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Nur wer etwas besonderes anbietet, wird wahrgenommen ¦ Interview mit Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal Museums

Mittwoch, November 17th, 2010

Auch nach Abschluss der Studie werde ich die Interview-Serie mit Verantwortlichen aus den Kultureinrichtungen zu deren Social-Media-Aktivitäten in loser Folge fortsetzen.

Wer kennt ihn nicht - Mr. N., das Sprachrohr des Neanderthalmuseums, der seit Anfang des Jahres Wissenwertes und Unterhaltsames von den Neanderthalern zwitschert und so dem Bild des keulenschwingenden Höhlenmenschen entgegenwirkt. Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Museumsdirektor des Neanderthal Museums in Mettman, hat mir dazu einige Fragen beantwortet.

Prof. Dr. Gerd-C Weniger mit Mr. N.

Prof. Dr. Gerd-C. Weniger mit Mr. N.

Ulrike Schmid: Was war Ihre Motivation, sich ins Social Web zu begeben?
Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger: Eines unsere zentralen Anliegen ist, sich eng mit der Gesellschaft zu vernetzen, um möglichst viele Menschen zu erreichen und um auf neue Entwicklungen der Wissensvermittlung, der Pädagogik und des Marketing schnell reagieren zu können. Museen müssen heute den jeweils aktuellen technischen Standard in der Gesellschaft abbilden, wenn sie erfolgreich sein wollen. Nach dem Relaunch unserer Website war der Gang ins Social Web daher der nächste logische Schritt. Wir wollten online mit verschiedenen Zielgruppen via Facebook, Twitter, Blog und Co ins Gespräch kommen und die Web-2.0-User mit einem Blick hinter die Kulissen auf unsere umfangreichen Aktivitäten aufmerksam machen und für das Haus werben.

U. S.: Wie sind Sie vorgegangen?
G. W.: Nachdem die grundsätzliche Entscheidung getroffen war, entwickelten wir ein Konzept für unseren Auftritt im Social Web. Entscheidend war dabei, die internen Abläufe, mit denen Informationen, Daten und Geschichten im Web platziert werden sollten, zu definieren und Routinen zu entwickeln. Wir haben als Museum einen entscheidenden Vorteil: Bei uns ergeben sich täglich Prozesse, die es wert sind, nach draußen kommuniziert zu werden. Die Kunst lag nun darin, das Team zu motivieren, um die einmal definierten Informationskanäle auch zu nutzen. Nach der Vorbereitungsphase, fiel im Februar des Jahres der Startschuss.

U. S.: Kam der Anstoß von innen oder wurden Sie extern von einer Agentur/einer Social-Media-Beratung unterstützt?
G. W.: Unser Mitarbeiter der Mediathek, Sebastian Hartmann, hatte die stARTconference 2009 besucht. Nach der Konferenz platzierte er das Thema Social Media im Museum. Nach einer kurzen internen Diskussion wurde in Absprache mit der Abteilung Marketing und Pressearbeit der Prozess in die Wege geleitet. Einer der Konferenzorganisatoren, Frank Tentler, stand uns anfangs beratend zur Seite. Das waren für uns ideale Rahmenbedingungen, denn wir mussten echtes Neuland betreten.

U. S.: Viele Kultureinrichtungen klagen, dass mangelnde Zeit und fehlende Finanzen der Grund dafür seien, weshalb Sie zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von Social Media geht. Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
G. W.: Das Neanderthal Museum finanziert sich zu einem Großteil durch Einnahmen. Wirtschaftliches Denken und Handeln sind Teil unseres Alltags. Wir sahen eine Chance mit den Aktivitäten im Web 2.0 bestimmte Zielgruppen an das Haus zu binden. In erster Linie sehe ich den täglichen Arbeitsaufwand und die „Manpower” im Umgang mit den Web2.0-Werkzeugen als Herausforderung. Die Pflege unserer Accounts ist Teil des Aufgabenprofils des hochmotivierten Mediatheksmitarbeiters. Die Arbeit im Web 2.0 konnte er nach einem höheren Aufwand zu Beginn gut in den Arbeitsalltag integrieren. Außerdem gelang es, weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für eine Beteiligung zu gewinnen - wie zum Beispiel beim Neanderblog.

U. S.: Gibt es bei Ihnen eine Social-Media-Guideline?
G. W.: Viele der Mitarbeiter/innen bei uns am Haus sind jung und in Social Networks wie Facebook vertreten. Sie waren besonders zum Start gute Multiplikatoren, da sie die Werbetrommel für unsere Fanseite rührten. Ich setze in der Online-Kommunikation unserer Mitarbeiter auf Vertrauen und Loyalität unserem Haus gegenüber. Bislang gab es keine negativen Vorkommnisse. Mittelfristig wird es aber die wichtigsten Verhaltensregeln im Social Web auch schriftlich geben.

U. S.: Sie sind ein sehr kommunikatives Museum, das den Dialog mit den Fans und Followern sucht. Wie gehen Sie dabei vor? Welche Unterschiede gibt es in der Konversation innerhalb der verschiedenen Kanäle?
G. W.: Vielen Dank für das Kompliment. Es war klar, dass gerade in der ersten Zeit der Dialog bzw. Multilog im Mittelpunkt stehen muss. Dass heißt: Interaktion und Partizipation. Dabei gibt es natürlich Unterschiede zwischen den Plattformen. Wir legten die Accounts konzeptionell unterschiedlich an: Das Blog ist in seiner Form eine Art „Tagebuch” des Neanderthal Museums, wo die Leser den Museumsalltag mit allen Facetten hautnah erleben können. Wir erlauben einen Blick hinter die Kulissen. Ich selber schreibe auf dem Blog auch Beiträge in der Rubrik „Schulterblick Forschung”. Bei Facebook wollen wir innerhalb einer Neanderthaler-Fangemeinschaft kommunizieren. Wir bestücken die Fanseite mit vielen Museumsinfos, aber auch externen Beiträgen zum Thema Archäologie und Evolution. Hier stellen wir Fragen, regen zu Diskussionen an, „fordern” zum Feedback und zur Interaktion auf. Besonders wichtig sind auch Mitmachaktionen. Twitter ist für uns ein Kanal zur Informationsstreuung - jedoch in Erzählform. Mr. N., die Neanderthaler-Rekonstruktion aus dem Museum, tritt hier als Sprachrohr des Museums auf und zwitschert Neuigkeiten aus dem Neandertal, empfiehlt Angebote, Events und Veranstaltungen oder schlägt auch mal andere Museums-Accounts bei Twitter vor. Gerne antwortet Mr. N. auch auf Fragen anderer Twitterer, die vom Museum begeistert sind.

U. S.: Stichwort Content Syndication. Inwieweit findet eine Verknüpfung von klassischer PR und Social Media statt?
G. W.: Wichtige Elemente des klassischen Marketings wie zum Beispiel die Diffusion eines Ausstellungsplakates oder das Bewerben von neuen Angeboten des Museums oder aktuellen Veranstaltungen fließen selbstverständlich in die Web-2.0-Präsenzen mit ein. Hier ergeben sich hervorragende Synergien, ohne dass es für die User aufdringlich wird. Das gilt auch für die Infos aus den Pressemitteilungen. Ich habe den Eindruck, dass dies sehr positiv wahrgenommen wird. Das zeigen vor allem die Weiterempfehlungen oder auch die Interaktionsraten. Klassische Werbemedien verknüpfen sich mit Social Media. Dies funktioniert dann, wenn alle Abteilungen gut miteinander vernetzt sind. Unser Team ist darauf hervorragend eingestellt.

U. S.: Wie frei darf Ihr Mitarbeiter agieren?
G. W.: Innerhalb der redaktionellen Betreuung hat Sebastian Hartmann viele Möglichkeiten und Freiheiten. Oberste Prämissen sind Aktualität und Qualität. Die kommunizierten Inhalte sollen einen Mehrwert für das Museum erzielen und nicht persönliche Bedürfnisse befriedigen. Wie und auf welche Art und Weise die Informationen über die Kanäle verteilt werden, wurde vorab im Konzept diskutiert und dann definiert. Auf der anderen Seite entwickelt unser verantwortlicher Mitarbeiter für das Social Web eigenständig die Accounts konstant weiter. Gleiches gilt für das Blog, bei dem knapp ein Dutzend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen autonom Beiträge verfassen.

U. S.: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten?
G. W.: Das oberste Ziel ist selbstverständlich einen Mehrwert für das Haus zu produzieren. Erste Erfolge haben wir bereits nach kurzer Zeit erreicht. Wir wollten den Neanderthaler und das Museum im Internet bekannter machen, wollten dem verzerrten Bild des Neanderthalers als einem keulenschwingenden Höhlenmensch entgegenwirken und zeigen, dass er ein sozialer, technikaffiner Mensch war. Darüber hinaus suchen wir den Kontakt mit den Besuchern und verstehen die verschiedenen Netzwerke als virtuelle Gästebücher. Anders als beim klassischen Gästebuch kann sofort ein Feedback erfolgen. Das hat bislang alles gut geklappt. Natürlich möchten wir in einem nächsten Schritt neue Zielgruppen im Museum begrüßen. Die Web2.0-Generation zwischen 20 und 40 Jahren ist in den meisten Museen als realer Besucher unterrepräsentiert. Diese gilt es nun nicht nur „online” anzusprechen, sondern auch „offline” ins Museum zu holen. Wobei wir uns hier keine schnellen Erfolge versprechen.

U. S.: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen?
G. W.: Im Social Web lässt sich sehr gut mit Zahlen und Statistiken arbeiten. Hier sind die bisher registrierten Erfolge beträchtlich: 3000 bis 5000 Leser greifen auf Blogbeiträge zu, die Fangemeinde auf Facebook wächst langsam Richtung 1000 Fans, im Top-Ten-Ranking der twitternden Museen in Deutschland sind wir eins von lediglich zwei Archäologie-Museen und unser Museumstrailer auf YouTube wurde weit über 20.000 mal angeklickt. Aber auch die Interaktionsrate der User ist für uns wichtig. Bei Facebook wird mittlerweile jeder Beitrag mehrfach mit „gefällt mir” angeklickt oder kommentiert. Dies belegt, dass man über das Neanderthal Museum spricht. Und worüber gesprochen wird, das wird auch weiterempfohlen.

U. S.: Welche Neuerungen/Weiterentwicklungen wird es geben?
G. W.: Das Social Web ist ein bewegtes Medium, dass nach neuen Formen der Kommunikation sucht. Wir halten zukünftig das Mobile Web und Spezialangebote für Twitterer und Facebooker für wichtige Themen. Wer unseren Blog abonniert oder Fan und Follower wird, kann sich über neue Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

U. S.: Was tun Sie, um die Freunde aus dem Social Web ins Museum zu bekommen?
G. W.: Das ist die zweite große Herausforderung für das kommende Jahr 2011. Wir arbeiten zu Zeit daran, unterschiedliche Angebote für die Facebooker und Blogleser wie zum Beispiel Preview-Führungen, zu entwickeln. Diese sollen einen Anreiz für die Online-Gemeinde bilden, das Museum „in echt” zu besuchen. Auch spezielle Twitter-Events (Twittwoch, Twittagessen) sind in Planung.

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden wollen?
G. W.: Das Social Web heute als ein Muss für jedes Museum zu fordern, ist sicher falsch. Richtig ist, zunächst die Chancen von Social Media für eine Einrichtung zu bewerten. Dabei sollte geprüft werden, inwieweit ein Alleinstellungsmerkmal oder eine besondere Expertise für ein Thema vorliegt. Auch im Web 2.0 gilt: nur wer etwas Besonderes anbietet, wird wahrgenommen. Unabhängig davon wird Social Media zukünftig ein wichtiges Feld für die Kultur werden, da sich immer mehr Personen auf diesem Wege informieren und organisieren. Es gilt mittelfristig hier präsent zu sein, um unsere Kunden überall dort abzuholen, wo sie sich aufhalten.

Vielen Dank Herr Professor Weniger für das Interview.

Bisher erschienene Interviews:

Johannes Reiss, Österreichisches Jüdisches Museum, Eisenach
Prof. Dr. Klaus Schrenk, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Max Hollein, Städel Museum, Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf

Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ (10) Die untersuchten Museen und Orchester

Donnerstag, August 5th, 2010

Hier ist sie: Die Auflistung aller, der von mir im Rahmen der Studie untersuchten, Museen und Orchester. Am Ende waren es 90 Museen und 21 Orchester.

Kriterien
Kriterien für die Aufnahme in die Untersuchung selbst, wurden bereits hier beschrieben. Zur Untersuchung, wie die Kultureinrichtungen sich auf den einzelnen Plattformen präsentieren, diese nutzen und wie der Dialog aussieht, wurden plattformspezifische Kriterien aufgestellt. Anhand dieser Kriterien wurden alle Museen und Orchester bewertet.

YouTube/Vimeo
Biografie (Profilbild, Vanity-URL, Kurzbeschreibung der Institution, Webseite etc.); Beitrittsdatum; Frequenz des Uploads; Anzahl der Video-Aufrufe; Anzahl der Freunde; Anzahl der Abonnenten; Kanalaufrufe; Upload-Aufrufe; Web-2.0-Verknüpfung zu anderen Profilen vorhanden; Kommentare (Zahl und inhaltlich); Nutzung der Videos für Medienarbeit; Embedding; Sprache; Inhalt der Videos.

Flickr
Profil (Beschreibung, Profilbild, Vanity URL, Verlinkung zu anderen Social-Media-Profilen); Beitritt; Empfehlungen; Anzahl Alben; Anzahl Fotos; Anzahl Fotos in einem Album; Wie oft werden Alben angesehen; Wie oft werden einzelne Fotos angesehen; letzter Upload; Wird der Inhalt der Alben beschrieben und verlinkt; Bildtitel; Bildbeschreibung; Art der Fotos; Gibt es Kommentare; Werden Tags verwendet; Werden Fotos favorisiert; Häufigkeit der Einstellung; Weiterverwendung der Bilder möglich; Gibt es Aktionen zur Einbindung der Freunde.

Blog
Besteht seit; Über das Blog (Sinn/Zweck); eigene URL; Optik/Übersichtlichkeit; Tags; Kategorien; Wie häufig werden Blogbeiträge online gestellt; Worüber wird berichtet; wer schreibt/ist AutorIn bekannt; Kommentare; Verknüpft mit andere Social-Media-Profilen; Link auf Homepage; Blogroll; Sprache.

MySpace/StudiVz
Profil (Hintergrundbild, Biografie/Vorstellung der Einrichtung, URL); Anzahl Freunde; Häufigkeit der Postings, Wann war das letzte Posting; Art der Postings; Gibt es Kommentare; Verknüpfung mit anderen Social-Media-2.0-Profilen, Sprache.

Facebook
Profil (Profilbild, Biografie/Vorstellung der Einrichtung, Links) Einbindung Fotos; Einbindung Videos; Gibt es „Lieblingsseiten”; Häufigkeit der Postings; Art der Postings; durchschnittliche Anzahl „Gefällt mir”; durchschnittliche Anzahl der Kommentare; Reagieren seitens Fanseiten-Admin; Einbeziehung der Fans/Events für Fans; Verknüpfung mit anderen Social-Media-Profilen; Anzahl Fans; Vanity-URL; Sonstiges (was positiv wie negativ aufgefallen ist); Sprache.

Twitter
Profil (Hintergrundbild, Avatar, Beschreibung, Links); Anzahl der Follower; Anzahl Following; Twitterer bekannt; Wie oft gelistet; Anzahl Tweets insgesamt; Wann war der letzte Tweet; Anzahl Tweets/Tag; durchschnittliche Anzahl Tweets/Woche; Inhalt der Tweets; Werden Retweets und @-Replies gemacht, wenn ja, welche Inhalte; wie sieht die Interaktion aus; Benutzung von Hashtags; Sprache.

Die Auswertung der jeweiligen Profile finden sich verallgemeinert in den jeweiligen Blogposts.

Teil 1 - Einleitung
Teil 2 - Allgemeine Beobachtungen
Teil 3 - Beliebteste Kanäle
Interview: Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf
Teil 4 - Potential von Videoportalen nicht ausgeschöpft
Teil 5 - Flickr ganz unten auf der Beliebtheitsskala
Interview: Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Teil 6:  Es wird selten gebloggt
Interview: Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Interview: Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Teil 7: Facebook ist der beliebteste Kanal
Interview: Max Hollein, Städel, Schirn und Liebieghaus
Interview: Prof. Dr. Klaus Schrenk, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Teil 8: Geringe Akzeptanz von MySpace und StudiVZ
Teil 9: Jede Woche ein Tweet

stARTconference und mein persönlicher stART.10-Stundenplan

Montag, August 2nd, 2010

Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr (ich hatte mehrfach darüber berichtet; etwa hier und hier) findet in Bälde die zweite stARTconference - die stART.10 - am 9. und 10. September in Duisburg statt.

Nachdem im vergangenen Jahr die Social-Media-Grundlagen gelegt wurden, befasst sich die stART.10 schwerpunktmäßig mit den Themen „Mobile Web” und „Geschäftsmodelle im Internet.
stART10-Stundenplan

An zwei Tagen werde ich die Qual der Wahl haben, denn ich „muss” mich entscheiden, an welchen der 50 Vorträge, Workshops, Best-Practice-Präsentationen und Podiumsdiskussionen ich teilnehmen werde. Die Referentenliste ins erneut international besetzt. Die RednerInnen kommen sowohl aus dem Bereich Kultur als auch Social Media.

Als begeisterte foursquare-Userin und Gelegenheits-Geocacher freu ich mich ganz besonders auf den Vortrag von Norbert Hayduk zu Ortsbasierten sozialen Netzwerken und deren Nutzen für Kultureinrichtungen.

Auf meinem ganz persönlichen Stundenplan für die zwei Tage stehen außerdem:

  • Julia Schromm/Johannes Völlenklee, Mobiles Web und Tagging mit Zooners
  • Marc van Bree, A Framework for Social Media Strategy
  • Hannes Jähnert, Micro-Volunteering
  • Mike Ellis, Mobile culture - the next frontier
  • Holger Simon, Mediennutzung über das mobile Web als Chance für die Kunst und Kulturvermittlung
  • Dr. Kerstin Hoffmann, Was kostet das? Was bringt das ein? Budgets und ROI, Monitoring und Kennzahlen im Social Web
  • Markus Kucborski, Warum das mobile Internet Social Media verändern wird
  • Shelley Bernstein, Building an Online Community at the Brooklyn Museum
  • Mirko Lange, Social Media - zurück in die Zukunft.

Und dann werden ich natürlich noch an der Session „Kultur und Web 2.0 im Blick der Wissenschaft: Erkenntnisse aus aktuellen Studien” teilnehmen. Denn da werde ich meine Studie Museen und Orchester im Social Web kurz vorstellen und gemeinsam mit Julian Stolte sowie Bettina Minder und Axel Vogelsang, die ebenfalls Studien durchgeführt haben, diskutieren. Moderiert wird die Podiumsdiskussion vom Co-Organisator der stART10 Christian Holst.

Aber damit noch nicht genug: Bereits am 8. September findet eine Pre-Conference statt, die den Titel stARTmuseum10 trägt und sich ausschließlich an Museen richtet.

Es werden spannende Tage in Duisburg! - Ich freu mich drauf!

Also wer noch kein Ticket hat - hier im Amiando-Ticketshop der stARTconference könnt Ihr/können Sie ein Ticket erwerben. Mit dem Code ulrikeschmid gibt es 20 % Ermäßigung. Gültig auch bei Gruppentickets.

PS In den nächsten Tagen werde ich auf diesem Blog ein Ticket zur stART.10  an eine VertreterIn einer Kultureinrichtung verlosen.

Wir plädieren im Ganzen für einen Blickwechsel ¦ Interview mit Johannes Reiss, Österreichisches Jüdisches Museum

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Mit dem Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt und seinem Direktor Johannes Reiss verbindet mich eine besondere virtuelle Freundschaft. Einerseits ist er sehr rege, kommunikativ und mischt sich in die Diskussion ein, andrerseits war er jüngst Gesprächspartner bei einem von mir mitorganisierten KAtalk der Kronberg Academy und hat mir vergangene Woche ganz spontan seine Einschätzung für einen Blogpost gegeben. Also gleich mehrere Gründe, um ihn nach den Social-Media-Aktivitäten zu befragen.

Ulrike Schmid: Was war Ihre Motivation, sich ins Social Web zu begeben?Johannes Reiss, Direktor des Österreichischen Jüdischen Museums
Johannes Reiss:
Es bedurfte keiner eigenen Motivation: Web 2.0, Social Web usw. ist für uns so selbstverständlich wie täglich das Museum aufzusperren. Dass es doch länger gedauert hat, bis wir tatsächlich begannen, hing mit der sehr sorgfältigen Planung und Konzepterstellung zusammen.

U. S.: Seit wann ist das Österreichische Jüdische Museum im Social Web?
J. R.:
Seit 18. August 2009. Wir feiern also in wenigen Tagen unseren 1. Geburtstag. ;)

U. S.: Wie sind Sie vorgegangen?
J. R.:
Gestartet sind wir mit unserem Blog, Twitter und Delicious, seit Jänner 2010 sind wir auch auf Facebook, seit April 2010 außerdem auf YouTube. Das Blog war und ist in vielerlei Hinsicht das Herzstück unserer Online-Aktivitäten.

U. S.: Kam der Anstoß von innen oder wurden Sie extern von einer Agentur/einer Social-Media-Beratung unterstützt?
J. R.:
Wir haben das Glück, die Agentur und Social-Media-Beratung quasi (nämlich: selbstverständlich unbezahlt) im eigenen Haus zu haben – gemeint ist: Meinereiner hat eine kleine Agentur und damit war es schon 2005 möglich, zu den Preisträgern des Wettbewerbs um die begehrte BIENE zu gehören. http://ojm.at/biene

U. S.: Viele Kultureinrichtungen klagen, dass mangelnde Zeit und fehlende Finanzen der Grund dafür seien, weshalb Sie zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von Social Media geht. Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
J. R.:
Das ist ein Thema, das nicht in wenigen Sätzen abzuhandeln ist. Daher nur sehr grob:
Wasser auf die Mühlen unseres Hauses, denn wir sind gerade mal zwei vollbeschäftigte MitarbeiterInnen (mich eingeschlossen) und insgesamt maximal 5. Aber wenn die Onlineaktivitäten nicht als „neumodisches“ Beiwerk betrachtet werden, sondern fest in den Arbeitsablauf integriert sind, ist eine solide Web 2.0- und Social-Media-Aktivität weniger eine Frage fehlender Finanzen oder mangelnder Zeit, sondern definitiv eine Frage der Motivation aller MitarbeiterInnen sowie des Gesamt-Arbeits- und Zeitmanagements.

U. S.: Wie wird Ihr Blog Koschere Melange angenommen?
J. R.:
Es fehlten (und fehlen weitgehend noch immer) Vergleichsparameter, also andere jüdische Museen und deren Erfahrungen; wir waren im deutschsprachigen Raum die ersten, die als jüdisches Museum diesen Schritt wagten.
Wir evaluieren Statistiken keineswegs täglich, unter’m Strich muss der Trend stimmen. Und dass dieser Trend stimmt, zeigen 210 Blogposts und 745 Kommentare im Blog, knapp 2000 Facebook-Fans und rund 1000 Twitter-Follower (Stand nach genau 11 Monaten, 21.7.10).

U. S.: Manche Kultureinrichtungen haben Angst vor sehr kritischen Kommentaren. Wie lösen Sie das?
J. R.:
Wenn ich Angst vor kritischen Kommentaren habe, muss ich im Schneckenhäuschen bleiben und hoffen, dass mich niemand sieht und liest. Ich weiß um diese Angst mancher Einrichtungen, kann sie aber nicht nachvollziehen. Wie soll ein fruchtbarer Dialog, wie soll Kommunikation möglich sein, wenn ich mich davor fürchte, dass jemand nicht meiner Meinung ist?

Etwas anderes sind bei uns insbesondere mögliche antijüdische und/oder antisemitische Kommentare. Das lösen wir zum einen technisch, indem wir den jeweils ersten Kommentar eines Users freischalten, und zum anderen manuell, indem wir nahezu 24 Stunden täglich die Kommentare observieren.

U. S.: Gibt es bei Ihnen eine Social-Media-Guideline?
J. R.:
Selbstverständlich gibt es diese und sie bietet, trotz aller Akribie, noch ausreichend kreativen Spielraum. So gilt etwa: Das Weblog ist jener Ort, der sich am ehesten unmittelbar auf die Arbeit unseres Museums und die Region bezieht, und das in Gestalt von nicht zu kurzen und fundiert recherchierten Artikeln; Facebook verwenden wir tendenziell wie andere Schnipselblogs („Posterous“); und Twitter ist für uns am ehesten ein „Jüdische News“-Verteiler.

Grundsätzlich aber gilt für alle Kanäle: Ziel ist nicht, ausschließlich oder auch nur vorrangig die hauseigenen Veranstaltungen zu promoten, denn dafür bräuchten wir bekanntlich nicht verschiedene Kanäle, sondern Ziel ist der breit angelegte Dialog mit Lesern, Fans und Followern.

U. S.: Sie sind ein sehr kommunikatives Museum, das den Dialog mit den Fans und Followern sucht. Wie gehen Sie dabei vor? Welche Unterschiede gibt es in der Konversation innerhalb der verschiedenen Kanäle?
J. R.:
Siehe die voranstehende Antwort.

Im Rückblick würden wir allerdings die Facebook-Aktivitäten vorziehen bzw. von Anfang an einbinden, denn es zeigt sich deutlich, dass wir über Facebook wesentlich mehr (potentiell) interessierte Menschen aus der Region erreichen (die weit stärker eben auf Facebook als z.B. auf Twitter vertreten sind); auf Twitter wiederum pflegen wir stärker internationale Kontakte.

Dazu noch eine Bemerkung: Es ist keineswegs so, wie manchmal angenommen wird, dass vornehmlich junges Publikum unsere Hauptadressaten sind. Und auch die Statistiken belegen ganz eindeutig, dass sich jüngere und ältere User die Waage halten, dass aber insbesondere unter den Aktiven die Mehrzahl nicht in die Alterskategorie <25 fallen.

U. S.: Stichwort Content Syndication. Inwieweit findet eine Verknüpfung von klassischer PR und Social Media statt?
J. R.:
Natürlich ergänzen die Web 2.0- und Social-Media-Aktivitäten auch die klassische (v.a. Print-)PR des Museums – z. B. wird auf Veranstaltungen, zusätzlich zu konventionellen Kanälen (Plakat, Flyer etc.), auch im Blog, auf Facebook und Twitter hingewiesen und auf deren Ressourcen zugegriffen, z. B. die Möglichkeit zur interaktiven Anmeldung zu Veranstaltungen auf Facebook.

Auch hier gilt aber klar: Primäres Ziel der Aktivitäten ist nicht Eigen- bzw. Veranstaltungswerbung, sondern die Vorstellung der eigenen Arbeit und der Dialog mit allen Interessierten.

U. S.: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten?
J. R.:
Nochmals zusammenfassend:

a) die Online-Umsetzung unserer ureigensten Aufgabe, nämlich: über das Judentum (sprich: nicht nur über unser Museum) zu informieren
b) die Arbeit unseres Museums vorzustellen
c) die Chance einer sehr breiten Kommunikation und eines sehr breiten Diskurses über a. und b. wahrzunehmen

U. S.: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen?
J. R.:
Jedenfalls nicht durch tägliche Statistikevaluationen. ;) Vielmehr gilt: Wenn unser Kommunikationsangebot angenommen wird (Kommentare, „Like it’s“, Retweets etc.), ist die Maßnahme erfolgreich – und wir sind glücklich.;)

U. S.: Wird es Neuerungen/Weiterentwicklungen geben?
J. R.:
Piano, piano … Natürlich wollen wir unser Angebot weiterentwickeln, aber ohne Schnellschüsse. Schließlich nehmen wir für unser Haus in Anspruch, als einziges jüdisches Museum weltweit 24/7 „geöffnet“ zu haben – und mehr als 24 Stunden hat der Tag nun mal nicht. ;-)

U. S.: Was tun Sie, um die Freunde aus dem Social Web ins Museum zu bekommen?
J. R.:
Zunächst: Darum geht es gar nicht primär, wenngleich es sicher ein schöner und anstrebenswerter Nebeneffekt ist – aber wir plädieren im Ganzen für einen Blickwechsel: Die Freunde, insbesondere die aktiven, aus dem Social Web sind ja – virtuelle – MuseumsbesucherInnen!

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden wollen?
J. R.:
Zuhören, lesen, reden, antworten, mehr Mut … ich wiederhole mich: Kommunikation ist keine Einbahnstraße!

Vielen Dank für die interessanten Einblicke.

Bisher erschienene Interviews:

Prof. Dr. Klaus Schrenk, Generaldirektor Bayerische Staatsgemäldesamlungen, München
Max Hollein, Städel Museum, Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf