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Kulturbetriebe und Web 2.0 – Teil 2 ¦ Der Einrichtung ein Gesicht geben

Montag, Oktober 19th, 2009

Der Einrichtung ein Gesicht geben ist eines der Schlagworte, die im Zusammenhang mit Web 2.0 zu hören sind. Ganz wörtlich genommen meine ich damit: Bei wie vielen Kultureinrichtungen, die twittern oder auch eine Facebook-Fanseite haben, wissen Sie tatsächlich mit wem Sie sich austauschen?

Das führt dann zwangsläufig zu der Frage: Soll eine Kultureinrichtung als solche (und dann eher anonym) oder besser eine Person twittern? Eine allgemeingültige Antwort dürfte es wohl kaum geben.

Ich gehöre zu denjenigen, die gerne wissen, mit wem sie sich austauschen. Dabei stört es mich auch keineswegs, wenn dass Profilfoto dem Logo der Kultureinrichtung entspricht und die Einrichtung als solche twittert. Dennoch möchte ich gerne wissen, welche Person und welches Gesicht hinter den Tweets steckt. Ein Hinweis in der Profilbeschreibung wäre der erste Schritt. Noch besser fände ich es, wenn die Personen sich „auch mal zeigt”, sei es mittels eines über Twitpic hochgeladenen Fotos oder im Hintergrundbild. Füllen mehrere Mitarbeiter den Twitter-Channel mit Inhalten können alle Beiträge mit Kürzeln versehen werden, die in der Profilbeschreibung aufgeschlüsselt sind. Auch eine denkbare Variante.

Eine Alternative wäre natürlich auch, auf einen personenbezogenen Kanal zu setzen. Dass eine Kultureinrichtung diese Variante nur in den seltensten Fällen wählt, kann ich gut nachvollziehen. Die Gefahr, dass bei einem Jobwechsel möglicherweise die Follower gleich mitwechseln oder dass die neue Verantwortliche mühsam die Kontakte aufbauen muss ist groß.

Für welche Variante sich eine Kultureinrichtung auch entscheidet, wichtig finde ich, dass eine Person erkennbar ist, um einen Bindung herzustellen, die Lust auf Dialog macht und der Kultureinrichtung ein Gesicht gibt.

Wie sehen Sie das? Stört es Sie, wenn Sie nicht wissen, mit  wem Sie es zu tun haben?

Kulturbetriebe und Web 2.0 ¦ Teil 1: Informieren Sie noch oder kommunizieren Sie bereits?

Donnerstag, Oktober 15th, 2009

Immer mehr deutsche Kultureinrichtungen nutzen Social Media für ihre Kommunikation. Die Twitter-Accounts haben explosionsartig zugenommen, keine größere Kultureinrichtung kommt mehr ohne einen aus. Ebenso verhält es sich mit einer eigenen Fanseite oder Gruppen bei Facebook. Auch Accounts bei Flickr und You Tube sind fast selbstverständlich geworden. Soweit so gut. Dies alles ist ja sehr erfreulich und zeigt, dass viele Kultureinrichtungen die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Bei all dem Hype den Social Media zurzeit bei Kultureinrichtungen erfahren, sind mir  einige Aspekte aufgefallen, die so gar nicht Web 2.0-mäßig anmuten. Ursprünglich wollte ich nur auf den mangelnden Dialog eingehen Doch beim Schreiben dieses Beitrags sind mir noch einige weitere Punkte gekommen, sodass es jetzt eine kleine Serie geben wird. Auf den elementarsten und offensichtlichsten komme ich heute zu sprechen: Dialog/Interaktion

Mittlerweile nutzt jede größerer Kultureinrichtung, die etwas auf sich hält und am Puls der Zeit sein will Social Media. Von wenigen Ausnahmen abgesehen dient ihnen Twitter und auch Facebook nur dazu, Veranstaltungen anzukündigen. Ein Austausch findet so gut wie gar nicht statt. Die neuen Medien werden genutzt um in den althergebrachten Strukturen zu arbeiten, also reine Informationen (Veranstaltungshinweise) zu geben. Die Weitergabe von Wissen geschweige denn, dass auch mal zugehört wird und Wünsche aus der Online Community angenommen werden, findet nicht statt. Diese reinen Ankündigungen machen es anders herum auch den Followern schwer, zu reagieren. Was soll ich zu einem Konzerthinweis schon groß antworten?

Als einfachste und auch unterste Stufe einer Interaktion - will man eine Skala für Interaktion festlegen - zähle ich einen Retweet. Eine Kultureinrichtung würde bei mir damit schon punkten, weil sie mir damit zeigt, dass sie auch Themen, die nicht nur sie angeht, empfiehlt. Diese Erfahrung habe ich bisher allerdings nur mit englischen oder amerikanischen Einrichtungen gemacht.

Ich frage mich: Liegt es nur am Zeitmangel, ist es Desinteresse oder ist in den Köpfen der Verantwortlichen einfach noch angekommen, dass das Schlagwort „Dialog” mehr ist als ein Schlagwort - nämlich zuhören und sich in Diskussionen einzubringen. Bin ich nur wieder einmal zu ungeduldig und die Kulturinstitutionen benötigen einfach noch mehr Zeit?

Meine These ist ja, dass die die Social-Media-Aktivitäten von der PR-Abteilung gemacht werden - und das sicherlich auch zu Recht. Ich glaube nur, dass die wenigsten loslassen können und eher Sorge haben, sie könnten die Kontrolle verlieren. Die Gefahr „etwas Falsches” zu twittern ist natürlich bei Tweets, die nicht auf eine Veranstaltung verweisen viel größer.

Christian Henner-Fehr hat in seinem Blogbeitrag “Web 2.0 ist auch eine Frage der Haltung” kürzlich empfohlen, die Kultureinrichtungen sollten beginnen zu moderieren.

„Versuchen Sie doch mal, sich nicht nur als Sprachrohr Ihrer Kultureinrichtung zu verstehen, sondern schlüpfen Sie mal ganz bewusst in die Rolle eines Moderators, wenn Sie das nächste Mal twittern oder Ihre Facebook-Seite bzw. Ihr Blog mit Inhalten füllen.”

Und weiter

„Aus dem Ansatz „ich möchte meine Info loswerden” wird z. B. plötzlich „ich bin gespannt, worüber wir heute twittern werden”.

Eine schöne Vorstellung, die allerdings auch bedeutet, dass der/die Verantwortliche den ganzen Tag über die Twitterstreams der Follower verfolgt - und ich habe meine Zweifel, dass dem so ist.

Städelmuseum trifft Web 2.0

Donnerstag, Oktober 2nd, 2008

Heute bekam ich den Newsletter des Städelmuseums  mit der Überschrift “Museum trifft Web 2.0″ Wow, dachte ich, endlich auch ein Frankfurter Kunstmuseum, dass sich den neuen Medien öffnet.

Und in der Tat wurde ein kompletter Relaunch, der schon bis dato gut gestalteten Seite vorgenommen. Eine klare Struktur, Unterteilungen in Informationen zum Museum selbst, zur Sammlung und zu Ausstellung. Desweiteren gibt es nun auch Terminkalender, Glossar, Tagcloud, Audio- und Videodateien sowie Bookmarks und über 300 Werk, die online gestellt wurden. So weit so gut.

Etwas enttäuscht war ich allerdings dahingehend, dass noch kein Blog eingebunden wurde. Dafür gibt es eine “Mein Städel”-Community. Diese Idee finde ich an für sich richtig gut. Stutzig wurde ich allerdings bei der Anmeldung, als ich aufgefordert wurde, einen Alias anzugeben. Alle Mitglieder sind also quasi anonym. Mir erschließt sich der Grund dafür nicht. Wenn ich mich zum Städel bekennen, ist das doch absolut nichts Negatives, dafür muss ich doch kein Alias wählen. Ich finde das befremdlich. Ist es nicht viel schöner, auch ein Gesicht und einen Namen zu einem Mitglied zu haben und ihn/sie so auch im wirklichen Museum anzutreffen? Lebt ein öffentliches soziales Netzwerk wie Facebook oder Xing davon, dass sich die Mitglieder präsentieren, was von sich preisgeben, ist hier alles anonym. Wie soll da ein richtiges Gemeinschaftsgefühl und eine wirkliche Bindung zum Museum entstehen? Auch gibt es nicht viele Möglichkeiten, sich mit den anderen Mitgliedern auszutauschen - vielleicht kommt das ja noch. Bis dato kann ich lediglich meine Lieblingswerke auswählen und kommentieren, einen Terminkalender dort anlegen (warum sollte ich das dort tun?) und eine Bildergalerie erstellen.

Schade finde ich auch, dass ich keinen Kommentar zur neuen Internetseite abgeben kann. Das wäre doch gelebtes Web 2.0 …