Posts Tagged ‘Mozartfest Würzburg’

Mozartfest Würzburg ¦ Das Eröffnungskonzert

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Immer mittwochs schreibt hier der künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg.

Am Freitag war es endlich soweit: Eröffnung des Mozartfestes 2009! Ich war schon um 18.30 Uhr in der Residenz, zwei Stunden zu früh, aber ich wollte so viel als möglich von der festlich-betriebsamen Atmosphäre eines solchen Events mitbekommen. Manchmal ist das Wort „Routine” leicht negativ besetzt, aber wenn ich sehe, mit welcher Routine Elke Kuhn es geschafft hat, dass alle Platzanweiser, alle Kartenverkäufer, die Tresen und Stellwände an ihrem richtigen Platz stehen, gewinnend lächeln und eine Stimmung gelöster Heiterkeit verstrahlen - das ist einfach super.

Und schon um 19.30 Uhr begann der Auftritt unserer Ehrengäste. In der Person von Wolfgang Bötsch, dem ehemaligen Postminister, unserem Schirmherren, haben wir einen unersetzlichen „Patron” in des Wortes bester Bedeutung, der über all die Jahre hinweg es immer geschafft hat, dass die große Politik (und auch die kleinere) Station in Würzburg gemacht hat. Unser Alt-Ministerpräsident Stoiber samt Gattin stieg aus dem Auto, gleich danach Alt-Bundespräsident Roman Herzog, Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos und Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, dazu Prominenz aus der Wirtschaft und natürlich alles, was in Würzburg Rang und Namen hat, allen voran unser OB Georg Rosenthal mit seiner Gattin Hannah, die sich weit über das gewohnte Maß hinaus für Kultur interessiert, mehr noch: aktiv einsetzt.

Dazwischen immer wieder - durch den Dienstfrack erkenntlich - Musiker aus dem Symphonie-Orchester des Bayr. Rundfunks, von denen ich viele persönlich kenne, weil sie im Bachorchester Würzburg mitspielen oder Mitglied im Bach-Collegium München sind, das ich vor mehr als 30 Jahren gegründet habe und das jetzt von Florian Sonnleitner geleitet wird, der auch Konzertmeister im BR-Orchester ist.

Die Stunde vor dem Konzert ist wunderbar gefüllt mit Gesprächen - endlich lerne ich alle die Leute (oder wenigstens einen Teil davon) kennen, die für unsere Stadt und letztendlich für das Mozartfest wichtig sind, sein oder werden könnten.

Sir Neville ist im April 85 geworden, steigt aber mit fast jugendlichem Schwung aufs Podest und dirigiert die fabelhaften Münchner, eine Ouvertüre in B-Dur, bei der einem schon nach 10 Takten klar wird: Das ist kein Mozart … Dann das Flöte-Harfe-Konzert, souverän musiziert von Boucly und Moretti, nach der Pause (für Viele der Höhepunkt des Konzerts!) Brittens „Les Illuminations” nach Gedichten von Rimbaud mit Laura Aikin, - traumhaft! Und dann - wegen Mozart & Paris - die Pariser Sinfonie D-Dur.

Nach dem Konzert möchte Sir Neville noch ein bisserl feiern und so sind wir schließlich eine lustige Gesellschaft, die bei Spargel, Bratwürsten, Weißburgunder und vielen Anekdoten vor allem Sir Neville Marriner feiern.

von Christian Kabitz

Bisher erschienen

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste

Mozartfest Würzburg ¦ Mozarts Zauberkiste

Mittwoch, Mai 27th, 2009

Immer mittwochs schreibt hier der künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg.

Nur noch zwei Tage - dann ist es soweit!  Seltsam: Jetzt wo das Fest direkt vor der Tür steht und dann in einem wahren Dauerfeuerwerk abbrennen wird, denke ich intensiv an das Jahr 2010 und darüber hinaus. Früher gab es alle zwei Jahre einen Mozartfest-Gesangswettbewerb, Quasthoff hat hier gewonnen und viele andere heute bekannte KünstlerInnen. Der letzte fand 2006 statt, eigentlich wäre 2010 endlich wieder einer „dran gewesen”. Aber so ein Wettbewerb braucht eine gediegene Vorlaufzeit - ein Jahr ist tatsächlich zu knapp. Wir haben ihn nun definitiv auf 2011 verschoben. Das bot sich an, denn in zwei Jahren feiern wir 90 Jahre Mozartfest.

Was mir aber besonders am Herzen liegt, ist ein interessantes Kinderprogramm. Nun hat das Mozartfest immer schon etwas für Kinder übrig gehabt, auch in diesem Jahr haben wir - wenn man die zwei Picknickkonzerte dazuzählt - vier Veranstaltungen für die musikalische Zuhörer-Zukunft, einen „Musikfantasiomat” und sogar Mozarts eigene Zauberkiste. Auf dem Markt der freien Ensembles gibt es viele Angebote für Kinderkonzerte, die als fertiges Paket angeboten werden. Man kann sich über die Publikums-Resonanz dieser Events in der Vergangenheit informieren, meist vorher eine DVD des Projektes anschauen und kriegt oft ein richtig gutes und pädagogisch sinnvolles Kinderprogramm.

Aber - es ist halt nichts Eigenes. Nun habe ich durch sieben Jahre Kinderkonzerte in der Alten Oper Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Museums-Orchester einen gewissen Stolz entwickelt, nach dem Motto: Das können wir selber. Und so plane ich für 2010 drei Kinderkonzerte rund um Mozarts Werke, die allerdings weniger Entertainment als Information sein werden. Trotzdem geht es immer sehr lustig zu, denn spontan fragende Kinder sind sowieso besser als jeder vorgeplante Gag. Es könnte im nächsten Jahr geben: Mozarts Figaro in einer kindgemäßen Fassung, dazu einen Nachmittag zum Genre „Streichquartett” und dann den magischen „Flötenzauber” - aber immer mit der sehr aktiven Hilfe der Kinder.

Simon Rattle hat einmal (ich glaube, es war im Zusammenhang mit „Rhyth’m it”) gesagt, für Kinder sei bei der Musik höchste Qualität gerade gut genug. Das ist rühmlich, aber in der Praxis bei sehr niedrig gehaltenen Eintrittspreisen für Familien nicht leicht umzusetzen. Umso glücklicher bin ich, dass es unter den Profimusikern doch etliche gibt, die sich da in den Dienst der Sache stellen und uns bei den Gagen enorm entgegenkommen.

Aber diese Infotainment-Geschichten, bei denen ich mir wirklich auch eine gewisse Nachhaltigkeit bei den Kindern erhoffe, sind nur ein Teil. Das andere sind so wunderbare Erfindungen wie die schon länger erprobten Picknick-Konzerte, bei unserem Würzburger Mozartfest im Rosenbach-Park, direkt neben der Residenz - einmal über die Straße. Es weht ein Hauch von „very british” und Glyndebourne über den Rasen, es gibt zu Essen und zu Trinken (auch wenn man keinen eigenen Picknick-Korb besitzt).

Aber ich möchte noch mehr: Einen Kindertag im nächsten Jahr auf der wunderbaren Festung Marienberg, die im Bewusstsein der Würzburger lang nicht so präsent ist wie die Residenz. Vielleicht werden wir in der geschichtsträchtigen Kelterhalle für die Kinder musizieren, die Kinder mit Kostüm und Schminke samt Perücke wie zu Wolferls Zeiten ausstaffieren - und (meine Lieblings-Idee): einmal mit einer originalen Kutsche übers Kopfsteinpflaster des Innenhofes fahren, damit jedes Kind den weit gereisten Wolfgang (7 Jahre alt) verstehen kann, der nach einer anstrengenden Holperfahrt geschrieben hat: „Da hat mich mein Arsch so gebrennt, dass ich es unmöglich habe aushalten können.”

von Christian Kabitz

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne

VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten

IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert

Mozartfest Würzburg ¦ Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert

Mittwoch, Mai 20th, 2009

Immer mittwochs schreibt hier der künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg

Noch neun Tage - dann geht’s los! Am 29. Mai um 20.30 Uhr hebt Neville Marriner den Taktstock, und dann weiß ich, ob sich all die Anstrengungen um die letzten Tage der Vorbereitung gelohnt haben und wir einen fantastischen Mozartfest-Auftakt haben werden. Festlich wird es auf jeden Fall werden - nach dem Konzert gibt unser Oberbürgermeister den traditionellen Empfang der Stadt Würzburg, das Fernsehen ist da und viele liebe Freunde aus der Musikszene haben ihr Kommen angekündigt; da wird es viele interessante Gespräche geben. Und endlich wieder ein Moment, wo sich der Besitz eines (eigenen) Smokings glücklich bemerkbar macht - den darf, sollte, müsste man an einem solchen Abend schon mal ausführen …

Eigentlich habe ich es persönlich gerne leger, muss aber zugeben, dass es schon einen ganz eigenen Reiz hat, wenn ein Festival sich auch dadurch schmücken darf, dass seine männliche Gäste es für Smoking-würdig halten, von langen und sehr langen Abendkleidern bei den Damen ganz zu schweigen.

Albrecht Mayer

Albrecht Mayer

Die Steigerung dieses Eröffnungskonzertes ist dann nur noch das Galakonzert, denn - wie der Name schon suggeriert - ist es da noch mal ein bisserl mehr Gala drin. Und vor allem: Es gibt etwas zu essen! Konkret läuft das bei unserem Mozartfest so ab, dass man am 19. und/oder 20. Juni sich schon um 19 Uhr bei einem Glas Winzersekt im Vestibül der Residenz einfindet und dazu einen erlesenen Vorspeisenteller genießt. Dann gibt es Albrecht Mayer, seine Oboe und die Polnische Kammerphilharmonie mit einem pausenlosen Konzert und Gossec (franz. Revolutionskomponist) und Mozart.

Es scheiden sich ja die Geister bei solchen Veranstaltungen. Dass ein ernsthafter Künstler nicht gerne Musik macht, wenn gleichzeitig gelacht, gegessen und getrunken wird, ist verständlich, obwohl dies sicher bis hin zu Mozart am Hofe und in der Oper durchaus üblich war. In Versailles waren die berühmten „concerts royaux” für die Bankette des Königs einem Couperin nicht zu schade, seine besten Suiten zu schreiben, und ob am Hofe des Kurfürsten zu Brandenburg alle nur zugehört haben, wenn Bach seine gleichnamigen Konzerte aufführte, darf man bezweifeln. Musik war dem Adel eine unverzichtbare Begleitung zum Essen, und die Qualität der Kompositionen sollte dem der Pasteten und Braten in nichts nachstehen.

Ich freue mich schon sehr aufs Galakonzert, die Stimmung in den wunderbaren Räumen der Residenz an den festlich gedeckten Tischen mit unzähligen Kerzen ist wirklich einzigartig und fast noch schöner ist der der Blick durch die großen Fenster auf den märchenhaft illuminierten Hofgarten. Bevor ich zu sehr ins Schwärmen gerate - ich muss mir unbedingt noch ein drittes Smoking-Hemd anschaffen - bei der sparsamen Beleuchtung beim Menu hat statistisch jeder dritte männliche Smokingträger um Mitternacht mindestens einen Fleck auf der Weste resp. dem Hemd …

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade

Mozartfest Würzburg ¦ Mozarts Posthorn-Serenade

Mittwoch, Mai 13th, 2009

Am vergangenen Mittwoch wurde in der Würzburger Residenz die Bayerische Landesausstellung eröffnet, mit unserem Ministerpräsident Seehofer und allem, was Rang und Namen hat. Der Kaisersaal war brechend voll und das neue Podest war erstmals mit einem großen Orchester bestückt. Dazu eine kleine Erklärung: Der Kaisersaal - übrigens eines der imposantesten Bauwerke Deutschlands mit einem gerade frisch renovierten Deckengemälde von Tiepolo (unbedingt anschauen!) - ist das Kernstück der Residenz, im ersten Stock gelegen, über den so genannten Weißen Saal erreichbar und einige unserer Konzerte finden hier statt.

Im Moment lerne ich gerade intensiv Mozarts Posthorn-Serenade, benannt nach einer eher kurzen Stelle in dem fast halbstündigen Werk, woselbst der 1. Hornist des Orchesters auf einem „corno di Posta” einem Posthorn blasen soll. Die Stelle gilt unter Hornisten als heikel bis unspielbar, meist bläst das der 1. Trompeter auf einem kleinen Posthörnchen. Ich liebe diese ganze Serenade unendlich. Es ist eigentlich eine komplette Sinfonie mit der Extra-Zugabe einer Concertante, einem Konzert für Solobläser und Orchester. Und - es ist von Mozart schon für eine Freiluft-Aufführung konzipiert worden, wohl für eine Universitäts-Abschlussfeier - vielleicht deshalb auch das Posthorn als Symbol für Aufbruch, Abreise, Abschied.

Paul MeyerNebenher frische ich Mozarts Klarinettenkonzert auf, das wir im selben Programm als Nachtmusik haben werden, und ich freue mich auf Paul Meyer, einen der besten Klarinettisten der Welt. Trotz seines nach Sabine klingenden Namens ist er weder mit ihr verwandt noch sonst was, er ist sogar ein Franzose, allerdings aus dem Elsass, genau genommen aus Mulhouse.

1984 hat er in New York den berühmten Young Concert Artists Wettbewerb gewonnen und hat bei den Preisträgerkonzerten den legendären Benny Goodman kennen gelernt. Dessen musikalischer Einfluss und seine Freundschaft spielen eine ganz große Rolle im Leben von Paul. Penderecki hat ein Konzert für ihn komponiert, das Paul 1987 uraufgeführt hat, überhaupt interessiert er sich intensiv für zeitgenössische Musik und hat viele Ur- und Erstaufführungen gespielt. In letzter Zeit dirigiert er auch, die Liste „seiner” Orchester ist Ehrfurcht gebietend, ich glaube, ich muss fleißig üben, damit alles perfekt klappt.

Viele Außenstehende fragen sich ja sowieso, was der Dirigent denn eigentlich macht, das Orchester kann das sicher doch ohne ihn (böse Zungen meinen: besser …). Interessanterweise stimmt das auch - teilweise: Mit einem engagiert spielenden Konzertmeister und dementsprechend positiv und kammermusikalisch denkenden Orchestermitgliedern lässt sich sicher bis zu einer bestimmten Besetzungsgröße und dem richtigen Repertoire vieles ohne Dirigent sehr gut meistern. In Russland gab es (man hat da ja in der Revolutionszeit eh solch diktatorisch auftretende Gestalten abgeschafft) von 1922 - 1932 ein veritables Orchester mit Namen Persimfans ohne Dirigenten, das sogar internationale Berühmtheit erlangte, weil es auch groß besetzte Literatur ausgezeichnet wiedergegeben hat. Darius Milhaud hat mit Persimfans musiziert und war angetan, meinte allerdings, mit Dirigent hätte man die Proben in der Hälfte der Zeit bewältigt.

Schwierig ist es immer, einen Solisten zu begleiten, gut zu begleiten. Man muss mitfühlen, voraus denken, und das Orchester immer zum Spiel im Bereich piano bis pianissimo anhalten. Das ist bei Literatur ab der Romantik schon viel schwerer, aber selbst Mozarts Klarinettenkonzert hat viele Stellen, wo die Wiedergabe zwischen gut und perfekt einen erschreckend langen Proben-Abstand hat. Mal sehen, wie das open-air im Hofgarten gelingen wird … Daumendrücken!

von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehnde Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen