Kontakte entstehen nicht durch statische Webseiten
Donnerstag, Juli 22nd, 2010
Im Rahmen meiner Studie hatte ich nicht nur nachgesehen, ob die Social-Media-Profile untereinander verknüpft sind, sondern auch inwieweit auf der Internetseite oder in Newslettern auf die Profile hingewiesen wird.
Ist schon die Vernetzung der einzelnen Online-Profile untereinander ausbaufähig (siehe entsprechend Blogposts etwa hier und hier), ist es bei der Einbindung der Icons in die Internetseite und Newsletter - gar nicht zu sprechen von den Printprodukten - erst recht ausbaufähig.
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute Nachricht - die Zahl derer, die ihre Profile auf den Homepages angeben nimmt zu. Waren es im Februar lediglich rund 31 % der Museen und 43 % der Orchester, die auf ihrer Homepage auf ihre Social-Media-Profile hingewiesen haben, sind es jetzt im Juli schon 47 % der Museen respektive 67 % der Orchester. Inwieweit die Profile auch in Newslettern angekündigt werden, kann ich nicht beurteilen, da ich nur von den wenigsten Newsletter abonniert habe. Ich vermute, dass die Tendenz hier ähnlich aussieht, wie bei der Einbindung auf der Homepage.
Dennoch: Der Verweis auf die Social-Media-Profile bei Printprodukten (Flyer, Anzeigen, Broschuren etc.) geht hingegen gegen Null. Ich bin mir nicht sicher, ob einfach keiner an die Verlinkung gedacht hat oder ob schlichtweg die Parallelwelten - hier klassisches Marketing, dort neue Medien - aufrechterhalten werden sollen. Möglicherweise liegt ja auch die Annahme zugrunde, dass Newsletter-Abonnenten oder Homepage-Besucher sich eh nicht für die neuen Medien interessieren und man sie auch nicht überfordern will. Vergessen wird dabei, dass man natürlich einerseits dadurch Interesse und Neugierde an Social Media weckt und dass sich gerade unter den Facebook-Nutzern immer mehr ältere Menschen befinden.
Außerdem ist eine vertane Chance, aus den Abonnenten oder Homepage-Besuchern Fürsprecher zu machen, indem eine Institution als Dialogpartner auftritt und wertvolles Feedback erhält. Und nicht zu vergessen: „Fans wissen mehr” (so der Slogan des Museums für Bildende Künste Leipzig) und sie multiplizieren dieses Wissen sogar im Netz.
Eine der wenigen Institutionen, für die die Verknüpfung aller Kommunikationsinstrumente selbstverständlich ist, ist das Österreichische Jüdische Museum in Eisenstadt. Der Direktor Johannes Reiss begründet dies folgendermaßen:
„Das hat zum einen sehr pragmatische Gründe: Wenn BesucherInnen unser Museum besuchen und sich diese Flyer, Prospekte etc. mitnehmen, haben sie so die Chance, mit uns in Kontakt zu bleiben, auch wenn sie wieder zu Hause sind, evtl. die eine oder andere Frage zu stellen, aber auch - umgekehrt - uns etwa Hilfe in Spezialfragen zu geben. Es gibt kaum Befriedigenderes, als wenn aus einem (kurzen) Museumsbesuch ein nachhaltiger Kontakt entsteht! Und diese Kontakte können nicht durch statische Webseiten entstehen und wachsen.
Oder mit anderen Worten: Web und insbesondere Web 2.0 und Social-Media-Dienste waren und sind für uns keine zusätzlichen Angebote im Sinne eines Angebots mit anderer qualitativer Gewichtung, sondern sowohl das physische Museum (in Eisenstadt, mit Ausstellung und Synagoge) als auch unsere Onlineangebote sind substantieller Teil der musealen Gesamtidentität.”
Wäre wünschenswert, wenn in naher Zukunft viele Kultureinrichtungen diesem Beispiel folgen würden.




