen gebracht werden. Die Besucher werden dadurch integraler Bestandteil des Kunstwerks. Meine Fotos dazu auf Flickr

Sollten Sie sich nicht entgehen lassen - ein wirkliches Erlebnis.

PS Während der Festspielzeit hat das KUB bis 20.00 Uhr geöffnet. Finde ich eine super Neuerung! Von einem Kunstgenuss zum nächsten …