Verdammt zur Brotlosigkeit? Künstler und Social Media

Unter dem Titel Net Powered Artist - brotlose Kunst im Internet? hat VioWorld eine Blogparade initiiert. Es soll der Frage nachgegangen werden,

„wie Künstler (Musiker, Bildende Künstler, Autoren, etc…) das Internet für Ihre Präsentation und Vermarktung nutzen können. Im Raum steht die provokante Behauptung, dass Kunst im Netz zwar neue und spannende Erscheinungsformen - wie z.B. den Mashup - hervorbringt, aber letztenendes zur “Brotlosigkeit” verdammt ist. [...]“

Heimliches Ziel der Blogparade sei es, diese These anhand aktueller Beispiele zu widerlegen.

Ich finde gar nicht, dass die neuen Kommunikationsformen für die Künstler zur Brotlosigkeit verdammt sein müssen. Die Frage ist nur, was sie damit erreichen wollen. Der Vorteil für die Künstler liegt in erster Linie darin, Aufmerksamkeit zu generieren. Dass sich erhöhte Aufmerksamkeit langfristig gesehen auch in bare Münze auszahlt, davon bin ich überzeugt. Ich denke nicht, dass Künstler durch ihre Social-Media-Aktivitäten ihre Kunst verkaufen können, sondern dass der Dialog mit den “Onlinern” dazu führt, dass ihre Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführung etc. besucht werden. Denn damit Kunst gekauft wird, bedarf es haptischer, visueller oder auditiver Eindrücke - bei mir zumindest. Musik oder Kunst kaufe ich nicht ohne es vorab erlebt zu haben. Wenn durch die Social Media Aktivitäten mehr Leute in eine Veranstaltung kommen, haben sich die Aktivitäten doch schon gelohnt. Denn wenn Konzerte, Ausstellungen etc. immer gut besucht sind, werden auch andere Veranstalter auf die Künstler aufmerksam und werden ihnen Auftrittsmöglichkeiten geben und ein Engagement ist immer bare Münze - es muss ja nicht immer gleich der CD-Verkauf sein.

Schwierigkeiten sehe ich eher in der Umsetzung der Social-Media-Aktivitäten. Für Kultureinrichtungen wie die auf VioWorld genannten Beispiele Duisburger Philharmoniker oder die Kronberg Academy ist es einfacher zu bewerkstelligen als für einen Künstler - zumal wenn sie sich noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Kultureinrichtungen haben in der Regel eine Marketing- und PR-Abteilung die diese Aufgabe übernehmen. Künstler, die den großen Durchbruch bereits geschafft haben, können ebenfalls auf ihr Management zurückgreifen. Ein Daniel Hope lässt seine Facebook-Fan-Seite sicherlich vom Management betreuen und Hilary Hahn lässt ihr Management in Form ihres Geigenkoffers twittern - zugegebenermaßen eine sehr charmante Idee, auch wenn sie selbst keinem Menschen folgt. Junge Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen müssen diese Aufgabe selbst übernehmen und da fehlt ihnen meist die Zeit.

Wenn ich junge Musiker auf twittern und bloggen anspreche, bekomme ich häufig zur Antwort, sie würden lieber üben statt zu twittern. Wohingegen Konzerthinweisen auf Facebook - sozusagen im privaten Raum - häufig vorzufinden sind. Nur von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind sie auch immer offen, einen Beitrag fürs Blog der Kronberg Academy zu schreiben, sich interviewen zu lassen oder beim KAtalk teilzunehmen. Nur für sich selbst sehen sie diese Notwendigkeit (noch) nicht.

Auch wenn junge Musiker sich erst ganz langsam an das Thema heranwagen, sehe großes Potential. Betrachtet man die Zunahme an Twitter-Accounts und Facebook-Fan-Seiten von Künstlern und Kultureinrichtungen in den vergangenen Monaten, so sehe ich meine These bestätigt.

Tags: , ,

4 Responses to “Verdammt zur Brotlosigkeit? Künstler und Social Media”

  1. Tweets that mention Kultur 2.0 » Blog Archive » Verdammt zur Brotlosigkeit? Künstler und Social Media -- Topsy.com Says:

    [...] This post was mentioned on Twitter by Ulrike Schmid and Schröter. Schröter said: Verdammt zur Brotlosigkeit? Künstler und Social Media. http://cli.gs/yJEVjJ [...]

  2. Verdammt zur Brotlosigkeit? Künstler und Social Media « ARTPress 01 Says:

    [...] Verdammt zur Brotlosigkeit? Künstler und Social Media Verdammt zur Brotlosigkeit? Künstler und Social Media [...]

  3. vioworld Says:

    Ich denke auch, dass Facebook, Twitter und co. hervorragende Multiplikatoren sein können. Ein Geiger, der hauptsächlich das klassische Repertoire rauf und runter spielt, hat es aber schwerer, auf sich aufmerksam zu machen, als beispielsweise eine Band, die auf YouTube ein originelles Video veröffentlicht. Gerade bei Twitter sollte man sichgut überlegen, warum und für wen man eigentlich twittert.
    Anonsten halte ich es mit Nigel Kennedys Motto “Spielen ist alles”.

  4. Ulrike Schmid Says:

    @Hagen Stimmt, das ist aber das Los jeden Musikers, der sich der E-Musik verschrieben hat. Mithilfe von Youtube, Twitter etc. steigen allerdings die Chancen, den Bekanntheitsgrad zu steigern.

Leave a Reply